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Veröffentlicht am 07.07.2025

Bauchgefühl

Frühlingsgefühle im kleinen Bonbonladen am Meer
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„Du weißt, Insa hat ein unheimlich gutes Gespür für zwischenmenschliche Töne. Wenn was nicht stimmt, merkt sie das meistens. Ihre Gedanken dazu verunsichern mich ein wenig.“

„Frühlingsgefühle im kleinen ...

„Du weißt, Insa hat ein unheimlich gutes Gespür für zwischenmenschliche Töne. Wenn was nicht stimmt, merkt sie das meistens. Ihre Gedanken dazu verunsichern mich ein wenig.“

„Frühlingsgefühle im kleinen Bonbonladen am Meer“ ist ein Liebesroman von Julia Rogasch und der zweite Band der Buchreihe „Frühlingsgefühle auf Sylt. Er erschien im Mai 2025 im Ullstein Taschenbuchverlag.Grundsätzlich ist er unabhängig lesbar, schöner ist es jedoch, wenn man den ersten Band der Reihe kennt.

Buch aufschlagen, auf Sylt ankommen, wohlfühlen. Dies ist die Devise bei den Roman von Julia Rogasch und auch Herzklopfen, Strandzauber und Herzensinselmomente sind garantiert.
So auch diesmal, als sich alles um die Hochzeit von Insa und Marla dreht. Die Handlung ist wechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden geschrieben, wobei Insa, gemeinsam mit der neu auf Sylt angekommenen Cleo, für mich die Protagonistin ist.
Cleo soll als Hochzeitsplanerin die Trauung der beiden Freundinnen organisieren. Auf Grund ihrer eigenen Geschäfte fehlt ihnen für die Organisation nämlich meist die Zeit und auch ihre Partner - Thore und Peer - haben nur wenig Zeit dafür.
Cleos Ankunft kommt also wie gerufen und auch sympathisch sind sich die Frauen auf Anhieb. Eigentlich kann also nichts mehr schiefgehen, doch plötzlich meldet sich Insas Bauchgefühl. Es scheint, als würde Cleo sich in Gegenwart von Thore und Insa merkwürdig verhalten - die Hochzeitsvorbereitungen werden schwieriger, das mulmige Gefühl bei allen verstärkt sich. Kann die Doppelhochzeit wie geplant stattfinden? Was verbirgt Cleo? Oder bildet Insa sich alles ein?
Wie immer fängt die Autoren Gefühle und Emotionen gut ein. Sie stellt gerade Insas Zweifel brillant dar und schafft es, die Handlung authentisch und nachvollziehbar zu gestalten. Gefallen hat mir, wie besonnen Marla auf die Ereignisse reagiert. Anstatt nervös und fahrig zu werden, ruht sie weiterhin in sich, versucht Lösungen zu finden und unterstützt Insa. Diese wird nämlich immer unruhiger und muss mehrfach von Marla beruhigt werden… Sehr schön dargestellt sind aber auch die Nebenfiguren. Die Kinder Levke und Linus bekommen einen besonderen Platz in der Geschichte, aber auch Alva sowie weitere Figuren aus vorherigen Romanen werden geschickt eingebunden. Ich mag dies sehr, da sich so ein traumhaftes Bild der Insel zeichnet. Die Inselbewohner halten zusammen und haben wunderschöne individuelle Läden, in die mich zu gerne hineinträume!
Die Handlung selbst ist insgesamt eher ruhig und bedächtig. Es werden viele Einblicke in den Arbeitsalltag von Marla und Insa gegeben, die Geschichte entwickelt und entfaltet sich eher langsam. Dabei ist die Story aber nicht zäh, sondern einfach gemütlich. Das Finale des Romans und die Auflösung des Konflikts hat mich dann auch tatsächlich überrascht, ich hatte eine andere Vermutung, welche sich aber nicht bestätigt hat.
Auch der Schreibstil passt zur eher ruhigen Handlung, er ist angenehm und flüssig, das gewohnte und liebgewonnene Setting rundet das Leseerlebnis ab. Auch das Buchcover ist wieder wunderschön.

Mein Fazit: Erneut schreibt Julia Rogasch einen charmanten und ruhigen Wohlfühlroman. Figuren und Setting sind wunderschön, die Geschichte liest sich leicht und angenehm. Es war schön, wieder nach Sylt reisen zu dürfen und die Geschichte des Bonbonladens weiterzuverfolgen. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Fehler

My Secret Mistake
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„Seine Worte drangen in mein Herz, ließen sich dort nieder und erfüllten es mit so viel Glück, wie ich es noch nie zuvor empfunden hatte.“

„My secret Mistake“ ist der erste Roman der New-Adult-Trilogie ...

„Seine Worte drangen in mein Herz, ließen sich dort nieder und erfüllten es mit so viel Glück, wie ich es noch nie zuvor empfunden hatte.“

„My secret Mistake“ ist der erste Roman der New-Adult-Trilogie von Katharina Olbert. Er erschien im September 2024 bei Tolino Media und ist in sich abgeschlossen.

Der neuste Roman von Katharina Olbert hat mir unglaublich gut gefallen. Schon auf den ersten Seiten konnte ich mich sehr gut mit Liz, der Protagonistin, identifizieren und mich in sie hineinversetzen. Ihr Schmerz und die Last, die sie mit sich herumträgt, aber vor den anderen verbirgt, waren für mich nahezu greifbar. Ich verstehe ihren Zweispalt.
Eigentlich will sie keine Hilfe von anderen annehmen, möglichst niemandem zur Last fallen und dennoch ist sie momentan darauf angewiesen. Dabei möchte sie nun möglichst wenig negativ auffallen und versucht generell anderen zu gefallen bzw. diese nicht vor den Kopf zu stoßen. Gerade ihre Cousine Leah möchte sie natürlich nicht enttäuschen, denn diese lässt sie immerhin bei sich wohnen und schafft es daher auch nicht, ihr zu sagen, dass sie nicht an deren Partys teilnehmen möchte und auch selbst keine „geschmissen“ bekommen möchte. Aus demselben Grund versteckt sie auch ihre Gefühle vor anderen. Sie möchte niemanden belasten und daher niemandem zeigen, wie schlecht es ihr in Wirklichkeit geht.
In der Regel gelingt ihr das sehr gut, nur bei Clay scheitert sie von Anfang an. Dieser scheint sie auf eine Weise zu verstehen, die irgendwie schon fast gruselig ist. Zwischen den beiden herrscht eine unsichtbare Bindung, die dazu führt, dass sie sich nahezu blind verstehen und sich bei dem jeweils anderen sicher und geborgen fühlen. Zudem sind sie beim jeweils anderen in der Lage, sich selbst zu öffnen und über ihre intimsten Gedanken und Gefühle zu sprechen.
Ihre Annäherung und die gemeinsamen Erlebnisse, die meistens eher auf Zufällen beruhen, sind dabei unglaublich liebevoll und romantisch beschrieben. Natürlich bedient sich die Geschichte hier einem typischen Klischee. Die Beziehung zwischen Clay und Leah läuft „sowieso nicht rund“ und bei Liz scheint er seine Seelenverwandte gefunden zu haben. Dies ist für mich immer irgendwie ein etwas zweischneidiges Schwert, da es ethisch und moralisch eben immer schwierig ist, wenn jemand hintergangen wird. Gerade bei Leah finde ich es sehr schwer, sie als die „unbeliebte Freundin“ anzuerkennen. Obwohl sie sehr kalt und abweisend wirkt, ist sie dennoch unglaublich hilfsbereit und absolut nicht geizig oder knauserig. Aber auch Clay und Liz wissen, dass sie nicht richtig handeln und kämpfen gegen ihre Gefühle an…
Der Schreibstil ist flüssig und leicht. Die Handlung spannend und unterhaltsam, wenn auch natürlich (dem Genre entsprechend) ein wenig vorhersehbar. Ich habe von Anfang an auf den großen Knall gewartet, wie es schließlich dazu kam, hatte ich mir dann aber so doch nicht gedacht, weshalb der Handlungsverlauf insgesamt eben doch nicht vorhersehbar war!
Am Ende gibt es schließlich eine positive Auflösung aller Konflikte, die mir insgesamt ein wenig zu rosarot ist. Trotzdem endet der Roman aber sehr schön und insgesamt stimmig.
Sehr gut gefallen hat mir das Aufgreifen des Romantitels und die Erkenntnis, dass man eben Fehler macht, dass man aber auch immer eine zweite Chance zulassen sollte. Sowohl bei sich selbst, als auch bei anderen. Clay und Liz sind für ihr Alter sehr reif, der entsprechende Umgang mit diesem Thema absolut nicht selbstverständlich, aber absolut toll beschrieben und gut rübergebracht!
Gefallen hat mir zudem, dass es absolut kein oberflächlicher New Age-Roman ist, sondern sich durchaus mit den aufgegriffenen Themen und Konflikten beschäftigt wird. Sowohl die persönliche Entwicklung und Zukunftswünsche, als auch moralische Zweifel, große Verluste, Eifersucht und der Wunsch danach „das Richtige zu tun“ werden angeschnitten und aus mehreren Blickwinkeln betrachtet.

Mein Fazit: Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen. Ich hatte tolle Lesestunden und habe mich mit Handlung und Protagonisten sehr wohl gefühlt. Außerdem freue ich mich auf die Fortsetzung der Buchreihe!

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Glühwürmchen

Wenn die Sterne fallen
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„𝘔𝘪𝘵𝘵𝘦𝘳𝘯𝘢𝘤𝘩𝘵, 𝘶𝘯𝘴𝘦𝘳 𝘖𝘳𝘵, 𝘧𝘢𝘭𝘭𝘦𝘯𝘥𝘦 𝘚𝘵𝘦𝘳𝘯𝘦.“

Wow, ich bin wirklich begeistert von „Wenn die Sterne fallen“ von Sophie Bichon! Der Roman hat mich unendlich positiv überrascht und ich empfehle ihn von Herzen!

1969, ...

„𝘔𝘪𝘵𝘵𝘦𝘳𝘯𝘢𝘤𝘩𝘵, 𝘶𝘯𝘴𝘦𝘳 𝘖𝘳𝘵, 𝘧𝘢𝘭𝘭𝘦𝘯𝘥𝘦 𝘚𝘵𝘦𝘳𝘯𝘦.“

Wow, ich bin wirklich begeistert von „Wenn die Sterne fallen“ von Sophie Bichon! Der Roman hat mich unendlich positiv überrascht und ich empfehle ihn von Herzen!

1969, Kalliope und Kai - ein Duo, dass eigentlich untrennbar ist. Sie wissen quasi alles übereinander und doch beginnen sie, sich voneinander zu entfernen. Plötzlich ist alles anders und da, wo eben noch Freundschaft war, sind tiefere Gefühle, die unerwartet eine vorher nie dagewesene Distanz schaffen.
Beide beginnen ihre eigenen Wege zu gehen und sich selbst zu entdecken.

Als Leser begleiten wir die beiden auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden, erleben eine aufregende Hippiezeit und entdecken die Schwierigkeiten und Schattenseiten der sich entwickelnden Gesellschaft.

Ich hatte zunächst Schwierigkeiten mich in den Roman einzufinden. Ich konnte keine richtige Beziehung zu den Figuren aufbauen und empfand die Geschichte als zäh und träge, den Schreibstil holprig.
Zum Glück entwickelte sich die Handlung aber dann rasant und auch der Schreibstil wurde flüssiger.

Cliffhanger und überraschende Wendungen treten auf und die Verbindung von historischen Fakten und einer fiktiven Geschichte mit Fantasyelementen ist für mich letztlich brillant gelungen!

Ich habe „Wenn die Sterne fallen“ also wirklich sehr gerne gelesen und bin unglaublich positiv von der Story überrascht. Von mir gibt es daher 4,5 von 5 Sternen für einen außergewöhnlichen New Age Roman!

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Lebensgeheimnis

Mein Herz bei Ihr
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„Nur einmal in meinem Leben wollte ich nicht darauf warten, dass alles perfekt war, um endlich wirklich glücklich zu sein.“

„Mein Herz bei ihr“ ist ein historischer Liebesroman und der Debutroman von ...

„Nur einmal in meinem Leben wollte ich nicht darauf warten, dass alles perfekt war, um endlich wirklich glücklich zu sein.“

„Mein Herz bei ihr“ ist ein historischer Liebesroman und der Debutroman von Rosina Grün. Er erschien im Oktober 2024 bei Books on Demand und ist der erste Band der „Mein Herz-Reihe“.

Endlich reist Mayla mal wieder zu ihrer Großmutter nach Norwegen. Das erste Mal ist ihr Freund Leander dabei und sie freut sich so sehr, ihm ihre Oma sowie das wunderschöne Land vorzustellen. In Norwegen angekommen finden sie eine Kiste mit Liebesbriefen - von Betty an Emma. Doch, wie kann das sein? Emma ist Maylas Großmutter und hat doch wohl ihren Großvater geliebt! Oder? Mayla konfrontiert ihre Oma mit den Briefen und diese beginnt von ihrer Vergangenheit zu erzählen…

Der Roman spielt dabei entsprechend auf zwei Zeitebenen. Die Gegenwart ist in der personalen Erzählperspektive geschrieben, während die Vergangenheit aus der Ich-Perspektive von Maylas Großmutter Emma dargestellt ist.
Zunächst hatte ich etwas Schwierigkeiten in den Roman hineinzukommen, ich empfand den Schreibstil anfangs als etwas zäh und die gehäufte Nutzung bzw. den Wechsel zwischen Namen und Spitznamen („Lee“ und „May“) mochte ich nicht so gern. Ebenso wirkte alles ein wenig überhastet, Mayla findet die Briefe und die Konfrontation mit ihrer Großmutter folgt sofort. Relativ schnell geht es also in die Handlung in der Vergangenheit über, was dann auch den größten Teil der Handlung ausmacht. Mehrere Zeitenwechsel gibt es nicht.
In der Vergangenheit beginnt dann die eigentliche Haupthandlung und hier waren Schreibstil und Handlung deutlich flüssiger. Ich konnte mich komplett in die Handlung fallen lassen und war unglaublich positiv überrascht von der Tiefe der Geschichte. Ich konnte den Roman nun kaum noch aus der Hand legen und bin nur so durch die Seiten geflogen.
Denn die Geschichte geht unter die Haut. Emmas Geschichte ist fröhlich und unendlich traurig zugleich. Das Schicksal der jungen Frau, die sich in eine andere Frau verliebt. Eigentlich doch etwas Schönes, aber 1965 noch überhaupt nicht typisch. Der gesellschaftliche Druck ist groß, Emmas familiäre Verpflichtungen und die Liebe zu ihren Eltern sind es ebenso. Trotzdem lässt sie sich auf die Liebe zu Betty ein und erlebt eine wunderschöne Zeit mit ihr.
Die Hauptfiguren sind dabei gut und authentisch charakterisiert. Auch die Nebenfiguren, gerade der Fischhändler Sven, haben mir sehr gefallen.
Der Zeitgeist der 60er-Jahre ist realistisch eingefangen und die gesellschaftlichen Ansichten zur Homosexualität werden deutlich herausgearbeitet und auch Emmas Gedanken und Gefühle sind unglaublich gut dargestellt. Leider gibt es noch große Vorbehalte gegen Menschen, die das eigene Geschlecht lieben und obwohl eine gewisse Aufklärung beginnt, müssen Emma und Betty sich als Freundinnen, nicht als Paar, ausgeben. Während Betty die Gefühle recht leicht und selbstverständlich anzunehmen scheint, kämpft Emma deutlich mehr mit sich. In ihr sind die gesellschaftlichen Ansichten tief verwurzelt, die negativen Ansichten bezüglich der Homosexualität haben ihre Erziehung mitgeprägt. Umso schwerer fällt es ihr, die Gefühle zu Betty zuzulassen und anzunehmen. Ihr innerer Konflikt ist dabei greifbar und ich konnte ihre Emotionen spüren. Als weiterer Konflikt kommt die Eifersucht ihres besten Freundes Chris hinzu. Dieser ahnt, dass mehr hinter der Freundschaft der Frauen stecken könnte und und lässt kaum eine Gelegenheit aus, fies zu Betty zu sein.
Der Roman endet schließlich mit einem Cliffhanger und lässt viele Fragen offen.

Mein Fazit: Ein unglaublich emotionaler und mitreißender Liebesroman mit großen Gefühlen und überraschenden Wendungen! Ich freue mich riesig auf Band 2 und die Fortsetzung von Emmas Geschichte! Für diesen Band gibt es eine Leseempfehlung sowie 4,5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 31.01.2025

Der eigene Weg

Im Takt des Herzens
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„Nichts ist umsonst, Iwa! Denn jede Erfahrung zählt! -und was du dir eines Tages denken wirst, wenn du aufwachst, kannst du heute noch gar nicht wissen.“

„Im Takt des Herzens“ ist ein historischer Roman ...

„Nichts ist umsonst, Iwa! Denn jede Erfahrung zählt! -und was du dir eines Tages denken wirst, wenn du aufwachst, kannst du heute noch gar nicht wissen.“

„Im Takt des Herzens“ ist ein historischer Roman von Clara Langenbach. Er erschien im November 2023 im Fischer Taschenbuch Verlag. Er ist der erste Band einer Dilogie, aber in sich abgeschlossen und einzeln lesbar.

München, ab 1919. Iwa hat einen Traum. Sie möchte tanzen. Doch obwohl die Frauen nach dem Krieg selbständiger geworden sind, ist ein solcher Wunsch in den Kreisen von Iwas Familie untragbar. Die Pläne für sie sind eindeutig - einen Mann aus gutem Haus heiraten und ihm eine brave und treue Ehefrau sein. Dies jedoch ist für Iwa undenkbar. Heiraten? Alle Rechte aufgeben und vom Ehemann abhängig sein? Nein, es muss einen anderen Weg geben. Dieser bedeutet jedoch, dass sie fliehen und alles hinter sich lassen muss. Ist Iwa dafür bereit?

Iwa ist 20 Jahre alt, als sie schließlich merkt, dass die Wünsche ihrer Familie nicht ihre eigenen sind. Lange hat sie mehr oder weniger die brave Tochter bzw. Enkeltochter gemimt, doch als ein Heiratskandidat feststeht, sieht die Lage doch nochmal ganz anders aus. Iwa wird bewusst, dass sie tanzen möchte. Auf der Bühne sieht sie ihre Zukunft und sie ist bereit, dafür zu kämpfen.
Sie ist eine starke junge Frau mit großem Verstand und großem Herz. Sie ist gebildet und klug, gleichzeitig lässt sie ihre Meinung nicht klein reden und eckt durch ihre eigene Meinung gerade bei ihrer Großmutter immer wieder an.
Ausschlaggebend für den Wunsch zur Flucht aus München ist schließlich der Chauffeur Wilhelm, der am Klavier wundervolle Musik erschafft und damit nicht nur Iwas Herzen zum tanzen bringt.
Iwa ist eine sympathische Figur, mit der ich schnell eine Verbindung aufbauen konnte. Ihr Leben hat mich an einen Glaspalast erinnert, in dem sie alles sehen, aber nicht erreichen kann. Absolut nachvollziehen kann ich entsprechend ihre Flucht und habe gebannt verfolgt, wie sie fortan um ihren Traum kämpft. Natürlich gestaltet sich dabei nicht alles super leicht und an einigen Stellen ist die Spannung zum Luft anhalten groß. Auch an Emotionen mangelt es nicht!
Überrascht hat mich dabei die Brutalität einer Figur, die Iwa um jeden Preis aufhalten will. Ich hatte diese nicht in der Form als Antagonisten erwartet, umso besser gefiel mir die Rolle dann allerdings.
Nach einer entsprechend unglaublich spannenden ersten Buchhälfte konzentriert sich die Handlung mehr auf Iwas Traum und wird damit auch ein wenig ruhiger. Kurz vorm Ende gibt es weitere spannende Szenen, an die Anfangsszenen kamen diese für mich jedoch nicht mehr heran. Dies macht aber nichts, denn insgesamt war der Roman mitreißend, spannend und authentisch.
Die Figuren sind gut gezeichnet und charakterisiert, die Handlung vielfältig und interessant. Die Vielfalt spiegelt sich auch in den Figuren wieder und so ist wirklich jeder individuell und Abweichungen vom klassischen Rollenbild tauchen immer wieder auf. Gerade den Mops Whisky mochte ich natürlich sehr gern!
Clara Langenbach webt historische Begebenheit und Figuren in ihre fiktive Handlung ein und lässt diese dadurch umso realer erscheinen. Gleichzeitig greift sie verschiedene Themen wie die Rolle der Frau/die Emanzipation der Frau, den Ausdruckstanz sowie die Anfänge des Nationalsozialismus auf, ohne sie langweilig wirken zu lassen. Etwas unsicher bin ich im historischen Kontext lediglich ein auftretender Nebenkonflikt in der zweiten Romanhälfte. Iwa tritt hier sehr stark für eine ihrer Mittänzerinnen ein und macht deutlich, wie respektlos, übergriffig und teilweise narzisstisch Männer gegenüber Frauen auftreten. Iwa positioniert sich hier deutlich und weist auch auf das unangebrachte Verhalten des Mannes hin, ich finde dies grundlegend sehr gut, für mich war es aber im Handlungskontext fraglich, ob diese Gedanken in den 20er Jahren bereits authentisch sind. Wichtig ist aber auch dieses Thema ungemein und insgesamt fügt sich auch dieser Konflikt gut in die Handlung ein.
Der flüssige und leichte Schreibstil hat mich nur so durch die Seiten fliegen lassen und die bereits beschriebenen Spannungskurven laden ebenfalls stets zum Weiterlesen ein.

Mein Fazit: Clara Langenbach schreibt mit „Im Takt des Herzens“ einen emotionalen und authentischen historischen Roman. Sie thematisiert stark die Rechte der Frauen und schafft mit Iwa eine durchaus ungewöhnliche Protagonistin, die im Vergleich zu anderen historischen Roman für mich einmalig ist! Sie entscheidet sich aktiv für ihren Traum und gegen das klassische Familienbild und ist damit in meinen Augen unglaublich stark und selbstbewusst. Wir können uns alle eine Scheibe von Iwa abschneiden. Von mir bekommt der Roman 4,5 von 5 Sternen.

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