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Veröffentlicht am 18.03.2025

Der Kompass weist den Weg aus der Einsamkeit

Die Anatomie der Einsamkeit
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„Die Anatomie der Einsamkeit“ ist nach „Die Halbwertszeit von Glück“ Louise Pelts zweiter Roman und vom Aufbau her sind beide Bücher sich auch ähnlich.
Wir erleben parallele Geschichten in unterschiedlichen ...

„Die Anatomie der Einsamkeit“ ist nach „Die Halbwertszeit von Glück“ Louise Pelts zweiter Roman und vom Aufbau her sind beide Bücher sich auch ähnlich.
Wir erleben parallele Geschichten in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben können. Und doch wird sich im Laufe der Handlung eine Verbindung ergeben.
Den Titel hat die Autorin klug gewählt: es gibt verschiedene Formen von Einsamkeit und man kann Einsamkeit zerlegen, so wie die Anatomie einen Menschen in seine Bestandteile aufgliedert. Louise Pelt hat es selbst im Interview so beschrieben: „Es gibt unzählige Arten von EINSAMKEIT – vom physischen Alleinsein bis hin zu dem Gefühl, emotional isoliert zu sein. Sich ungesehen oder nirgendwo wirklich zugehörig zu fühlen, trotz Familie oder Freundschaften…
Einsamkeit hat viele Gesichter und unzählige Formen. Entscheidend ist, dass du die ANATOMIE der EINSAMKEIT kennst, die dich plagt, denn sonst kannst du sie nicht überwinden. Du musst verstehen, wo das Gefühl wurzelt, wie es sich zusammensetzt, um zu lernen, damit umzugehen oder es zu behandeln.

Entsprechend hat sie ihre Charaktere gewählt. Olive ist Journalistin in London und will endlich anspruchsvollere Themen bearbeiten und nicht immer nur die Horoskope ihrer Zeitschrift erstellen. Sie ist diejenige, die emotional einsam ist, sie fühlt sich nirgendwo zugehörig, nicht gesehen, trotz Familie oder ihres Partners.

Auf der anderen Seite der Erdkugel und 20 Jahre früher ist da Claire in New York. Erfolgreiche Anwältin, die gerade für ihre Kanzlei einen der größten Prozesse der letzten Jahre gewonnen hat und der nun alle Türen offenstehen. Claire macht nach außen einen sehr gefestigten Eindruck, sie ist sehr kontrolliert und hat sich selbst fest im Griff. Claire hat eine Zwillingsschwester, mit der seit Jahren der Kontakt abgebrochen ist. In ruhigen Momenten empfindet sie das schon als Leerstelle in ihrem Leben, zumal beide einmal sehr eng miteinander waren, so wie das bei Zwillingen oft der Fall ist.
Und so wirft sie die Nachricht vom Tod ihrer Schwester aus der Bahn. Auch wenn sie geglaubt hatte, alles hinter sich gelassen zu haben, so stellt sie fest, dass da doch immer noch eine starke emotionale Bindung bestand. Sie reist auf die einsame Insel an der Westküste der USA, auf der Iris lebte und lernt dort die Menschen kennen, mit denen Iris ihr Leben verbrachte, allen voran Frankie, eine ca. 60jährige Frau, die Iris in ihrem Haus auf der Insel hatte leben lassen. Iris hatte dort Frankies Vater Ib in den letzten Jahren seines Lebens betreut. Diese Begegnung verändert ihr Leben.

Olive hat von ihrer Großmutter Poppy – eigentlich Mathilde – als vorgezogenes Erbstück einen alten Kompass geerbt. Sie ist enttäuscht, weil sie immer geglaubt hatte, die Lieblingsenkelin ihrer Großmutter zu sein. Aber dieser Kompass scheint keinen Wert zu haben. Die Großmutter ist nach einem Schlaganfall immer hinfälliger geworden und wird im Haus der Eltern gepflegt. Sie ist kaum mehr ansprechbar und scheint sich schon zwischen Leben und Tod zu befinden.

Über Umwege erfährt sie, dass bei einer eingemauerten Leiche in Hamburg ein gleicher Kompass gefunden wurde und das weckt ihre journalistische Neugier. Mit dieser Geschichte überzeugt sie ihre Chefin, ihr die Recherche zu erlauben und zusammen mit einem Fotografen macht sie sich auf den Weg nach Hamburg und dabei auch auf den Weg in die Vergangenheit ihrer Großmutter.

Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben und rührt am Ende auch zu Tränen. Ob es denn Freudentränen waren oder Tränen über so viele verpasste Jahre, das sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall hat der Kompass seinen Zweck in wunderbarer Weise erfüllt und einigen Menschen den Weg zueinander gewiesen.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Folgt Verliebtsein vernünftigen Argumenten?

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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Anika Deckers neuer Roman widmet sich neben der Liebe und dem Altern einem Thema, das nach dem Klappentext eher nicht vermuten würde: dem Machtmissbrauch in der Filmindustrie.

Der Titel ist geschickt ...

Anika Deckers neuer Roman widmet sich neben der Liebe und dem Altern einem Thema, das nach dem Klappentext eher nicht vermuten würde: dem Machtmissbrauch in der Filmindustrie.

Der Titel ist geschickt gewählt und macht zumindest neugierig.

Es geht um Nina. Sie ist knapp 50, Mutter zweier erwachsener Kinder und seit einigen Jahren geschieden. Ein Ehevertrag hat sie recht mittellos zurückgelassen, so dass sie froh war, einen schlecht bezahlten Job als Produktionsassistentin in einem Filmstudio zu bekommen. Mit ihrer Kollegin Zeynep kopiert sie tagein/ tagaus Drehbücher und ist erste Anlaufstelle für neue Schauspieler. Beide betreuen zusammen eine Krimiserie mit einem Serienhelden, dem man übergriffiges Verhalten nachsagt.

Nina hat einiges an Familie in der Nähe. Wir lernen ihre Mutter Karin, ihre Schwester Lena mit Familie sowie ihre Kinder Ben und Marie kennen. Dazu kommt ihr Ex-Mann Phil und während einer Geburtstagsparty für Phils neue Kinder begegnet sie David, einem knapp 30jährigen jungen Mann mit ganz viel Charme. Beide verlieben sich ineinander. Dem Himmelhochjauchzend folgt aber schon ganz bald das zu Tode betrübt sein, denn welche Chance hat denn bitte eine Liaison einer 50jährigen mit einem 30jährigen? Bei ihrem Ex hat sich das niemand gefragt. Dass er in seinem Alter noch einmal Chancen bei einer jungen Frau hatte und sogar noch Zwillinge gezeugt hat, das hat ihm sogar Respekt und Bewunderung eingebracht. Bei Nina regen sich alle nur auf, und Nina selbst macht da keine Ausnahme. Lediglich David scheint sich von Anfang an nichts aus dem Altersunterschied zu machen und ich würde seine Zuneigung zu Nina auch nicht als Ödipus-Komplex bezeichnen.

Diese Beziehung nimmt im Buch zwar viel Raum ein, mindestens genauso wichtig sind aber die Themen „Altern in der Familie“ und „Sexueller Missbrauch am Arbeitsplatz“. Es war bestürzend zu lesen, mit welchen Mitteln von den Filmproduzenten gegen Opfer von sexueller Gewalt vorgegangen wird. Auch wenn es sich um Fiktion handelt, so wird es doch Parallelen in der Wirklichkeit geben.

Die Geschichte ist jeweils aus der Sicht eines der Protagonisten geschrieben, hauptsächlich kommt die Familie zu Wort, weil es um sehr viel Ungesagtes, um lange zurückliegende Verletzungen geht. Erst als am Krankenbett der Mutter die Situation zwischen Kindern und Enkeln eskaliert und man zum ersten Mal ehrlich miteinander ist, ergibt sich dadurch auch eine neue Basis.

Anika Decker hat ein Buch mit viel Humor geschrieben, die Passagen rund um die Influencerin Lulu und ihre Followerinnen fand ich köstlich und habe mehrere Male laut gelacht. Aber auch Zeynep ist nicht auf den Mund gefallen. Mir ihr kann Nina so ehrlich sein, wie sie es sich mit ihrer Familie gewünscht hätte.

Für mich war das Buch mehr als nur eine Liebesgeschichte zweier Menschen mit einem großen Altersunterschied, gerade auch die anderen Themen gaben dem Buch Tiefe und Gehalt.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Spannend bis zum finalen Kurzschluss

Wackelkontakt
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Das Spannende an diesem Roman ist die Erzählweise. Beide Protagonisten lesen in voneinander zunächst unabhängigen Erzählsträngen ein Buch, das von dem Leben des jeweils anderen handelt.
Franz Escher wartet ...

Das Spannende an diesem Roman ist die Erzählweise. Beide Protagonisten lesen in voneinander zunächst unabhängigen Erzählsträngen ein Buch, das von dem Leben des jeweils anderen handelt.
Franz Escher wartet auf den Elektriker. Seine Steckdose hat einen Wackelkontakt. Um sich die Zeit zu vertreiben, liest er ein Buch über den Mafia-Kronzeugen Elio Russo. Elio sitzt im Gefängnis und wartet auf die Entlassung. Er hat so viele Leute verraten, dass er um sein Leben fürchtet. Aus Angst liegt er nachts wach und liest ein Buch. Es handelt von Franz Escher. Der wartet auf den Elektriker. Seine Steckdose hat einen Wackelkontakt.
Der Name des Protagonisten Escher ist absichtlich gewählt. Der niederländische Künstler M.C. Escher wurde mit seinen Grafiken berühmt. Er zeichnete, was perspektivisch eigentlich unmöglich war, eine Hand, die eine Hand zeichnet und genau dieses Bild war das Motiv des Puzzles, das er vor vielen Jahren von einer Freundin zum Geburtstag erhalten hatte. Dieses Puzzle entfachte eine wahre Puzzle-Leidenschaft in Escher, seitdem verbrachte er seine Freizeit damit.
Elios Biografie ist von Gewalt, Verrat und permanenter Flucht geprägt. Sein Leben ist in Gefahr, seit er in Italien zahlreiche Mafia-Verbrecher an die Polizei verriet. Im Gegenzug bekommt er Zugang zum Zeugenschutzprogramm und eine neue Identität. Als Marko Steiner kommt er zunächst nach Deutschland und baut sich dort mit einem Reparaturbetrieb für Zweiräder aller Art ein gutes Auskommen auf. Dennoch bleibt die Angst ständiger Begleiter und das Buch, das er damals im Gefängnis von einem Zellenkameraden erhielt und mit dem er sich seinen deutschen Wortschatz erarbeitete, erdet und beruhigt ihn ein wenig. Die Übergänge zwischen den beiden Erzählsträngen sind weich und fließend, wann immer Franz Escher oder Marko Steiner ihr Buch in die Hand nehmen, wechselt die Erzählperspektive.
Mit der Zeit werden beide Geschichten immer mehr zu einer Geschichte, bis schließlich Realität und Geschichte nicht mehr voneinander unterscheidbar werden und bis schließlich die Hauptprotagonisten ihre eigene Geschichte verfolgen können. Und offenbar hatte zumindest Elio/ Marko sein Buch zu Ende gelesen.
Für mich war die Idee, zwei Handlungsstränge parallel zu führen und dann ineinanderfließen zu lassen, neu. Es soll zwar Vorbilder dafür geben, die kenne ich allerdings nicht.
Es war mein erstes Buch von Wolf Haas und insbesondere der feine, manchmal schon leicht makabre Humor hat mir gefallen.


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Veröffentlicht am 21.12.2024

Millies Chance auf einen "Neuanfang"

Wenn sie wüsste
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Das ist tatsächlich der genau richtige Titel für das Buch, denn alles entwickelt sich ganz anders, als es sich zu Beginn anlässt. Und nimmt man am Anfang noch an, dass die neue Chefin das Vorleben von ...

Das ist tatsächlich der genau richtige Titel für das Buch, denn alles entwickelt sich ganz anders, als es sich zu Beginn anlässt. Und nimmt man am Anfang noch an, dass die neue Chefin das Vorleben von Millie nicht recherchiert hat, so bezieht es sich später ziemlich eindeutig auf Millie. Sie kennt Ninas Werdegang nicht. Wenn sie wüsste…..

Die Villa mit den Säulen vor dem Eingang passt zu dem im Buch beschriebenen mondänen Anwesen, dem Haus der Familie Winchester.

Millie findet aufgrund ihres Vorlebens nur mit Schwierigkeiten einen neuen Job und ist daher ausgesprochen froh, als sie für eine Stelle als Haushälterin in der Familie Winchester eine Zusage erhält. Sie kann ihr Glück kaum fassen, denn für sie bedeutet es, endlich wieder ein Dach über dem Kopf zu haben und aus ihrem alten Nissan in ein modernes und gut eingerichtetes Haus einzuziehen. Aber sie hätte es sich denken können: es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Ihre Chefin Nina macht zunächst einen sehr netten Eindruck, entpuppt sich aber schnell als Hausdrachen und unberechenbar. Tochter Cecilia lernt Millie als verwöhntes und zickiges kleines Mädchen kennen, dem alle Wünsche erfüllt werden. Der Hausherr Andrew hingegen scheint auf ihrer Seite zu sein und stärkt ihr hin und wieder den Rücken gegen seine eigene Frau. Wenn ich jetzt weiter auf die Handlung eingehe, würde ich schon spoilern und ich möchte niemanden um das Lesevergnügen bringen, zumal es einiges an Überraschungen bereithält.

Das Buch ist in drei Teile unterteilt, wobei Teil 1 Millies Einzug und Aufenthalt in der Familie zum Thema hat. Hier wird die Entwicklung der Handlung aus Millies Sicht beschrieben. Teil 2 folgt dann aus Ninas Sicht und in Teil 3 teilen sich die beiden das Erzählen der Ereignisse.

Das Buch ist durchweg spannend und wartet mit einigen absolut unerwarteten Wendungen auf, die dann ein ganz anderes Licht auf die Handlung werfen. Ich würde es schon als Psychothriller bezeichnen, normalerweise nicht mein Genre, aber hier ließ ich mich von den vielen guten Kritiken neugierig machen und wurde auch nicht enttäuscht.

Ich denke, im nächsten Jahr werde ich mir auch den Folgeband besorgen, ich muss doch wissen, wie es mit Millie weitergeht, zumal auf der letzten Seite schon einige Andeutungen gemacht wurden, die wieder einiges an Spannung versprechen.

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Veröffentlicht am 18.12.2024

Nicht seine Schuld!

Kein guter Mann
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Dieses Buch habe ich mir extra für die Vorweihnachtszeit aufgehoben, weil auch die Handlung in dieser Zeit spielt.

Es geht um Walter, einen älteren Postboten, der seinen Job seit gefühlt 100 Jahren ausübt ...

Dieses Buch habe ich mir extra für die Vorweihnachtszeit aufgehoben, weil auch die Handlung in dieser Zeit spielt.

Es geht um Walter, einen älteren Postboten, der seinen Job seit gefühlt 100 Jahren ausübt und dabei nicht sonderlich beliebt, aber hin und wieder sehr pedantisch ist.

Der Klappentext beschreibt ihn als Ekelpaket und als unausstehlich. Nun, ich würde mit Walter sagen: „Nicht seine Schuld“. Seine Umwelt hat ihn zu dem gemacht, was er dann wurde, und sie hat ihm übel mitgespielt. Dass wir ihn gut kennenlernen dürfen, dafür sorgen die zahlreichen Rückblenden in seine Jugend, in die ersten Zeiten seiner Ehe mit Barbara und in die Ereignisse, die dann dazu führten, dass Walter so wurde, wie er heute ist. Es war wirklich nicht seine Schuld, aber irgendwie wurde er immer zum Sündenbock gemacht.

Vor langer Zeit war er einmal ein guter Mann, ein hervorragender Fußballspieler, ein junger Mann, dem die Welt offenstand und der seine Jugendliebe Barbara für sich gewinnen und heiraten konnte. Sein Schwiegervater führte ihn in den elterlichen Betrieb ein, nach seiner Ausbildung als Postbote stand ihm dort eine glänzende Karriere bevor. Die junge Ehe war glücklich und mit zwei Kindern gesegnet und Walter war ein liebevoller Vater. Vor allem zu seiner Tochter Sandra hatte er ein inniges Verhältnis. Doch irgendwann begannen die Missverständnisse und seine Ehe ging in die Brüche.

In seiner Not nimmt er seine alte Arbeit als Postbote wieder auf und zieht in eine kleine Wohnung, wo er ab sofort seine Tage in immer gleichem Rhythmus verlebt. Kein Wunder, dass er verbittert und übellaunig wurde und dass diese Übellaunigkeit wieder auf ihn zurückfällt. Weder bei seinen Kollegen noch bei seinen Vorgesetzten ist er sonderlich beliebt. Eine kleinkarierte Racheaktion mit einem Kunden, der ihm ebenfalls böse mitgespielt hat, führt zu seiner Versetzung in die Christkindl-Filiale nach Engelskirchen, wo erwartet wird, dass er die Weihnachtspost von Kindern ans Christkind mit immer gleichen vorformulierten Standardbriefen beantwortet. Aber Walter wäre nicht Walter, wenn er nicht doch einen Ansatz fände, auch hier aus der Reihe zu tanzen und sich bei seiner Vorgesetzten unbeliebt zu machen. Ihn erreicht der Brief des 10jährigen Ben. Ben hat seinen Brief an den lieben Gott adressiert und Walter antwortet ihm als solcher, auch weil ihm positiv auffällt, dass der Junge nicht die üblichen Wünsche eines Grundschülers, wie I-Phone oder Playstation hat, sondern nach einem Klempner fragt, den er als Gott doch finden können müsste.

Walter beginnt, sich für Ben zu interessieren und antwortet ihm an Gottes Stelle und zwischen den beiden entwickelt sich ein reger Briefwechsel.

Walter ist ein guter Mann, das Schicksal des Jungen mit der depressiven Mutter, die sich kaum um ihn kümmern kann, rührt ihn und er beginnt, sich seiner an Gottes statt anzunehmen. Aber natürlich muss er feststellen, dass nicht alle Wunder, die er vollbringt, die gewünschte Wirkung zeigen. Ben ist der Einzige, der hinter Walters Fassade einen warmherzigen Charakter erblickt, seine Unvoreingenommenheit gibt Walter seine Seelenruhe zurück.

Ich bleibe mit einer gewissen Trauer zurück. Es hätte alles ganz anders verlaufen können, aber üble Nachrede hat hier eine ganze Familie zerstört. War es am Anfang noch der Tratsch, so hat sich mit dem Internet, wo nie etwas in Vergessenheit gerät, ein starker Gegner entwickelt, dem ein Einzelner kaum etwas entgegensetzen kann. Und so negativ abgestempelt hat Walter kaum eine Chance, sich aus diesem Teufelskreis zu befreien.

Dennoch kann man dem Buch auch den Humor nicht absprechen. Der Amtsschimmel wieherte vernehmlich, als Walter bei den Prüfungsfragen gegenüber seinem Vorgesetzten glänzt. Zum Ende hin überwiegen dann aber die eher nachdenklichen Passagen.

Ich gebe gerne eine Leseempfehlung und volle Punktzahl.

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