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Veröffentlicht am 13.01.2025

Filmreif

Drei Feiertage und eine Hochzeit
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Auf den ersten Seiten war ich genervt von bereits bekannten Szenen aus Filmen, die hier auf die Protagonistinnen umgewandelt wurden. Auch der Buchtitel ist einem bekannten Film sehr ähnlich. Fast hätte ...

Auf den ersten Seiten war ich genervt von bereits bekannten Szenen aus Filmen, die hier auf die Protagonistinnen umgewandelt wurden. Auch der Buchtitel ist einem bekannten Film sehr ähnlich. Fast hätte ich das Buch aus der Hand gelegt, doch ich wollte unbedingt wissen, wie die Autorinnen die drei Feiertage darstellen, weshalb ich dann doch weiter las. Schlussendlich war ich froh darüber, doch von Anfang an:

Anna soll die Feiertage mit ihrem relativ neuen Freund bei seinen Eltern in Kanada verbringen. Da sie später als er fliegt und direkt zu einem Gala-Event soll, ist sie entsprechend gekleidet - sprich ziemlich unpassend zum Wetter - und nur mit Handgepäck ausgerüstet.

Maryams jüngere Schwester will unbedingt und kurzfristig an Weihnachten heiraten. Deshalb hat Maryam alles organisiert und fliegt nun mit der ganzen Hochzeitsgesellschaft der Brautseite zusammen nach Toronto zur Familie des Bräutigams. Das einzige entspannte Familienmitglied ist Dadu, Maryams Grossvater, ein früherer Regisseur von Bollywood-Filmen. Noch mehr "Film" ist später im Roman enthalten, weshalb ich die ersten Szenen im Nachhinein zwar immer noch nicht gut finde, aber immerhin verstehen konnte.

Unter nicht so positiven Umständen lernen sich Anna und Maryam bereits am Flughafen kennen. Dass sie im Flugzeug nebeneinander sitzen, fand anfangs keine von ihnen gut, doch da beide Flugangst haben, kommen sie sich ein wenig näher, erzählen einander von ihren Ängsten und Sorgen.

Aufgrund der prekären Wetterverhältnisse und des Jahrhundert-Schneefalls müssen sie in der Kleinstadt Snow Falls notlanden und werden dort in einem Hotel untergebracht. Schwierig für Maryams Familie, da sie noch die letzten Tage Ramadan haben und fasten. Anne erlebt einen witzigen Pub-Abend, bevor sie ihr unrenoviertes Hotelzimmer bezieht. Nur für eine Nacht - das sollten sie alle überstehen, denken sie. Doch das Wetter macht ihnen erneut einen Strich durch die Rechnung und sie müssen noch länger in Snow Falls bleiben.

Diese Kleinstadt entpuppt sich als kleines, friedliches Juwel, das alle Figuren früher oder später überraschen wird. Bei einigen Szenen fragte ich mich jedoch, ob die tatsächlich so passieren können, wenn doch so dermassen viel Schnee liegt und der Schneefall noch nicht vorbei ist. Auf einer Parkbank sitzen und essen, wäre so ein Beispiel.

Ich war gespannt, wie die Autorinnen die drei Feiertage, das islamische Eid al Fitr (auch unter dem Namen "Zuckerfest" bekannt), das christliche Weihnachtsfest und das jüdische Chanukka-Fest zusammenbringen. Obwohl nur Grundsätzliches darüber erzählt wird, ist es ihnen sehr gut gelungen. Das gegenseitige Verständnis und der Respekt gegenüber der anderen Religionen zeichnet die Charaktere und die Kleinstadtbewohner aus.

Meine Lieblingscharaktere waren für einmal nicht die Protagonistinnen, sondern Dadu, Maryams und Shaimas Grossvater, und Josh Tannenbaum. Weder mit Maryam noch mit Anna bin ich sehr warm geworden, aber bei den beiden unsicheren Frauen ist eine deutliche Entwicklung sichtbar.

Fazit: Nach ersten klischeehaften Szenen entwickelt sich der Roman zu einer schönen und unterhaltenden Geschichte, die ich mir aufgrund vieler filmreifen Szenen sehr gut verfilmt vorstellen kann. Den Film würde ich mir zu Weihnachten sicherlich ansehen.
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Bücher, Blumen und Geheimnisse

Die Zuverlässigkeit des Zufalls
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Fälschlicherweise ging ich davon aus, dass der Roman in Paris spielt - keine Ahnung, wie ich darauf kam - dies ist jedoch nur im Prolog der Fall. Der schildert eine Szene, die Nina-Marie mit ihrem in der ...

Fälschlicherweise ging ich davon aus, dass der Roman in Paris spielt - keine Ahnung, wie ich darauf kam - dies ist jedoch nur im Prolog der Fall. Der schildert eine Szene, die Nina-Marie mit ihrem in der Zwischenzeit an Krebs verstorbenen Freund Eric in Paris erlebte. Das Paar lebte in Berlin, Nina noch immer. Dort besitzt sie zusammen mit ihrer Mutter eine Buch- und Blumenhandlung.

Protagonistin Nina nimmt auch zwei Jahre nach Erics Tod kaum noch am Leben teil, ihre Trauer ist zu gross und helfen lassen will sie sich nicht.

Andern helfen jedoch möchte sie. Denn als sie das Rätsel um die wöchentlichen Duftsträusse, die jeweils am Donnerstag abgeholt werden, lüftet, ist für sie klar, dass sie alles dran setzen möchte zu helfen, dass sich jemand anders wieder unter Menschen mischt. Eine schwierige Aufgabe, die vor allem aber auch Nina selbst auf die Strasse raus bringt.

Dass jeder anders mit Trauer und Verlust umgeht, wird im Roman anhand von Beispielen mehreren Figuren gezeigt. Manchmal hilft ein Hund, manchen das Schreiben und Nina sicherlich auch Jacks klare und harte Fragen, die an Ninas selbst eingerichteten Trauer-Wohlfühlzone-Mauer rütteln.

Nicht nur Nina, auch andere Charaktere machen eine grosse Entwicklung durch. Autorin Lilli Beck hat ihre Figuren allesamt sehr unterschiedlich charakterisiert. Zum Beispiel Eric, der an die Zuverlässigkeit des Zufalls glaubt und daneben Jack, der nichts von Zufällen wissen will. Lilli Beck Schreibstil ist flüssig und so bildlich, dass man sich die Personen samt ihren Wohnungen und Läden genau vorstellen kann.

Das Augenmerk legt die Autorin deutlich auf die Trauerbewältigung. Obwohl mich die Geschichte gut unterhalten hat, war mir persönlich das fast zu viel, besonders die von Nina aufgeschriebene Geschichte über "Marie" empfand ich als zu lang. Gefallen hat mir aber, wie diese Geschichte im Epilog noch kurz erwähnt wurde und Sinn ergab.

Fazit: Schöner Roman über die vielen Facetten der Verlustbewältigung.
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 14.11.2024

Im November lesen!

Apfelherbst
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In Barnaby, bekannt aus "Zitronensommer", arbeitet seit wenigen Jahren Gina als Tagesmutter in einem kleinen Cottage auf dem Gelände von Evergreen Manor. Dort wohnen Violet, Delphine und Bing, deren Türe ...

In Barnaby, bekannt aus "Zitronensommer", arbeitet seit wenigen Jahren Gina als Tagesmutter in einem kleinen Cottage auf dem Gelände von Evergreen Manor. Dort wohnen Violet, Delphine und Bing, deren Türe jederzeit für Gina und ihre Kinderschar offen steht.

Gina, frisch geschieden, hat endlich wieder Zukunftspläne für sich. Doch ein plötzlich auftretender Schicksalsschlag könnte diese neuen Pläne zunichte machen: Evergreen Manor soll verkauft werden.

Einer dieser Verkäufer ist der gutaussehende und sonst eigentlich super nette und unkomplizierte Dexter, der Ginas Herz schon höher schlagen liess. Nun leider schlägt ihr Herz gerade nur noch aufgrund des voraussichtlichen Platzen ihrer Träume höher und schneller - aus Angst, auch das Welcome Cottage zu verlieren. Zusammen mit den Senioren und anderen Bewohner aus Barnaby, darunter Rosie und ihre Nonne Maria und Stanley (bekannt aus "Zitronensommer") versuchen sie auf witzige Art mögliche Käufer abzuschrecken. Witzig zumindest aus Sicht von ihnen, weniger aus der Sicht der Kundschaft...

Hier zeigt sich einmal mehr, wie gut Cathy Bramley ihre Figuren ausarbeitet. Egal, ob es die Protagonistin ist oder total unbedeutende Nebenfiguren, wie hier einige der Menschen, die sich für die Besichtigung angemeldet haben. Alle bekommen von der Autorin viel Aufmerksamkeit geschenkt, so dass schlussendlich alles bestens zueinander passt, sich ergänzt oder eben so treffend beschrieben sind, dass man sich die Szenen bildlich vorstellen kann. In Gedanken lache ich immer noch über eine dieser Szenen im engen Treppenhaus von Ginas Cottage.

Einzige Kritik meinerseits: wie bereits in "Zitronensommer" empfand ich auch diesen Roman als zu lang, bei "Apfelherbst" hätte man die ersten 120 Seiten gut zusammenfassen können. Spätestens aber ab dann macht die Geschichte viel Spass.

Wie immer fängt Cathy Bramley die Atmosphäre ihres Schauplatzes toll ein. Hier beschreibt sie die Aktivitäten der Kinder auf Evergreen Manor, da bekommt man schnell Lust, sich ihnen anzuschliessen. Mir gefielen Ginas Pläne, die Generationen übergreifend waren, besonders gut, denn man sah, wie ein Zusammenleben von sehr jung und alt gelingen kann. Diesbezüglich ist der Originaltitel "A Patchwork Family" sehr passend.

Der perfekte Zeitpunkt um diesen Roman zu lesen, ist der Monat November, denn es wird schnell winterlich und Weihnachten rückt immer näher in Barnaby.

Fazit: Eine herzliche Geschichte in wundervollem Ambiente, die Menschen einander näher bringt.
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 14.11.2024

Neuer Wind im Lemon Tree Café

Zitronensommer
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Cathy Bramley schreibt in "Zitronensommer" über das Muttersein, Familiengeheimnisse, Krankheiten, Selbstakzeptanz und vieles mehr. Man kann den Roman kaum mehr weglegen, denn sie schreibt fesselnd über ...

Cathy Bramley schreibt in "Zitronensommer" über das Muttersein, Familiengeheimnisse, Krankheiten, Selbstakzeptanz und vieles mehr. Man kann den Roman kaum mehr weglegen, denn sie schreibt fesselnd über einen kleinen Ankerplatz in einer englischen Ortschaft namens Barnaby, das Lemon Tree Café.

Rosie liebt zwar ihren Job in der Werbeagentur, aber alles gefallen lässt sie sich nicht. Deshalb kündigt sie spontan und beginnt, ihrer Nonna in deren Café zu helfen, da Nonna Maria bereits 75 Jahre alt ist, lustig, stur und leider auch nicht besonders interessiert an Bürokram. Rosie bringt das Lemon Tree Café auf Tour, hilft mit ihren Freunden und ihrer Familie aber auch anderen Menschen in Barnaby.

Die hilfsbereite Dorfgemeinschaft in Barnaby mit all den verschiedenen Charakteren und Berufen hat mir sehr gut gefallen. Stanley, der Postbote und viele weitere Figuren sorgen dafür, dass es nie langweilig wird.

Eher vielleicht das Gegenteil: so gut der Roman geschrieben ist, er ist leider auch viel zu lang. Es ist zu viel los, auch wenn es alles braucht, was erzählt wird. Dennoch hatte ich das Gefühl, einige Szenen hätten durchaus gekürzt werden können.

Fazit: Ein vielschichtiger, bestens unterhaltender Roman mit tollen Figuren, der, wäre er nicht zu lang, sofort 5 Sterne bekommen hätte.
4 Sterne

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Veröffentlicht am 16.09.2024

Eine geheimnisvolle Geschichte

Auf gefährlich sanfte Art
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"Auf gefährlich sanfte Art" führt Antoine Laurain nicht nur seinen Protagonisten, den Psychoanalytiker Faber an die Geheimnisse seiner neuen Patientin Nathalia heran, sondern auch die Leserschaft an diese ...

"Auf gefährlich sanfte Art" führt Antoine Laurain nicht nur seinen Protagonisten, den Psychoanalytiker Faber an die Geheimnisse seiner neuen Patientin Nathalia heran, sondern auch die Leserschaft an diese geheimnisvolle Geschichte.

Faber versucht auf kreative Art, etwas aus Nathalia herauszubekommen. Sie soll jede Woche eine Geschichte schreiben und diese ihm abgeben. Darüber reden sie dann in der nächsten Konsultation.

Ihre Geschichten, die sie sich über Personen, die im Nachbarhaus wohnen, ausdenkt, sind enorm schön geschrieben. Man könnte sich fast schon in diesen Storys verlieren und sie als Kurzgeschichten hinnehmen. Doch die darauffolgende Konsultation riss mich immer wieder raus und von Story zu Story fragte ich mich aufs Neue, auf was Antoine Laurain schlussendlich raus will. Irgendwas muss da doch noch kommen, bloss was?

Die Überraschung kam und sie ist dem Autor sehr gut gelungen. Nie wäre ich auf diese Pointe gekommen. Seiten später fragte ich mich aber erneut, wie er diese neue und verzwickte Situation auflösen bzw. beenden will. Und auch hier hat Antoine Laurain mich erneut überrascht.

Man muss sich als Leser*in auf diese Geschichte einlassen und diese lange Schwebe, das Nicht-Wissen darüber, wohin die Geschichte führt, aushalten. Teilweise war meine Geduld recht strapaziert. Viel länger hätte ich das wohl auch nicht ausgehalten.

Fazit: Ein Roman, der erstmal ins Nirgendwo führt, nur um dort alles aufzulösen - und dann doch den Rank und ein passendes Ende bekommt.
4 Sterne.

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