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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.06.2025

Schweigen und Schuld/ Trauma und Lust

Wie sehr ich dich finde
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“Wie sehr ich Dich finde” der Autorin Lea Söhner ist ein nachdenklich machender Roman, der verdient, dass sich die Lesenden Zeit zur Reflexion nehmen. Er umfasst nicht nur drei Generationen und ihre teils ...

“Wie sehr ich Dich finde” der Autorin Lea Söhner ist ein nachdenklich machender Roman, der verdient, dass sich die Lesenden Zeit zur Reflexion nehmen. Er umfasst nicht nur drei Generationen und ihre teils furchtbaren Schicksale, sondern stellt dem Glauben und dem Hadern mit Gott immer wieder das weibliche Prinzip der Mutter und Geliebten gegenüber, in deren warmen Armen die Protagonisten des Buches Zuflucht suchen.

Die Handlung wird getragen von zwei Stammelternpaaren, die beide den Krieg und die Nachkriegszeit erlebt haben, einem Elternpaar und deren Tochter, die langsam ihren Wurzeln auf den Grund gehen:

Das erste Stammelternpaar: Paul und Helene/ Sohn: Wolfgang
Das Buch beleuchtet das Schicksal von Helene, einem halbjüdischen Mädchen, das im Jahr 1942 gerade noch vor den Nazis in die Schweiz in Sicherheit gebracht werden kann. Doch die Eltern kommen nicht wie versprochen nach, die Sechsjährige, versehen mit neuer Schweizer Identität, verstummt. Ihr Schicksal wendet sich erst, als sie zu singen beginnt, ihr Traum, Opernsängerin zu werden, geht in Erfüllung. Auch ihre Ehe mit Paul, einem Arzt und dem gemeinsamen Sohn Wolfgang scheint glücklich, doch Paul kennt ihre wahre Identität nicht. Helene öffnet sich erstmals, findet Briefe der Eltern, doch das Schicksal erlaubt keine Bewältigung.
Wolfgang leidet unter dem Tod der Mutter und liebt seine Großeltern. Doch hier gibt es dunkle Verbrechen, die Paul seinen Eltern entfremden. Erst spät wird Paul Wolfgang über die Gräueltaten seines Opas aufklären,

Das zweite Stammelternpaar: Hanna und Hans/ Tochter: Bettina
Hans hat die Gräueltaten des Krieges und die Brutalität seines Vaters erlebt. Ihm ist klar geworden, dass für ihn Gewalt und Lust eng verbunden sind. Doch gibt er Gott das Versprechen, nie jemandem zu schaden. Er heiratet Hannah, die tief gläubig ihr Leben und ihre lang ersehnte Tochter Bettina Gott weiht.

Das Elternpaar: Bettina und Wolfgang/ Tochter: Sarah
Bettina, eine Mathematikerin, aber eher schüchtern und farblos, heiratet Wolfgang, den Frauenhelden und bekannten Pianisten. Ihre Ehe ist geprägt von den Seitensprüngen Wolfgangs. Die gemeinsame Tochter Sarah leidet darunter, dass sich die Mutter der Familie immer wieder entzieht. Trotz schwerer Schicksalsschläge scheint die Beziehung zwischen Wolfgang und Bettina unverbrüchlich. Tochter Sarah, angehende Dirigentin, jedoch hadert lange mit ihrem Schicksal, besonders mit der Mutter, und erkennt erst durch Yvonne, dass jeder selbst für sein Liebesleben verantwortlich ist.

Versöhnlich und als Prinzip des Weiblichen wird Yvonne beschrieben, eine ehemalige Edelprostituierte, die Wolfgang zum Mann und Paul zum Ehemann gemacht hat. Yvonnes Klugheit und Gespür für menschliche Abgründe ermöglichen langsam Heilung.

Dieser von der Kriegszeit bis in die Gegenwart reichende Roman zeichnet Lebenswege und Schicksalsschläge nach, die als Traumata in den Figuren bis in die Jetztzeit fortwirken. Der Widerstreit zwischen Glauben und Lust ist ebenso Thema wie Inzest, sexuelle und psychische Gewalt und das schnelle Entstehen von Liebe und Beziehungen. “Wie sehr ich dich finde” ist ein kluger und menschlicher Roman. Auch wenn die Schicksale der Protagonisten einander gleichen, muss jeder die Frage nach individueller Schuld stellen. Doch steht am Ende Versöhnung und Verzeihen.

Der Schreibstil von Lea Söhner ist manchmal poetisch, manchmal unerwartet und direkt, immer jedoch lebendig und gut lesbar. Dazu trägt auch das Personenverzeichnis am Buchanfang bei. Außerdem steht am Beginn jedes Kapitels, das einer Person zugeordnet ist, ein Schlagwort, das den Inhalt des Geschriebenen charakterisiert. Auch wenn das Buch menschliche Abgründe behandelt, bietet es doch einen positiven Schluss. Lesenden, die Interesse an Zeitgeschichte und dem Nachwirken des Lebens der Vorfahren in der eigenen Geschichte haben, möchte ich dieses Buch besonders empfehlen. Oft sind es, wie in der Musik, die leisen Töne, die überzeugen.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Todeszone Sylt

Höllische Küste
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Im neunten Band ihrer Krimireihe über die Ermittlerin Liv Lammers hat die bekannte Autorin Sabine Weiss mit “Höllische Küste” einen spannenden Roman geschrieben, dessen Schauplatz wieder die Insel Sylt ...

Im neunten Band ihrer Krimireihe über die Ermittlerin Liv Lammers hat die bekannte Autorin Sabine Weiss mit “Höllische Küste” einen spannenden Roman geschrieben, dessen Schauplatz wieder die Insel Sylt ist.

Jaline Amundsen, eine lebenslustige Hochzeitsplanerin, die auf der Insel lebt, sucht den Kick. Diesmal mit einem Tandem- Fallschirmsprung, dem sie entgegenfiebert. Doch der Fallschirm öffnet sich nicht, Jaline stirbt, ihr Begleiter ist schwer verletzt. Liv Lammers von der Mordkommission Flensburg, die zufällig auf der Insel ist, beginnt sofort mit den Ermittlungen. Doch dieser Todesfall soll nicht der letzte bleiben.

Obwohl Liv gerade andere Sorgen hat, denn sie ist verlobt, dennoch- die Idee, zu heiraten, flößt ihr auch Furcht ein. In ihrer Vergangenheit hat sie schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht, und obwohl sie ihren Verlobten Sebastian liebt, schiebt sie die Hochzeitsvorbereitungen vor sich her. Jedoch häufen sich plötzlich die Unglücksfälle auf der Insel und weitere Personen kommen unter mysteriösen Umständen zu Tode. Liv sucht die Verbindung zwischen den einzelnen Fällen, doch als sie diese findet, bietet sich ein entsetzliches Bild aus Rache, Wut und Enttäuschung. Niemand hätte vermutet, dass die Taten aus einem so einzigartigen Motiv verübt werden könnten.

Auch in Livs Team läuft während der Ermittlungen nicht alles rund. Es gibt Streitigkeiten um die Nachfolge der Leitung der Inspektion in Sylt, ein neuer und besserwisserischer Kollege behindert die Ermittlungen oft mehr, als er hilft. Und Verdächtige gibt es zu Beginn genug. Da ist die Schwester von Jaline, die sich höchst merkwürdig benimmt und die eine andere Vorstellung von der Entwicklung der gemeinsamen Firma hat als die Verstorbene. Jalines Ex- Freud ist zwar ein begnadeter Konditor, hat Jaline aber gestalkt und geschlagen. Und auf der Insel der Reichen und Schönen wird eine Promihochzeit durch einen Giftanschlag überschattet. Dass Liv und ihr Team hier die Party crashen, dient auch nicht zur Beruhigung der Inselbewohner und Touristen, die Sylt bereits fluchtartig verlassen.

Mit “Höllische Küste” zeigt Sabine Weiss ein etwas anderes Sylt. Hier existiert Armut neben Reichtum, die Mieten sind unerschwinglich und Partyspaß für die vielen Touristen ein Muss, natürlich zur Freude der Geschäftsleute. Dass daneben auch Not existiert, wird häufig übersehen. Die Schattenseiten des Glamour wie Drogensucht, Neid und Missgunst bleiben daher nicht aus.

Dieser sehr flott geschriebene, gut lesbare Roman beschreibt eine kompetente und kluge Kommissarin, die einerseits konsequent die Falllösung vorantreibt, andererseits aber durchaus auch einfühlsam und rücksichtsvoll agiert. Die Spannungskurve wird bis zum Schluss gehalten, die originelle Lösung dieses Kriminalfalles wird vielleicht einige Lesende überraschen. Denn die Täter und ihre Motive bleiben lange im Dunkeln.

Die detaillierte Beschreibung der Schauplätze macht es leicht, sich das Geschehen zu vergegenwärtigen, ebenso sind die Charaktere der Protagonisten gut ausgearbeitet. Immer wieder drängen neben der Professionalität der Ermittler auch menschliche Problemstellungen in den Vordergrund. Mehr als ein Mal kann man den Zwiespalt von Liv zwischen ihren persönlichen Zukunftsplänen und ihren Bedenken, ihre Selbständigkeit aufzugeben, gut nachvollziehen. Doch nicht einmal die erfahrene Kriminalistin hätte anfangs geglaubt, zu welchen Taten Menschen aus Verzweiflung und Kränkung fähig sind.

So hat Sabine Weiss einen vielschichtigen Kriminalroman über menschliche Abgründe, aber auch ein Loblied auf die schöne Insel Sylt vorgelegt. Daher kann ich diese gelungene Geschichte allen Liebhabern von atmosphärischen Krimis gerne empfehlen.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Von Freundschaft und Rivalität

Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen
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In seinem Jugendbuch “Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen” hat der bekannte Autor Herman van de Wijdeven eine Geschichte über eine Freundschaft zwischen elfjährigen Schülern verfasst, ...

In seinem Jugendbuch “Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen” hat der bekannte Autor Herman van de Wijdeven eine Geschichte über eine Freundschaft zwischen elfjährigen Schülern verfasst, die vor allem Eltern und andere Personen, die Verantwortung für Kinder tragen, nachdenklich stimmen sollte. Das gelungene Hardcover macht es sowohl für Jugendliche wie Erwachsene interessant, diesen Roman zur Hand zu nehmen.

Bent und Juri sind beste Freunde, die miteinander Mutproben aushecken und einander immer wieder zu teils gefährlichen Aktionen herausfordern. Dabei sind die Beiden grundverschieden: Bent ist ein Junge, der Angst vor der Angst hat, der überall das Unheil kommen sieht und dessen Phantasien wie selbst erfüllende Prophezeiungen wirken. Dadurch zieht er immer wieder Missgeschicke auf sich, bei denen er sich ausmalt, wie seine Mutter wohl reagieren wird, auf seine Verletzungen, auf seine verschmutzte Kleidung. Zur Mutter hat er wohl eine Bindung, aber der Vater fehlt. Und so äußert sich Bents Trauer und Unsicherheit auch in einem körperlichen Symptom, seinem größten Geheimnis. Doch seinem besten Freund Jury, der darüber zu schweigen verspricht, erzählt er davon.

Jury wieder nimmt das Leben leicht, auch wenn er Bents bester Freund ist, scheint es keine besonders tiefe Bindung zu geben. Denn sobald in der Klasse ein Neuer, Finn, auftaucht, wendet sich Jury ihm zu. Bent kommt sich ausgeschlossen vor; um dazu zu gehören, beteiligt er sich an Unternehmungen, die er selbst für die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen hält. Und letztlich fordert er Jury zu einem Wagnis heraus, denn Jury hat Finn wahrscheinlich Bents größtes Geheimnis verraten.

In seinem Jugendbuch für die Zielgruppe ab elf Jahren hat Herman van de Wijdeven einen Roman vorgelegt, der in die Abgründe der Seele eines Jungen blicken lässt, der Treue hinterfragt und zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem bitteren Stachel des Verrats changiert. Der Autor zeichnet ein Bild jugendlicher Unsicherheit und jugendlichen Übermutes gleichermaßen, seine Geschichte angesiedelt in einem kleinen Dorf, wo die Möglichkeiten, Leben zu erleben, knapp bemessen sind.

In eindringlicher Sprache, die es ermöglicht, in die Gefühlswelt der Protagonisten einzutauchen und ihre Handlungsweisen zu verstehen, schildert der Autor die schwierige Entscheidung zwischen Loyalität und Rivalität. Getragen wird der Roman durch einprägsame jugendliche Charaktere, die für die jugendlichen Lesenden durchaus eine Herausforderung darstellen können. Dieses Buch ist ein Stück ungewöhnliche Jugendliteratur, das sicher eine bereits gefestigte Persönlichkeit bei den jungen Lesenden voraussetzt. Und doch schließt dieser Roman positiv, denn am Ende wird alles gut.

“Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen” ist ein lesenswerter, teilweise tiefgründiger und psychologisch interessanter Jugendroman, den ich mit vier Sternen bewerte.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Aktuell und brisant: KI als Fluch oder Segen

Deepfake
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In “Deepfake: Das Ende der Wahrheit” konfrontiert der bekannte Autor und Journalist Darius Quinn die Lesenden mit einer erschreckenden Frage: Was passiert, wenn man Deepfakes nicht mehr als solche identifizieren ...

In “Deepfake: Das Ende der Wahrheit” konfrontiert der bekannte Autor und Journalist Darius Quinn die Lesenden mit einer erschreckenden Frage: Was passiert, wenn man Deepfakes nicht mehr als solche identifizieren kann? Auch das gelungene Cover weist auf die Übermacht der Technik hin, wobei die KI wohl als Blackbox dargestellt werden müsste.

Der spannende Plot beschreibt, wie Deepfakes die Wirtschaft destabilisieren und Existenzen ruinieren können. Nach dem Tod des CEO einer Tochterfirma von Leonydoo, einem führenden Tech- Unternehmen, befasst sich Special Agent Tom Anson vom FBI mit der Aufklärung des Falles, bei dem fraglich ist, ob ein Video mit menschenverachtenden Aussagen den CEO zum Selbstmord getrieben hat. Ebenso tauchen weitere Videos auf, die ebenfalls den Konkurs von Tochterfirmen von Leonydoo zur Folge haben. Doch Tom vermutet, dass es sich bei den Videos um Deepfakes handelt. Aber niemand kann ihm das bestätigen. Unter Zeitdruck beginnt das FBI zu ermitteln, jedoch auch hier wurde die IT angegriffen. Daher weicht das Team in ein Safehouse aus. Und Tom Anson weiß: Wenn er den Fall nicht binnen drei Tagen aufklären kann, wird er seinen Job verlieren.

In diesem raffiniert konstruierten Thriller zeigt der Autor, wie schwierig es selbst für Experten sein kann, zwischen Täuschung und Wahrheit zu unterscheiden. Durch immer neue Wendungen geraten ehemalige Mitarbeiter von Leonydoo in Verdacht, doch ist es möglich, dass auch ein Angestellter aus persönlichen Gründen Rache am Unternehmen üben will. Leider bleiben hier einige Handlungsfäden lose, obwohl die Lesenden durch den flüssigen und detailreichen Schreibstil mitten in das Geschehen gezogen werden und durchaus die Schwierigkeiten nach verfolgen können, mit denen die Agenten bei der Lösung der komplexen Fälle konfrontiert sind. Tatsächlich hält das Buch den Spannungsbogen durch wilde Verfolgungsjagden, weitere Mordanschläge und immer wieder genau beschriebene technische, hochkomplexe Abläufe bis zum Ende. Im Epilog findet sich nochmals ein völlig unerwarteter Twist, der das ganze Geschehen in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Darius Quinn hat seine Story in präziser, klarer und dem Thema entsprechend sehr sachlicher Sprache verfasst, die dazu beiträgt, dass man sich in die Ermittlungsarbeit des Teams um Special Agent Anson hineinversetzen kann. Zur guten Verständlichkeit tragen auch die oft sehr kurzen Kapitel bei. Leider hätte dem Buch ein präziseres Lektorat gut getan. Dennoch ist die Geschichte voll Dynamik, actionreich und rasant.

Besonders hervorzuheben ist, dass der Autor an das Ende des Buches ein Kapitel Fakt & Fiktion stellt, in dem er sowohl die Rechts- wie die Faktenlage zum Ende des Jahres 2024 darstellt. Dabei erläutert Darius Quinn auch, welche Gesetze erlassen werden müssten, um klar zu kennzeichnen, welche Inhalte mit KI generiert wurden. Und als Lesender kann man sich wohl nur der Hoffnung des Autors anschließen, dass die fiktive Geschichte seines Buches auch wirklich Fiktion bleiben möge. Ein wirklich lesenswerter Thriller mit erschreckenden Erkenntnissen!

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Der Tod zahlt keine Zeche

Salute - Der letzte Espresso
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Mit seiner neuen Krimireihe, “Salute,. der letzte Espresso” entführt der durch seine “Tischler” Kriminalromane bekannte Autor Friedrich Kalpenstein die Leser*innen diesmal an den Gardasee. Dort hat der ...

Mit seiner neuen Krimireihe, “Salute,. der letzte Espresso” entführt der durch seine “Tischler” Kriminalromane bekannte Autor Friedrich Kalpenstein die Leser*innen diesmal an den Gardasee. Dort hat der ehemalige Münchner Kriminalhauptkommissar Paul Zeitler ein Café eröffnet und sich bereits bestens in Bardolino eingelebt.

Doch statt zu bezahlen, wird sein letzter Gast umgebracht. Natürlich erwacht hier auch in Zeitler der ehemalige Kriminalist und er ermittelt neben Kommissar Lanza, dem zuständigen italienischen Beamten. Was diesem gar nicht recht ist, denn für ihn zählt der Kollege außer Dienst zu den Verdächtigen. Also muss Zeitler seine Unschuld beweisen, aber als er sich in seiner näheren Umgebung umsieht, kommt ihm bereits ein schlimmer Verdacht- welchen ungebetenen Besuch bekommt der befreundete Restaurantbesitzer nebenan? Und wieso hat ein bekannter Journalist in einem reißerischen Artikel alles getan, um den Verdacht auf Zeitler zu lenken?

Dieses Buch von Friedrich Kalpenstein ist nicht so blutrünstig, wie das wunderbar zur Geschichte passende rote Cover suggeriert. Es ist flüssig und angenehm zu lesen, nur sehr selten kommt Hektik auf. Vor allem vermittelt uns der Autor italienisches Lebensgefühl durch die Beschreibung freundlicher Menschen, von gutem Wein und hervorragendem Essen, natürlich kommt auch die wunderbare Landschaft nicht zu kurz. Der Krimi bietet mit dem nunmehrigen Barista Paul oder Paolo, wie er von den Einheimischen genannt wird, als Hauptfigur einen Mann in den besten Jahren, der sich mit seinem Café einen Lebenstraum verwirklicht hat. Auch Kommissar Lanza ist ein interessanter Charakter, mürrisch und misstrauisch, aber ein guter Ermittler. Allerdings weiß er auch, im richtigen Moment die Augen zu verschließen, wenn es um die Interessen des Fremdenverkehrs geht.

Ein wenig dürfen wir an Zeitlers früherem Privatleben teilhaben, seine Ex-Frau hat es auch nach Bardolino verschlagen, sie macht dort Urlaub- und nicht allein. Jedoch warum genau Zeitler München verlassen und seinen Beruf aufgegeben hat, können wir nur erahnen- er wollte wohl nichts mehr mit Leichen zu tun haben. Und doch ist er es, der der Polizei den entscheidenden Hinweis auf den Täter liefern kann.

Dieser Gardasee-Krimi überzeugt mit einem sehr sympathischen Ex-Kommissar Zeitler, der es versteht, mit allen seinen italienischen Nachbarn wunderbar auszukommen, ohne auch nur im Ansatz italienisch zu sprechen. Ein wenig wird auch die schreibende Zunft beleuchtet, und es mag verwundern, was Journalisten alles tun mögen, um ihren Artikel auf die Titelseite zu bekommen. Da das Buch nicht viele Verdächtige anbietet, kommt die Lösung dieses Kriminalfalles nicht ganz unerwartet. Trotz einer gelungenen Geschichte- ich habe hier ein wenig den Humor vermisst, der mir bei den anderen Büchern das Autors so gut gefallen hat. Aber “Salute, der letzte Espresso” bietet wunderbare Leseentspannung und ich kann diesen Roman allen empfehlen, die sich schon jetzt in den sonnigen Süden träumen wollen.

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