Der Weg aus der Einsamkeit - emotionale Reise von drei Frauen
Die Anatomie der EinsamkeitWorum es geht:
Die Geschichten wird aus drei Perspektiven und drei Zeitebenen erzählt.
Mathilde möchte im Jahr 1950 ihrem Leben ein Ende setzen indem sie ins Meer geht und nicht zurück kommt.. In letzter ...
Worum es geht:
Die Geschichten wird aus drei Perspektiven und drei Zeitebenen erzählt.
Mathilde möchte im Jahr 1950 ihrem Leben ein Ende setzen indem sie ins Meer geht und nicht zurück kommt.. In letzter Sekunde wird sie gerettet. Claire lebt im Jahr 2000 in New York als erfolgreiche Anwältin. Sie hält nicht viel von Liebesbeziehungen, doch als sie sich in einen Kollegen verliebt, scheint sich das Blatt zu wenden. Zeitgleich erreicht sie die Nachricht vom Tod ihrer Zwillingsschwester Iris. Die beiden haben sich mehr als zehn Jahre nicht gesehen, Iris lebte zuletzt allein auf einer einsamen Insel. Kurzerhand beschließt Claire, auf diese Insel zu reisen und mehr über ihre Schwester zu erfahren. Olive möchte im Jahr 2022 mehr Projekte als Journalistin übernehmen, ihre Chefin traut ihr dies jedoch nicht zu. Von ihrer noch lebenden Großmutter besitzt sie einen scheinbar wertlosen Kompass. Als in Hamburg in der Hand einer Leiche genau der gleiche Kompass auftaucht und in den Medien erscheint, reist Olive kurzerhand mit ihrem Kollegen Tom nach Hamburg um das Geheimnis des Kompasses zu lüften und auch eine gute Geschichte für die Arbeit zu bekommen.
Meine Meinung:
Ich hatte von Louise Pelt bereits "Die Halbwertszeit von Glück" gelesen und war restlos begeistert, sodass ich mich auch sehr auf ihren neuen Roman gefreut habe. Wie auch im ersten Roman gibt es drei Frauen in drei Zeitebenen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch etwas verbindet. Von diesem Aufbau war ich bereits Fan im ersten Roman.
Bereits das erste Kapitel baut eine ordentliche Spannung auf und wirkt nach: Mathilde möchte sich das Leben nehmen, ihre Verzweiflung, Angst und Zerrissenheit wird so wunderbar beschrieben, wie es nur Louise Pelt schafft. Die Ohnmacht verdichtet sich immer mehr - bis sie gerettet werden kann und das Kapitel endet. Danach lesen wir abwechselnd aus Claires und Olives Sicht, außerdem gibt es dazwischen immer wieder Gedichte, die um 1945 bis 1950 von einem unbekannten Verfasser geschrieben wurden.
Claire ist ein kontrollierter Mensch, sie hat gerne stets alles im Griff und lässt Gefühle kaum zu. Sie bewohnt ein luxuriöses Apartment mit bester Sicht, ist aber tief im Herzen unglücklich und einsam. Die Nachricht vom Tod der Zwillingsschwester erreicht sie völlig unvorbereitet. Nach und nach wird aufgedeckt, was zum Bruch der beiden geführt hat. Mit dem Ankommen auf der Insel fällt die Unruhe und Kontrolle immer mehr von Claire ab. Sie erfährt immer mehr über ihre Schwester und kommt dabei auch sich selbst näher. In dieser Einsamkeit schafft sie es, auf den Grund ihres Herzens zu schauen.
Olive hingegen wirkt tollpatschig, unsicher und unstrukturiert. Sie ist besorgt um ihre Großmutter Poppy, die mit über neunzig mehr und mehr körperlich und geistig abbaut. Olive möchte so gerne eine gute Journalistin werden, aber ihr fehlt die zündende Idee. Sie ist zwar behütet aufgewachsen, aber fühlt sich schon lange tief im Herzen einsam und nicht zugehörig. Auch sie lernt auf der Reise, die sie mit dem unliebsamen Tom antreten muss, mehr über sich, ihre Familie und ihre Wünsche.
Vor allem die Gedichte zwischen den Kapiteln zeugen von großer sprachlicher Brillanz und drücken eine große Sehnsucht und Einsamkeit aus. Generell schreibt Louise Pelt auch hier wieder großartig, sie findet für jede Geschichte und Frau eine eigene Sprache und beschreibt das Gefühlsleben intensiv. Gerade die abwechselnden Kapitel bringen eine gute Spannung mit und man liest gespannt weiter, wie die drei Geschichten zusammenhängen. Diese Verknüpfung mit dem Kompass als allumspannendes Symbol ist sehr gut umgesetzt.
Einziger Kritikpunkt sind für mich die Längen, die die Geschichte in der Hälfte des Buchs hatte und den Lesefluss etwas gestört haben. Das ist jedoch Kritik auf sehr hohem Niveau und büßt nichts von der wunderbaren Geschichte ein, die Louise Pelt hier geschaffen hat.
Mein Fazit:
"Die Anatomie der Einsamkeit" ist ein wunderbarer und gefühlvoller Roman, der sich zwar primär um das Thema Einsamkeit dreht und diese sehr gut in die Geschichte einbindet, aber noch so viele Themen mehr behandelt: Sehnsucht, Mut, Hoffnung und Ankommen sind genau so wichtig zu erwähnen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!