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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2025

Originell und düster

The Book Eaters
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“The Book Eaters” ist ein Dark Fantasy Einzelband von Sunyi Dean - auch wenn es offenbar Hinweise gibt, dass weitere Bände und/oder Spin-offs folgen könnten. Das Subgenre und die Frage “Wie viele Menschen ...

“The Book Eaters” ist ein Dark Fantasy Einzelband von Sunyi Dean - auch wenn es offenbar Hinweise gibt, dass weitere Bände und/oder Spin-offs folgen könnten. Das Subgenre und die Frage “Wie viele Menschen würdest du opfern, um dein Kind zu retten?” im Titel dürfen hier ernst genommen und als klarer Hinweis verstanden werden, dass physische und psychische Gewalt an allen Personen- und Altersgruppen enthalten sind. Triggerwarnungen sind im Buch keine enthalten - sollten es aber in diesem Fall eindeutig sein.

Mit den Buchessern hat Dean eine Spezies geschaffen, die von ihrem Namen und ihrer Natur her für Buchliebhaber:innen direkt ansprechend und faszinierend klingt. Immerhin dreht sich ihr Leben um Bücher - wie unseres, nicht wahr? Trotz konzeptueller (und von der Autorin gewollter) Anlehnung an die blutsaugenden Vampire, sind die Buchesser ein frisches, originelles Konzept, das in meinen Augen gut funktioniert. Und über die ich tatsächlich gerne mehr erfahren hätte, als das Buch preisgibt. Sollte es also einen Folgeband geben, würde ich dahingehend mehr erwarten.

Das Buch spielt sich abwechselnd auf zwei Zeitebenen ab, wobei sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart die Geschichte der Protagonistin Devon erzählen. Der Kontrast dieser beiden Charakterisierungen steigert natürlich die Spannung und Neugier beim Lesen. Und die beiden Zeitebenen komplementieren sich über zwei Drittel des Buches auf anregende Weise, werfen Fragen auf, ergründen Geheimnisse, streuen Teaser. Die Spannung war für mich so durchgehend sehr hoch und die Geschichte entwickelte eine extreme Sogwirkung. Leider hat die Autorin meiner Meinung nach den Moment verpasst, die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen und sich auf den Hauptplot zu konzentrieren. Was vorher so gut funktioniert hat, verlor seine Wirkung, als alle Geheimnisse aufgedeckt waren und die Vergangenheit vor allem noch dazu diente, die Brutalität und Gewalt zu eskalieren. Die Gegenwart an sich hatte im letzten Drittel nicht genügend Twists und eigenes Material, um das Spannungslevel von zuvor zu halten.
Ich fand das unter anderem aber insbesondere deshalb schade, weil Dean meiner Meinung nach vorher einen sehr behutsamen und feinfühligen Umgang mit ihrem gewaltlastigen Setting gezeigt hat. Die Brutalität der Situation ist da und spürbar, wird aber nicht breit getreten, ist oft implizit. Dean zeigt immer nur so viel, wie nötig ist. Vieles bleibt bei Andeutungen und entfaltet sich bei mir als Leserin im Kopf. Schreibhandwerklich grossartig gemacht! Das war wirkungsvoll und genug. Schade, dass sie diesen kunstvollen Umgang zugunsten des Schocks und der Eskalation dann über Bord geworfen hat.

Im Allgemeinen war “The Book Eaters” für mich ein interessantes und vor allem originelles Leseerlebnis. Die Charaktere waren ansprechend, nachvollziehbar und mehrdimensional - ihre Entwicklung und ihre Motivationen mitzuverfolgen war spannend und regte mich oft zum Nachdenken an. Gemindert wurde dieses Erlebnis durch ein etwas plumpes und schlussendlich vorhersehbares Schlussdrittel und vor allem die Vielzahl an Schreibfehlern und fragwürdigen Übersetzungen.

Ich bedanke mich herzlich beim Verlag Lübbe für das Rezensionsexemplar! Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.

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  • Fantasy
Veröffentlicht am 26.07.2025

Ein originelles aber langsames Märchen

Yumi and the Nightmare Painter
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“Yumi and the Nightmare Painter” ist ein Kosmeer-Einzelband und eine der vier “secret project novels” aus der Feder von Brandon Sanderson. Dieser romantische Fantasyroman lässt sich grundsätzlich unabhängig ...

“Yumi and the Nightmare Painter” ist ein Kosmeer-Einzelband und eine der vier “secret project novels” aus der Feder von Brandon Sanderson. Dieser romantische Fantasyroman lässt sich grundsätzlich unabhängig von den anderen Werken geniessen, denke ich. Auch wenn einige Referenzen des Erzählers im grösseren Zusammenhang wohl mehr Sinn ergeben.

Der Hilferuf eines Geistes verbindet auf ungewöhnliche Weise das Schicksal von Yumi, einer treuen Dienerin ihres Volkes, mit dem von Maler, einem einzelgängerischen Albtraummaler im Dienste der Sicherheit seiner Stadt. Und legt diesem ungleichen Paar das Schicksal zweier scheinbar gegensätzlichen Welten in die Hand. Erzählt wird diese ungewöhnliche Helden- und Liebesgeschichte von Hoid, des Königs Schelm aus den Sturmlichtchroniken, der für die Dauer der Geschichte selbst in einer eher unangenehmen Situation feststeckt. Und damit erinnern die Rahmung und der Ton des Buches nachdrücklich an “Weit über der smaragdgrünen See” - was mich als Fan dieses Buches erst begeistert hat. Er tritt hier aber noch deutlicher als Kommentator hervor, hilft mit Erklärungen und Vergleichen aus und macht die sehr fremd anmutende Welt für realweltliche Leser:innen nachvollziehbar und zugänglich. Manchmal sogar etwas zu sehr für meinen Geschmack, was mich dem Zauber der Geschichte stellenweise fast entrissen hat.

Wie von Sanderson nicht anders zu erwarten, ist das Worldbuilding ausgefeilt, einzigartig, faszinierend und magisch. Ein neuer Splitter, eine neue Ausgestaltung der Investitur, eine neue Perspektive im Kosmeer - unendlich fantasievoll und doch stimmig im Gesamtbild und solide in sich selbst. Die Figuren sind liebevoll und originell angelegt, emotional und psychologisch tief und mehrdimensional gezeichnet, in ihren Handlungen und Entwicklungen stringent. Die Chemie zwischen den beiden war für mich stimmig und überzeugend, behutsam romantisch ohne Kitsch. Nicht wirklich warm geworden bin ich allerdings mit dem Plot. Über etwa zwei Drittel des Buches mäandert die Geschichte so vor sich hin. Ja, die beiden lernen sich kennen, als Leser:innen lernen wir die Figuren und ihre Leben kennen und erkunden ihre jeweiligen Welten durch die Augen des anderen. Und das alles in schöner, ansprechender Prosa. Ich konnte das alles geniessen - bis zu einem gewissen Grad. Sanderson lebt hier seinen Faible für Ästhetik - und seine Vorliebe, Frauen einzukleiden - wahrhaftig breit bis langatmig aus. Und die Illustrationen, obwohl im ebook nicht so eindrücklich, waren eine schöne und stimmige Ergänzung (leider im englischen Taschenbuch nicht enthalten). Mir war es aber zu langatmig und ich musste mich immer wieder aktiv motivieren, weiterzulesen und das Buch zur Hand zu nehmen. Meiner Stieftochter (Teenager) hat aber gerade das sehr gut gefallen. Also: Geschmacksache.

Im letzten Drittel kommt der Plot dann doch noch ins Rollen - und nimmt einige interessante und unerwartete Wendungen. Hier tritt auch noch mal deutlich hervor, dass wir hier eine Art modernes, andersweltliches Märchen lesen. Die Absurditäten und Hintergründe sind einerseits süss, regen aber auch zum längeren Nachdenken an - und ein Augenzwinkern oder zwei dürfen auch nicht fehlen.

Wer Tress Abenteuer geliebt hat, den wahren Geist eines Märchens zu schätzen weiss, wer gerne in fremden Welten und zauberhafter (japanischer) Ästhetik schwelg und ein Herz für leise Romantik hat - der:die wird mit “Yumi and the Nightmare Painter” auf seine:ihre Kosten kommen. Obwohl ich viele Aspekte - die Welt, die Figuren, die Sprache und den Witz - genossen habe, konnte mich das Gesamtwerk leider nicht ganz packen.

Ich bedanke mich beim Verlag Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar! Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Magie zwischen den Zeilen

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie
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„Ein Weg aus Tinte und Magie“ von Akram El-Bahay ist der erste Band der zweiteiligen Fantasyreihe “Die Buchreisenden. Akram El-Bahay entführt seine Leser:innen mit Die Buchreisenden in eine Welt, die so ...

„Ein Weg aus Tinte und Magie“ von Akram El-Bahay ist der erste Band der zweiteiligen Fantasyreihe “Die Buchreisenden. Akram El-Bahay entführt seine Leser:innen mit Die Buchreisenden in eine Welt, die so wundersam wie gefährlich ist – eine Welt, die sich buchstäblich in den Seiten alter Geschichten verbirgt.
Schon die Grundidee – durch Bücher zu reisen und in ihren Geschichten zu wandeln – hat eine besondere Anziehungskraft. Doch was dieses Buch für mich zu einem besonderen Leseerlebnis gemacht hat, ist weniger der Plot selbst als das Worldbuilding: Die erzählte Welt ist voller Magie, voller liebevoller Details und wirkt gewachsen und lebendig. Es sind nicht nur die bekannten Geschichten, durch die hier gereist wird – es ist das, was zwischen den Zeilen liegt: das Wissen darum, dass Geschichten sich weiterentwickeln, dass sie Räume eröffnen, die selbst ihren Autor:innen unbekannt waren. In dieser Tiefe liegt der Zauber. Man bekommt beim Lesen das Gefühl, dass die Buchwelt noch weit über das hinausgeht, was in diesem ersten Band offenbart wird – und genau das liebe ich an Fantasy - die Einladung zum Träumen.
Die Sprache ist insgesamt stimmig, oft bildhaft, lebendig und mit einem guten Gespür für Tempo. Im Mittelteil jedoch überschlagen sich die Ereignisse fast zu sehr. Der Plot nimmt so viel Fahrt auf, dass kaum Raum für innehalten bleibt – weder für die Figuren noch für mich als Leserin. Informationen werden enthüllt, Siege errungen und Niederlagen eingesteckt, Entscheidungen getroffen, Verbündete und Gegner wechseln, aber ohne dass diese Entwicklungen wirklich nachhallen dürfen. Ich hätte mir mehr erzählerische Atempausen gewünscht, in denen sich die Figuren mit dem Geschehen auseinandersetzen, das Erlebte reflektieren oder Beziehungen vertiefen.
Gerade Letzteres bleibt in meinen Augen der größte Schwachpunkt. Die Figuren bleiben für meinen Geschmack zu schematisch. Ihre Motive, Emotionen und Beziehungen werden zwar angerissen, aber selten vertieft. Für ein Jugendbuch wäre das vielleicht noch stimmig – in einem Fantasyroman für Erwachsene wünsche ich mir jedoch mehr Charaktertiefe und mehr emotionale Glaubwürdigkeit. Viele Figuren wirken eher wie Rollen als wie Menschen: funktional für den Plot, aber nicht wirklich greifbar.
Am stärksten fällt das beim Protagonisten Adam ins Gewicht. Ich bin mit ihm leider nicht wirklich warm geworden. Seine Entscheidungen sind oft schwer nachvollziehbar – etwa, wie schnell und bedingungslos er seine Ersatzfamilie verdächtigt, oder wie unkritisch er sich neuen Allianzen anschließt. Seine Loyalität scheint beliebig, seine Risikobereitschaft wirkt weniger heldenhaft als schlicht unüberlegt. Möglicherweise hängt mein Unbehagen auch mit dem Humor zusammen, der gerade in den Dialogen immer wieder aufblitzt, meinen Geschmack aber nicht wirklich trifft. Was vielleicht charmant oder schlagfertig gemeint ist, wirkt auf mich eher flapsig – was wiederum die Ernsthaftigkeit mancher Situation untergräbt und meiner Verbindung zu den Figuren im Weg steht.
Trotz dieser Kritik habe ich das Buch gern gelesen. Es besitzt eine ganz eigene erzählerische Energie und hebt sich damit von der Masse und dem Mainstream ab. Es ist spannend, geheimnisvoll, voller Ideen und Andeutungen, die zum Weiterspekulieren einladen. Der Abschluss des ersten Bandes hat für mich eine zufriedenstellende Zäsur geschaffen – es ist kein harter Cliffhanger, aber doch ein Punkt, an dem man spürt, dass die Geschichte nun richtig in Gang kommt. Die Hinweise verdichten sich, eine Richtung wird greifbar, und viele lose Fäden versprechen, im zweiten Band weiterverfolgt zu werden.
Die Buchreisenden ist ein atmosphärisch starkes, ideenreiches Fantasyabenteuer, das seine grösste Stärke im Setting und der magischen Tiefe seiner Welt entfaltet. Der Plot ist rasant und unterhaltsam, der Stil lebendig. Wer Wert auf glaubhafte Figurenentwicklung und emotionale Tiefe legt, wird hier etwas vermissen – doch wer sich gern in fantastischen Welten verliert, wird viele bezaubernde Stunden zwischen den Seiten verbringen.
Ich bedanke mich beim Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar und beim Autor für die Diskussion. Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Weniger wäre manchmal mehr

We free the Stars
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Achtung: Enthält Spoiler zu Band 1!

“We free the Stars” ist der zweite Band der Dilogie “Die Reiche von Arawyia” von Hafzah Faizal. Nachdem die Zumra um Zafira und Nahir auf Shar zumindest teilweise erfolgreich ...

Achtung: Enthält Spoiler zu Band 1!

“We free the Stars” ist der zweite Band der Dilogie “Die Reiche von Arawyia” von Hafzah Faizal. Nachdem die Zumra um Zafira und Nahir auf Shar zumindest teilweise erfolgreich war, kehrt, was von der Gruppe noch übrig ist, zurück aufs Festland. Neue Umgebung, neue Zusammensetzung - die Zumra ist jetzt unvollständig und ziellos. Und das hat sich für mich sofort aufs Leseerlebnis ausgewirkt. Denn die Dynamiken, die mir im ersten Band so gut gefallen haben, fehlen. Die neuen Figuren hatten für mich nicht die Persönlichkeit und Tiefe, diesen Verlust auszugleichen. Und weil sie mir sowohl unsympathisch, als auch fern blieben, haben mich weder ihre Handlungen schockiert, noch ihre Schicksale berührt. Auch die geheimnisvolle und bedrohliche Atmosphäre der Insel hat gefehlt. Die Kalifate von Arawyia sind zwar einigermassen interessant - und es wird auch fleissig hin und her gereist - aber die Bühne war für mich weit weniger attraktiv, als noch im ersten Band, als das Setting selbst schon fast ein Charakter war.
Die Handlung insgesamt ist nicht uninteressant - hat sich aber immer wieder verzögert. Natürlich, da gibt es die inneren Konflikte der Figuren, die ihren Platz haben sollen. Für mich waren sie aber nicht pointiert genug, schienen sich immer wieder im Kreis zu drehen. Vor allem die Beziehung zwischen Nasir und Zafira hat mich mit ihrer sich wiederholenden Sprunghaftigkeit irgendwie abgehängt und schlussendlich gelangweilt - sie war zu absehbar. Absehbar waren auch die meisten Twists und Wendungen - weil die Finten für mich von Anfang an nicht glaubwürdig waren und dann auch noch immer wieder gleich aufgebaut. Wenn dann mal Action angesagt war, war diese wenig zu spüren. Denn die Figuren nehmen sich während des Kampfes ausgiebig Zeit, zu quatschen, ihre Lage und Emotionen zu analysieren, ihren Gefährten beim Kämpfen zuzusehen - das nimmt jeder Schlacht das Tempo und die Spannung.
Ich fand “We free the Stars” mit seinen über 600 Seiten zu schwerfällig und behäbig - in der Kürze wäre hier vielleicht etwas mehr Würze gelegen. Wie gesagt, die Handlung insgesamt war eigentlich ganz ansprechend. Die Geschichte des Löwen war sogar faszinierend. Und es gibt einige interessante Auflösungen. Allerdings auch einige lose Enden. Schön zu lesen war es allemal - ich mag Faizals blumigen, opulenten Stil, ihre Metaphern und die Bilder, die sie mit Worten zeichnet. Jedenfalls, wenn sie das alles nicht an Beschreibungen von Architektur und Kleidung verschwendet. Ich staune immer wieder - und verdrehe dabei ausgiebig die Augen - wie akkurat und ausschweifend ein Mädchen der Unterschicht im Stande ist, Stoffe und Architektur zu beschreiben, die es noch nie in seinem Leben gesehen hat! Ein Makel, der dem Genre scheinbar inhärent ist.

Alles in Allem habe ich die Dilogie gerne gelesen, habe die Figuren gerne kennen gelernt, mit ihnen mitgefiebert und gelitten. Ich bin aber auch froh, jetzt Lebewohl sagen zu können. Herzlichen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar! Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Tolles Setting, nicht mein Stil

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
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“What the River Knows” ist der erste Band der Dilogie “Geheimnisse des Nil” von Isabel Ibañez, die im Ravensburger Verlag erscheint. Die Geschichte entführt ins Ägypten des späten 19. Jahrhunderts. Historisch-kulturell ...

“What the River Knows” ist der erste Band der Dilogie “Geheimnisse des Nil” von Isabel Ibañez, die im Ravensburger Verlag erscheint. Die Geschichte entführt ins Ägypten des späten 19. Jahrhunderts. Historisch-kulturell getreu den Fakten unserer Welt, webt Ibañez einen Hauch Magie mit ein.

Inez Olivera, eine junge Argentinierin aus gutem Hause, sieht sich gezwungen, alleine nach Ägypten zu reisen. Denn ihre Eltern sind dort gestorben und sie will Antworten. Dort aber ist sie nicht willkommen und Inez muss sich nicht nur gegen ihren Onkel behaupten, der eindeutig Geheimnisse vor ihr hat, sondern auch ihrem attraktiven Aufpasser Whit immer wieder ein Schnippchen schlagen. Denn ohne Antworten wird Inez nicht das Feld räumen.

Es gibt viele Aspekte, die mir an diesem Buch gefallen haben. Da ist ein historisches Ägypten, Kritik am Kolonialismus und der Bereicherung der weissen Herren an einer fremden Kultur und Einblicke in die noch ältere Kultur des antiken Ägyptens - alles frisch und unverbraucht als Fantasysetting. Dann gibt es eine Schatzsuche, Archäologie und ein Hauch von Abenteuer - ebenfalls originell im Zusammenhang mit Fantasy. Bei mir entstand der Eindruck, dass die Autorin weiss, worüber sie schreibt - die Fakten, die Atmosphäre, das ganze Setting fühlten sich für mich beim Lesen authentisch an. Und auch das Magiesystem klang bezaubernd und vielversprechend. Magie, die aus der Welt verschwunden ist und nur noch als Nachklang in Objekten besteht, die einst von ihr berührt wurden. Leider hat mir die Umsetzung im Text nicht so gefallen, da war wenig magische Atmosphäre, vieles schien sogar ein wenig lächerlich und vor allem wahllos.
Als Protagonistin haben wir eine junge Frau, scharfzüngig, einfallsreich und entschlossen - nicht gerade neu, aber oft gut inszeniert. In Kombination mit dem attraktiven aber etwas abgehalfterten Whit eigentlich vielversprechend. Theoretisch konnte ich auch durchaus nachvollziehen, weshalb sich die beiden verlieben. In der praktischen Umsetzung habe ich es allerdings nicht gefühlt. Obwohl es einige passable Szenen gibt, fehlte mir im Text die Chemie. Vielleicht auch, weil Inez dazu neigt, die Dinge zu zerdenken - und dann trotzdem von ihren Gefühlen überrascht wird.
Ines Zerdenken hat leider auch viel Spannung aus der Geschichte genommen. Durch die sich wiederholenden Gedanken und das ständige Thematisieren war mir beim Lesen schon früh klar, welche Wendungen da noch kommen werden - und wurde auch nicht enttäuscht. Schade, denn die Rahmenhandlung wäre eigentlich spannend angelegt - und wäre übrigens auch ohne die Romanze ausgekommen.

“What the River knows” hat mir von der Idee und dem Setting her gut gefallen. Die Umsetzung war für mich aber zu vorhersehbar und überladen. Einerseits mit Inez Gedanken, die hin und her springen und sich auch immer mal wiederholen. Andererseits mit Themen und (Sub-)Plots. Das Ende war so vollgestopft, dass ich den vorangegangen Teil und seine Themen schon fast wieder vergessen habe. Da die Endsituation aber so viele Fragen aufwirft und offen lässt, werde ich den zweiten Teil dann wahrscheinlich doch zur Hand nehmen.

Ich bedanke mich herzlichst beim Ravensburger Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt natürlich trotzdem meine eigene.

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