Profilbild von jeanne_darc

jeanne_darc

Lesejury Star
offline

jeanne_darc ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit jeanne_darc über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.07.2025

Selbstbestimmtes Leben oder Zweisamkeit?

Ja, nein, vielleicht
0

So wie die Blumen in den Vasen auf dem Cover haben auch die Menschen nur eine gewisse Lebenserwartung, die mit der einen oder anderen Lebensveränderung einhergeht. So ergeht es auch der Ich-Erzählerin ...

So wie die Blumen in den Vasen auf dem Cover haben auch die Menschen nur eine gewisse Lebenserwartung, die mit der einen oder anderen Lebensveränderung einhergeht. So ergeht es auch der Ich-Erzählerin Ende 50, die sich mit ihrer eigenen Vergänglichkeit auseinandersetzen muss und das ist erst einmal vorrangig ihr Wackelzahn, der auf kurz oder lang nicht mehr zu retten ist. Diese Tatsache zieht sich wie ein roter Faden durch diese Geschichte.

Mit viel Einfühlungsvermögen und Humor wird hier das Leben der Protagonistin beleuchtet. Das Verhalten ihrer Schwester Paula bereitet ihr Sorgen, für die kurz bevorstehende Hochzeit ihrer besten Freundin Therese fehlt es noch an einigen organisatorischen Details, und nicht zuletzt das Wiedersehen mit ihrem Jugendfreund Friedrich wirft die Frage auf, ob sie bereit ist, noch einmal einen Mann in ihr selbstbestimmtes Leben zu lassen?

Wer schon das Vorgängerbuch gelesen hat, trifft hier wieder auf den gewohnt flüssigen Schreibstil, Selbstreflektion und Gedankentiefe. Die Charaktere sind empathisch und authentisch dargestellt, so dass man unter bestimmten Voraussetzungen auch Parallelen zu sich selbst ziehen könnte.

Das Buch hat mich gut unterhalten und ich empfehle es gerne weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2025

Erinnerungen an die verlorene Mutter - Perlen der Vergangenheit

Perlen
0

Die achtjährige Marianne lebt mit ihren Eltern und ihrem vor kurzem geborenen Bruder in einem kleinen Dorf, als eines Tages ihre Mutter spurlos verschwindet und nie wieder zurückkehrt. Was bleibt sind ...

Die achtjährige Marianne lebt mit ihren Eltern und ihrem vor kurzem geborenen Bruder in einem kleinen Dorf, als eines Tages ihre Mutter spurlos verschwindet und nie wieder zurückkehrt. Was bleibt sind die wenigen Erinnerungen, die Marianne ihr ganzes Leben durch Höhen und Tiefen begleiten.

Die Autorin erzählt Mariannes Geschichte so ungeschönt, rau und bewegend, dass es mich an einigen Stellen sehr betroffen macht. Und dann sind da wieder diese liebevollen Erinnerungen einer Achtjährigen, die einem sehr zu Herzen gehen. Die Lieder, das Lieblingsgedicht der Mutter, der verwilderte Garten, der Duft der frischen Minze und der Gang zur grünen Kapelle.

Schön herausgearbeitet wurde Mariannes Kampf mit ihrer eigenen Zerrissenheit, ihren Ängsten und ihrer Hilflosigkeit. Die Bürden eines alleinerziehenden berufstätigen Vaters und die Stellung des Bruders Joe, der seine Mutter nie richtig kennengelernt hat.

Die Charaktere sind hier wunderbar und authentisch ausgearbeitet, wobei der Fokus stets auf Marianne gerichtet ist. Durch den einzigartigen Schreibstil habe ich die einzelnen Kapitel mit ihren einfallsreichen Überschriften sehr gerne gelesen. Titelgebend ist das Gedicht Pearl, ein vielstrophiges Gedicht aus dem 14. Jahrhundert und besagtes Lieblingsgedicht. Das Cover ist einem angenehmen Grün gehalten mit Punkten als Erinnerungsperlen. Mir gefällt es richtig gut. Eine bemerkens- und empfehlenswerte Lektüre.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2025

Auf Spurensuche zwischen Kanada und dem Libanon - sehr eindrucksvoll

Frau im Mond
0

Das Cover des Buches hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In der Gestaltung hebt es sich von anderen Covern deutlich ab, da es im ersten Moment sehr überladen aussieht. Doch bei längerem Betrachten ...

Das Cover des Buches hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In der Gestaltung hebt es sich von anderen Covern deutlich ab, da es im ersten Moment sehr überladen aussieht. Doch bei längerem Betrachten erkennt man die Feinheiten. So verbindet es doch das Land aus dem diese Geschichte erzählt wird mit der libanesischen Herkunft der Familie el Shami. Titelgebend „Frau im Mond“ ist tatsächlich ein Science-Fiction-Stummfilm von Fritz Lang aus dem Jahr 1928/1929, den sich Maroun mit seinen Enkelinnen anschaut, genial.

Perfekt verknüpft wird diese Erzählung vor dem Hintergrund von zwei historischen Ereignissen, die auf den Tag genau im Abstand von 54 Jahren stattfinden. Dem Start der Libanese Rocket Society und der Explosion im Beiruter Hafen.

Im kanadischen Montréal begeben sich die Zwillingsschwestern Lilit und Lina auf Spurensuche über ihre verstorbene armenisch stämmige Großmutter Anoush und diese führt sie zurück zu ihren eigenen Wurzeln. Auch der Großvater Maroun, der einst aus dem Libanon kam, entführt uns u.a. mit seinen Erinnerungen an Anoush in die Vergangenheit. So gelingt es dem Autor auf eine einzigartige Weise Gegenwart und Vergangenheit eindrücklich zu verknüpfen, so dass der/die Leser*in nach einer anfänglichen Orientierung gut von der sich über drei Generationen und zwei Kontinente erstreckende Geschichte getragen wird.

Bildhaft und sprachlich sehr dynamisch, mit dem Fokus auf viele kleine und große Details, geschichtliche Ereignisse, liebevolle Gedanken, tragikomische Momente und einzigartige Charaktere machen das Buch einfach zu einem Lesegenuss. Es war mir eine große Freude.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2025

Was geschah vor 100 Jahren? Sehr bewegend

Vor hundert Sommern
0

Das Cover und der Titel haben mich sofort angesprochen. Eine junge Frau, die anscheinend in einem Buch ihre eigene Familiengeschichte liest, die in diesem Buch Vor hundert Sommern im Jahr 1924 beginnt ...

Das Cover und der Titel haben mich sofort angesprochen. Eine junge Frau, die anscheinend in einem Buch ihre eigene Familiengeschichte liest, die in diesem Buch Vor hundert Sommern im Jahr 1924 beginnt und 2024 erstmals von der Familie thematisiert wird.

Sie beschreibt das Leben von mehreren Frauen in einer Familie, die sich jeweils mit den Schwierigkeiten ihrer Zeit und persönlichen Hindernissen auseinandersetzen müssen.

Als die 94 jährige Elisabeth nicht mehr allein in ihrer Wohnung in Berlin Charlottenburg leben kann und in ein Seniorenheim nach Hamburg in nächster Nähe zu ihrer Tochter Anja ziehen muss, bleibt Anja und ihrer Tochter Lena nichts anderes übrig, als die Wohnung aufzulösen. Dabei finden sie Relikte und Unterlagen aus längst vergangenen Zeiten, vornehmlich von Elisabeths Tante Clara, der die Wohnung vorher gehört hatte.

Ganz behutsam bringen Anja und Lena Elisabeth dazu, die Familiengeschichte zu erzählen. Sehr zögerlich lässt sich Elisabeth darauf ein, denn es gibt Geheimnisse, vor denen sie sich noch immer scheut, sie preiszugeben.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen und die Rückblenden in das Jahr 1924 und die folgenden Jahre werden stückchenweise von Elisabeth aufgearbeitet. Hier wird dann aus der Sicht von Clara erzählt. Mit ihrem unvergleichlich angenehmen und flüssigen Schreibstil nimmt die Autorin die Leser*innen mit auf eine Reise in die Vergangenheit mit den Widrigkeiten, mit denen die Familienmitglieder damals konfrontiert waren und beleuchtet parallel die Themen und Probleme unserer heutigen Zeit. Auch die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und ich konnte mich gut in Anja hineinversetzen, die als berufstätige Mutter, Tochter und Ehefrau sehr gefordert ist. Auch Clara war eine starke Persönlichkeit ihrer Zeit. Sehr authentisch. Gut recherchiert.

An der einen oder anderen Stelle hätten die Ausführungen tatsächlich etwas kürzer sein können, doch nichtsdestotrotz hat mich der Roman sehr gut unterhalten. Absolut empfehlenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2025

Das Leben geht weiter

Von hier aus weiter
0

Für mich war es das erste Buch der Autorin Susann Pásztor und wohl auch nicht das Letzte.

Marlene, die nach dem Tod von Rolf nicht mehr in den Alltag zurückfindet, keine Telefonanrufe oder Nachrichten ...

Für mich war es das erste Buch der Autorin Susann Pásztor und wohl auch nicht das Letzte.

Marlene, die nach dem Tod von Rolf nicht mehr in den Alltag zurückfindet, keine Telefonanrufe oder Nachrichten beantwortet, möchte nichts weniger, als dem eigenen Leben ein Ende setzen. Sie kann nicht trauern sondern ist einfach nur wütend. Wütend auf Rolf. In diese Gefühlswelt tritt durch Zufall der Klempner Jack ein zweites Mal in ihr Leben. Er entpuppt sich als ihr ehemaliger Schüler. Da er derzeit wohnungslos ist, darf Jack bei Marlene einziehen. Dies gibt Marlenes Leben ganz neue Impulse, doch sie hält noch immer an ihrem eigenen Ableben fest.

Trauer und Trauerbewältigung sind ein ernstes Thema und der Autorin ist es hier sehr gut gelungen, eine gewisse Leichtigkeit in die Handlung zu transportieren. Mit Humor und viel Empathie für die Protagonisten lässt sie hier im Laufe der Geschichte eine tolle Gemeinschaft entstehen. Geprägt von Veränderung, Verständnis, Rücksicht, Freundschaft, Liebe und über sich hinauswachsen. Das ist doch das, was jemand braucht, der anscheinend ausweglos an einem Tiefpunkt angelangt ist. Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und wurden bei mir auch gleich Sympathieträger.

Das schön gestaltete Cover zeigt eine minimale Veränderung in der harmonischen Farbgebung und der Perspektive zwischen den beiden Bildern. Hier wird dem Betrachter vermittelt, das Leben geht weiter. Wunderbar passend zum Inhalt.

Eine schön erzählte Geschichte, die auch durch den flüssigen Schreibstil bei mir absolut punkten konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere