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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.02.2025

Gelungen

LAKE – Das Haus am dunklen Ufer
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Lake ist ein fesselnder Thriller mit einer dichten, beklemmenden Atmosphäre, der stark an Das Fenster zum Hof erinnert. Casey Fletcher, eine alkoholabhängige Schauspielerin mit gescheiterter Karriere, ...

Lake ist ein fesselnder Thriller mit einer dichten, beklemmenden Atmosphäre, der stark an Das Fenster zum Hof erinnert. Casey Fletcher, eine alkoholabhängige Schauspielerin mit gescheiterter Karriere, zieht sich in das Seehaus ihrer Familie zurück. Dort beginnt sie, ihre Nachbarn Katherine und Tom zu beobachten – bis Katherine plötzlich verschwindet. Casey vermutet, dass Tom etwas damit zu tun hat, und verstrickt sich immer tiefer in ein Netz aus Geheimnissen, bis eine drastische Wendung alles auf den Kopf stellt.

Riley Sager versteht es meisterhaft, Spannung aufzubauen. Der abgelegene Lake Greene ist richtig stimmig – ruhig und idyllisch, aber auch bedrohlich und unheilvoll. Die voyeuristische Perspektive sorgt für Nervenkitzel, und Casey als Hauptfigur funktioniert gut. Sie ist keine klassische Heldin, sondern eine Frau mit Ecken, Kanten und einer problematischen Alkoholabhängigkeit, die aber glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt wird.

Während Casey überzeugt, bleiben die Nebenfiguren eher blass. Katherine und Tom hätten an einigen Stellen mehr Tiefe vertragen. Der größte Streitpunkt des Buches ist aber definitiv die große Wendung im letzten Drittel. Sie ist unerwartet und mutig, aber nicht jedermanns Geschmack. Mir persönlich war sie zu extrem und hat nicht ganz zum psychologischen Thriller der ersten zwei Drittel gepasst. Trotzdem bleibt die Geschichte bis zum Schluss spannend.

Wer düstere Thriller mit einer starken Hauptfigur, paranoider Atmosphäre und überraschenden Wendungen mag, wird mit Lake gut unterhalten. Trotz kleiner Schwächen gar nicht so schlecht.

7/10 Punkten

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2025

Gelungen

Lake
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Lake ist ein fesselnder Thriller mit einer dichten, beklemmenden Atmosphäre, der stark an Das Fenster zum Hof erinnert. Casey Fletcher, eine alkoholabhängige Schauspielerin mit gescheiterter Karriere, ...

Lake ist ein fesselnder Thriller mit einer dichten, beklemmenden Atmosphäre, der stark an Das Fenster zum Hof erinnert. Casey Fletcher, eine alkoholabhängige Schauspielerin mit gescheiterter Karriere, zieht sich in das Seehaus ihrer Familie zurück. Dort beginnt sie, ihre Nachbarn Katherine und Tom zu beobachten – bis Katherine plötzlich verschwindet. Casey vermutet, dass Tom etwas damit zu tun hat, und verstrickt sich immer tiefer in ein Netz aus Geheimnissen, bis eine drastische Wendung alles auf den Kopf stellt.

Riley Sager versteht es meisterhaft, Spannung aufzubauen. Der abgelegene Lake Greene ist richtig stimmig – ruhig und idyllisch, aber auch bedrohlich und unheilvoll. Die voyeuristische Perspektive sorgt für Nervenkitzel, und Casey als Hauptfigur funktioniert gut. Sie ist keine klassische Heldin, sondern eine Frau mit Ecken, Kanten und einer problematischen Alkoholabhängigkeit, die aber glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt wird.

Während Casey überzeugt, bleiben die Nebenfiguren eher blass. Katherine und Tom hätten an einigen Stellen mehr Tiefe vertragen. Der größte Streitpunkt des Buches ist aber definitiv die große Wendung im letzten Drittel. Sie ist unerwartet und mutig, aber nicht jedermanns Geschmack. Mir persönlich war sie zu extrem und hat nicht ganz zum psychologischen Thriller der ersten zwei Drittel gepasst. Trotzdem bleibt die Geschichte bis zum Schluss spannend.

Wer düstere Thriller mit einer starken Hauptfigur, paranoider Atmosphäre und überraschenden Wendungen mag, wird mit Lake gut unterhalten. Trotz kleiner Schwächen gar nicht so schlecht.

7/10 Punkten

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.01.2025

Gutes Debüt

Tödliche Belohnung
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„Tödliche Belohnung“ ist der erste Band der Reihe um den zweifelnden Kriminalhauptkommissar Tom Gerster. Frank Schwebler schickt seinen Protagonisten in ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel mit einem ...

„Tödliche Belohnung“ ist der erste Band der Reihe um den zweifelnden Kriminalhauptkommissar Tom Gerster. Frank Schwebler schickt seinen Protagonisten in ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel mit einem Serienmörder, der die romantische Kulisse Heidelbergs in einen düsteren Tatort verwandelt.

Eins vorweg: Die Story hat mich definitiv gepackt. Der Täter, der die Ermittler wie Marionetten lenkt, ist eine geniale Idee und sorgt für ordentlich Spannung. Man fiebert mit Tom Gerster mit, der nicht nur den Fall, sondern auch seine eigenen Dämonen in den Griff bekommen muss. Diese persönliche Ebene hat mir gut gefallen, weil sie ihn menschlich und greifbar macht.

Aber es gibt auch ein paar Dinge, die mich gestört haben. Zum Beispiel die Beziehung zu einer Frau, die in den Fall verwickelt ist – das wirkt einfach zu klischeehaft. Ich hab das Gefühl, diese Art von Subplot habe ich schon hundertmal gelesen oder im TV gesehen. Es wirkt ausgelutscht und bringt der Geschichte zwar etwas an Emotionalität, gebraucht hätte es das aber nicht.

Auch die Genre-Frage ist so eine Sache: Auf dem Cover steht Thriller, aber für mich ist das Buch eher ein Krimi. Klar, es gibt ein paar Momente, die in Richtung Thriller gehen, aber der Fokus liegt ganz klar auf der Ermittlungsarbeit. Dafür sind mir die Thrillerelemente im Buch einfach zu seicht und auch zu kurz. Wer einen rasanten Pageturner mit Schockmomenten erwartet, könnte hier nämlich enttäuscht werden. Dafür funktioniert das Buch als Krimi wunderbar, darauf sollten sich Leser:innen definitiv einstellen.

Trotz kleiner Schwächen hat Frank Schwebler hier ein solides Debüt abgeliefert. Die Spannung stimmt, der Schreibstil ist angenehm zu lesen, und die Charaktere – allen voran Tom Gerster – haben genug Tiefgang, um zu überzeugen. Es gibt Luft nach oben, keine Frage, aber als Auftakt einer Reihe funktioniert „Tödliche Belohnung“ auf jeden Fall.

Ein spannender Krimi mit einem charismatischen Ermittler, ein paar kleinen Schwächen und viel Potenzial für die nächsten Bände. Fans von Krimis mit einem Hauch psychologischem Drama kommen hier auf ihre Kosten.

7/10

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.12.2024

Anders als erwartet

Der Premierminister
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Zitat:

„In Wahrheit hatte ich mich jahrelang geweigert, jegliche Verantwortung für meine eigene Rolle in diesem Netz aus Lügen und Intrigen zu übernehmen.“

Darum geht’s:

Nach einem Bombenanschlag befindet ...

Zitat:

„In Wahrheit hatte ich mich jahrelang geweigert, jegliche Verantwortung für meine eigene Rolle in diesem Netz aus Lügen und Intrigen zu übernehmen.“

Darum geht’s:

Nach einem Bombenanschlag befindet sich Premierminister Marcus Valentine mit seiner Frau und fünf seiner engsten Mitarbeiter im Bunkersystem unter der Downing Street No. 10. Dann passiert es: ein Stromausfall. Als das Licht wieder angeht, ist Valentine tot. Und jeder seiner Untergebenen hätte ein verdammt gutes Mordmotiv gehabt.

So hat es mir gefallen:

Eins vorweg: Meine Erwartungen an das Buch waren völlig anders, als es sich letztlich herausstellte. Ich hatte auf politische Ränkespielchen gehofft und eher einen klassischen Polit-Thriller erwartet. Doch dem war nicht so. Das hat mich zunächst enttäuscht, dennoch habe ich mich richtig gut unterhalten gefühlt. Craig Oliver überrascht mit einem unerwarteten Genre-Mix, der eher in Richtung klassischer „Whodunit-Krimis“ à la Agatha Christie geht. Ich musste mich zwar aufgrund meiner Erwartungen umstellen, doch die Umsetzung war mehr als gelungen.

Die größte Stärke des Buches liegt in der geschickten Figurenzeichnung. Der Autor versteht es, die Gedankenwelt und die Motive der Figuren so zu präsentieren, dass ich mich regelmäßig dabei ertappte, Verdächtigungen anzustellen und sie auch wieder zu verwerfen. Jede Figur hat dabei ihren eigenen kleinen Abgrund, und die Enthüllung dieser Abgründe sorgt für durchgehende Spannung. Die Handlung baut sich mehr durch Dialoge und innere Monologe als durch Action auf – und das tut dem Buch sogar gut.

Wie erwähnt, ist die Charakterzeichnung gelungen, aber richtige Tiefe sollte man nicht erwarten. Ich hätte mir bei der ein oder anderen Figur gewünscht, sie genauer kennenzulernen. Außerdem sollte man sich darauf einstellen, dass man hier keinen rasanten Thriller vor sich hat, sondern ein eher gemächliches Buch.

Insgesamt ist „Der Premierminister“ ein spannender und stimmiger Roman, der gekonnt Elemente eines klassischen Krimis mit einem modernen politischen Setting verbindet. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, mehr von dem politischen Anteil zu sehen. Wer sich darauf einlässt, keinen typischen Polit-Thriller zu lesen, sondern eher einen Krimi à la Agatha Christie, wird bestens unterhalten.

8/10

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Veröffentlicht am 13.01.2026

Toller Auftakt

Dogma der Wahrheit
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Dogma der Wahrheit macht es einem nicht leicht. Dieses Buch nimmt seine Leser:innen nicht an die Hand, sondern stößt sie kopfüber in eine kalte, brutal durchorganisierte Zukunft. Wer Lesekomfort sucht, ...

Dogma der Wahrheit macht es einem nicht leicht. Dieses Buch nimmt seine Leser:innen nicht an die Hand, sondern stößt sie kopfüber in eine kalte, brutal durchorganisierte Zukunft. Wer Lesekomfort sucht, ist hier falsch. Wer sich jedoch fordern lassen will, bekommt eine Dystopie, die unangenehm nah an unsere Gegenwart heranrückt.

In Behemoffs Welt gehört der eigene Gedanke nicht mehr einem selbst. Wahrheit ist kein Diskurs, sondern ein Dogma. Wächter lesen Absichten, bestrafen Abweichungen sofort, öffentlich, tödlich, bejubelt. Realität wird fast nur noch durch virtuelle Brillen erlebt, Emotionen manipuliert, Gewalt gestreamt. Kinder entstehen künstlich, der Alltag spielt sich im „Grid“ ab: einem digitalen Käfig, der totale Kontrolle als Sicherheit verkauft.

Hagen erinnert sich noch an eine andere Zeit. Lange hat er funktioniert, weggesehen, überlebt. Doch Schuld und Verlust lassen ihn nicht los. Gerüchte über den Root Chip, angeblich Schlüssel zur totalen Kontrolle oder zur Zerstörung des Systems, werden für ihn zur letzten Hoffnung. Mit seiner Suche gerät er ins Visier des Moebius-Konzerns. Die Jagd beginnt. Und klar ist: Wer zu viel weiß, lebt nicht lange.

Die größte Stärke des Romans ist wohl sein Worldbuilding. Diese Welt ist düster, konsequent gedacht und erschreckend plausibel. Konzernherrschaft, totale Überwachung, Gewalt als Entertainment, nichts davon ist neu, aber hier gnadenlos umgesetzt. Hoffnungsschimmer sind rar. Diese Atmosphäre trägt das Buch über weite Strecken. Auch die Handlung funktioniert: Die Jagd nach dem Root Chip sorgt für Tempo und Spannung. Wissen ist hier eine Waffe, gegen andere, aber auch gegen einen selbst.

Mein größter Kritikpunkt ist die enorme Komplexität. Viele Begriffe und Konzepte werden eingeführt, ohne erklärt zu werden. Nach Lesepausen fiel mir der Wiedereinstieg schwer, ein Glossar hätte dem Buch sehr gutgetan. Das hat meinen Lesefluss spürbar gebremst.

Hinzu kommt die Figurentiefe: Viele Figuren bleiben blass und austauschbar. Eine starke Ausnahme ist Libby. Ihr Handlungsstrang hat mich emotional erreicht, hier entstand echte Bindung. Umso deutlicher wird, welches Potenzial bei den übrigen Figuren liegen geblieben ist.

Dogma der Wahrheit ist eine wahrlich ambitionierte, düstere Dystopie mit starkem Worldbuilding und spannender Handlung, die sich durch Überkomplexität und schwache Figuren jedoch immer wieder selbst im Weg steht.

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