Profilbild von Readaholic

Readaholic

Lesejury Star
offline

Readaholic ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Readaholic über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2025

Ein Dibbuk im Familiengetriebe

Die Fletchers von Long Island
1

Dieser Roman handelt von der schwerreichen jüdischen Unternehmerfamilie Fletcher, die ein riesiges Anwesen auf Long Island besitzt. Eines Tages wird der Fabrikbesitzer Carl auf dem Weg zur Arbeit entführt ...

Dieser Roman handelt von der schwerreichen jüdischen Unternehmerfamilie Fletcher, die ein riesiges Anwesen auf Long Island besitzt. Eines Tages wird der Fabrikbesitzer Carl auf dem Weg zur Arbeit entführt und erst Tage später nach Zahlung eines hohen Lösegelds freigelassen. Danach ist nichts mehr für die Familie, wie es war. Carl ist ein psychisches Wrack und die Entführung hat Auswirkungen auf die gesamte Familie. Nathan, der ältere Sohn, ist auch als Erwachsener krankhaft ängstlich und gibt diese Angst an seine Kinder weiter. Der jüngere Sohn Bernard, genannt Beamer, ist ein erfolgloser Drehbuchautor, dessen Drehbücher immer nur von Entführungen (mit den abstrusesten Plots) handeln. Auch Jenny, die zum Zeitpunkt der Entführung noch gar nicht geboren war, leidet indirekt unter ihren Folgen und dem lieblosen Elternhaus, denn der Vater ist nicht in der Lage, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, während Mutter Ruth sich mehr um das Wohl ihres Ehemanns Carl sorgt als um das ihrer Kinder.
Im ersten Drittel des Buchs geht es vor allem um Beamer und dessen seltsame sexuellen Perversionen sowie seinen Drogenkonsum. Ich muss zugeben, dass ich hier teils abgestoßen, teils gelangweilt war und das Buch mit Sicherheit aus der Hand gelegt hätte, wäre es nicht ein Rezensionsexemplar gewesen. So widmet die Autorin eine ganze Seite der Zusammensetzung eines Drogencocktails: …“Falls es kein Coke Zero gab, ging auch ein Mountain High Turbo Charge Blue oder ein Bombinator Leaded Super Freeze Orange Explosion (…), aber nicht Bolt Fahrenheit 1000 Blue-Strawberry Band Rainbow…“ usw. Alles klar? Überhaupt verliert sich die Autorin oft in quälend ausführlichen Detailbeschreibungen, zum Beispiel auch wenn es an späterer Stelle um Nathans Beruf als Anwalt für Bodenrecht geht und tödlich langweilige Bodenrechtsbestimmungen genüsslich aufgelistet werden. Trotzdem lohnt es sich durchzuhalten, denn alles in allem ist der Roman durchaus trotz einiger Schwächen lesenswert. Man blickt hinter die Kulissen dieser Familie, die zwar stinkreich, aber doch scheinbar vom Pech verfolgt scheint. Ein Dibbuk, ein böser Geist, scheint die Geschicke der Familie Fletcher zu leiten. Allerdings ist es alles andere als ein einfach zu lesendes Buch, denn interessante Passagen wechseln sich mit fürchterlich in die Länge gezogenen Beschreibungen und Schachtelsätzen ab, die man mehrmals lesen muss, um ihren Sinn auch nur ansatzweise zu erfassen. 3,5 von 5 Sternen, aufgerundet auf wohlwollende 4 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2025

Etwas langatmig

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
0

Mit 17 will Elijah vor allem eines: weg aus Point Orchards, wo er mit seinem alkoholkranken Vater in einer Blockhütte im Wald lebt. Er möchte nach San Francisco ziehen und seinen Traum, Schriftsteller ...

Mit 17 will Elijah vor allem eines: weg aus Point Orchards, wo er mit seinem alkoholkranken Vater in einer Blockhütte im Wald lebt. Er möchte nach San Francisco ziehen und seinen Traum, Schriftsteller zu werden, verwirklichen. Seine Jugendliebe Nakita lässt er zurück mit dem Versprechen, nach genau 5 Jahren wieder zurückzukommen.
Er löst sein Versprechen nicht ein und Nakita heiratet einen anderen. Als Elijah fünfzehn Jahre später in seinen Heimatort zurückkehrt, muss er sich eingestehen, dass sein Plan gescheitert ist und er wie sein inzwischen verstorbener Vater in einer Werkstatt arbeiten muss, um Geld zu verdienen. Er hofft, Nakita eines Tages zu begegnen und hat gleichzeitig Angst davor. Sie ist inzwischen verwitwet und Elijah hofft, dass es wieder zu einer Annäherung kommt. Gerade als es so aussieht, als ob sie wieder eine Beziehung zueinander aufbauen könnten, wird in Point Orchards die Leiche der beliebten Ärztin des Ortes gefunden. Die Polizei geht zunächst von einem Selbstmord aus, doch dann erhält sie einen anonymen Tipp, der auf Elijah als Täter hinweist…
Bis zu diesem Punkt in der Geschichte fand ich das Buch spannend. Doch dann war mir schnell klar, was passiert sein muss, und die Geschichte fängt an, langatmig zu werden. Die blumige, teilweise kitschige Sprache hat mich auch manchmal gestört. Als Kind hatte sich Elijah in den Flur geschlichen, um seine Eltern zu beobachten, „den Rocksaum seiner Mutter, der sich wiegte wie hohes Gras, und die Liebe in den Augen seines Vaters, der auf sie hinabschaute und ihr Kinn mit dem Zeigefinger anhob, damit sie ihm in die Augen sah“ (S. 108). Als Elijah 1988 aus San Francisco zurückkehrt, kommt er mir wie aus der Zeit gefallen vor. Da er sein letztes Geld für die Heimreise ausgegeben hat, baut er Gemüse im Garten an, das er auf dem Markt verkauft, und freut sich, wenn er 4 Dollar dafür bekommt. Es ist sehr unrealistisch zu glauben, dass Elijah zunächst über Wochen ganz allein von den Früchten seines Gartens leben konnte. Wie er als erfolgloser Schriftsteller so lange in San Francisco leben konnte, wird auch offengelassen.
„Was die Gezeiten verbergen“ ist ein Buch, das mich mit seinem wunderschönen Cover geködert hat. Inhalt und Schreibstil haben mich nicht ganz überzeugt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2025

Treffen sich zwei Menschen im Zug...

In einem Zug
0

Eduard Brünhofer, ein alternder Schriftsteller mit seit Jahren andauernder Schreibblockade, sitzt im Zug von Wien nach München, ihm schräg gegenüber eine Frau frühen mittleren Alters, was auch immer das ...

Eduard Brünhofer, ein alternder Schriftsteller mit seit Jahren andauernder Schreibblockade, sitzt im Zug von Wien nach München, ihm schräg gegenüber eine Frau frühen mittleren Alters, was auch immer das heißen soll. Er hofft inständig, dass sie ihm kein Gespräch aufdrängt, doch dieser Wunsch wird ihm nicht erfüllt. Allerdings merkt er nach einer Weile, dass er sich eigentlich ganz gern mit der Frau „mit den moosgrünen Augen“ unterhält, wobei das Gespräch schnell eine Richtung einschlägt, die ihm nicht behagt. Da er in der Vergangenheit mit Liebesromanen bekannt wurde, meint sein Gegenüber Catrin Meyr, in ihm einen Experten in Liebesdingen gefunden zu haben und will alles über seine Einstellung zu Liebe, Ehe, Sex wissen. Der Dialog beginnt sehr amüsant, doch je penetranter Catrins Fragen werden, desto weniger hat mich die Unterhaltung der beiden interessiert, zumal Brünhofer zunächst seine Antworten im Kopf durchgeht, so dass der Leser immer seinem gesamten Denkprozess folgen muss. Teils ist dies kurzweilig, teils einfach nur langatmig und enervierend. Zwischendurch holen sich die beiden etwas im Bordbistro oder gehen auf die Toilette, viel mehr passiert nicht an Handlung. Gegen Ende nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung.
Nachdem ich von Glattauers letztem Roman „Die siehst du nicht“ begeistert war, war „In einem Zug“ trotz der sprachlichen Finesse für mich eher enttäuschend. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.12.2024

Jeder ist sich selbst der Nächste

To Die For
0

Andi Hart arbeitet erfolgreich als Maklerin in Los Angeles. Als das Maklerbüro den Auftrag erhält, einen Käufer für ein 50 Millionen-Projekt in Malibu zu finden, herrscht große Aufregung unter den Maklern, ...

Andi Hart arbeitet erfolgreich als Maklerin in Los Angeles. Als das Maklerbüro den Auftrag erhält, einen Käufer für ein 50 Millionen-Projekt in Malibu zu finden, herrscht große Aufregung unter den Maklern, denn die Provision soll eine Million Dollar betragen! Natürlich will jeder von ihnen die Provision kassieren, koste es, was es wolle. Sie haben alle ihre Gründe, weshalb sie das Geld dringend benötigen. Und sie schrecken nicht davor zurück, mit unlauteren Mitteln zu kämpfen, um die Rivalen aus dem Rennen zu werfen. Von Sachbeschädigung bis Körperverletzung ist alles dabei.
Ausgerechnet an dem Tag, an dem das Millionen-Dollar-Haus den Maklern vorgestellt wird und die Schönheit des Anwesens und die Lage am Strand von Malibu alle Erwartungen übertrifft, wird eine Leiche im Swimming Pool entdeckt. Bald stellt sich heraus, dass einige der Anwesenden als Mörder in Frage kommen und Andi Hart das Opfer sogar aus der Vergangenheit kennt.
Den Anfang des Buchs habe ich sehr gern gelesen. Gegen Ende hat es sich jedoch sehr gezogen, so dass ich froh war, zum Ende zu kommen. Im Großen und Ganzen ist die Übersetzung von „To Die For“ ganz gut, aber einige Stellen sind mir doch negativ aufgefallen. So ist ein „yard sale“ keineswegs ein Hinterhofverkauf, sondern ganz einfach ein privater Flohmarkt. Und die wortwörtliche Übersetzung „Ich konnte nicht mehr geradeaus denken“ für „I couldn’t think straight any more“ ist auch keine Glanzleistung.
Das Buch wird im übrigen als Thriller vermarktet, Kriminalroman hätte es eher getroffen, denn über weite Strecken fehlt die Spannung. Von mir 3,5 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2024

Nicht umwerfend, aber ganz okay

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
0

Personenschützerin Amy Wheelers neueste Klientin ist die Erfolgsschriftstellerin Rosie d’Antonio, die von einem Russen bedroht wird. Rosie lebt auf einer privaten Insel in den USA, in deren Nähe ein toter ...

Personenschützerin Amy Wheelers neueste Klientin ist die Erfolgsschriftstellerin Rosie d’Antonio, die von einem Russen bedroht wird. Rosie lebt auf einer privaten Insel in den USA, in deren Nähe ein toter Influencer aufgefunden wird. Es ist bereits der dritte solche Fall und die Opfer, alles Influencer, wurden alle drei von derselben Agentur betreut. Was sie außerdem gemeinsam haben, ist, dass Amy sich zum Zeitpunkt ihres Todes immer in der Nähe befunden hat. Es sieht ganz so aus, als ob ihr jemand die Morde in die Schuhe schieben will. Amy beschließt daher, auf eigene Faust zu ermitteln. Helfen soll ihr dabei ihr Schwiegervater Steve, ein pensionierter Kriminalkommissar, der sich in seinem kleinen Dorf in England wohlfühlt und eigentlich keine Lust auf Mördersuche hat. Mit von der Partie ist Rosie, denn Amy ist ja nach wie vor für ihren Schutz verantwortlich.
Dieses ungleiche Trio jettet auf Mörderjagd um die Welt, wobei die verschiedenen Handlungsstränge manchmal ziemlich verworren sind. Die vielen Namen und Decknamen tragen auch nicht gerade zur Klarheit bei.
Am sympathischsten war mir Steve, der Amy zuliebe seine Komfortzone verlässt. Amy selbst bleibt trotz der Geschichten über ihre früheren Fälle blass und Rosie ist eine ziemlich skurrile und trinkfeste alte Dame, die am laufenden Band jüngere Männer vernascht.
Als großer Fan des Donnerstagsmordclubs habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut, doch leider kommt es an den Donnerstagsmordclub nicht heran. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Reihe weiterverfolgen werde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere