Profilbild von Eliza

Eliza

Lesejury Star
offline

Eliza ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Eliza über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2025

Ein leiser Roman über drei Menschen in unterschiedlichen Lebensabschnitten

Flusslinien
0

Ein leiser Roman über drei Menschen, die sich in unterschiedlichen Lebensabschnitten befinden und die dennoch vieles gemeinsam haben.

Der Roman “Flusslinien” von Katharina Hagena umfasst lediglich 12 ...

Ein leiser Roman über drei Menschen, die sich in unterschiedlichen Lebensabschnitten befinden und die dennoch vieles gemeinsam haben.

Der Roman “Flusslinien” von Katharina Hagena umfasst lediglich 12 Tage und erzählt intensiv die Situation von Margit, Luzie und Arthur. Das Erzähltempo ist sehr langsam und die Figuren lassen uns teilhaben an ihren Gedanken und Gefühlen. Es geht um existenzielle Fragen des Lebens und Liebens.

Schauplatz ist Hamburg, eine Seniorenresidenz am Elbufer. Margit lässt sich jeden Tag von Arthur in den römischen Garten fahren, dort hängt sie ihren Gedanken nach. Sie denkt sehr viel über die Geliebte ihrer Mutter nach, die den Garten entworfen hat. Sie denkt weniger an ihren Sohn und den Vater ihres Kindes. Wichtig ist für sie ihre Enkelin Luzie, die gerade die Schule geschmissen hat. Sie will erfahren, was ihre Enkelin quält, doch diese ist noch nicht bereit mit ihrer Großmutter darüber zu reden, was sie belastet. Arthur läuft ebenfalls vor der Vergangenheit weg, was ihn beschäftigt wird erst sehr spät deutlich.

Ein Roman, der von dem Allein-Sein erzählt; ein Roman, der von Verlusten und schmerzhaften Erinnerungen handelt und von seinen Lesern einiges abverlangt. Der poetisch, melancholische Schreibstil kommt zwar mit feinem Humor daher, dennoch macht er sehr nachdenklich und traurig. Zudem hat die Geschichte leider einige Längen, manches hätte man meiner Meinung nach nicht so ausführlich erzählen müssen. Nicht alle Informationen sind für den Ausgang des Romans zwingend erforderlich und nur einige erwähnte Figuren wie Luzies Mutter bleiben sehr blass. Die verschiedenen Erzählperspektiven ermöglichen es eine Beziehung zu Margit, Luzie und Arthur aufzubauen. Aber gerade Margit hat es mir nicht leicht gemacht, ihre ausschweifenden Gedanken haben manchmal auch Zeitsprünge, sodass ich teilweise Mühe hatte ihr zu folgen. Aus diesem Grund habe ich auch lange für das Buch gebraucht, weil es mir meine ganze Konzentration abverlangte und dies für mich keine Abendlektüre nach einem anstrengenden Arbeitstag war. Ein Roman für alle, die gerne leise Romane mögen und die sich nicht davor scheuen sich intensiv mit den Gedanken von Figuren auseinanderzusetzen. Zudem hat der Roman einige Weisheiten für uns parat, besonders schön fand ich den Satz: “Reue ist etwas Schreckliches. Versuche, möglichst so zu leben, dass du nicht allzu viel bereust.” (Seite 258)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.01.2025

Eine literarische Reise durch das Mittelalter

Helden
0

Eine literarische Reise durch das Mittelalter mit vielen interessanten Erkenntnissen eingebettet in eine Story die mich aber nicht überzeugen konnte. In der Geschichte, die im Jahr 1263 beginnt und nach ...

Eine literarische Reise durch das Mittelalter mit vielen interessanten Erkenntnissen eingebettet in eine Story die mich aber nicht überzeugen konnte. In der Geschichte, die im Jahr 1263 beginnt und nach einer Katastrophe auf hoher See einen Zeitsprung drei Jahre zuvor macht. Dort geht es um den jungen Jacob, genannt der Fuchs, der versucht sich von seiner dunklen Vergangenheit zu befreien. Er beginnt eine Kaufmannslehre und erlebt zusammen mit seinen Mitstreitern eine Reise durch das wilde, aber nicht so rückständige Mittelalter. Gut haben mir die Beschreibungen der Verhältnisse und der gesellschaftlichen Meinungen der damaligen Zeit gefallen.

Der Autor hat es geschafft eine bildgewaltige Umgebung zu schaffen. Der Schreibstil ist teilweise sehr imposant und bildhaft und man kann sich als lesende Person sehr gut in die dortige Zeit hineintransportieren. Allerdings waren mir die zahlreichenden ausschweifenden Erzählpassagen zu viel. Da hätte der Autor an einigen Stellen kürzen können. Die einzelnen Charaktere sind gut ausgearbeitet worden, wobei hier auch stereotypische Klischees bedient wurden.

Der Fokus lag unter anderem auf einem modernen Wirtschafts- und Geschäftsgebaren was eher späteren Zeiträumen zugeschlagen wird. Diesen Aspekt fand ich spannend, aber auch manchmal etwas zu überbordend dargestellt. Die Ausflüge in die historischen Ereignisse in Europa wie z.B. in Frankreich oder dem englischen Königshaus fand ich interessant.

Aber leider hatte ich massive Probleme den Roten Faden in der Geschichte zu finden. Einiges war für mich “zusammenhangslos” und ich hatte Schwierigkeiten dem logischen Verlauf der Story zu folgen. Die ist auch mein größter Kritikpunkt. Ich habe diesen Roman mehr als “Reise durch die Ereignisse”, als eine stringent erzählte Geschichte empfunden. Ein schön detailliertes Personenverzeichnis, sowie eine Einschätzung des Autors zu seinen Beweggründen können sorgen jedoch für eine gute transparente Untermalung der Fakten und helfen gewisse Details besser zu verstehen. Mein Fazit ist daher gemischt: Eine Reise durch das Mittelalter, welche wortgewandt erzählt wurde, aber mit einigen Fragezeichen bzgl. des Verständnisses, die bei mir zurückgeblieben sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2025

Solider historischer Roman

Die Tochter der Drachenkrone
0

Ich hatte mich so sehr auf einen neuen historischen Roman von Sabrina Qunaj gefreut. Die Reihe um Nesta (Geraldine-Saga) habe ich geliebt und mit Begeisterung gelesen, umso gespannter war ich auf diesen ...

Ich hatte mich so sehr auf einen neuen historischen Roman von Sabrina Qunaj gefreut. Die Reihe um Nesta (Geraldine-Saga) habe ich geliebt und mit Begeisterung gelesen, umso gespannter war ich auf diesen Roman. Ich freute mich darauf nach Wales zurückzukehren, doch leider gestaltete sich unser Wiedersehen schwierig.

Bereits auf den ersten einhundert Seiten wollte sich der Lesefluss nicht so recht einstellen. Ich kam nicht in den Roman rein. Okay, dachte ich, vielleicht der falsche Zeitpunkt. Nach ein paar Tagen habe ich den Roman dann noch einmal eine Chance gegeben, doch leider konnte mich der Roman auch im zweiten Anlauf nicht packen.

Unerklärlich ist mir zum Beispiel warum mir diesmal die vielen walisischen Namen eher Kopfzerbrechen bescherten, als es bei der Reihe damals der Fall war. Irgendwie war mir alles viel zu ausführlich und die Kapitel einfach zu lang. Erst ab der Mitte des Buches stellte sich bei mir so etwas wie ein Lesefluss ein und ich konnte auch eine Verbindung zu den Charakteren allen voran der Hauptfigur Gwenllian aufbauen.

Themen des Romans sind Streit um das Erbe und die damit verbundene Nachfolge des Vaters, Streitigkeiten innerhalb der Familie, Kriege, Plünderungen sowie Belagerungen, aber auch Gefangennahmen. Ein weiteres enorm wichtiges Thema ist die Rolle der Frau in den oben genannten Aspekten. Frauen wurden über weiter Teile benutzt, um Bündnisse einzugehen bzw. zu stärken. Eine Heirat aus Liebe gab es nicht, es musste klug verheiratet werden und die Frauen wurden zumeist nicht gefragt.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die vielen Zeitsprünge, ich habe somit teilweise das Gefühl gehabt, etwas verpasst zu haben.

Die historische Recherche ist wieder einmal ausgezeichnet, die Autorin verpackt sehr viele historische Fakten in den Roman und zeigt, dass sie eine echte Expertise erworben hat.

Das Cover ist sehr ansprechend gestaltet, ebenso das gesamte Buch, mit Personenregister, Stammbäume und Karte hat der Roman alles, was Fans historischer Roman so sehr lieben.

Ein solider historischer Roman, der mich leider in der ersten Hälfte nicht packen konnte. Somit kann dieses Buch leider für mich nicht an die Vorgänger anknüpfen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.10.2024

Die Glasgeschichte von Murano

Das Geheimnis der Glasmacherin
0

Eine Zeitreise durch das Venedig von gestern bis heute untermalt mit der Kunst des Glashandwerks. Die Reise beginnt im Jahr 1468 und die junge Orsola Rosso muss nach dem Tod ihres Vaters, dem Inhaber einer ...

Eine Zeitreise durch das Venedig von gestern bis heute untermalt mit der Kunst des Glashandwerks. Die Reise beginnt im Jahr 1468 und die junge Orsola Rosso muss nach dem Tod ihres Vaters, dem Inhaber einer familiären Glasmanufaktur auf Murano, mit ihrer Familie versuchen zu überleben. Dabei versucht sie gegen die Meinung ihres großen Bruders Marco sich selbst in das Handwerk einzuarbeiten. Doch das Leben ist in dieser Zeit sehr hart und Orsola wird vor verschiedenste Probleme gestellt. Dabei scheint auf einmal ein Lichtblick, der ihr Hoffnung verleiht. Doch die Probleme werden nicht weniger. Wie wird Orsolas Weg aussehen?

Orsola hat mir als Charakter gut gefallen. Sie ist eine Frau, die trotz der damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse versucht in dem vermeintlichen “Männerberuf” der Glasherstellung Fuß zu fassen. Dabei nimmt sie es auch mit ihrem manchmal herrischen Bruder Marco auf, den ich persönlich nicht so gut leiden konnte. Er wirkte sehr plump und undankbar und ich fragte mich öfters, warum Orsola sich sowas bieten lässt, aber es war wohl in dieser Zeit leider üblich, sich öfters den Älteren unterwürfig zu verhalten. In nahezu jedem Kapitel sind Zeitsprünge über einen größeren Zeitraum zu erkennen. Diesen kann man durchaus folgen, was mir dabei persönlich sehr schwerfiel, war die Tatsache, dass die Figuren in diesem Zeitraum nur sehr langsam gealtert sind. Und so über eine Spanne von über 500 Jahren gelebt haben.

Ich habe es verstanden, was die Autorin damit auszudrücken vermag, da es mehr um die Historie des Glasmachens und der Verwandlung der Orte Murano und Venedig um die Zeit von 1468-2019 geht. Gerade das Handwerk des Glasmachens wird sehr detailliert und auch interessant geschildert. Allerdings fiel es mir öfters sehr schwer dabei die Figuren im Blick zu behalten. Das ist ein Balanceakt wie die Autorin es in ihrem Nachwort auch ausgedrückt hat. Ich hätte mir sehr gerne z.B. eine Lösung über einige Generationen etc. Gewünscht, wobei mir bewusst ist, dass sich die Autorin dann eventuell für wenige Zeiträume in der Geschichte entscheiden hätte müssen.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr schön beschreibend und gut lesbar. Aufgrund der schön erzählten Geschichte bin ich nicht enttäuscht, aber auch nicht richtig begeistert. Das Fazit ist ein schön erzählter Roman, der aufgrund seiner Zeitfülle den Charakteren nicht immer gerecht werden kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2024

Die erste Kinderrechtserklärung

Papierkinder
0

Julia Kröhn hat einen monumentalen Roman über die erste Kinderrechtserklärung geschrieben, mit dem ich mich leider stellenweise etwas schwergetan habe.

Es geht in dem Roman um drei beeindruckende Frauen, ...

Julia Kröhn hat einen monumentalen Roman über die erste Kinderrechtserklärung geschrieben, mit dem ich mich leider stellenweise etwas schwergetan habe.

Es geht in dem Roman um drei beeindruckende Frauen, die sich für die Rechte der Kinder stark gemacht haben. Die Sozialistin Emma Dölz, die Montessori-Lehrerin Clara Grunwald und die Wohltäterin Eglantyne Jebb stehen im Mittelpunkt dieses Romans, denn ihnen ist es zu verdanken, dass 1924 die Genfer Erklärung unterschrieben wurde.

Besonders Clara Grunwald hat mich beeindruckt und ich mochte sie im Laufe des Romans sehr.

Leider habe ich mich etwas schwergetan, zum einem hat mich die Rahmenhandlung (spielt im Jahr 2023) verwirrt, der Prolog und auch der Epilog waren für mich irgendwie überflüssig. Zum anderen ist mir die Zeitspane zu groß, in der der Roman erzählt wird. Der Roman beginnt 1874 und endet 1925, die Gliederung gibt dem Roman zwar eine Struktur und einen Rahmen, dennoch waren mir die Zeitsprünge manchmal ein bisschen viel.

Es geht um die Not der Kleinsten und Schwächsten in unsere Gesellschaft, die Kinder. Sie wachsen in Armut auf und haben ein scheinbar vorbestimmtes Leben vor sich. Es geht aber auch um das Arbeitnehmerrecht, um die Frauenrecht, um den Sozialismus, die SPD, Maria Montessori und die Reformpädagogik, den ersten Weltkrieg und vieles mehr.

Die drei großen Frauen werden durch die fiktionale Geschichte um die Familie Albrecht in einen Kontext gesetzt. Für mich wirkte genau dies, manchmal etwas zu sehr gewollt.

Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt sehr flüssig und gut zu lesen. Ich hatte streckenweise auch sehr viel Spaß mit dem Buch, leider gab es aber auch einige Stellen, die sich etwas gezogen haben.

Ich empfehle jedem dieses Buch, der sich etwas näher mit den Kinderrechten auseinandersetzen möchte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere