Leider vom Hauptthema stark abgedriftet
Der Sommer am Ende der Welt„Der Sommer am Ende der Welt“ von Eva Völler behandelt ein emotionales und wichtiges Thema der Nachkriegszeit, welches bis weit in die Geschichte der Bundesrepublik hinein präsent war: das Schicksal der ...
„Der Sommer am Ende der Welt“ von Eva Völler behandelt ein emotionales und wichtiges Thema der Nachkriegszeit, welches bis weit in die Geschichte der Bundesrepublik hinein präsent war: das Schicksal der Verschickungskinder, die allein für mehrere Wochen in Kinderkurheime geschickt wurden, um dort Erholung und Genesung zu erfahren, jedoch traumatische Erfahrungen durchleiden mussten.
Die Journalistin Hanna reist mit ihrer pubertierenden Tochter Katie auf die Insel Borkum, um vor Ort an einem Artikel über das frühere Kinderkurheim Villa Aurelia zu arbeiten. Dabei konzentriert sie sich nicht nur auf die traumatischen Erfahrungen, die die Verschickungskinder u.a. in den 60er Jahren in diesem Heim machen mussten, sondern deckt erschütternde Ereignisse aus der Vergangenheit auf.
Doch schnell gerät sie in einen Interessenkonflikt zwischen objektivem Journalismus und Privatleben, denn sie verliebt sich in den Inselarzt Ole, dessen Familie in der Vergangenheit scheinbar tief in den Fall verstrickt war.
Diese Geschichte um die Verschickungskinder der Bundesrepublik Deutschland hat mein Interesse geweckt, da ich vorher von dieser Thematik noch nichts gehört hatte und es mich zutiefst erschüttert hat, welche schlimmen Erfahrungen die Kinder in diesen Heimen machen mussten. Die kursiv gedruckten Einschübe, in denen die Erinnerungen des damaligen Kurkindes Sabine Einfluss auf die Geschichte genommen haben, haben mich demzufolge auch am meisten beeindruckt und mich dazu veranlasst, mehr über dieses Stück Vergangenheit unserer Republik in Erfahrung zu bringen.
Leider wurde diese sehr emotionale Thematik durch die Liebesgeschichten, die die Autorin nicht nur Mutter Hanna, sondern auch noch Tochter Katie auf den Leib geschrieben hat, stark in den Hintergrund gedrängt.
Gleichzeitig wurden etliche Nebenschauplätze aufgemacht, die zum Fortgang der Geschichte wenig bis gar nichts beigetragen haben.
Damit hat mich die Autorin zur Mitte des Buches leider ein Stück weit verloren.
Insgesamt stuft die Autorin dieses Buch selber als Unterhaltungsroman ein, der einen wahren Bezug enthält. Dies würde ich nach dem Lesen auch so bestätigen. Er gibt einen ersten Anreiz, sich mit der Thematik näher zu beschäftigen und die Tiefen des damaligen Unrechts nur ansatzweise zu begreifen.