Gasperlmaier ist Kult
Letztes GlückskeksDer Buchtitel irritiert mich ein wenig, inzwischen weiß ich dank Duden: man kann der oder das Keks sagen, im Österreichischen ist es immer das Keks, wieder was gelernt. Daneben sticht mir beim Cover die ...
Der Buchtitel irritiert mich ein wenig, inzwischen weiß ich dank Duden: man kann der oder das Keks sagen, im Österreichischen ist es immer das Keks, wieder was gelernt. Daneben sticht mir beim Cover die Winke-Katze ins Auge, die im Trachtenhut dekorativ vor den Bergen in die Kamera grinst, ein kleiner Vorgeschmack auf den Krimi voller Gegensätze.
Was passiert mit einer Gemeinde, wenn die Chinesen kommen? Altaussee soll in China nachgebaut werden und den Tourismus ankurbeln. Aber am Beispiel Hallstatt ist erkennbar, dass das auch eine negative Kehrseite hat. Ich war tatsächlich letztes Jahr in Österreich unterwegs und auf dem Weg von einer Unterkunft zur nächsten wollten wir einen Abstecher nach Hallstatt machen, ich hatte den kleinen Ort von einem Besuch vor etlichen Jahren in guter Erinnerung. Um es kurz zu machen: die Stadt war komplett überfüllt, wir haben nirgendwo einen Parkplatz bekommen, selbst von 5 km außerhalb pilgerten ganze Heerscharen an Touristen noch zu dem Ort, wir sind unverrichteter Dinge weitergefahren. Von daher verstehe ich die Aufregung der Altausseer gut, dass sie ein ähnliches Schicksal vermeiden möchten.
Als dann einer der chinesischen Delegation plötzlich tot im Hotelpool treibt, gibt es jede Menge Verdächtige und der Gasperlmaier muss mal wieder ermitteln. Dies ist bereits der 12. Band und mit jedem Band lernt der tollpatschige Polizist wieder mehr dazu. Auch seine Familie entwickelt sich weiter und Stammleser haben das Gefühl, bereits Teil der Gasperlmaierschen Sippe geworden und bei den Ermittlungen hautnah dabei zu sein.
Der Gasperlmaier ist einer wie du und ich. Kein abgehobener Kriminaler mit Sonnenbrille und Modellmaßen. Ein bisschen gemütlich, mit einem Schnitzel und etwas Ruhe am glücklichsten. Die moderne Technik ist ihm eher ein Graus und als Polizist ist er zur Neutralität verpflichtet. In seinem ganz eigenen Tempo führt er die Ermittlungen durch und seine Beharrlichkeit führt zum Ziel. Bis zur überraschenden Auflösung genieße ich aber noch ein wenig die Schönheit der Region und das österreichische Flair, das diesem Krimi innewohnt.
Wunderbar wie sich der Autor selbst auf die Schippe nimmt: „Dazu kamen noch ein paar Schriftsteller, die es nicht lassen konnte, ein Buch nach dem anderen zu schreiben, das im Ausseerland seinen Schauplatz hatte.“ Ich mag einfach den Humor von Herbert Dutzler, der nicht laut polternd, sondern feinsinnig daherkommt.
Letztes Glückskeks ist wieder ein typischer Gasperlmaier, hat mich gut unterhalten und bekommt daher verdiente 5 Sterne