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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.07.2025

Liebe ohne Worte

How to Fight Fate: Ist es wahre Liebe, wenn das Schicksal den Seelenpartner vorherbestimmt? Enemies-to-Lovers-Romantasy Young Adult Buch ab 14 Jahren mit Farbschnitt nur in der 1. Auflage (Fate Dilogie, Bd. 1)
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“How to Fight Fate” ist das erste Buch einer Dilogie von Saskia Louis. “Ein fantastisch-romantisches Plädoyer für die wahre, selbstbestimmte Liebe!” - während der Klappentext im Allgemeinen nach typischer ...

“How to Fight Fate” ist das erste Buch einer Dilogie von Saskia Louis. “Ein fantastisch-romantisches Plädoyer für die wahre, selbstbestimmte Liebe!” - während der Klappentext im Allgemeinen nach typischer Romantasy klingt, war es dieses Versprechen ganz am Schluss, das mich irgendwie persönlich herausgefordert hat. Denn obwohl das Subgenre so gar nicht meins ist (meine romantische Leseader ist nicht sehr ausgeprägt), suche ich doch immer wieder nach der Romanze, die mich - abseits von Klischees und Vorhersehbarkeit - doch noch überzeugen wird. War das hier der Fall? Nein. Aber interessant wars trotzdem.

Romantasy ist per se, und wie alle anderen Genres auch, an genrespezifische Tropes und Plotstrukturen gebunden. Es wäre naiv, etwas anderes zu erwarten und sinnlos die Erfüllung solcher Erwartungen zu kritisieren. Also kann ich hinnehmen, dass das Pairing hier nicht überraschend war und ihre Annäherung erwartbaren Mustern folgte. Charmant und gut umgesetzt fand ich den Umstand, dass es in Louis Welt kein Konzept von selbstbestimmter Liebe gibt. Konsequenterweise haben die Figuren also keine allgemeinen Konzepte und Worte, die sich zur Beschreibung dessen eignen, was sie erleben. Entsprechend arbeiten Kiana und Tyron mit Umschreibungen dieser Konzepte und legen auch die zu erwartende Verwirrung an den Tag. Obwohl gut in Szene gesetzt, hätte darauf sogar noch mehr Fokus liegen dürfen - mich hat das gut unterhalten.

Die Chemie zwischen den beiden war sogar für mich als Romantiktrampel spürbar und die gegenseitige Anziehung und zunehmende Faszination auch glaubwürdig und nachvollziehbar. Vielleicht ein bisschen schnell, aber immerhin war eine Entwicklung sichtbar und festgefahrene Ansichten und Überzeugungen verändern sich mit der Zeit, nicht über Nacht. Nevin, das dritte Rad am Wagen, hat die Dynamik des Pairings gut ergänzt und mit seiner Charaktertiefe der Geschichte und vor allem Tyron noch mehr Profil verpasst. Das Geplänkel und die Neckereien zwischen den Dreien ist zwar unterhaltsam, allerdings stellenweise etwas übertrieben und wirkt auf mich durch die Autorin aufgesetzt. Für mich ist spürbar, dass da jemand stark daran gearbeitet hat, lustig zu sein.

Positiv hervorzuheben ist bei diesem Roman aber das Worldbuilding und der durchaus komplexe Plot. Im Gegensatz zu vielen anderen Romantasybüchern, dient beides als mehr als nur Kulisse und Alibi. Bonus: Welt, Plot und Romanze sind hier so eng miteinander verwoben, dass eines ohne die anderen kaum denkbar wäre und wirken somit organisch auseinander herausgewachsen. Ich habe es ernsthaft genossen, das Gesellschaftssystem und die die Geheimnisse dieser Welt zu erkunden - und freue mich darauf, im zweiten Band wieder in die Handlung und die Welt einzutauchen. Den miesen Cliffhanger am Ende - scheinbar ein weiteres, für mich befremdliches Genre-Must - hätte ich dazu nicht gebraucht.

Ich bedanke mich beim Ueberreuter Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Ein Teppich aus Geschichten

Frau im Mond
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“Frau im Mond”, geschrieben von Pierre Jarawan, ist die Erzählung von Lilit el Shami, einer Kanadierin libanesischer Abstammung, die den Leerstellen in ihrem Leben nachspürt. Dabei begibt sie sich auf ...

“Frau im Mond”, geschrieben von Pierre Jarawan, ist die Erzählung von Lilit el Shami, einer Kanadierin libanesischer Abstammung, die den Leerstellen in ihrem Leben nachspürt. Dabei begibt sie sich auf eine Reise durch die Generationen in die Vergangenheit und zurück in die Gegenwart. Sie entdeckt die politische Geschichte einer fremden Heimat und eines verleugneten Genozids, aber auch die Geschichten von Menschen, ihrem Leid, ihrem Überleben, ihren Kämpfen und ihrem Streben; Geschichten von grossen Träumen, Hoffnungen und der Reise zum Mond.

Pierre Jarawan erzählt mit “Frau im Mond” nicht nur eine Familiengeschichte oder die Geschichte eines Landes. Er kreiert ein komplexes Bild, eine Collage. Aus einzelnen Fetzen und Anekdoten schält sich beim Lesen erst allmählich ein roter Faden heraus. Zeitlinien wechseln sich ab, neue Fäden kommen hinzu, werden aufgedröselt, beiseite gelegt, später weiter verfolgt. Diese verschachtelte Erzählweise, kombiniert mit der unaufdringlich poetischen Sprache lädt zum Beobachten, Erkunden und Schwelgen ein - hat mitunter aber auch an den Grenzen meiner Geduld gekratzt. Immer wieder ergeben sich neue Perspektiven auf die Reise und die Umwege - nach zwei, drei Schritten zur Seite, vorwärts und wieder zurück. Und erst zum Schluss ist vollständig zu erkennen, wie Vergangenheit und Gegenwart, Individuen und Gesellschaft miteinander verwoben und verknüpft sind.

Pierre Jarawan versteht es, schier unzählige fein gesponnene Fäden aus Geschichten zu einem einzigen, dichten Teppich, einem meisterhaften Gesamtwerk zu verknüpfen. Als solches hat mich “Frau im Mond” nachhaltig beeindruckt. Meine Lesereise zu diesem Ziel ging aber auch mit gelegentlichem Frust und einem Hauch von “zu viel des Guten” einher.

Ich bedanke mich herzlichst bei Vorablesen und dem Berlin Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene!

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Ein Actionmovie in Buchform

Die Herde
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Ein schwedischer Biologe, der sich kompromisslos für den Schutz der Tiere einsetzt. Eine Ingenieurin, die als erste Frau einen Staudamm in China bauen darf. Eine Herde Elefanten, die ihren Naturpark verlässt. ...

Ein schwedischer Biologe, der sich kompromisslos für den Schutz der Tiere einsetzt. Eine Ingenieurin, die als erste Frau einen Staudamm in China bauen darf. Eine Herde Elefanten, die ihren Naturpark verlässt. Ein Regierungsbeamter und ein Grosswildjäger, die Blut wittern. Ein schwedischer Archäologe auf den Spuren eines jahrtausendealten Geheimnisses in Mexiko. Dazu eine wildgewordene Affenbande in Bangkok und penetrante Grackeln in Houston. - Das ist Thilo Winters Öko-Thriller “Die Herde”.

Kurze Kapitel, häufige Perspektivenwechsel, Cliffhanger bis die Arme schmerzen und immer ist die nächste Krise in Sichtweite- Winter versteht es, seine Leser:innen nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Diese Strukturelemente gepaart mit Winters bildhaften Erzählstil erweckte bei mir den Eindruck, einen Film zu lesen, das Buch quasi durch die Kamera zu verfolgen. Das hat die Spannung und die Herzfrequenz beim Lesen definitiv hoch gehalten. Diese Erzählweise hatte für mich allerdings den Nachteil, dass sie mich zur Zuschauerin machte. So habe ich Handlung und die Figuren eher aus der Distanz, aus einer Aussenperspektive beobachtet und hatte wenig Gelegenheit, in die Geschichte einzutauchen. Auch die vielen Perspektiven und Identifikationsfiguren waren etwas überwältigend - ich konnte mich einfach nicht überall emotional engagieren. Viele Figuren blieben für mich (zu) flach, Entwicklung nicht glaubhaft genug. Insbesondere der stereotype Überbösewicht war für mich uninteressant.
Interessant war hingegen die Handlung als Ganzes, inklusive des Themas. Während man sich am Anfang noch fragt, wie das alles zusammenhängt, verdichten sich im Verlauf die Parallelen. Noch interessanter wäre es gewesen, wenn ich als Leserin noch etwas mehr hätte miträtseln können, wenn es Hinweise auf die Lösung zu entdecken gegeben hätte. Wäre ich da etwas mehr involviert gewesen, wäre mir die abschliessende Erklärung vielleicht etwas weniger dünn vorgekommen. Thematisch legt Winter aber eine starke Konklusion und Message vor, die in einem informativen und anregenden Nachwort eine überzeugende Pointe finden.

Im Fazit würde ich “Die Herde” von Thilo Winter als gute Unterhaltung mit philosophisch solidem Unterbau bezeichnen. Stilistisch attraktiv präsentiert, spannend, kurzweilig. Action ja, der Thrill blieb aber aus - dafür war ich sowohl emotional als auch sachlich zu wenig involviert. Hängen bleibt weniger die Geschichte als die Message. Und in diesem Fall ist dieser erhobene Zeigefinger im Gedächtnis sogar wünschenswert.

Ich bedanke mich beim Verlag Lübbe für das Rezensionsexemplar und bei meinen Mitleser:innen bei Lesejury für den anregenden Austausch in der Leserunde! Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.

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Veröffentlicht am 22.01.2025

Überraschend packend

We hunt the Flame
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“We hunt the Flame” ist der erste Band von Hafzah Faizals Dilogie “Die Reiche von Arawiya”, die im Droemer Knaur Verlag erscheint und von Bastian Ludwig übersetzt wurde. Slowburn Romantasy, Enemies-to-Lovers, ...

“We hunt the Flame” ist der erste Band von Hafzah Faizals Dilogie “Die Reiche von Arawiya”, die im Droemer Knaur Verlag erscheint und von Bastian Ludwig übersetzt wurde. Slowburn Romantasy, Enemies-to-Lovers, in den USA ein grosser Erfolg, von TikTok gefeiert - meine Erwartungen waren bescheiden. Nicht nur wegen des Subgenres und der Marketingschlagworte, sondern weil mir “A Tempest of Tea” der Autorin so gar nicht zugesagt hatte. Wieso ich “We hunt the flame” dann doch gelesen habe? Weil ich Potenzial habe aufblitzen sehen - im Schreibstil, der Sprache, beim Worldbuilding, bei den Charakteren. Ich hatte die Hoffnung, dass dieses Potenzial in dieser Dilogie nicht Opfer der Struktur wurde. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Faizal entführt ihre Leser:innen in ein arabisch anmutendes Setting, das einerseits authentisch, andererseits klar phantastisch wirkt. Es scheint (einem Laien wie mir), dass die Autorin die Begriffe und fremde Sprache, die sie gebraucht, beherrscht. Und ausserdem eine gute Balance gefunden hat, Ausdrücke sowohl fliessend im Text zu erläutern, als auch diese im Zusammenhang verständlich werden zu lassen. Dazu kommt ein blumiger, opulenter Stil, der die märchenhafte Atmosphäre von Arawiya wunderbar zum Leben erweckt. Mir hat auch das Pacing zugesagt - Faizal lässt sich Zeit, die Charaktere und ihre Lebenswelt einzuführen, zu zeigen, woher sie kommen und zieht das Tempo dann beständig an. Dabei bleiben sich die Figuren selbst treu, handeln aus ihrem Charakter heraus und formen so den Plot. Überhaupt waren es die Charaktere, die mich nicht nur in ihrem Entwurf, sondern auch in ihrer Entwicklung und im Zusammenspiel überzeugt haben. Die zwischenmenschlichen Konflikte und die Geheimnisse, die ich als Leserin nach und nach entdecken durfte, waren für ein Romantasybuch ausgesprochen vielschichtig und interessant. Die Romance hätte es, damit die Geschichte funktioniert, im Grunde gar nicht gebraucht - und das ist in diesem Genre doch eher aussergewöhnlich. Und sie war dann auch das einzige, was mich nicht vollends vom Buch überzeugen konnte. Obwohl relativ unaufdringlich und sogar einigermassen nachvollziehbar gemacht, hat mich die Liebesgeschichte zwischen Zafira und Nasir eher gestört und kam dann eben doch nicht ohne Klischees und Oberflächlichkeiten aus.

Wider Erwarten hat mir “We hunt the flame” ausgesprochen gut gefallen und hat mich vor allem durch ein lebendiges Setting, interessante Charaktere und einen aufregenden Plot überzeugt. Obwohl die grobe Struktur und einige Wendungen einfach durchschaubar waren, blieben genug Geheimnisse, Überraschungen und Konflikte, um die Spannung hoch zu halten - auch für den zweiten Band.

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar und natürlich bleibt meine Meinung, wie immer, trotzdem meine eigene!

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Veröffentlicht am 17.01.2025

Spannend aber wenig atmosphärisch

Der Sternenstaubdieb
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“Der Sternenstaubdieb” von Chelsea Abdullah ist der erste Band der Sandsea Trilogie, die bei der Hobbit Presse von Klett-Cotta erscheint. Übersetzt aus dem Englischen wurde das Buch von Urban Hofstetter. ...

“Der Sternenstaubdieb” von Chelsea Abdullah ist der erste Band der Sandsea Trilogie, die bei der Hobbit Presse von Klett-Cotta erscheint. Übersetzt aus dem Englischen wurde das Buch von Urban Hofstetter. Gelockt hat mich das Buch durch das orientalische Setting und ein starkes Intro in der Leseprobe. Erwartet habe ich ein märchenhaftes High Fantasy Epos mit der Märchenatmosphäre von 1001 Nacht.

Nach einem starken ersten Kapitel kam für mich erst einmal die Ernüchterung - irgendetwas fühlte sich beim Lesen falsch an. Etwas fehlte, war nicht stimmig. Immer wieder habe ich mich beim Lesen über den Stil geärgert, die für mich unpassende Wortwahl. Da wollte bei mir einfach keine Stimmung aufkommen, der Stil war mir zu banal, fast schon holprig und wurde dem Setting einfach nicht gerecht. Der Text ist ausserdem mit auffallend viele (abgenutzte und kaum originelle) Redewendungen und Floskeln gespickt, die wenig Eindruck schinden. Die Charaktere blieben mir vorerst unzugänglich - sie wirkten auf mich flach und sogar einfältig, ihre Beweggründe schienen mir zufällig und kaum logisch und schon gar nicht zwingend. Die Dialoge waren statisch und geradezu kindisch - so redet doch niemand… Ich habe mich also innerlich darauf vorbereitet, mich durch 500 Seiten Belanglosigkeiten und in meinen Augen schlechte Schreibe zu mühen.
Doch dann ziehen Loulie und ihre Gefährten in die Wüste. Und es war, als hätte ich ein anderes Buch in der Hand. Die Autorin beweist im weiteren Verlauf grosses Geschick, das Tempo konstant hoch zu halten, ihre Figuren in absurd gefährliche Situationen zu bringen und diese auch extrem spannend zu erzählen. Mit mehr Handlung werden auch die Charaktere gleich viel spannender - denn nun müssen sie zeigen, wer sie sind und was sie können. Und das tun sie auf überzeugende Art und Weise. Die langsamen, reflexiven Szenen dazwischen - und insbesondere die Dialoge - wurden zwar nicht besser, aber durch die Isolation erträglicher. Ausserdem kamen allmählich Hintergrundinformationen ans Licht, die Handlungen und Haltungen der Figuren endlich etwas verständlich werden liessen. Der starke Spannungsbogen und die unerwarteten Wendungen haben mich ausserdem für den zähen Anfang und die eher lahmen Zwischenszenen mehr als entschädigt. Und irgendwann konnte ich das Buch dann kaum noch aus der Hand legen.

“Der Sternenstaubdieb” war für mich eine Achterbahnerfahrung - je höher das Tempo, desto besser hat es mir gefallen. Inhaltlich und stilistisch. Wirklich schön zu lesen war es nicht - dafür spannend, überraschend und aufregend. Es ist nicht so ganz, was ich erwartet habe und hat mich im Fazit dennoch überzeugt und mich für die Folgebände gewinnen können. Ich bedanke mich beim Verlag und dem Team bei Vorablesen für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt - natürlich und wie immer - trotzdem meine eigene.

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