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Veröffentlicht am 12.02.2025

Mit einer Petuhtante auf Mördersuche

Ostsee, Klönschnack und ein Mord - Anni Gade und die Fördemorde
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Anni Gade ist eine sympathische, etwas verpeilte junge Frau, die noch nicht richtig weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Inzwischen hält sie sich mit Stadtführungen über Wasser. Während sie einer ...

Anni Gade ist eine sympathische, etwas verpeilte junge Frau, die noch nicht richtig weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Inzwischen hält sie sich mit Stadtführungen über Wasser. Während sie einer Gruppe Touristen Flensburgs Sehenswürdigkeiten zeigt, beobachtet sie zufällig einen heftigen Streit zwischen zwei angesehenen Unternehmern der Stadt. Am nächsten Tag sind beide Streithähne spurlos verschwunden. Wurden sie gekidnappt?

"Ostsee, Klönschnack und ein Mord - Anni Gade und die Fördemorde" ist der Auftakt einer neuen Cosy Crime-Reihe von Inga Schneider, die an der Flensburger Förde spielt. Es ist mein erstes Buch der Autorin.

Das farbenfrohe Cover und der Handlungsort Flensburg haben meine Aufmerksamkeit geweckt. Dass ich eine „Süßwassermakrele“ bin, hat sich schnell gezeigt. Den Begriff "Petuhtanten" musste ich gleich nachschlagen, obwohl ich zunächst von einem Druckfehler ausging - ist aber keiner. Insgesamt kam ich aber gut zurecht und habe das norddeutsche Flair sehr genossen. Ein bisschen fühlte es sich wie Urlaub an, mit Anni durch Flensburg zu flanieren. Über die Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten dieser Stadt wurde ich gut informiert.

Die Hauptcharaktere haben mich überzeugt. Anni war mir auf Anhieb sympathisch. Ihre Grübeleien und Selbstgespräche konnte ich gut nachvollziehen. Die junge Frau ist klug, neugierig und unternehmungslustig. Schade, dass ihre Akademikereltern das anders sehen, ihrer Jüngsten das abgebrochene Studium nachtragen und der Vater die perfekte ältere Tochter eindeutig vorzieht. Es spricht für Anni, dass sie trotzdem tapfer zum wöchentlichen Familienessen geht. Kommissar Jan Christiansen ist ganz anders gestrickt. Er wirkt anfangs ziemlich arrogant und überheblich, wie er den Provinzlern zeigen will, was ein Kommissar aus der Großstadt Hamburg ihnen alles voraus hat. Teilweise hat das wohl familiäre Gründe, weil er seine Scheidung noch nicht verdaut hat und um seine Tochter öfters sehen zu können, ins ungeliebte Flensburg ziehen musste. Auch Tipps zu bekommen, verträgt er schlecht, selbst wenn seine Ermittlungen davon profitieren. Gegen Ende des Krimis hatte ich aber den Eindruck, dass er doch lernfähig ist. Die anderen Charaktere bleiben noch etwas blass, aber das ist für einen Auftaktband nachvollziehbar. Ob Annis lebhafte Freundin Nele, Jans gemütlicher Kollege Boysen oder Mutter Gade, die das Familienessen für Kochexperimente nutzt, sie alle haben Potenzial. Inga Schneider schreibt klar und bildhaft und schafft eine glaubhafte Atmosphäre. Wie für Cosy Crime üblich ist das Erzähltempo gemächlich und der Kriminalfall nicht zu gruselig.

"Ostsee, Klönschnack und ein Mord - Anni Gade und die Fördemorde" war kurzweilig zu lesen und hat mich gut unterhalten. Ich freue mich schon auf Band zwei. Weil mir ein klein wenig die Verwicklungen fehlten, vergebe ich 4,5 von 5 Sternen.

Eine Leseempfehlung geht an alle, die Cosy Crime mit Lokalkolorit schätzen.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Nordic Fantasy - Snehild Grauwolfs Reise geht weiter

Snehild - Der Ruf der Unterwelt
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Die junge Seherin Snehild lebt wieder am Königshof von Himlinge. Sie genießt die Gunst Aslaks, der seit einem halben Jahr über Sialand herrscht. Doch den jungen König plagen böse Träume, die ihn beeinträchtigen. ...

Die junge Seherin Snehild lebt wieder am Königshof von Himlinge. Sie genießt die Gunst Aslaks, der seit einem halben Jahr über Sialand herrscht. Doch den jungen König plagen böse Träume, die ihn beeinträchtigen. Von dem jungen Prinzen, dessen Scharfsinn und Klugheit sie einst faszinierte, ist nur noch wenig übrig. Er verliert allmählich den Verstand und wird zur größten Bedrohung seines Reiches, dessen Bewohner er terrorisiert. Snehild erkennt, dass sie eingreifen muss, doch dazu kommt es vorerst nicht. Eine alte Feindin verflucht die junge Seherin. Um ihr Leben zu retten, muss Snehild an Midgards gefürchtetsten Ort reisen: Helheim.

„Snehild - Der Ruf der Unterwelt“ ist der zweite Band der Reihe von Anne-Marie Vedsø Olesen. Ich rate, mit dem ersten Band anzufangen. Dadurch wird das Verständnis erleichtert und der Lesespaß vergrößert.

Als Snehild geheilt und mächtiger denn je, zurückkehrt, muss sie sich der Realität stellen. Sie hat einen großen Fehler begangen. Ihren Favoriten Aslak hat seine Macht ängstlich und bösartig gemacht. Er erweist sich als unfähiger, ja gemeingefährlicher König. Den wesentlich geeigneteren Roald hat Snehild damals unterschätzt. Jetzt will sie diese Entscheidung korrigieren – um jeden Preis. Wer Ungeheuer bekämpft, sollte darauf achten, nicht selbst eines zu werden. Diesen weisen Ratschlag gibt der alte Gode Faxe Snehild als Warnung mit auf ihren Weg als er sie in der Runenmagie unterweist. Nicht von ungefähr. Inzwischen hat sie nicht nur den Tod Arns, sondern auch die Opfer Aslaks zumindest teilweise auf dem Gewissen. Dies ist ihr bewusst und macht ihr zu schaffen.Trotzdem zögert sie nicht.

Anne-Marie Vedsø Olesen erzählt bildhaft und atmosphärisch. Die Beschreibung Helheims samt seiner Ungeheuer hat mich beeindruckt. Besonders Hel war ganz anders als ich sie mir vorgestellt hatte. Durch die verschiedenen Handlungsstränge und die dadurch bedingten Orts- und Perspektivenwechsel weiß der Leser stets, was wo aktuell passiert. Das hat mir gut gefallen und erhält die Spannung. Band Zwei endet an der dafür perfekten Stelle. Die Weichen für Band Drei sind gestellt, obwohl die Autorin auf einen richtigen Cliffhanger verzichtet hat.

Mich hat Snehild erneut gut unterhalten. Ihre Entwicklung geht weiter. Aber manche ihrer Handlungen konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Warum betrinkt sie sich, bspw. gemeinsam mit ihrer Erzfeindin? Aber das ist wohl ihrer Jugend geschuldet. Dagegen fand ich ihren Mut in und vor Helheim sehr beeindruckend. Berührend war Hjalmars Ende. Wie er sein Schicksal noch wenden konnte, obwohl das unmöglich schien, war sehr emotional.

Die starke Fokussierung auf Gewalt und Missbrauch wäre in diesem Maß nicht erforderlich. Schnell begreift der Leser die Bedrohung und dass, das Leben in Midgard nicht einfach ist.
Schmerzlich vermisst habe ich ein Glossar und eine Übersichtskarte. Die wären angesichts der zahlreichen Namen und Orte eine echte Hilfe.

Es bleibt spannend. Wie wird Ragnfried ihr Wissen nutzen? Was wird aus Aslaks ungeborenem Kind und dessen ehrgeiziger Mutter? Was bedeuten Snehilds Begegnungen mit Loki? Und wann wird Berghilds „Entdeckung“ bekannt?

4,5 von 5 Sternen von mir und eine Empfehlung an alle Fantasy-Fans, die mit der Darstellung von Gewalt klarkommen.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Siegen um jeden Preis?

The Favourites
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Layne Fargo erzählt uns die mitreißende Geschichte eines jungen Eistanz- und Liebespaares, vom steinigen Aufstieg in höchste Höhen, die Sportler erreichen können, bis hin zum ernüchternden tiefen Fall ...

Layne Fargo erzählt uns die mitreißende Geschichte eines jungen Eistanz- und Liebespaares, vom steinigen Aufstieg in höchste Höhen, die Sportler erreichen können, bis hin zum ernüchternden tiefen Fall und dem folgenden kräftezehrenden Comeback. Werden Kat und Heath den ersehnten Olympiasieg doch noch schaffen?

Das glamouröse, vorwiegend in Gold gehaltene Cover zieht die Blicke auf sich. Nur die Frau des Eistanzpaares ist zu sehen. Vom männlichen Part sieht man hauptsächlich die Hand, die ihre Taille umfängt und stützt. Damit wird die Botschaft des Buches bereits übermittelt. Obwohl wir scheinbar die Geschichte eines Eistanzpaares vor uns haben, geht es tatsächlich im Wesentlichen um sie, Katharina Shaw.

Schon als Vierjährige entdeckt sie ihre Leidenschaft für den Eistanz. Als sie Heath kennenlernt, der aus ähnlich bescheidenen Verhältnissen wie sie selbst stammt und bei Pflegeeltern aufwächst, sieht sie eine Möglichkeit, ihren Traum zu realisieren. Sie überredet Heath, statt Eishockey Eistanz zu betreiben. Obwohl sie kein Geld haben, finden die beiden eine Trainerin. Als Heath zu anderen Pflegeeltern soll, überredet Kat ihren Vater, die Vormundschaft für ihn zu übernehmen. So können sie weiter trainieren. Dann kommt der nächste Schlag, Katharinas Vater stirbt. Da sie noch zu jung ist, um ihr Erbe anzutreten, muss sie bei ihrem Bruder leben, der Alkohol- und Drogenprobleme hat. Er hasst Heath und macht Kat das Leben zur Hölle. Trotzdem trainieren die beiden unbeirrbar weiter und schaffen es tatsächlich, zu den nationalen Meisterschaften zu kommen. Ihre Karriere nimmt an Fahrt auf und Kats Idol, die Doppelolympiasiegerin im Eistanz, Sheila Lin wird auf sie aufmerksam. Nach vielen Aufs und Abs erreichen sie ihr großes Ziel, die Olympiateilnahme in Sotschi …

Die Geschichte zieht den Leser schnell in ihren Bann. Layne Fargo schreibt flott und bildhaft. Ihre Charaktere wirken in Haupt- und Nebenrollen weitgehend lebendig und glaubwürdig. Selten wurde die Welt des Hochleistungssports in der Spitzengruppe in ihrer Dramatik, Härte und mit ihren Skandalen, so packend beschrieben. Der ständig vorhandene Druck unter dem die Sportler stehen, die umfassende Beobachtung und Verfolgung durch Presse und Paparazzi und die allgegenwärtigen Intrigen. Ständige Forderungen von Trainern, Verbänden, Fans und Sponsoren an die Athleten. Es wundert nicht, dass sich immer wieder Dramen in dieser Blase abspielen. Dazu kommt noch, dass Kat und Heath seit ihrer Jugend eine sogenannte „Amour Fou“ verbindet. Ihre Leidenschaft verschafft ihnen für ihren sportlichen Werdegang Vor-, aber auch Nachteile.

Der Roman ist aus der Perspektive von Kat geschrieben. Der Wechsel zwischen Interviews/Kommentaren diverser Eistanzgrößen und erzählenden Abschnitten erweist sich als kluger Coup und schafft zusätzliche Spannung. Es hat mich nicht überrascht, dass die Autorin vor ihrer Schriftstellerkarriere u.a. als Dramaturgin tätig war. Die Kommentare zwischen den Kapiteln lassen die Erzählung noch authentischer wirken.

Mein Fazit

„The Favourites“ liest sich spannend und hat mich gut unterhalten. Die Einblicke in die Welt des Spitzensports sind faszinierend und verstörend zugleich. Man spürt die gute Recherche der Autorin, die uns hinter die Fassade des Glamours blicken lässt und die Schmerzen und Emotionen beschreibt, die im Rampenlicht einfach weggelächelt werden. Gegen Ende nimmt der Roman nochmals richtig an Fahrt auf und lässt Intrigen und Manipulationen eskalieren ...

Am meisten imponiert hat mir die Entwicklung Kats von der zielorientierten Eiskönigin zu einer einfühlsamen Frau, die ihren Weg im Leben und in ihrer Partnerschaft letztendlich gefunden hat.

Manchen Passagen am Anfang und im Mittelteil hätten ein paar Seiten weniger gutgetan, der eine oder andere Nebencharakter könnte etwas mehr Tiefe haben, speziell die Konkurrenten neben den Lins. Aber wer sich für Leistungsport und Leidenschaft interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

„Der Roman, über den 2025 alle reden werden“, mit diesem Satz wird der Roman vorab gehypt. Ob das zutreffen wird? Ich bin gespannt, wie die Leserschaft entscheiden wird.

Von mir bekommen „The Favourites“ 4,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Ein schwieriges Erbe

Das geheimnisvolle Testament
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Graf Heinrich Ferdinand von Kirchhoff-Aisterthal hat sein Leben an der Seite von Ehefrau und Söhnen gründlich satt. Die Gesellschaft seiner jungen Geliebten Stanzi zieht er eindeutig vor. Doch wie kann ...

Graf Heinrich Ferdinand von Kirchhoff-Aisterthal hat sein Leben an der Seite von Ehefrau und Söhnen gründlich satt. Die Gesellschaft seiner jungen Geliebten Stanzi zieht er eindeutig vor. Doch wie kann er sein Leben diesen Wünschen anpassen, ohne gesellschaftlichen Selbstmord zu begehen? Der Graf entwickelt einen perfiden Plan, der darin gipfelt, dass sich seine bedauernswerte Gemahlin und die beiden Söhne Emil und Helmuth mittellos am Gemüsemarkt von Mayfair wiederfinden. Wie soll es nun für sie weitergehen?

„Das geheimnisvolle Testament“ ist ein Spin-Off der Regency-Heroes-Reihe von Sophia Farago. Der Roman kann gut für sich allein gelesen werden und deshalb wählte ich ihn für meinen Ausflug in ein neues Genre aus.

Das Regency umfasst die Zeit von 1810 bis 1820 in Großbritannien und Irland. In dieser Zeit starker sozialer, politischer und industrieller Umbrüche spielt die Geschichte von Emil und Harriet. Durch einen verantwortungslosen Vater gerät der junge Adelige samt Bruder und Mutter unverschuldet in eine prekäre Lage. Mittellos in einem fremden Land gelingt es ihm und seinen Angehörigen nur mit Mühen zu überleben. Dank ihrer Eigeninitiative und durch ihr gewinnendes Wesen, gelingt es den Dreien, Freunde und deren Unterstützung zu gewinnen. Auch vor der ungewohnt harten Arbeit auf einem Gemüsemarkt schrecken die Jungen nicht zurück. Auf diese Weise bekommen sie allmählich ihr Leben wieder in den Griff. Doch lange Zeit wissen sie nicht, wem sie ihre missliche Lage zu verdanken haben und wie ihre Zukunft aussehen wird.

Harriet dagegen gerät durch das für Frauen perfide damalige Erbrecht in eine scheinbar unerträgliche Situation. Da sie nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters, eines Earls, nicht erbberechtigt ist, wird ein weit entfernter Verwandter neuer Earl, Nutznießer des Vermögens und ihr Vormund. Als dieser will er sie schnellstmöglich an den Meistbietenden verschachern.

Sophia Farago versteht es, ihre Leser ins Regency zu versetzen und das Schicksal der beiden Jugendlichen hautnah miterleben zu lassen. Mit ihrem authentischen Schreibstil und den glaubwürdig gezeichneten Charakteren gelingt es ihr, einen Spannungsbogen aufzubauen und das Interesse an der Geschichte des jungen Paares zu wecken. Geschickt bindet sie die Helden ihrer erfolgreichen Regency-Heroes-Reihe in das Geschehen ein. Die Einblicke in die Gesellschaft und die Umstände der damaligen Zeit fand ich sehr aufschlussreich. Man spürt die gründliche Recherche der Autorin. Das Personenverzeichnis am Buchende erleichtert es dem Leser, sich zurechtzufinden. 

Gern hätte ich mehr über das weitere Schicksal der großherzigen Wirtin erfahren, die der ausländischen Grafenfamilie hilft, ganz im Gegensatz zu einigen Mitgliedern deren eigener Gesellschaftsschicht. Ohne die uneigennützige Hilfe dieser Frau wäre es Emil und den Seinen noch sehr viel schlechter ergangen.

Ich vergebe 4,5 von 5 Punkten und eine Leseempfehlung an alle Fans von Regency Romance.

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Veröffentlicht am 14.12.2024

Ein Kommissar namens Bambus

Kom.Ba. / Kommissar Bambus
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Nach einem schweren terroristischen Anschlag der Hamburger Unterwelt auf die Polizei überlebt Kommissar Gabriel Landgraf nur knapp. Einige seiner Kollegen sterben oder werden schwer verletzt. Physisch ...

Nach einem schweren terroristischen Anschlag der Hamburger Unterwelt auf die Polizei überlebt Kommissar Gabriel Landgraf nur knapp. Einige seiner Kollegen sterben oder werden schwer verletzt. Physisch wie psychisch massiv angeschlagen, muss Gabriel erkennen, dass er nicht mehr so weitermachen kann wie bisher ...

„Kom.Ba. / Kommissar Bambus: Band 1 Phönix“ ist der Auftakt einer Trilogie um Hauptkommissar Landgraf, den sein Schicksal von Hamburg zurück nach Niederbayern führt. Zuerst hat das ungewöhnliche Cover meine Neugier geweckt. Die hübsche Zeichnung zeigt den Donaustrand bei Deggendorf. Da ich auch (woanders) an der Donau lebe, war mein Interesse geweckt.

Gabriel Landgraf ist ein echter Workaholic, ja fast ein Adrenalin – Junkie. Einen ersten gesundheitlichen Warnschuss ignoriert er, ebenso begreift er nicht, dass sich seine Frau Jahre später unter anderem deshalb von ihm trennt, um ihn wachzurütteln. Obwohl der Kommissar die Scheidung sehr bedauert, macht er stur weiter wie vorher. Erst der Terroranschlag zwingt ihn zum Innehalten und Nachdenken. In der Reha findet er Leidensgenossen, denen er sich mit der Zeit öffnen kann. Seiner hochgeschätzten Therapeutin verspricht er, etwas zu ändern. Und nach einem kurzen Rückfall zieht er diese Entscheidung tatsächlich durch. Mit seiner neu gewonnen Entschlossenheit hat mich der Hauptcharakter sehr beeindruckt. Auch als es an der neuen Arbeitsstätte zunächst überhaupt nicht klappt, gibt er nicht auf und holt sich sogar Hilfe. Er findet wieder Kraft und Energie für seinen Beruf und sich selbst. Nach Überwindung seiner Startschwierigkeiten erzielt er erste Erfolge am neuen Wirkungsort ...

Auch die anderen Charaktere in den Haupt- und Nebenrollen sind gut getroffen. Ob das originelle Sprayer-Trio, Tante Erika und ihre Damenriege oder Marlene, die Möchtegern-Miss Marple. Sie alle überzeugen und veranschaulichen, wie wichtig Gabriel inzwischen sein persönliches Umfeld, über die Familie hinaus, geworden ist. Die Kollegen bleiben außer seinem Chef Wiegand Brandl noch etwas blass, doch das wird sich in Band 2 sicher ändern.

Nach anfänglicher Routinearbeit beschäftigen den Kommissar ein Cold Case mit drei ungelösten Morden sowie gefährliche Anschläge auf das Personal der Onkologie des städtischen Krankenhauses. Für Spannung ist also gesorgt. Den Täter, der seine Bekannte, die junge Gabrijela, mit Manipulationen an ihrem Rad beinah umbringt, kann er trickreich schnell ermitteln.

Mein Fazit.

Mich hat Kommissar Bambus, den Spitznamen erwirbt er sich in Deggendorf, bestens unterhalten. Ich habe ihn mit Interesse und Anteilnahme in sein neues Leben begleitet, mit ihm ermittelt und neue Erkenntnisse gewonnen. Das nach einem furiosen Beginn eher gemächliche Tempo hat mir ebenso gut gefallen wie der sorgfältige Schreibstil und die gute Recherche. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Gabriel Landgraf, als Kommissar, aber auch als Privatmensch. Verschiedene Themen wie Krankheit, Alternativmedizin, Esoterik oder die Verquickung von Politik und Lobbyismus beschäftigen ihn und sprengen oder dehnen zumindest die gewohnten Grenzen eines traditionellen Kriminalromans. Eine weitere Besonderheit des Buches sind die zum aktuellen Stand der Geschichte passenden Gedichte, die jedes Kapitel einleiten.

Am Ende finden die Handlungsstränge zusammen und Kommissar Bambus kann seine Fälle nachvollziehbar lösen. Dass die eine oder andere Frage, noch, offen bleibt, versteht sich beim Auftaktband einer Trilogie von selbst. Ebenso verbleibt einigen der Protagonisten noch Entwicklungspotenzial. Es bleibt also interessant am Donaustrand von Deggendorf. Ich freue mich auf die Fortsetzung und vergebe 4,5 von 5 Sternen und eine Empfehlung an alle, die einen guten, etwas anderen Krimi schätzen.

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