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Veröffentlicht am 02.03.2025

Heimat im Wandel der Zeit

Die Tage nach dem Pflaumenregen
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Dieses Buch erzählt nicht nur die Liebesgeschichte von Suchi und Haiwen, von 1938 bis 2008, von Shanghai bis nach Los Angeles, sondern ist ebenso ein beeindruckendes Werk über die chinesische Kultur und ...

Dieses Buch erzählt nicht nur die Liebesgeschichte von Suchi und Haiwen, von 1938 bis 2008, von Shanghai bis nach Los Angeles, sondern ist ebenso ein beeindruckendes Werk über die chinesische Kultur und Identität, auch fernab der Heimat.
Zu Beginn bricht Haiwen zur Armee auf und lässt Suchi zurück, im nächsten Kapitel treffen sie sich zufällig nach sechzig Jahren wieder. Es folgt eine wunderschöne Erzählung all der Zeit dazwischen und auch von ihrem Kennenlernen als Kinder, in unterschiedlichen Zeitebenen aus den Perspektiven von Suchi und Haiwen.
Was mir hierbei besonders gut gefallen hat: Der Schreibstil passt immer perfekt zu der jeweiligen Erzählebene, die Erlebnisse der Kinder wirken anders als die der Rentner, die heutige Zeit wirkt moderner als 1938, die USA anders als China.

Generell erschafft Karissa Chen sehr lebendige Welten, die Atmosphäre ändert sich mit jedem Ort und doch wirkt es immer so, als wäre man mittendrin. Auch bei den geschichtlichen Ereignissen ist man so dabei und erlebt die Geschichte quasi mit. Viele chinesische Begriffe, Namen etc. können dabei zunächst ein wenig verwirrend auf den Leser wirken, jedoch erfasst man die Bedeutung doch recht schnell. Meiner Meinung nach hat die Übersetzerin hier auch gute Arbeit geleistet und einen Kompromiss gefunden, der den Text verständlich macht und seine Seele erhält.

Ein weiteres Highlight waren die Charaktere für mich. Diese empfand ich durchweg als sehr authentisch und konnte sie schnell ins Herz schließen. Kinder haben sich wie Kinder verhalten, Rentner wie Rentner, aber trotzdem waren sie immer auch die gleichen Personen, über 70 Jahre hinweg.
Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen wurden einfühlsam dargestellt, ob unter Freunden, in der Familie oder in der Liebe.
Insgesamt ein wunderschönes Buch und so viel mehr als nur eine Liebesgeschichte.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2025

Die Menschlichkeit am Ende der Menschheit

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Turton erschafft in "Der letzte Mord am Ende der Welt" eine spannende dystopische Welt, in der es um nicht weniger als das Überleben der Menschheit geht.
Ein tödlicher Nebel hat alles bis auf eine kleine ...

Turton erschafft in "Der letzte Mord am Ende der Welt" eine spannende dystopische Welt, in der es um nicht weniger als das Überleben der Menschheit geht.
Ein tödlicher Nebel hat alles bis auf eine kleine Insel verschluckt, lediglich eine Barriere schützt die letzten 122 Überlebenden. Durch einen Mord droht diese Barriere jedoch deaktiviert zu werden - und der Countdown zum Entlarven des Täters läuft.

Die erschaffene Welt fand ich gut ausgearbeitet, schon nach wenigen Seiten wollte ich immer mehr erfahren. Eine Karte zu Beginn hilft super bei der Visualisierung, vieles wird aber noch zusätzlich ausführlich beschrieben. So spielt sich das Leben der Dorfbewohner hauptsächlich in einem heruntergekommenen Militärstützpunkt ab und ist von Einfachheit geprägt: Gemeinsame Mahlzeiten und Feste, verschiedene Berufe zum Erhalt des täglichen Lebens, gesellschaftliche Vorgaben.
Hierzu im Kontrast steht die Welt der verbliebenen Wissenschaftler, die aus einer Zeit hochmodernen Technik stammen. Eine echt spannende Mischung, genau wie die Genres des Buchs: Es ist kein klassischer Krimi, aber dabei mindestens genauso spannend. Statt nur über den Täter zu rätseln, sammeln sich auch zahlreiche Fragen über diese Welt, die Neugier lässt die Seiten nur so dahinfliegen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Abi, einer KI, die die Gedanken jedes Bewohners lesen kann. Diese tritt aber meistens in den Hintergrund, sodass man die Handlung indirekt über einzelne Charaktere verfolgt. Hier war eine bunte Mischung an Charakteren gegeben und auch ihre Beziehungen zueinander kamen nicht zu kurz.
Die Kapitellänge habe ich als genau richtig empfunden, auch der Schreibstil war angenehm zu lesen.
Für Fans von dystopischen Welten nur zu empfehlen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2025

Nichts ist, wie es scheint

Deep Fake
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Kannst du deinen Augen noch trauen, wenn sie dir ein Nacktvideo zeigen, das du niemals aufgenommen hast?
Kannst du deinen Freunden noch trauen, wenn du sie zwanzig Jahre nicht mehr gesehen hat?
Kannst ...

Kannst du deinen Augen noch trauen, wenn sie dir ein Nacktvideo zeigen, das du niemals aufgenommen hast?
Kannst du deinen Freunden noch trauen, wenn du sie zwanzig Jahre nicht mehr gesehen hat?
Kannst du deiner Erinnerung noch trauen...?

Auf der Suche nach Antworten begleiten wir die Lehrerin Mira, die ausgelöst von einem Deep Fake mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird und in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Besonders spannend fand ich hierbei den Erzählstil: Abwechselnd verfolgen wir die Handlung in der Gegenwart mit Mira und erleben gleichzeitig die Vergangenheit in Form von Tagebucheinträgen. Beide Seiten nähern sich langsam einander an und fügen immer mehr Puzzleteile zusammen. Dabei kann man super mitspekulieren, wie alles zusammenhängt, was damals passiert ist und wer für die Videos verantwortlich ist.
Die Autorin versteht es dabei gekonnt, den Leser in die Irre zu führen und beim Lesen auch ein wenig paranoid zu machen: Der Verdacht springt permanent hin und her und doch ist man im Grunde genau wie Mira recht ahnungslos. Meine eigenen Theorien waren manchmal zutreffend, wurden dann jedoch wieder komplett über den Haufen geworfen, was dazu führte, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.
Zwischendurch gab es zwar auch kleinere Abschnitte, die sich ein wenig gezogen haben, dies hat sich aber in Grenzen gehalten.

Das Thema des Buches ist momentan ja hochaktuell, dafür fande ich es ganz gut umgesetzt, besonders, dass es im schulischen Umfeld auftaucht. Insofern kann es auf spannende Art auch ein wenig über diese aktuelle Problematik aufklären.
Schnell wird aber auch klar, dass die Technik hier eher zweitrangig ist und die Beziehungen der Charaktere im Vordergrund stehen. Diese wurden authentisch umgesetzt, mit den passenden Emotionen: fragiles Vertrauen, Unsicherheiten, Wut, Trauer und dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Über manche Charaktere regt man sich auf, manche wachsen einem echt ans Herz.
Was mir auch sehr gefallen hat: Man merkt bei den Freunden, dass sie erwachsen geworden sind, aber erkennt auch gleichzeitig ihr damaliges Teenager-Ich in ihnen, ohne dass es unpassend wirkt.
Insgesamt eine super spannende Suche nach der Wahrheit mit vielen Überraschungen und einem wichtigen Thema!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
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  • Spannung
Veröffentlicht am 28.01.2025

Spannende Ermittlungen in historisch authentischer Kulisse

Das Schweigen der Knochen
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Von ihrer Familie getrennt arbeitet die junge Seol als Damo bei der Polizei in Korea, im Jahre 1800. Dort ist sie quasi Mädchen für alles, aber assistiert auch bei Mordermittlungen - und riskiert durch ...

Von ihrer Familie getrennt arbeitet die junge Seol als Damo bei der Polizei in Korea, im Jahre 1800. Dort ist sie quasi Mädchen für alles, aber assistiert auch bei Mordermittlungen - und riskiert durch ihre Neugier Kopf und Kragen.
Die Kulisse des Romans ist fantastisch beschrieben worden: Als Leser fühlt man sich wie auf einer Reise durch die Zeit, Land und Leute werden ausführlich dargestellt, koreanische Begriffe runden die Dialoge ab, Traditionen und gesellschaftliche Gepflogenheiten ziehen sich durchs ganze Buch. Dabei gliedert sich alles nahtlos ins Geschehen ein, man lernt quasi dazu, während man gespannt die Geschichte verfolgt.
Was mich besonders überrascht hat: Sowohl der historische Hintergrund als auch einige Nebencharaktere basieren auf wahren Begebenheiten!
Das tolle Nachwort erläutert hier später auch nochmal vieles, was ich super interessant fand.

Ebenfalls positiv empfunden habe ich das Pacing der Geschichte: Der Einstieg geht relativ schnell, man ist direkt bei den Ermittlungen dabei und lernt nebenbei die Charaktere kennen. Die Spannung hat sich durch das ganze Buch gezogen, dabei aber auch Zeit für ruhigere Momente und zwischenmenschliche Gespräche gelassen. Insgesamt eine gute Mischung, es wurde nie langweilig.
Bei den Ermittlungen konnte man ebenso gut miträtseln, es gibt einige Überraschungen und Wendungen.
Seol als Hauptcharakter fand ich authentisch, auch wenn sie mich zwischendurch öfters mit ihrer Neugier aufgeregt hat und ich mich selbst daran erinnern musste, dass sie ja erst 16 ist. Insofern: Darstellung des Alters perfekt gelungen. Auch der Inspektor ist alles andere als perfekt, wirkt dadurch aber sehr menschlich.
Ich kann das Buch nur weiterempfehlen, eine tolle, historisch akkurate Zeitreise mit einem spannenden Mordfall!

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Veröffentlicht am 18.01.2025

Gefühle im Konflikt mit Verpflichtungen und Überlebenssorgen

Die Spur der Sehnsucht
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Das Leben auf Borkum im Jahre 1775 ist alles andere als einfach, was auch Sventje jeden Tag aufs Neue erfahren muss: Hochschwanger mit ihrem vierten Kind muss sie ihre Familie ernähren, während ihr Mann ...

Das Leben auf Borkum im Jahre 1775 ist alles andere als einfach, was auch Sventje jeden Tag aufs Neue erfahren muss: Hochschwanger mit ihrem vierten Kind muss sie ihre Familie ernähren, während ihr Mann schon seit Monaten wieder als Walfänger auf See unterwegs ist. Zum Glück steht ihr Gutsherr Valentin zur Seite, jedoch sind ihre Gefühle füreinander im Grunde verboten...

Ohne Kitsch oder übertriebene Dramatik, dafür stattdessen mit authentischen Emotionen und einem Feingefühl für zwischenmenschliche Beziehungen entführt uns die Autorin in das damalige Inselleben. Man merkt auf jeder Seite die Liebe und Arbeit, die in die Geschichte geflossen sind, alles wirkt sehr realistisch, von damaligen Berufen über Haushaltsarbeiten, Klassenunterschieden, medizinischen Behandlungen, Transportationsmöglichkeiten und vielem mehr.
Da die Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt wird, ist dies nochmal beeindruckender und rundet alles perfekt ab, man taucht sowohl in das Leben einer "einfachen" Inselbewohnerin als auch in das eines Gutsherren ein - und zwischendurch geht es noch hinaus aufs Walfangschiff. Historisch super recherchiert und ich habe so einiges nebenbei dazulernen können!

Trotzdem wirkt es an keinem Punkt wie eine langweilige Geschichtsstunde, ich konnte im Gegenteil kaum aufhören zu lesen. Kurze Kapitel verführen zu dem "Nur noch ein Kapitel"-Problem und bieten hierbei eine gute Mischung aus spannenden Geschehnissen und ruhigeren Passagen, die sich den Charakteren widmen und die Bindung des Lesers zu diesen verstärken.
Ich habe die Charaktere richtig ins Herz geschlossen - einerseits sind sie alle sehr unterschiedlich, andererseits dabei auch noch sehr authentisch und sympathisch. Bereits jetzt vermisse ich sie und freue mich auf ein Wiedersehen im nächsten Band.

Ebenso hervorheben sollte man noch den Schreibstil: Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen, doch zwischendurch habe ich manche Passagen gerne doppelt gelesen, weil die Sätze so schön oder berührend formuliert waren oder manches einfach auch richtig lustig war.
Dazu überrascht die Handlung auch immer wieder mal - während ich vorher dachte, dass es in eine bestimmte Richtung geht, kam es dann doch immer ganz anders. Klare Leseempfehlung von mir, ich bin schon sehr gespannt, wie es bald weitergeht!

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