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Veröffentlicht am 22.02.2026

Emotionaler Roman über drei sehr unterschiedliche Frauen

Die Teestunden
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Sakura, Karen und María leben auf drei Kontinenten und haben sehr unterschiedliche Lebensläufe. Doch eines verbindet sie: eine wunderschöne, jadegrüne Teekanne, die Sakuras Ehemann für sie getöpfert hat ...

Sakura, Karen und María leben auf drei Kontinenten und haben sehr unterschiedliche Lebensläufe. Doch eines verbindet sie: eine wunderschöne, jadegrüne Teekanne, die Sakuras Ehemann für sie getöpfert hat und die danach erst zu Karen und dann zu María gelangte. Mit Hilfe dieses besonderen Verbindungsstücks wird das Schicksal der drei Frauen miteinander verknüpft und es entsteht eine Brücke, die tausende Kilometer und sogar die Zeit überwindet.

„Die Teestunden“ ist der neuste Roman der spanischen Autorin Ángeles Doñate und wurde von Petra Zickmann ins Deutsche übersetzt. Die Handlung wird immer abwechselnd aus der Perspektive der drei Frauen erzählt, beginnend bei Sakura im Jahr 1960 und endend mit María im Jahr 1999. Dabei erfahren wir nicht nur, wie die Frauen jeweils an die im Zentrum stehende Teekanne gekommen sind und was sie für sie persönlich bedeutet, sondern auch, wie ihr Leben davor verlaufen ist und was ihre Wünsche und Träume sind.

Sakura führt ein eher einfaches Leben als Frau eines Töpfers. Er ist es auch, der die Teekanne anfertigte, um sie seiner Geliebten bei seinem Heiratsantrag zum Geschenk zu machen. Karen hingegen hat ein sehr aufregendes Leben hinter sich, das sie von ihrem Job als Grundschullehrerin, über eine Stelle in einer Anwaltskanzlei bis zu ihrem Traum der Landschaftsarchitektur und damit auch zu ihrem Traummann geführt hat – doch das auch nicht ohne harte Zeiten. Über die weiß María besonders gut Bescheid, denn sie muss sich damit auseinandersetzen, dass nach über 20 Jahren der Krebs in ihr Leben zurückgekehrt ist und dass sie es dieses Mal vielleicht nicht schaffen wird.

„Die Teestunden“ ist ein wirklich emotionaler Roman über die Dinge, die im Leben wichtig sind und über unsere Träume, die manchmal wohl, aber manchmal eben auch nicht in Erfüllung gehen. Durch die Teekanne und generell das Ritual des Teetrinkens verbindet Ángeles Doñate geschickt drei unterschiedliche Leben miteinander. Leider bleibt bei mehreren Perspektiven oft eine etwas auf der Strecke und so ist mein einziger Kritikpunkt, dass ich gerne mehr über María abseits ihrer Erkrankung gewusst hätte.

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Veröffentlicht am 22.01.2025

Spannender Jugendthriller auf engem Raum

Five Survive
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Es sollen unvergessliche Tage werden. Red ist mit 5 Freunden in einem Wohnmobil unterwegs zum Spring Break, der letzten gemeinsamen Party, bevor 4 von ihnen die High School verlassen. Doch schon auf dem ...

Es sollen unvergessliche Tage werden. Red ist mit 5 Freunden in einem Wohnmobil unterwegs zum Spring Break, der letzten gemeinsamen Party, bevor 4 von ihnen die High School verlassen. Doch schon auf dem Weg zum ersten Campingplatz verfahren sie sich und landen mit einem platten Reifen irgendwo im Nichts. Sie steigen aus, wechseln das Rad und wollen gerade wieder losfahren, da ertönen Schüsse. Nun sind alle Reifen zerfetzt und der Benzintank leer – doch wer lauert dort draußen auf sie und warum?

Ja, ihre Bücher mögen gehypt sein, aber Holly Jacksons Geschichten funktionieren einfach für mich. Schon ihre „A Good Girls’ Guide to Murder“-Trilogie fand ich sehr spannend und auch „Five Survive“ wartet mit vielen unerwarteten Wendungen und einer erdrückenden, aufgeladenen Stimmung zwischen den Figuren auf. Die deutsche Übersetzung stammt von Cherokee Moon Agnew. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der Protagonistin Red, so dass wir als Leser*innen immer nur ihren Wissensstand haben – wobei von Beginn an klar ist, dass auch Red Dinge vor uns verbirgt.

Es ist eine bunt gemischte Truppe, die sich im Wohnmobil befindet. Red, deren Mutter ermordet wurde und die ihn ärmlichen Verhältnissen lebt, Maddy, ihre beste Freundin und deren älterer Bruder Oliver, die beide reich sind. Reyna, Olivers Freundin, die – wie Red – nie ganz dazugehören wird, weil sie ebenfalls aus eher prekären Verhältnissen stammt. Simon, der sich als Spaßmacher gibt und Arthur, ein Freund von ihm, den eigentlich keiner so genau kennt. Schließlich meldet sich der Schütze von außerhalb: einer der 6 Freunde hat ein Geheimnis und wenn er oder sie es nicht preisgibt, werden alle sterben.

Im Wohnmobil entwickelt sich eine unheimliche Machtdynamik. Aus anfänglicher Teamarbeit und ausgetüftelten Fluchtplänen werden schnell gegenseitige Anschuldigungen. Vor allem Red gerät in den Fokus und muss sich fragen, wem sie eigentlich noch trauen kann und ob es vielleicht nicht doch sie selbst ist, die mit dem schrecklichen Geheimnis gemeint ist. Ein wirklich spannender Jugendthriller, an einigen Stellen vielleicht etwas konstruiert.

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Veröffentlicht am 20.09.2024

Roman mit komplexer Struktur

Antichristie
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2022. Die 50-jährige Durga trauert um ihre Mutter Lila, die unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Schon bald muss sie nach London aufbrechen, wo sie in einem Writer‘s Room gemeinsam mit ihren Kolleg*innen ...

2022. Die 50-jährige Durga trauert um ihre Mutter Lila, die unter ungeklärten Umständen gestorben ist. Schon bald muss sie nach London aufbrechen, wo sie in einem Writer‘s Room gemeinsam mit ihren Kolleg*innen eine antirassistische Neuverfilmung der Werke Agatha Christies schreiben soll. Doch dann geschieht das Unerwartete: die Queen stirbt und versetzt ganz Großbritannien in den Ausnahmezustand. Protestierende finden sich vor dem Florin Court ein, in dem der Writer‘s Room stattfindet, weil sie nach der Queen nicht auch noch die Queen of Crime „verlieren“ wollen. Mitten in all diesen Wirren passiert es: Durga reist durch die Zeit und findet sich im Jahr 1906 in India House wieder – im Körper eines jungen Mannes – und nennt sich selbst Sanjeev.

„Antichristie“ ist der neuste Roman der Schriftstellerin Mithu Sanyal und wird komplex auf mehreren Handlungs- und Zeitebenen erzählt, die einander nach und nach immer mehr durchdringen. Da ist auf der einen Seite die Gegenwart im Jahr 2022, in der Durga Diskussionen darüber führt, warum Hercule Poirot nicht auch Schwarz sein könnte. Auf der anderen Seite ist da die Vergangenheit im Jahr 1906 in India House, einer Unterkunft für indische Studenten in Großbritannien und Zentrum des antikolonialen Widerstands. Dann springen wir aber auch immer wieder in Durgas Vergangenheit, um die Beziehung zu ihrer Mutter, zu ihrem Mann Jack oder ihrer besten Freundin Nena zu ergründen.

Gekonnt verwebt die Autorin Fiktion mit Geschichte, denn vieles hat sich tatsächlich so in India House abgespielt. Im Körper von Sanjeev, aber noch mit ihrem eigenen Wissen und ihren Erinnerungen ausgestattet, lernt Durga historische Persönlichkeiten kennen. Im Zentrum steht dabei Savarkar, ein indischer Revolutionär, der zum Zeitpunkt der Handlung ebenso bekannt war, wie Gandhi. Mit ihm diskutiert sie über Themen wie gewaltfreien Widerstand und schließt zunehmend die Menschen in India House in ihr Herz. Als dann auch noch der britische Geheimdienstchef Curzon Wylie aus einem verschlossenen Raum im Haus verschwindet und Revolutionär Madan, den übrigens Durgas Mutter Lila sehr verehrte, seiner Ermordung verdächtigt wird, stellt sie selbst Ermittlungen an – mit der Hilfe von Sherlock Holmes.

„Antichristie“ ist sicherlich ein antikolonialer Roman, aber auch so vieles mehr: ein Locked Room Mystery, ein Füllhorn an Popkultur-Anspielungen, eine Geschichte über Trauer, über Cancel Culture, über studentisches Leben in India House, aber eben auch über Widerstand gegen den Staat und die Frage, was dieser darf und was nicht. Es ist aber vor allem eine Geschichte über Schmerz in all seinen unterschiedlichen Formen, die wir durch Durga/Sanjeevs Augen aus einer deutschen, indischen und britischen Perspektive erleben.

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Veröffentlicht am 21.08.2024

Grausame Mordserie in Florenz

Signora Commissaria und der lachende Tod
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Commissaria Giulia Ferrari ist gerade erst an ihrem neuen Arbeitsplatz in Florenz angekommen, als sich eine Serie von Morden ereignet. Der Mörder lässt die Toten mit einem erstarrten Lächeln und den Initialen ...

Commissaria Giulia Ferrari ist gerade erst an ihrem neuen Arbeitsplatz in Florenz angekommen, als sich eine Serie von Morden ereignet. Der Mörder lässt die Toten mit einem erstarrten Lächeln und den Initialen des nächsten Opfers zurück – ein Fakt, welcher Giulia und ihre Kollegen Commissario Luigi Batista und Sergente Enzo Aleardi in besondere Zeitnot versetzt. Doch was ist die Verbindung zwischen den Ermordeten, scheinen sie doch auf den ersten Blick völlig unterschiedlich zu sein?

„Signora Commissaria und der lachende Tod“ von Alexander Oetker ist, wie ich mir aus dem Text erschließen musste, bereits der zweite Band der Reihe um Giulia Ferrari und ihre Kollegen. Der erste erschien in einem anderen Verlag und noch unter dem Pseudonym Pietro Bellini – die Handlung lässt sich aber auch ohne Kenntnis des ersten Bandes gut verfolgen. Die Erzählperspektive wechselt zwischen den Hauptfiguren Giulia, Luigi und Enzo, so dass wir stets alle Schritte der Ermittlung mitverfolgen können.

Dem Autor ist der Regionalkrimi keinesfalls fremd, seine Charaktere ermitteln in Marseille, auf Zypern, in Paris und im Aquitaine – und auch diese in Florenz spielende Reihe ist ihm gut gelungen. Er lässt Giulia und ihre Kollegen durch die Stadt wandeln und erweckt sie so zum Leben. Das italienische Lebensgefühl unterstreicht er noch mit einigen Rezepten, die Luigis Frau Clara für ihn zubereitet und die wir nun selbst zuhause nachkochen können.

Darüber hinaus streut er noch Besonderheiten seiner Figuren ein, die diese individueller und authentischer wirken lassen. Luigi arbeitet nur noch in Altersteilzeit für die Polizei und beschäftigt sich den Rest der Zeit mit seiner Bar und Golden Retriever Tulipan. Giulia hat in ihrer Vergangenheit einen großen Verlust erlitten und Enzo zeigt, wie ein blinder Ermittler sich zurechtfinden und maßgeblich zur Lösung des Falls beitragen kann. Dieser ist durchaus spannend, aber gegen Mitte der Handlung kann man bereits erraten, was hinter der Mordserie steckt – was dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch tut und dazu führt, dass ich jetzt unbedingt Band 1 nachholen muss.

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Ein Kaleidoskop aus Geschichten

Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen
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In einem Vorort von Tokio, an einem kleinen Fluss und unter Kirschbäumen liegt das beschauliche Café Marble mit seinen drei Tischen. Hier arbeitet Wataru schon einige Jahre, seit der eigentliche Besitzer ...

In einem Vorort von Tokio, an einem kleinen Fluss und unter Kirschbäumen liegt das beschauliche Café Marble mit seinen drei Tischen. Hier arbeitet Wataru schon einige Jahre, seit der eigentliche Besitzer – genannt „Master“ - herumreist und junge Künstler*innen fördert. Für Mako, eine seiner Stammkundinnen schwärmt Wataru heimlich. Jeden Donnerstag trinkt sie im Café eine Tasse heiße Schokolade und schreibt Briefe ins Ausland. Doch eines Tages ist ihr üblicher Platz besetzt und so ergibt sich zwischen ihr und Wataru ein Gespräch, das alles verändern soll.

„Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen“ ist bereits der zweite Roman der japanischen Schriftstellerin Michiko Aoyama; die deutsche Übersetzung stammt dabei erneut von Sabine Mangold, die auch schon Werke von Yoko Ogawa oder Haruki Murakami übertrug. Erzählt wird in insgesamt 12 Kapiteln, jeweils in der Ich-Form, nach einem ganz bestimmten Schema: die zentrale Figur trifft auf eine andere Person, die nun selbst im Folgekapitel im Fokus steht. So geht es z.B. zunächst um die erfolgreiche Asami, die Zweifel an ihren Fähigkeiten als Mutter hat. Im Kindergarten ihres Sohnes trifft sie auf Erzieherin Ena, die nun in der nächsten Geschichte zur Protagonistin wird und berichtet, wie sie mit ihrer individualistischen Art bei Kolleginnen und Eltern aneckt.

So ergeben die einzelnen Kapitel ein Kaleidoskop aus Begegnungen und Erlebnissen, in denen auch immer wieder Personen auftauchen, die wir bereits früher kennengelernt haben. Die Geschichten spielen dabei sowohl in Tokio als auch in Sydney und sind zudem nach Farben benannt. So wird das Thema der Kunst wieder aufgegriffen, das im Roman mehrmals eine Rolle spielt. Darüber hinaus geht es aber auch um die Rolle der Frau in der Gesellschaft, Beziehungen und Freundschaft. Dennoch bleibt „Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen“ leicht und kurzweilig, was sicherlich auch an der Erzählweise in Kurzgeschichten liegt. Diese ist für mich Fluch und Segen zugleich, denn so kann ich einerseits einer Fülle von Charakteren begegnen, sie aber auch nur ein kurzes Stück ihres Weges begleiten.

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