Profilbild von Ryria

Ryria

Lesejury Star
offline

Ryria ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Ryria über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.01.2025

Facetten des Elternseins

Only Margo
0

Nachdem sie ungeplant schwanger wird und ihren Job wegen des Babys verliert benötigt Margo schnell einen neuen Weg, an Geld zu gelangen - und entdeckt hierbei OnlyFans. Als Leser verfolgt man ihren Aufstieg ...

Nachdem sie ungeplant schwanger wird und ihren Job wegen des Babys verliert benötigt Margo schnell einen neuen Weg, an Geld zu gelangen - und entdeckt hierbei OnlyFans. Als Leser verfolgt man ihren Aufstieg auf der Plattform, aber auch ihre familiären Probleme und Konflikte mit den Behörden.
Der Schreibstil hat mir besonders gut gefallen, die ganze Geschichte ist gleichzeitig auch eine Liebeserklärung an das Spiel mit der Sprache: Die Perspektive wechselt von der ersten in die dritte Person und wieder zurück, je nachdem wie die "heutige" Erzähler-Margo zu ihrem damaligen Ich steht. Auch der Leser wird auf geschickte Art inkludiert, es fühlt sich an, als ob man die Geschichte einer Freundin erzählt bekommt, während einem gleichzeitig auch vermittelt wird, dass alles nur fiktiv ist.

Das Ergebnis ist eine Mischung aus lustigen Momenten, viel Sarkasmus, emotionalen Momenten und klugen Beobachtungen.
Die Realität einer Single-Mutter, das Verhalten mancher Menschen (im Internet) und die Schwierigkeiten des Lebens mit einem verpönten Beruf werden ungeschönt dargestellt - es ist nicht das, was man hören will, aber es wirkt dafür umso echter.
Auch die Charaktere wirken authentisch, teils mit Klischees, teils mit Tiefgang werden sie zum Leben erweckt. Sie sind alles andere als perfekt, haben komische Angewohnheiten und Macken und regen einen als Leser auch öfters mal auf.
Besonders interessant fand ich die verschiedenen Darstellungen der Eltern, wie sie ihre Liebe zeigen, wo ihre Grenzen liegen, was für sie "gute Eltern" ausmacht und die Kämpfe, die sie bestreiten müssen.

Ein weiteres Highlight für mich waren all die kreativen Ideen, die die Geschichte ergänzen: TikTok-Skripte, Fortnite-Runden, Pokemon-Referenzen und verrückte Erlebnisse. Für jemanden, der sich in dieser "Kultur" jedoch nicht so auskennt, geht vermutlich doch einiges verloren, auch wenn man die Handlung trotzdem gut verstehen sollte.
Allgemein wirkte alles sehr gut recherchiert, Gaming, Anime, Social Media, aber auch seriösere Themen wie Behördenabläufe, Gutachten, Anwaltstaktiken. Ich kenne mich in beiden Bereichen recht gut aus und fand es ziemlich realistisch und überzeugend für einen Unterhaltungsroman geschildert.
Lediglich die dunklen Seiten von OnlyFans hätten meiner Ansicht noch deutlicher beleuchtet werden können, daher empfehle ich nach der Lektüre noch die weitere Befassung mit dem Thema durch Youtube-Reportagen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2025

Spannend konstruierter Krimi auf zwei Zeitebenen mit verschiedenen Ermittlern

Finsteres Herz
0

Mendt und Elling stoßen bei ihren Ermittlungen auf das Mädchen Sarah, zusammen landen sie schließlich in einem sicheren Haus für Zeugen. Dort geht jedoch etwas gewaltig schief, was dazu führt, dass zwei ...

Mendt und Elling stoßen bei ihren Ermittlungen auf das Mädchen Sarah, zusammen landen sie schließlich in einem sicheren Haus für Zeugen. Dort geht jedoch etwas gewaltig schief, was dazu führt, dass zwei neue Ermittler den Fall übernehmen und herausfinden müssen, was genau passiert ist.
Für mich war es der erste Fall des Ermittlerduos, daher habe ich kurz gebraucht, um bei all den Personen und Namen durchzublicken, jedoch war dies schnell kaum noch ein Problem.
Man sollte jedoch generell darauf eingestellt sein, das Buch konzentriert zu lesen, da im weiteren Verlauf doch viele Zeugen, Kollegen und Verdächtige ihren Auftritt haben.
Auch wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen erzählt: Wir verfolgen gleichzeitig die ursprüngliche Ermittlung von Mendt und Elling sowie die neue Ermittlung, in der sich die Ermittler auf ihre Spuren begeben. Dies kann eventuell kurz verwirrend sein, ich habe mich aber schnell daran gewöhnt und mochte diesen besonderen Erzählstil sehr. Dazu beigetragen haben auch die vielen Perspektivwechsel, zwischendurch erlebt man die Handlung immer wieder auch mal aus der Sicht von anderen Beteiligten und erhält so einen tiefen Einblick in das Geschehen, ohne dass zu viel verraten wird.

Generell konnte ich super mitspekulieren und es hat großen Spaß gemacht zu sehen, wie sich nach und nach sämtliche Puzzleteile logisch zusammenfügten.
Anstatt ein reines Gut gegen Böse abzuliefern, hat der Autor hier verschiedenste Parteien ins Rennen geschickt, was zu interessanten Verwicklungen führt und den eigenen Moralkompass herausfordert.
Aber auch abseits von den Verbrechen fühlte ich mich gut unterhalten, denn zwischendurch gibt es immer wieder Abschnitte, in denen wir das Privatleben und die Familien der Ermittler kennenlernen. Die Charaktere wurden dadurch noch viel authentischer und ich habe mich ihnen auf menschlicher Ebene noch näher gefühlt und einige schnell ins Herz geschlossen.
Ein weiteres Highlight: Der Krimi spielt Ende 2006/Anfang 2007, was zu vielen lustigen kleinen Anspielungen führt, die für die damalige Zeit sinnvoll erschienen, über die wir heute jedoch lachen - so ein IPhone hat bestimmt keinen Erfolg, nicht wahr?
Insgesamt eine wirklich tolle Mischung aus spannendem Kriminalfall, authentischen Charakteren mit berührenden Momenten und einer geschickt konstruierten Geschichte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.12.2024

Die ganze Bandbreite der Emotionen

Endlich das ganze Leben
0

In "Endlich das ganze Leben" begleitet der Leser eine italienische Familie über viele Jahre hinweg, wobei sich die im Fokus stehenden Familienmitglieder abwechseln. Thematisch geht es vor allem um die ...

In "Endlich das ganze Leben" begleitet der Leser eine italienische Familie über viele Jahre hinweg, wobei sich die im Fokus stehenden Familienmitglieder abwechseln. Thematisch geht es vor allem um die Folgen einer tragischen Nacht, in der die junge Betta ihr Leben verliert, jedoch lernt man zunächst die Eltern und ihre Geschichte besser kennen. Dies mochte ich sehr, so sind sie mir als Charaktere direkt ans Herz gewachsen und ich habe eine Bindung zu ihnen aufbauen können.
Aber auch die später auftauchenden Charaktere waren großartig, sie alle hatten ihren Platz in der Geschichte und ihre ganz eigenen Stärken, Fehler und Sorgen. Kritisieren würde ich lediglich, dass manche Familienmitglieder zwar kurz erwähnt werden, dann jedoch später gar keine Rolle mehr spielen.

Der Schreibstil hat mir sehr zugesagt, ich war emotional immer komplett dabei und konnte auch in die Geschichte eintauchen, obwohl die Erzählperspektive im Grunde ja eher distanziert war. Das Ergebnis war eine bunte Mischung aus richtig schönen Momenten auf der einen Seite und Trauer und Verzweiflung als Kontrast dazu. Teilweise wirkte es auch ein wenig märchenhaft oder vielleicht auch kitschig, aber für mich hat es so gut gepasst - nach viel gelesener Traurigkeit habe ich mir auch wieder etwas Positives gewünscht. Für Fans von sehr realistischen und ungeschönten Romanen über dieses Thema mag dieses Buch daher evtl. nicht so passend sein, auch wenn es viele solcher Momente im Verlauf der Geschichte gibt.
Auch ein paar übernatürlich zu interpretierende Szenen kommen vor, jedoch meiner Meinung nach sehr dezent und geschmackvoll platziert. Sie haben das Geschehen für mich schön abgerundet statt störend zu sein.
Das Buch spielt generell gerne mit Metaphern und Parallelen in der Handlung, Ähnlichkeiten über mehrere Generationen. Ich mochte alle Handlungsstränge, daher fand ich den Fokuswechsel auch toll, immer wollte ich wissen, wie es weitergeht.
Von daher klare Empfehlung von mir, aber auch mit dem Hinweis, dass es wie erwähnt keine super realistische Geschichte in allen Punkten ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.12.2024

Aufwühlendes Porträt einer Familie in den Klauen von häuslicher Gewalt

Die Nacht der Bärin
0

"Ich wollte das alles nicht."
Wie oft muss jemandem die Hand ausrutschen, bis es kein Ausrutscher mehr war? Wann ist genug wirklich genug?
Die Geschichte von Jules Familie wird abwechselnd aus Jules Perspektive ...

"Ich wollte das alles nicht."
Wie oft muss jemandem die Hand ausrutschen, bis es kein Ausrutscher mehr war? Wann ist genug wirklich genug?
Die Geschichte von Jules Familie wird abwechselnd aus Jules Perspektive in der Gegenwart und der ihrer Mutter in der Vergangenheit erzählt. Durch viele Parallelen ergibt sich so eine interessante Erzähldynamik - und doch herrschen total andere Atmosphären.
Die Vergangenheit ist unglaublich bedrückend, man kann kaum atmen, über allem thront der tyrannische Vater, lediglich während der Ausflüge in den Wald kann man als Leser Luft holen. Dazu im Kontrast steht Jule, die wie selbstverständlich zunächst bei der Entdeckung ihrer Familiengeschichte nur positive Gedanken hat und so gar nichts ahnt.
Auch die Zitate am Kapitelbeginn tragen dazu bei, dass man sich immer unwohler fühlt - Kleinigkeiten mit großer Wirkung. In dem Sinne ist dieses Buch keine nette Unterhaltung für zwischendurch, dafür aber ein umso wichtigeres Buch, das hoffentlich auch Betroffene wachrüttelt und ihnen Hoffnung schenkt.

Ähnlich wie ihm echten Leben wird hier nämlich aufgezeigt, dass es nicht bei "Kleinigkeiten" bleibt, sondern immer weiter eskalieren kann. Als Leser rätselt man die ganze Zeit mit Jule darüber, was damals passiert ist, während man sich im nächsten Kapitel davor fürchtet, was der Vater macht. Auch wenn man vielleicht einiges weiß oder erahnen kann, gibt es immer wieder Überraschungen und der Verlauf bleibt unvorhersehbar.
Manche Charaktere hasst man ohne Frage, andere sind wahre Schätze, doch manche sind bewusst sehr "grau" - voller Fehler und doch auch Opfer. Diese letzte Portion Menschlichkeit und moralische Schuldfrage runden die Geschichte perfekt ab und sorgen dafür, dass es wirklich komplett authentisch erscheint.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2024

Kreativer und spaßiger Neuanfang

Free again - alles auf Anfang
0

Nach einer Trennung kann man entweder verzweifeln oder man nimmt sich ein Beispiel an Juliane und startet nochmal voll durch: Statt Hochzeiten plant sie nun Scheidungspartys und überzeugt hier auf voller ...

Nach einer Trennung kann man entweder verzweifeln oder man nimmt sich ein Beispiel an Juliane und startet nochmal voll durch: Statt Hochzeiten plant sie nun Scheidungspartys und überzeugt hier auf voller Linie.
Als Leser kann man sie auf ihrem Weg begleiten und hat dabei auch immer was zu lachen.
Schön fand ich, dass der Roman sich Zeit lässt, man kann in aller Ruhe erstmal Juliane und ihr Umfeld kennenlernen. Diese war mir auch direkt total sympathisch, ihr Charakter ist sehr humorvoll und angenehm sarkastisch.
Auch die Nebencharaktere sind mir schnell ans Herz gewachsen, sie haben alle so ihre kleinen Macken, aber wirken sehr authentisch und sorgen immer wieder für Momente, die einem das Herz aufgehen lassen.
So muss Juliane beispielsweise mit einem Teenager als Mitbewohner auskommen, was sie teilweise halb zur Verzweiflung treibt, dafür aber umso schöner anzusehen ist, als sie sich langsam anfreunden.

Eine andere große Stärke des Romans sind die Scheidungspartys. Diese dienen nicht nur als Aufmacher im Klappentext, sondern nehmen tatsächlich einen großen Teil der Geschichte ein. Man lernt die Kunden kennen, ihre Wünsche und Vorstellungen und erlebt, was Juliane daraus macht. Dadurch bekommt man einen richtig guten Einblick in ihre Arbeit, die auch echt wirkt - ich konnte mir gut vorstellen, dass die Planung wirklich so ablaufen würde. Dazu hat sich die Autorin noch wunderbar ausgetobt mit kreativen und lustigen Partyideen rund um die Scheidung - einfach lesen und überraschen lassen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere