Platzhalter für Profilbild

Leseigel

Lesejury Star
offline

Leseigel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Leseigel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2025

Gefangen in einer unglücklichen Ehe

Coast Road
0

Der Roman spielt in einer kleinen irischen Stadt im Herbst 1994, als Scheidungen noch verboten waren. Männer hatten bedeutend mehr Freiheiten. Das lag meiner Ansicht nach vor allem daran, dass eine Frau ...

Der Roman spielt in einer kleinen irischen Stadt im Herbst 1994, als Scheidungen noch verboten waren. Männer hatten bedeutend mehr Freiheiten. Das lag meiner Ansicht nach vor allem daran, dass eine Frau wirtschaftlich völlig von ihrem Ehemann abhängig war und am herrschenden Rollenbild. Haushalt, Kinder und im konservativen Irland die Kirche, das war der Wirkungskreis der Ehefrau.
Dementsprechend groß ist die Aufregung in der Gemeinde, als Colette Crowley in den Ort zurückkehrt. Sie hatte ihre Familie - Ehemann und Kinder - verlassen, um in Dublin zu leben. Erschwerend in den Augen der anderen kommt hinzu, dass sie eine Dichterin ist und somit auch hier nicht den Konventionen entspricht. Den Preis, den sie für ihren Ausbruch bezahlt, ist hoch. Ihr Mann, Fabrikbesitzer und von Einfluss, verbietet ihr den Kontakt zu ihren Kindern, zahlt keinen Unterhalt.
Izzy ist mit einem Politiker verheiratet, der die meiste Zeit nicht zuhause ist Sie wäre gerne berufstätig, was er ablehnt und wünscht sich mehr Unterstützung von ihm. Das führt immer wieder zu Streit. Dolores ist die dritte wichtige Person. Sie ist ebenfalls Hausfrau und betreut die wachsende Kinderschar. Ihr Ehemann Donal ist ein notorischer Fremdgänger, der seine Frau demütigt. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als Colette das Ferienhaus der beiden mietet.
Ich habe schon lange keinen Roman mehr gelesen, der mich emotional so bewegt hat. Zum einen fand ich die Situation der Frauen schreiend ungerecht . Zum anderen fand ich es bestürzend, dass die geschilderten gesellschaftlichen Verhältnisse erst 30 Jahre zurückliegen. Colette ist für mich eine tragische Figur. Sie dachte, sie hätte die Liebe gefunden, wollte frei sein, um dann zu erkennen, dass sie einer Illusion erlegen ist und nicht ohne ihre Kinder leben kann. Ihr den Umgang mit ihren Kindern zu verbieten, fand ich unmenschlich. Was mich zudem entsetzt und wütend gemacht hat, war, dass vor allem die Frauen, sich das Maul über sie zerrissen und sie ausgegrenzt haben. Izzy weiß nicht so recht, wie sie sich gegenüber Colette verhalten soll. Trotz Bedenken und mit einem schlechten Gewissen verhilft sie Colette zu einem heimlichen Treffen mit ihrem Sohn. Auch Izzy zahlt für ihre Hilfsbereitschaft einen hohen Preis. Dennoch ist sie für mich diejenige, die am Ende Hoffnung aufkommen lässt. Ich fand ihre persönliche Entwicklung und ihre Erkenntnisse sehr überzeugend. Neben Colette gehört mein Mitgefühl auch Dolores, obwohl ich sie nicht mochte. Sie bemüht sich, alle Erwartungen zu erfüllen und steht dann mit leeren Händen da.
Die Sprache im Buch ist sachlich, ohne Pathos und lässt sich sehr gut lesen. Ich konnte mich trotz der unterschiedlichen Charaktere gut in die Frauen hineinversetzen. Für mich war es unfassbar, dass alle drei Frauen keine Möglichkeit hatten, ihre Lebenssituation durch eine Scheidung zu verändern und neu zu beginnen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.01.2025

Fesselnder Politthriller mit bestechend aktuellem Bezug

Von Schafen und Wölfen
0

Einen möglichen politischen Skandal aufdecken und damit die Existenz des Zeitungsverlages und dessen Beschäftigten riskieren oder den Mund halten und eine lohnende Fusion mit dem Unternehmen eines Medienmoguls ...

Einen möglichen politischen Skandal aufdecken und damit die Existenz des Zeitungsverlages und dessen Beschäftigten riskieren oder den Mund halten und eine lohnende Fusion mit dem Unternehmen eines Medienmoguls ermöglichen ? Vor dieser Frage steht die Verlagsinhaberin und Herausgeberin Helen der angesehenen "Deutschen Allgemeinen Zeitung " Wie es zu dieser Situation kam, erzählt der Autor in Rückblenden, die einzelne Begebenheiten schildern, die erst nach und nach ein Ganzes bilden. Nach vielen Jahren des Schweigens nimmt eine Freundin von Chefreporter David Jakubowicz Kontakt zu ihm auf und bittet um Unterstützung. Er zögert und kurz darauf kommt sie bei einer Explosion zusammen mit einem weiteren alten Freund ums Leben. Von Schuldgefühlen und Neugierde beflügelt , versucht David Licht ins Geschehen zu bringen. Zusätzlichen Antrieb erhält er, als der BND mit ins Spiel kommt. Der Ursprung der Ereignisse scheint beim Ex-Präsidenten Adam Rycart zu liegen, der an einem tödlichen Gendefekt leiden soll. Würde diese Information an die Öffentlichkeit gelangen, wäre seine politische Karriere beendet. Währenddessen ist die Journalistin Emma Bricks hinter einer Story her. Sie hat einen Obdachlosen kontaktiert, der aktiv am Sturm auf das Capitol beteiligt war und dabei möglicherweise eine Frau getötet hat.
Mein Einstieg ins Buch war etwas holprig, weil die mich kurzen Sequenzen zu Beginn etwas verwirrt haben. Das ändert sich schlagartig , als die Handlung sich überwiegend in der Vergangenheit abspielt. Ich war von der Skrupellosigkeit ,mit der Politiker ihre Pfründe schützen, entsetzt. Korrupt, auf den eigenen Vorteil bedacht sind Menschenleben nichts wert. Hinzukommt, dass sie die Macht und die Mittel haben, ihre Interessen durchzusetzen, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Spannend war besonders, dass ich mir nie sicher sein konnte, welche Ziele der Einzelne verfolgt und ob er zu den Guten oder Bösen gehört. Zu meinem Bedauern und auch gelegentlicher Freude lag ich mit meiner Einschätzung mehrmals daneben.
Ganz nebenbei thematisiert der Autor auch die Frage, wem oder was ist eine Zeitung verpflichtet, als er die Verantwortlichen des Verlages über die mögliche Veröffentlichung der brisanten Informationen diskutieren lässt. Für mich war das ernüchternd. Der Extrapunkt, der meine Lesefreude zusätzlich befeuert hat, war die Person Adam Rycart , der große Ähnlichkeit zu Trump aufweist. Die Darstellung durch den Autor war so überzeugend, dass ist sie als mögliche Erklärung für einige Absonderheiten für nachvollziehbar halte, obwohl es natürlich reine Fiktion ist.
Das Buch liest sich packend bis zur letzten Seite und war sprachlich ein echtes Vergnügen. Das Ende ist für mich realistisch, hinterlässt aber bei mir ein Gefühl der Enttäuschung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2025

Schöne, unterhaltsame Lesestunden voller Emotionen und historischer Fakten

Der Unendlichkeit so nah
0

Emma ist hochbegabt und hatte in der Vergangenheit schon immer Probleme mit sozialen Kontakten. Vielleicht mit ein Grund , warum sie sich so lange ihrem Freund Michael untergeordnet hat. Als sie ihm, der ...

Emma ist hochbegabt und hatte in der Vergangenheit schon immer Probleme mit sozialen Kontakten. Vielleicht mit ein Grund , warum sie sich so lange ihrem Freund Michael untergeordnet hat. Als sie ihm, der sich aus beruflichen Gründen in den USA aufhält, freudestrahlend berichtet, dass sie kurz davor stehet ins ESA-Astronautenprogramm aufgenommen zu werden, stellt er sie vor die Entscheidung er oder ESA. Als sie aufgewühlt durch Washington läuft, trifft sie durch einen glücklichen Zufall die Amerikanerin Becky und nimmt spontan deren Einladung nach Hawaii an. Dort angekommen fühlt sich Emma sofort heimisch und Beckys Sohn Elias lässt sie auf eine neue Liebe hoffen. Die beiden ahnen nicht, dass sie über die Vergangenheit hinweg miteinander verbunden sind.

Die Autorin nimmt mich auch mit in das Jahr 1904 ins ungarische Temeswar. Dort lerne ich Marie und Susanna kennen. Beide sind überzeugt, nichts kann ihre Freundschaft zerstören. Doch wie so oft hat das Leben was dagegen. Marie und Susanna verlieben sich beide in den jungen Musiker Johannes, der wiederum Marie liebt. Die Eifersucht lässt Susanna Dinge tun, die das Leben der beiden Mädchen nachhaltig verändern wird. Susanna bleibt in Temeswar. Der 1. Weltkrieg bricht aus. Kurze Zeit davor stirbt Maries Mutter und ihr Vater versinkt in Schwermut. Um ihn wieder ins Leben zurückzuholen, finanzieren Freunde die Überfahrt nach New York . Die Wege der Mädchen haben sich getrennt, aber es ist nicht das Ende ihrer gemeinsamen Geschichte.

Die Autorin hat mir wunderschöne Lesestunden beschert . Abwechselnd begleite ich Emma und Elias , dann wieder Marie und Susanna auf ihrem Lebensweg. Dadurch ergeben sich zwangsläufig Cliffhänger, die die Spannung steigern und durch die Gegenüberstellung der Lebensläufe treten Unterschiede klarer zutage. Ich wage nicht zu beurteilen, welches Leben leichter ist. Zumindest hat Emma beruflich mehr Möglichkeiten, aber dadurch auch die Last der Entscheidung. Alle drei Frauen haben gemeinsam, dass Familie und Gesellschaft Erwartungen an sie stellt, die nicht immer mit den eigenen Wünschen harmonieren . Was sie vereint, ist der Wunsch nach Liebe und Glück und ebenso zuverlässig schlägt das Schicksal erbarmungslos zu.

Due Autorin spricht viele gesellschaftliche Probleme und historische Ereignisse ,sowohl damals wie heute , an und bringt sie mir persönlich nahe. Manches wird nur angerissen, was mich aber nicht gestört hat, sonst wäre die Handlung ausgeufert. Und es ist ein Unterhaltungsroman und kein Sachbuch. Aber die Autorin macht Dinge sichtbar und gibt Denkanstöße und ich konnte aus der Fülle der Informationen das auswählen und vertiefen, was meinen Neigungen entspricht Die Geschichte wird mitreißend und lebendig erzählt , so dass ich mich gut in die Figuren hinein versetzen konnte. Manches Verhalten erklärt sich erst durch die historischen Gegebenheiten. Mein Fazit ?Ich bin begeistert und voller Vorfreude auf die Fortsetzung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2025

Fesselnd, verwirrend und voller Emotionen

The True Story, Kriminalroman
0

Tom, Leiter einer SEK-Einheit, wird bei einem Einsatz schwer verletzt. Sein bester Freund und Kollege kommt dabei ums Leben. Gesundheitlich angeschlagen und voller Schuldgefühle gilt es nun einen neuen ...

Tom, Leiter einer SEK-Einheit, wird bei einem Einsatz schwer verletzt. Sein bester Freund und Kollege kommt dabei ums Leben. Gesundheitlich angeschlagen und voller Schuldgefühle gilt es nun einen neuen Platz im Polizeigefüge zu finden. Um seinen Erfahrungsschatz zu erweitern, wird er ausgerechnet dem Morddezernat zugewiesen, das was er absolut nicht wollte. Und es kommt noch schlimmer. Es gibt gleich am ersten Tag einen spektakulären Mord an einer Bestsellerautorin. Zur Hauptverdächtigen avanciert in kürzester Zeit Claudia Kramer. die eher erfolglos Bücher schreibt. Tom hält sie für unschuldig und lässt bald die professionelle Distanz vermissen und setzt damit seine berufliche Zukunft aufs Spiel.

Ehrlich gesagt, konnte ich Tom von Beginn an nicht ausstehen. Schweres Schicksal hin oder her, fand ich seine negative Sichtweise auf wirklich alles bei seiner neuen Dienststelle nur kindisch. Mit der Zeit wurde ich richtig wütend. Hinzu kam, dass er sich für was besseres hält und mitleidig auf die neuen Kollegen herabsieht, die sich Mühe geben, ihn zu integrieren. Dabei hat er fachlich einige Defizite, weil es bisher einfach nicht zu seinen Aufgaben gehört hat. Ganz schlimm wird es , als er sich für Claudia verantwortlich fühlt und berufliche Regeln für sie bricht. Seine Vorgesetzte erkennt die Gefahr, versucht gegen zu steuern und hat in meinen Augen eine Engelsgeduld. Mein persönliches Problem war. dass ich Claudia von Herzen nicht leiden konnte. Wie sie versucht Tom an sich zu binden, indem sie sich manchmal lasziv gibt , dann wieder auf kleines Mädchen macht, trieb meinen Blutdruck in die Höhe.

Der Fall selbst ist knifflig und gibt Einblicke in das Haifischbecken des Literaturbetriebes. Es geht um viel Geld, Plagiate und nicht zuletzt Ruhm. Das Opfer macht dabei keine gute Figur. Auch in dessen unmittelbaren Umfeld gibt es Konkurrenz und Neid und somit eine weitere Anzahl an möglichen Tätern. Die Auflösung war dann eine echte und ausgesprochen gelungene Überraschung. Man sollte nicht alles glauben, was man sieht und hört und vor allem nicht den eigene Erwartungen gemäß interpretieren. Zur Spannung beigetragen hat für mich der Erzählstil. Die Autorin lässt Tom und Claudia abwechselnd die Ereignisse aus ihrer Sicht erzählen. Das war für mich häufig der Auslöser für meine Emotionen. Meine Sicht auf Tom wurde gegen Ende bedeutend milder. Insgesamt hat mich der Krimi sehr gut unterhalten und mehr als einmal überrascht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.01.2025

Ein Skilehrer hat es auch nicht leicht

Sonne, Schnee und Märchenprinzen
0

Der Autor erzählt die Geschichte des jungen Martin , der ende der 90ziger Jahre in einem kleinen Dorf bei Kitzbühel lebt. Martin hat die Schule abgeschlossen, aber was nun ? Die besorgten Eltern drängen ...

Der Autor erzählt die Geschichte des jungen Martin , der ende der 90ziger Jahre in einem kleinen Dorf bei Kitzbühel lebt. Martin hat die Schule abgeschlossen, aber was nun ? Die besorgten Eltern drängen auf eine Ausbildung. Martin möchte Journalist werden, was bei seiner Mutter auf wenig Gegenliebe stößt. Da erscheint es ein Geschenk des Himmels, dass Martin das Angebot erhält, in der kommenden Skisaison als Lehrer zu arbeiten. Das bringt Geld und verschafft Zeit für die weitere Zukunftsplanung. Martin bekommt es mit den unterschiedlichsten Kursteilnehmer zu tun . Das ist nicht immer einfach und hat bei mir für einige Heiterkeitsausbrüche gesorgt. Und natürlich spielt die Liebe eine große Rolle. Martin ist gutaussehend, aber sehr schüchtern im Umgang mit dem anderen Geschlecht und hatte deshalb noch keine feste Freundin. Zu seiner Überraschung wird er von den Kursteilnehmerinnen jedlichen Alters angeflirtet, was ihn erstmal überfordert. Allmählich gewinnt er an Selbstvertrauen und d so kommt es, dass er gegen Ende zwischen zwei Frauen steht. Tanja, eine Touristin aus Düsseldorf und die sympathische Niki aus Innsbruck. Martin ist im Gefühlschaos.

Der Roman hat in meinen Augen großen Unterhaltungswert. Martin ist sehr sympathisch und herrlich normal. Ich konnte mich in einigem wiedererkennen. Die erwähnten Songs, Filme und VIPs waren mir bekannt und haben zusätzliche Erinnerungen geweckt. Die einzelnen Schülergruppen werden sehr lebendig und mit Witz geschildert, angefangen von der quirligen Kindergartengruppe bis hin zur der ein Sexabenteuer suchenden Kegelschwester. Ich hatte jede Menge Bilder im Kopf und konnte mehrfach herzlich lachen. Auch Martins Probleme mit der Weiblichkeit waren oft amüsant. Gegen Ende wird es dann sehr romantisch, als Martin seine wahre Liebe für sich gewinnen will und sie ihn schließlich erhört. Auch beruflich geht der Weg in die erwünschte Richtung und so sind am Schluss alle zufrieden, einschließlich mir , weil ich ein paar unterhaltsame Lesestunden hatte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere