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Veröffentlicht am 12.10.2025

Zwischen Melancholie und Hoffnung

Die Tage im Café Torunka
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Schon auf den ersten Seiten von Die Tage im Café Torunka entsteht dieses besondere Gefühl, das man kaum beschreiben, aber sofort wiedererkennen kann, dieselbe stille Magie, die schon Yagisawas Buchhandlung ...

Schon auf den ersten Seiten von Die Tage im Café Torunka entsteht dieses besondere Gefühl, das man kaum beschreiben, aber sofort wiedererkennen kann, dieselbe stille Magie, die schon Yagisawas Buchhandlung Morisaki so unverwechselbar gemacht hat. Kaum betritt man dieses kleine Café in einer Seitenstraße von Tokio, scheint die Welt ein wenig langsamer zu werden. Der Duft von Kaffee, das leise Klirren von Tassen, gedämpfte Gespräche ...Yagisawa erschafft einen Ort, der zugleich real und märchenhaft wirkt.

Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die das Café Torunka bevölkern: der Besitzer, seine Tochter, der zurückhaltende Shuichi und schließlich Chinatsu, die geheimnisvolle Besucherin, die jeden Sonntag eine kleine Balletttänzerin aus Papier hinterlässt. Ihre Begegnungen entfalten sich leise und unaufgeregt, doch in diesen stillen Momenten liegt eine tiefe emotionale Spannung. Yagisawa schreibt über Erinnerungen, Verlust und neue Anfänge, ohne Pathos, aber mit feiner Beobachtungsgabe und großem Mitgefühl.

Was den Roman so besonders macht, ist sein Tempo. Er erzählt keine spektakuläre Geschichte, sondern eine, die sich im Nachklang entfaltet. Die Sprache ist schlicht, aber poetisch; jeder Satz trägt etwas Warmes, beinahe Tröstliches in sich. Yagisawa versteht es, den Zauber des Alltäglichen sichtbar zu machen: in einer Geste, einem Gespräch, im leisen Rascheln einer Serviette.

Die Tage im Café Torunka ist ein Roman über Begegnungen, die heilen, über Trauer, die still mitgetragen wird, und über den Mut, sich wieder zu öffnen. Ein leiser, wunderschöner Roman über das, was uns verbindet, mit anderen und mit uns selbst. Wer Geschichten liebt, die Wärme, Nachdenklichkeit und leise Melancholie vereinen, wird sich im Café Torunka zu Hause fühlen

Veröffentlicht am 14.04.2025

Warum Natur Politik braucht

Das Parlament der Natur
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Sarah Darwin, Johannes Vogel und Boris Herrmann laden zu einem außergewöhnlichen Dialog ein – über das Verschwinden von Arten, die Rolle der Wissenschaft und die politische Sprengkraft der Natur.

Die ...

Sarah Darwin, Johannes Vogel und Boris Herrmann laden zu einem außergewöhnlichen Dialog ein – über das Verschwinden von Arten, die Rolle der Wissenschaft und die politische Sprengkraft der Natur.

Die Grundidee des Buches ist ebenso simpel wie klug: Natur ist nicht nur schön oder nützlich, sie ist zutiefst politisch. Und genau diese politische Dimension steht im Zentrum der Gespräche zwischen der Botanikerin Sarah Darwin (ja, Darwin!), ihrem Mann Johannes Vogel, Direktor des Berliner Naturkundemuseums, und dem Journalisten Boris Herrmann. In klarer, zugänglicher Sprache sprechen sie darüber, warum die Sammlungen in Naturkundemuseen nicht nur Archive der Vergangenheit sind, sondern Werkzeuge für die Zukunft – für Forschung, für Bildung, für Debatten.

In zwei Teilen – Drinnen und Draußen – entfaltet sich das Gespräch mal im Museum zwischen Präparaten, mal unter freiem Himmel im südenglischen Essex. Diese Struktur verleiht dem Buch eine fast filmische Atmosphäre, in der das Persönliche und das Politische immer wieder ineinanderfließen. Herrmann leidet das Gespräch und führt Leser ohne biologischen Hintergrund souverän durch komplexe Themen.

Es geht um weit mehr als nur Biodiversität. Es geht um die großen Fragen: Wie können wir politisch handlungsfähig werden, wenn uns die Zeit davonläuft? Was braucht es, damit Gesellschaften nicht nur erkennen, was auf dem Spiel steht – sondern tatsächlich ins Handeln kommen?

Das Parlament der Natur ist weder Fachbuch noch Manifest. Es ist ein nachdenklicher, dabei zutiefst optimistischer Beitrag zur Debatte um Klima, Artensterben und unsere gemeinsame Verantwortung. Die Gestaltung – mit liebevoll gesetzten Illustrationen, historischen Exponaten und Zeichnungen – verstärkt diesen Eindruck: Hier wird nicht nur gesprochen, hier wird erzählt, gezeigt, erinnert.

Und genau das bleibt: ein Gefühl der Verbundenheit. Mit den Menschen, die Natur bewahren wollen. Mit den Tieren und Pflanzen, die verschwinden. Und mit der Hoffnung, dass wir vielleicht doch noch umsteuern können – wenn wir die richtigen Gespräche führen.

Veröffentlicht am 12.01.2025

Spannender Reihenauftakt!

Racheritual
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Ethan Cross ist bekannt für seine fesselnden Thriller, und mit Racheritual, dem ersten Teil der Baxter Kincaid Reihe, setzt er seine Tradition von packenden, düsteren Geschichten fort. In diesem Thriller ...

Ethan Cross ist bekannt für seine fesselnden Thriller, und mit Racheritual, dem ersten Teil der Baxter Kincaid Reihe, setzt er seine Tradition von packenden, düsteren Geschichten fort. In diesem Thriller wird der Ermittler Baxter Kincaid, ein ehemaliger Polizist, der sich auf die Jagd nach Serienkillern und Ritualmördern spezialisiert hat, vor eine besonders brutale Herausforderung gestellt. Der legendäre „Ravenkiller“, ein Mörder, der seinen Opfern Runen in die Stirn ritzt, hat erneut zugeschlagen – obwohl Kincaid ihn vor zehn Jahren selbst hinter Gitter gebracht hat.

Der Fall ist nicht nur ein berufliches, sondern auch ein persönliches Drama für Kincaid, da er den Täter schon einmal gestellt hat und nun mit der Frage konfrontiert wird, ob der Ravenkiller wirklich hinter Gittern ist oder ob es einen noch finsteren Plan gibt, der alles, was Kincaid für wahr hielt, infrage stellt. Dieser Konflikt verleiht der Geschichte eine zusätzliche Dimension und zeigt, wie tief der Ermittler in den Abgrund der menschlichen Psyche blickt. Kincaid ist ein komplexer, vielschichtiger Charakter – ein Mann, der sich aus der Polizeiarbeit zurückgezogen hat, um auf eigene Faust zu ermitteln, und der oft an der Grenze zwischen Gesetz und Moral agiert. Der Thriller bietet interessante Einblicke in seine inneren Dämonen und die Folgen seines früheren Berufs.

Die Spannung ist von der ersten Seite an greifbar, denn Ethan Cross versteht es meisterhaft, die düstere Atmosphäre von San Francisco mit der Intensität eines Falles zu verbinden, der tief in die mystischen, heidnischen Ritualmorde eintaucht. Der Thriller kombiniert klassische Serienkiller-Elemente mit einer faszinierenden Auseinandersetzung mit nordischer Mythologie, was ihn sowohl für Liebhaber von Crime-Thrillern als auch für Fans von mystischen und psychologisch tiefgründigen Geschichten besonders reizvoll macht.

Die Erzählweise ist temporeich und brutal, was die Jagd nach dem Ravenkiller zu einem nervenaufreibenden Erlebnis macht. Gleichzeitig gelingt es Cross, die menschliche Seite von Kincaid zu zeigen, der nicht nur ein brillanter Ermittler, sondern auch ein Mann mit Schwächen und persönlichen Kämpfen ist. Das macht den Charakter sehr sympathisch und authentisch, auch wenn er mit seiner düsteren Welt aus Gewalt und Verbrechen ringt.

Für Fans von Ethan Cross' früheren Werken, wie der Francis-Ackerman-Jr.-Reihe, ist Racheritual ein weiteres gelungenes Meisterwerk, das sowohl spannende Thrillerkost als auch psychologische Tiefe bietet. Kincaid ist ein Ermittler, den man im Auge behalten sollte, und die Geschichte hat definitiv das Potenzial, in den kommenden Bänden noch düsterer und komplexer zu werden.

Insgesamt ist Racheritual ein packender, düsterer Thriller, der Fans von Serienkiller-Geschichten und psychologisch intensiven Ermittlungsromanen gleichermaßen begeistern wird. Die Kombination aus mystischen Elementen, einem brillanten Ermittler und einem überaus fesselnden Plot macht dieses Buch zu einem starken Auftakt einer vielversprechenden Reihe.

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Veröffentlicht am 25.11.2024

Mitreißend und typisch britisch

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
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Vom Autoren vom „Thursday Murder Club” kommt mit „Wir finden Mörder“ der Auftakt einer ganz neuen Reihe. In dem Buch geht es um Amy Wheeler und ihren Schwiegervater Steve. Amy arbeitet als Bodyguard und ...

Vom Autoren vom „Thursday Murder Club” kommt mit „Wir finden Mörder“ der Auftakt einer ganz neuen Reihe. In dem Buch geht es um Amy Wheeler und ihren Schwiegervater Steve. Amy arbeitet als Bodyguard und ist es daher gewohnt täglich ihr Leben zu riskieren. Doch plötzlich gerät sie selbst ins Visier, als sie in South Carolina für eine reiche und erfolgreiche Thrillerautorin aufpasst.
In England genießt ihr Stiefvater derweil seine Pensionierung mit Abenden im Pub und Spaziergängen im Wald. Er war als Kriminalkommissar tätig und steht Amy direkt zur Seite, als diese ihn um Hilfe bittet. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wer hinter Amy her ist und was es mit dem Fall auf sich hat.

Richard Osman hat einen wunderbaren der Schreibstil, der zwar schlicht gehalten ist, aber trotzdem unglaublich gut zur Handlung passt und den Leser mitten in die Geschichte versetzt. Seine Romane fühlen sich so richtig britisch an und erinnern mich sehr an die klassischen englischen Krimiromane. Seine Geschichten werden erst durch die Protagonisten so richtig zum Leben erweckt und auch in „Wir finden Mörder“ gelingt es ihm wieder mit Leichtigkeit den Charakteren Leben einzuhauchen. Amy, Steve und Rosie sind ganz unterschiedlich Persönlichkeiten, aber ich habe alle direkt ins Herz geschlossen.

Die Handlung ist mitreißend und wird aus vielen verschiedenen POVs erzählt, wovon ich immer ein großer Fan bin. Es gibt einige Ortwechsel und allgemein passiert sehr viel in jedem Kapitel, wodurch man unbedingt immer noch ein weiteres Kapitel lesen möchte und dabei gar nicht merkt wie schnell man mit der Handlung voran kommt. Aufgelockert wird die Handlung durch den subtilen Humor des Autors, den man ebenfalls nur als klassisch britisch bezeichnen kann. Mir gefällt diese Mischung aber sehr gut und es macht auch den Charme seiner Bücher aus.

„Wir finden Mörder“ ist ein großartiger Auftakt und ich bin sehr gespannt wie es mit unseren Protagonisten weitergehen wird. Das Buch ist nicht nur für Fans vom „Thursday Murder Club“ zu empfehlen. Mir hat die Geschichte viel Spaß gemacht und wer britischen Humor und klassische Krimiromane mag, dem wird es sicherlich ähnlich ergehen!

Veröffentlicht am 12.08.2024

Rückkehr ins Geborgene Land

Die Legenden der Albae - Dunkles Erbe
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Mit „Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ erzählt Markus Heitz ein neues Kapitel des Geborgenen Landes und setzt die Geschichte der Albae fort, die mittlerweile bereits mehrere Bände umfasst. „Dunkles ...

Mit „Die Legenden der Albae – Dunkles Erbe“ erzählt Markus Heitz ein neues Kapitel des Geborgenen Landes und setzt die Geschichte der Albae fort, die mittlerweile bereits mehrere Bände umfasst. „Dunkles Erbe“ ist dabei kein neuer Roman, sondern eine Sammlung von drei verschiedenen Geschichten. Die erste Geschichte handelt von dem Künstler Amanoras, der die alten Denkmäler ehren möchte und sich mit der Frage auseinandersetzen muss welchen Preis er bereit ist für Kunst zu zahlen. Die zweite Geschichte führt den Leser nach Brandenwall, wo Albae heimlich unter den Menschen leben und ihre Pläne für die Zukunft von einem Zwerg bedroht sehen. Und schließlich folgen wir in der letzten Geschichte dem intriganten Elb Telinas, der eigene Ziele verfolgt und das Erbe der Albae lenken will.

Markus Heitz gehört zu den großen Fantasyautoren in Deutschland und ist mittlerweile wohl wirklich jedem ein Begriff. Seine Albae Reihe ist ebenso bekannt und mit „Dunkles Erbe“ liegt nun der fünfte Band in der Reihe vor. Allerdings lässt sich das Buch gesondert von den bisherigen Büchern lesen und kann daher sowohl von Fans der Reihe, als auch von neuen Lesern verschlungen werden. Auf Grund der Hintergrundgeschichte wäre es allerdings definitiv zu empfehlen am Anfang zu beginnen!

Das Worldbuilding gefällt mir in der Reihe immer ausgesprochen gut und es macht Spaß mit jedem Buch mehr über das Geborgene Land zu erfahren. Die Geschichten sind in ihrem Aufbau sehr vielschichtig und ich fand es interessant den drei ganz verschiedenen Charakteren zu folgen. Die Albae sind mittlerweile so grandios ausgearbeitet und ich kann die Reihe wirklich nur jedem Fantasy Fan empfehlen. Der Schreibstil von Markus Heitz ist ebenfalls großartig und passt sehr gut zu seinen epischen Geschichten. Das Buch lässt sich sehr gut lesen und es kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Durch die unterschiedlichen Charaktere ist auch für jeden Leser etwas dabei! Das Ende selbst lässt einiges offen und macht neugierig auf mehr.