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Veröffentlicht am 10.03.2025

Recht lasche Krimikomödie mit ernstem Hintergrund!

»Wenn Ende gut, dann alles«
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Volker Klüpfels Krimi "Wenn Ende gut, dann alles" erscheint bei Penguin Bücher und trägt den Untertitel: Svetlana, der Dichter und der Fall mit dem einsamen Kind.

Tommi ist erfolgloser Schriftsteller, ...

Volker Klüpfels Krimi "Wenn Ende gut, dann alles" erscheint bei Penguin Bücher und trägt den Untertitel: Svetlana, der Dichter und der Fall mit dem einsamen Kind.

Tommi ist erfolgloser Schriftsteller, mittellos und lebt in einem alten Wohnmobil, das er von seinem Vater mitsamt der ukrainischen Putzfrau Svetlana übernommen hat. Bei einer Fahrt mit dem Wohnmobil entdecken sie ganz allein am Waldrand ein kleines Mädchen und bringen es zur Polizei. Es wird in einem Heim untergebracht und voller Sorge machen sich Tommi und Svetlana auf die Suche nach ihrer Mutter. Schon bald sind die Beiden einem Verbrechen auf der Spur und bringen sich selbst in große Gefahr!

Zu Beginn der Geschichte werden die beiden Protagonisten Tommi und Svetlana vorgestellt, während Svetlana ihrer Putz- und Aufräumtätigkeit in Tommis Wohnmobil nachgeht. Sie interessiert sich für russische Literatur und auch für Tommis Schreibversuche an einem Thriller, die nicht so recht klappen wollen. Wenig später lesen sie ein kleines Mädchen auf und werden in eine tiefer gehende Geschichte verstrickt, die viel Spannungspotential bietet. Theoretisch zumindest, denn obwohl hier Spannung und Humor versprochen wurden, bekam ich nur eine unterhaltsam, humoreske Geschichte, bei der trotz des brisanten Themas Korruption in der Ukraine leider das Potential nicht ganz ausgeschöpft wurde. Im Vordergrund steht die Beziehung zwischen Svetlana und Tommi, die auf humorvolle Weise sichtbar gemacht wird und ihre unkonventionelle Suche nach der Mutter des Mädchens. Es geht um menschliche Schicksale und um Kindeswohl und um zwei Figuren, die ungewöhnlich und leicht schräg in die Ermittlungen stolpern.

Volker Klüpfel schickt in diesem Buch zwei ungleiche, skurrile Charaktere ins Rennen, die allerdings auch viel Herz besitzen, Mut haben, sowie und die nötige Entschlossenheit, um die Wahrheit über ein ausgesetztes Kind heraus zu finden. Tommi ist ein verpeilter Möchtegern-Schriftsteller, der sich erfolglos mit dem Anfang seines Thrillers abmüht. Seine Putzfrau Svetlana ist eine eher schrille Figur, sie liebt Krimis und russische Literatur, sie nimmt kein Blatt vor den Mund, gibt Tommi gutgemeinte Ratschläge zu Ernährung und anderen Lebensdingen und rattert ständig ukrainische Sprichwörter herunter. Das liest sich alles recht unterhaltsam, doch bis die Ermittlungen endlich Fahrt aufnehmen, hat die Story auch einige Längen. Gefallen hat mir der hohe Wiedererkennungswert Svetlanas, der in ihrer konsequent angewandten gebrochenen Sprache mit russischem Akzent liegt. Tommi ist eher ein inaktiver Typ, er trauert seiner Freundin hinterher und lebt so in den Tag hinein, bis ihn Svetlana aktiv bei ihren Ermittlungen einbindet. Hier stolpern sie so von Spur zu Spur und kommen eher zufällig mit den Verbrechern in Kontakt. Die Polizei hält sich bedeckt, untersucht den Fall nicht weiter und das erscheint mir sehr unglaubwürdig. Außerdem hat mich gestört, dass das Kind ein Down Syndrom hat, was für die Handlung völlig unwichtig ist und vielleicht für ein bisschen mehr Drama sorgen sollte.

Die Idee, Sprachschwierigkeiten als Humor zu verkaufen, ist nur stellenweise erfolgreich und gefällt mir nicht sehr gut. Dieses Stilmittel wirkt schnell ausgereizt und hat mich auf Dauer nur noch mehr im Lesefluss gestört.

Volker Klüpfels Intention, humorvolle Unterhaltung mit Spannung zu verbinden, hat leider nicht ganz geklappt und die spannende Handlung lässt meiner Meinung nach leider zu lange auf sich warten.


Ich hatte mir mehr vom Buch erhofft, zumal das Thema Korruption in der Ukraine genügend Sprengstoff geboten hätte. Dafür gibt es ein ungleiches Ermittlerpaar, die im Unterhaltungsbereich durchaus punkten können.

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Veröffentlicht am 01.02.2025

Der magische Weihnachtsspaziergang hat mich unterwegs in Prag verloren!

Weihnachten in Prag
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Im Luchterhand Verlag erscheint Weihnachten in Prag von Jaroslav Rudiš, illustriert von Jaromir 99.

Heiligabend in Prag: Jaroslav Rudiš streift bei Kälte und Schnee durch die leergefegte Stadt an der ...

Im Luchterhand Verlag erscheint Weihnachten in Prag von Jaroslav Rudiš, illustriert von Jaromir 99.

Heiligabend in Prag: Jaroslav Rudiš streift bei Kälte und Schnee durch die leergefegte Stadt an der Moldau. Während Rudiš auf Freunde wartet, vertreibt er sich die Zeit bei einem Bier in einem Wirtshaus und trifft auf Kavka (genannt: Kafka), mit ihm begibt er sich auf eine Zoorunde durch verschiedene Kneipen. Unterwegs treffen sie den König von Prag und eine Italienerin aus Mailand. Sie laufen durch die winterliche Stadt und erzählen Erinnerungen von wundersamen Dingen.

In dem kleinen Büchlein erzählt Rudiš von einem besonderen Weihnachtsspaziergang zur Kleinseite und zur Prager Burg und in etliche Kneipen, was für die bierselige Stimmung sorgt. Seine drei Begleiter sind dem tschechischen Bieren auch nicht abgeneigt und so vermischen sich in den Erzählungen wahre Begebenheiten mit magischen Geschichten.

Das wunderschöne Cover hat mich sofort entzückt, es stammt von Jaromir 99, wie auch die anderen Illustrationen im Inneren des Buches. Er zeigt verschiedene Stadtansichten und einzelne Figuren oder Objekte, die der Geschichte das besondere Flair verleihen.

Zu Beginn bin ich der Geschichte noch gern gefolgt, doch dann vermischen die vier Figuren in ihren Erzählungen ihre wahren Erinnungen mit verträumten, fantasievollen Dingen, was die Geschichte auf mich recht unrealistisch und ziemlich melancholisch wirken lässt.

Sie treffen lachende Polizisten, hören von Karpfen mit glotzenden Augen verstorbener Bewohner Prags, treffen auf totgeglaubte Freunde und treffen sogar das Christkind. Alles etwas absonderlich und für mich nicht ganz fassbar. Dafür habe ich die Beschreibung der Stadtansichten Prags sehr genossen, wer schon einmal dort war, kann den Zauber der Stadt in der Geschichte nachfühlen. Dabei spielen auch die wunderschönen Illustrationen eine große Rolle.

Das Büchlein ist kein klassisches Weichnachtsbuch, es ist eine Geschichte, die die Ansichten und Historie der Stadt, sowie die an den Weihnachtstagen arbeitenden Menschen vorstellt. Die Figuren sprechen über Literatur, über Erlebnisse und retten Weihnachtskarpfen das Leben.

Die Stadt ist voller Historie und verschiedener Geschichten und mit jeder Ecke der Stadt verbinden die Figuren in der Erzählung eigene Erinnerungen an die Vergangenheit. Diese Gedanken waren mir aber zuweilen doch sehr verworren, vielleicht war die Vorliebe für tschechisches Bier dafür verantwortlich.

Ein besonderer Weihnachtsspaziergang an geschichtsträchtige Orte Prags, der mich leider nicht wie erhofft mitgenommen hat.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Ziemlich eintönige Geschichte

Der kleine Hase Upsala – Ich bin noch gar nicht müde – Ein Gute-Nacht-Klappenbuch
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Im Penguin Verlag erscheint in der Reihe Der kleine Hase Upsala das Hartpappenbilderbuch "Ich bin noch gar nicht müde" von Nico Sternbaum.

Dieses Gute-Nacht-Bilderbuch mit großen, stabilen Klappen ist ...

Im Penguin Verlag erscheint in der Reihe Der kleine Hase Upsala das Hartpappenbilderbuch "Ich bin noch gar nicht müde" von Nico Sternbaum.

Dieses Gute-Nacht-Bilderbuch mit großen, stabilen Klappen ist für Kinder ab 2 Jahren geeignet, es schult den Spracherwerb und mototische Fähigkeiten.

Der kleine Hase Upsala ist noch gar nicht müde und kann einfach nicht einschlafen. Er fragt sich, ob seine Freunde wohl schon schlafen und beschließt, sie zu besuchen. Dabei findet er heraus, dass alle hellwach sind! Na, dann können sie ja eine Runde Ball spielen! Alle laufen durch den Wald zurück zu Upsalas Höhle und holen den roten Ball. Aber das Gelaufe macht sie müde und ehe sie sich versehen, sind alle auf der Stelle eingeschlafen.

Die liebenswert dargestellten Tiere sind niedlich anzusehen, ihre Farbe entspricht der natürlichen Farbe des Fells, Stachel- oder Federkleids von Hase, Fuchs, Igel und Eule. Hinter den Klappen befindet sich die Behausung der Tiere, der Fuchs lebt in einer Höhle, die Eule in einem Nest im Stamm eines Baumes. So lernen Kinder spielend verschiedene Tiere und ihre Bauten kennen.

Die Geschichte finde ich leider sehr eintönig, denn Upsala besucht nach und nach seine drei Freunde und entdeckt, dass alle noch wach sind. Hinter jeder Klappe findet man ein ähnliches Bild von einem wachen Tier im Bett. Erst auf der letzten Seite kommt es zu einer neuen Situation.

Der sehr einfache Text animiert Kinder nach mehrfachem Vorlesen, die Geschichte mit eigenen Worten zu beschrieben. Die Klappen schulen die Motorik und es macht Spaß, dahinter zu schauen und zu entdecken, welches Tier sich dort verbirgt und was es gerade macht.

Die Tiere schlafen in einem Bett und bekommen damit menschliche Züge und alle sind hellwach. Damit können Kinder sicher umgehen, aber es gibt auch keine große Abwechslung in der Geschichte. Das finde ich etwas langweilig.

Diese Abendlektüre macht das Thema Nicht-Einschlafen-können deutlich. Auch die Tiere werden erst nach einem Lauf durch den Wald richtig müde. Da kommen pfiffige Kinder natürlich schnell auf die Idee, selbst noch ein wenig nach draußen gehen zu wollen.

Veröffentlicht am 10.01.2025

Ein bunter Mix aus schrägen Figuren, Humor und Klischees

Mord im Himmelreich
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Im Knaur Verlag erscheint der Cosy Crime Mord im Himmelreich von Andreas Winkelmann.

Der ehemalige Schauspieler Björn Kupernikus beginnt seinen Ruhestand im Himmelreich, besser gesagt auf dem gleichnamigen ...

Im Knaur Verlag erscheint der Cosy Crime Mord im Himmelreich von Andreas Winkelmann.

Der ehemalige Schauspieler Björn Kupernikus beginnt seinen Ruhestand im Himmelreich, besser gesagt auf dem gleichnamigen Campingplatz. Kurz nach seiner Ankunft wird er zu einer Rettungsaktion eines Hundes gerufen, der mitten im See hilflos auf einem Paddleboard treibt. Als Kupernikus das Tier an Land gezogen hat, entdeckt er unter dem Board eine festgeschnallte Leiche. Wie hängt das wohl zusammen?

Weil die Polizei an einen Unfall glaubt und Kupernikus schon immer von einer Rolle als Tatort-Kommissar träumte, stellt er eigene Nachforschungen an. Die Künstlerin Annabelle versorgt ihn mit dem nötigen Hintergrundwissen über die Bewohner und hat mit ihrer lebenslustigen Art einen guten Einfluss auf den etwas brummigen Björn.

Seinen Ruhestand hat sich Björn Kupernikus nicht als Lebensretter eines Hundes vorgestellt. Doch nun ist seine Neugier geweckt und er möchte herausfinden, wer den Toten an das Board gebunden hat und welche Rolle dabei Hündin Pinguin spielt.

Das Leben auf einem Campingplatz ist ein echter Mikrokosmos, jeder kennt jeden. Als Neuling hat es Björn da schwer und wird von Annabelle, die im benachbarten Örtchen wohnt, über die Bewohner aufgeklärt. Björn baut zu Annabelle schnell eine Bekanntschaft auf, ihre quirlige Lebensart tut ihm gut. Beide treffen sich zum Essen, trinken gemeinsam etwas und tauschen sich über den Fall aus, dabei wachsen sie immer mehr als Ermittlerteam zusammen.

Die Figuren sind etwas überzogen, klischeehaft und nicht unbedingt sympathisch, ein großer Teil der Handlung dreht sich um das Leben auf dem Campingplatz am Schwielowsee. In dieser idyllischen Lage steigen gerade die Grundstückspreise in horrende Höhen, die Kosten seines Stellplatzes sind für Björn aber noch erschwinglich.

Die Ermittlungen ziehen sich durch die vielen eingeführten Figuren in die Länge und so richtig spannend wird es leider nicht. Insgesamt bleibt das Krimiflair ziemlich auf der Strecke, es geht mehr um die ausgelassene Stimmung auf dem Campingplatz und um die persönlichen Beziehungen und Interessen der Bewohner. Ich mag humorvolle Bücher und ein paar Mal war der eingebaute Humor echt witzig, aber dann driftet der schale Wortwitz im Bereich von Namen dann doch in Klamauk über.

Dieses Buch ist weder echter Krimi, dafür fehlen einfach entscheidende Spannungselemente, noch ein angenehmer Cosy Crime, da braucht es mehr als Essen und Trinken und ein niedliches Hundemädchen.

Die Handlung zeigt die Interessen der Bewohner, die Krimispannung ist leider kaum vorhanden, aber der lockere Erzählstil und die schrägen Figuren mit ihrem klamaukigen Humor haben mich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 03.01.2025

Leichte unterhaltsame Liebesgeschichte

Winterzauberküsse
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Winterzauberküsse von Sue Moorcroft ist der erste Band der Reihe "WinterWeihnachtsZauber" aus dem Fischer Verlag.

Hutmacherin Ava geht mit einer Freundin auf eine Londoner Vorweihnachtsparty und trifft ...

Winterzauberküsse von Sue Moorcroft ist der erste Band der Reihe "WinterWeihnachtsZauber" aus dem Fischer Verlag.

Hutmacherin Ava geht mit einer Freundin auf eine Londoner Vorweihnachtsparty und trifft Sam. Nun soll Ava für Sams schwerkranke Mutter Wendy einen Hut kreieren, er möchte ihr damit eine Freude bereiten. Als Wendy in Avas Studio kommt, um sich beraten zu lassen, glaubt sie voller Freude, dass Sam und Ava ein Paar sind. Deshalb bittet Sam Ava, einfach so zu tun, als würde das der Wahrheit entsprechen, wenigstens in der Vorweihnachtszeit…

In Winterzauberküsse hat mir der locker, leichte Erzählstil gut gefallen und ich habe die Geschichte trotz einiger Längen gern verfolgt, weil bestimmte dramatische Szenen für Spannung gesorgt haben.

Heutzutage ist leider ist die Hutmacherei etwas in Vergessenheit geraten, aber wer sich dafür interessiert, bekommt in diesem Buch eine bunte Vielzahl an Modellen und Materialien aufgezeigt, die meiner Meinung nach auch gut auf das Cover gepasst hätten.

Die Protagonisten Ava und Sam sind sympathisch, es ist schnell absehbar, dass sie ein Paar werden, aber der Weg dahin ist auch mit Stolpersteinen gespickt. Sue Moorcroft schafft es, die Atmosphäre trotz Problemen mit dem Ex mit Romantik zu füllen und sie macht auch die Nebenfiguren gut sichtbar. Dazu gehört ein Unsympath, der grässliche Harvey, der mit seiner perfiden Idee, pikante Fotos von Ava ins Netz stellen zu wollen, für Dramatik sorgt. Damit werden die Schattenseiten von sozialen Medien aufgezeigt, die man nicht unterschätzen sollte.

Bei dieser Geschichte geht es um Liebe und Freundschaft und die Angst um liebe Verwandte und man wird auf leichte Weise unterhalten. Das Buch zeigt, dass romantische Verliebtheit allein nicht ausreicht, sondern auch Vertrauen nötig ist, um eine Liebe auf eine feste Basis zu stellen.

Wer eine winterliche, romantische Liebesgeschichte sucht, bei der man mit einer Kuscheldecke wohlig abschalten kann, ist hier gut bedient.