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Veröffentlicht am 20.01.2025

Berührend!

Der Bademeister ohne Himmel
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"Mit 12 denkt man, schlimmer kann es nicht werden, und man wird größer, und es kommt schlimmer.“ (Kapitel 58)

DER BADEMEISTER OHNE HIMMEL
Petra Pellini
Die 15-jährige Linda möchte ihrem Leben ein Ende ...

"Mit 12 denkt man, schlimmer kann es nicht werden, und man wird größer, und es kommt schlimmer.“ (Kapitel 58)

DER BADEMEISTER OHNE HIMMEL
Petra Pellini
Die 15-jährige Linda möchte ihrem Leben ein Ende setzen. Sie weiß nur noch nicht, wo und wann – nur das Wie steht fest: Sie will sich vor ein Auto stürzen.
Mit ihrer Mutter streitet sie oft. Ihr Vater, der die Familie verlassen hat, fehlt ihr sehr. Ihre einzigen Bezugspersonen sind Kevin und Hubert – zwei Menschen, die sie noch an das Leben binden. Kevin ist ein Weltverbesserer im gleichen Alter wie sie, aber wenig an anderen Menschen interessiert. Hubert, der 86-jährige Nachbar und ehemalige Bademeister im Ruhestand, leidet an Demenz. Trotz seiner Krankheit erzählt er immer wieder, dass bei ihm nie ein Kind ertrunken sei. Und er sucht unaufhörlich nach seiner Frau Rosalie - obwohl sie bereits vor sieben Jahren verstorben ist.

Linda verbringt viel Zeit bei Hubert, weil sie bei ihm Ruhe findet. Er gibt ihr das Gefühl von Geborgenheit und tankt sie mit Zuversicht auf. Bei ihm kann sie einfach sie selbst sein. Doch als Huberts Krankheit fortschreitet, ändert sich ihre Rolle: Linda beginnt ihm seine Geschichten immer wieder zu erzählen, um seine Erinnerungen zu wecken und ihn in der Welt zu halten.

Petra Pellini hat ein tief berührendes und einfühlsames Buch geschrieben, das mich sehr bewegt hat. Ich habe die Geschichte sowohl gelesen als auch gehört und dabei mehrfach Gänsehaut verspürt.

Besonders beeindruckend ist, wie Linda mit dem demenzkranken Hubert umgeht. Ihre Geduld und ihr Mitgefühl werfen die Frage auf, ob so ein Verhalten für eine so junge Frau nicht fast schon außergewöhnlich ist. Ich glaube, ich habe viel von ihr lernen können.

Neben dem Buch habe ich auch das Hörbuch genossen, das durch die besondere Stimme von Marie-Isabel Walke eine ganz eigene Atmosphäre schafft. Sie hat es wunderbar verstanden, die Emotionen und Stimmungen der Geschichte einzufangen und mit Akzenten zu versehen. Dadurch wird das Hörbuch zu einem echten Hörerlebnis.

Fazit:
Ein sehr berührendes und gutes Buch, dass ich gerne gelesen habe.
4½/ 5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2025

Gute Fortsetzung!

Sonnenwende
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SONNENWENDE
Anja Jonuleit

Im vergangenen April las ich den ersten Teil der Dilogie „Kaiserwald". Anja Jonuleit erzählte in zwei Zeitsträngen von Rebecca Maiwald, die 1998 aus Riga spurlos verschwand. ...

SONNENWENDE
Anja Jonuleit

Im vergangenen April las ich den ersten Teil der Dilogie „Kaiserwald". Anja Jonuleit erzählte in zwei Zeitsträngen von Rebecca Maiwald, die 1998 aus Riga spurlos verschwand. Die Polizei ging damals von einem Gewaltverbrechen aus, doch Rebecca wurde nie gefunden.
Die erwachsene Tochter Penelope machte sich, nachdem sie einen anonymen Hinweis erhalten hatte, auf die Suche nach ihrer Mutter. Diese Spur führte sie zur Familie von Prokhoff. Um den Sohn der Familie kennenzulernen, fuhr sie mit ihrem Auto in seines hinein.

„Sonnenwende", der zweite Teil, knüpft fast genau hier an: Mittlerweile lebt Penelope unter falschem Namen - als Mathilda - und ist mit Falk von Prokhoff verheiratet.
Sie findet heraus, dass Falks Vater einst der Geliebte ihrer Mutter war und fast zeitgleich mit dem Verschwinden ihrer Mutter vor 25 Jahren überstürzt in die USA abreiste.

Ihr Schwiegervater drängt sie, die Vorstandsvorsitzende der Prokhoffschen Stiftung zu werden. Diese Stiftung unterstützt kleine autarke Ökodörfer, die über ganz Europa verteilt sind - eines davon liegt in der Nähe von Riga.

Falk hat derweil eigene Sorgen: Nachdem eine Mitarbeiterin herausgefunden hat, dass Gelder der Stiftung veruntreut wurden, landet diese im Krankenhaus. Ist sie das Opfer eines Verbrechens geworden?


Wie all diese Dinge miteinander verknüpft sind, müsst ihr allerdings selbst lesen.

Anja Jonuleit hat es erneut perfekt verstanden, historische Tatsachen mit fiktiven Personen zu verweben und dabei auch noch den Nerv der Zeit trifft.
Der Schreibstil ist unglaublich flüssig und fesselnd; jedoch sollte man wissen, dass es ein paar Kapitel braucht, um sich einzulesen. Wer sich diese Zeit nimmt, wird mit einer spannenden Geschichte belohnt. Ich konnte zum Ende hin gar nicht mehr aufhören zu lesen. Allerdings empfehle ich euch, zuvor den ersten Band „Kaiserwald" zu lesen, da es ansonsten schwer werden könnte, der Geschichte zu folgen.

Leseempfehlung
4½/ 5

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2024

Ein feinfühliges Buch!

Die andern sind das weite Meer
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DIE ANDERN SIND DAS WEITE MEER
Julie von Kessel

Hans Cramer, Botschafter a.D., war einst eine willensstarke und dominante Persönlichkeit. Man musste seinen Anweisungen folgen, und auch seine Familie blieb ...

DIE ANDERN SIND DAS WEITE MEER
Julie von Kessel

Hans Cramer, Botschafter a.D., war einst eine willensstarke und dominante Persönlichkeit. Man musste seinen Anweisungen folgen, und auch seine Familie blieb von seinem herrischen Regiment nicht verschont.
Von außen betrachtet wirkte diese Familie wie eine perfekte Vorzeigefamilie: ein Vater, der weltweit tätig war, verheiratet mit einer wunderschönen Frau und gesegnet mit drei attraktiven Kindern – so dachte man zumindest.

Doch hinter der Fassade litt die Familie unter dem Patriarchen. Seine Frau ging ihm aus dem Weg und suchte Trost in zahlreichen Affären.
Nur die älteste Tochter, Luca, konnte es ihm jemals recht machen. Sie schloss ein Studium ab und wurde Auslandskorrespondentin – ein Beruf, auf den Hans stolz war. Gerne erzählte er anderen von ihren Erfolgen.
Seine beiden jüngeren Kinder hingegen wurden von ihm kaum beachtet. Tom, der seit seiner Kindheit versucht hatte, seinen Vater zu beeindrucken, brachte es „nur“ zu einem Doktor der Psychologie. Dass er am Wannsee eine moderne Klinik aufgebaut hatte, ließ Hans völlig kalt.
Und für seine jüngste Tochter Elena empfand er erst recht nichts. Zwei abgebrochene Studiengänge und ein uneheliches Kind – mehr wollte er über sie gar nicht wissen.

Heute besuchen die Kinder ihren Vater nur noch selten. Seit dem Tod ihrer Mutter gehen sie Hans, der mit dem Alter keineswegs sanfter geworden ist, aus dem Weg.
Doch Hans beginnt, vergesslich zu werden. Er läuft in Badehose durchs Dorf zum Schwimmbad, das es seit 30 Jahren nicht mehr gibt. Die Kinder müssten eingreifen, doch alle drei sind zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt:
Luca hat bei einem Auslandseinsatz einen folgenschweren Fehler begangen. Tom trifft bei einem Patienten eine riskante Entscheidung. Und Elena hat eine Affäre mit dem Mann ihrer Cousine.

Wie das alles weitergeht und wo es am Ende hinführt, solltet ihr am besten selbst herausfinden.

Ein feinfühliger Roman mitten aus dem Leben. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen und konnte kaum abwarten, zu erfahren, wie es weitergeht. Der Schreibstil ist unglaublich flüssig und angenehm. Als kleinen Kritikpunkt möchte ich anmerken, dass der Roman mit zahlreichen ernsten Themen wie Demenz, Krebs, dem Ukrainekrieg, Scheidung, Suizid und einer problematischen queeren Liebesbeziehung ein wenig überfrachtet wirkt. Dennoch spreche ich für dieses Buch, das auch noch so wunderschön gestaltet ist, eine klare Leseempfehlung aus.
4½/ 5

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Veröffentlicht am 20.11.2024

So atmosphärisch

Der Silberriese
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DER SILBERRIESE
Andreas Moster

Ada war vier Monate alt, als sich ihre Mutter nachts aus dem Haus schlich – Kind und Mann verließ. Sie konnte nicht mehr Mutter sein, sich mit Stillen und Herumtragen zufriedengeben. ...

DER SILBERRIESE
Andreas Moster

Ada war vier Monate alt, als sich ihre Mutter nachts aus dem Haus schlich – Kind und Mann verließ. Sie konnte nicht mehr Mutter sein, sich mit Stillen und Herumtragen zufriedengeben. Schließlich war sie eine der besten Hürdenläuferinnen der Welt – ihre Beine wollten sich bewegen, nicht in einer Wohnung gefangen sein.
Patrik bemerkte erst am Morgen, dass sie weg war. Sie ging weder ans Telefon noch beantwortete sie seine Nachrichten. Erst als seine Wut nachließ, realisierte er, dass Kara nicht wiederkommen würde.

Der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger sein können – schließlich trainierte er für die Olympischen Spiele in Peking, und als Diskuswerfer wollte er dort Gold holen. In Athen hatte er bereits die Silbermedaille gewonnen. Doch nach ein paar Wochen wurde ihm klar, dass sich Trainingseinheiten mit einem Baby nicht vereinbaren ließen. Familie und Freunde, die ihn unterstützen konnten, hatte er nicht.

Ihm blieb nichts anderes übrig, als seine Sportkarriere an den Nagel zu hängen – für Ada. Sie wurde zu seinem Ein und Alles.

Jetzt ist Ada 12 Jahre alt. Wieder einmal ist sie mit ihrem Vater umgezogen, und wieder einmal versucht sie, Freunde zu finden. Schnell lernt sie ihre Klassenkameradin Carla kennen und beginnt mit ihr ein Leichtathletiktraining. Obwohl Patrik schon lange keinen Sport mehr macht, greift er kurzerhand zu seinen Laufschuhen und begleitet sie.

Doch Ada versucht, sich freizulaufen, ihre eigenen Schritte zu gehen und selbstständig zu werden. Patrik hingegen kann sie nur schwer loslassen und weicht den Fragen nach ihrer Mutter aus.

Andreas Moster hat hier ein wortgewandtes Vater-Tochter-Porträt geschaffen. Während ich zu Beginn des Romans noch Mitleid für Patrik empfand, ärgerte mich der überfürsorgliche Helikopter-Vater später zunehmend. Ganz geschickt baut der Autor eine immer drängendere Atmosphäre auf, die nur darauf wartet, endlich zu platzen.

Das Buch konnte mich komplett in seinen Bann ziehen, und deshalb gebe ich gerne eine große Leseempfehlung.
4½/ 5

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Veröffentlicht am 05.11.2024

Ein großes Abenteuer!

Fabsi und Trixi
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FABSI und TRIXI
Die wilden Piraten, Band 2
Heidrun Lick

Der Dino Fabsi will seiner Elfenfreundin Trixi unbedingt helfen: Ihre Eltern, die eigentlich auf Reisen sein sollten, sind in die Hände des gefährlichen ...

FABSI und TRIXI
Die wilden Piraten, Band 2
Heidrun Lick

Der Dino Fabsi will seiner Elfenfreundin Trixi unbedingt helfen: Ihre Eltern, die eigentlich auf Reisen sein sollten, sind in die Hände des gefährlichen Piraten Olaf Krummsäbel geraten. Mit einem selbstgebauten Floß wagen sie sich auf das offene Meer, um das Piratenschiff Capitano aufzuspüren und die beiden zu befreien. Zum Glück haben sie tatkräftige Unterstützung – die Krebse helfen, und ihr Freund Drago, ein Vampir, schickt seine Fledermäuse aus, um das Schiff in der Weite des Ozeans zu erspähen.

Ob Fabsi und Trixi es schaffen, die Eltern zu retten, und welche aufregenden Abenteuer sie auf ihrer Reise erleben, das müsst ihr selbst herausfinden!

Eine wirklich liebevoll erzählte Geschichte! Autorin Heidrun Link versteht es nicht nur, Spannung zu erzeugen, sondern lenkt mit einem feinen Gespür auch auf wichtige Umweltfragen. Der Schreibstil ist leicht und zugänglich, sodass Kinder ab 8 Jahren sicher begeistert sein werden. Besonders schön: Die Illustrationen wurden von Kindern gemalt und können sogar ausgemalt werden – eine wunderbare Idee!

Dieses Buch kann ich euch wirklich ans Herz legen.
4½/ 5

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