Platzhalter für Profilbild

Valabe

Lesejury-Mitglied
offline

Valabe ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Valabe über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.12.2017

etwas anders, als erwartet, aber gut

Die Sehnsucht des Vorlesers
0

„Anders als man denkt, ist nämlich nichts auf der Welt unveränderlich.“ Guylain

Guylain Vignolles arbeitet in einer Druckerei. Das erzählt er zumindest immer seiner Mutter. In Wahrheit jedoch arbeitet ...

„Anders als man denkt, ist nämlich nichts auf der Welt unveränderlich.“ Guylain

Guylain Vignolles arbeitet in einer Druckerei. Das erzählt er zumindest immer seiner Mutter. In Wahrheit jedoch arbeitet er nicht am Aufbau neuer Bücher, sondern an deren Zerstörung. Fünf Tage die Woche betätigt er die Hebel der bücherfressenden Maschine, so dass die Überreste der Bücher nur noch einen grauen Brei bilden. Doch ein paar Seiten überleben dieses Gemetzel und erhalten von Guylain am Folgetag ihren großen Auftritt auf der Bühne des 6:27 Zuges nach Paris. Als Guylain eines Morgens einen USB Stick findet, öffnet er ihn mit dem Willen ihn seinem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Doch das, was er auf dem Stick findet, verändert sein Leben und seine große Suche beginnt…

„Die Sehnsucht des Vorlesers“ ist das Romandebüt von Jean-Paul Didierlaurent, der hauptberuflich im Kundencenter eines Telekommunikationsunternehmens arbeitet. Schon seine Kurzgeschichten verzauberten seine Leser und der Roman schaffte es sogar bis ins Kino.

Die Geschichte um Guylain und dessen alltäglicher Kampf mit seiner ungeliebten Arbeit lässt einen an die eigenen zur Gewohnheit gewordenen Gänge und den täglichen Einheitsbrei erinnern, um den man meist nicht herumkommt. Die Erzählweise ist einfach gehalten, aber keineswegs platt. Vielmehr ist es eine nachdenkliche Stimme, die sich mit dem Alltagsgeplänkel abmüht und es dennoch schafft den Leser zu faszinieren. Das Buch enthält keine großen Spannungskurven, es zieht leicht dahin, und vieles wiederholt sich. Aber ist so nicht der Alltag? Gerade dadurch erhält der Leser den Einblick in die vielen kleinen Dinge, die vielleicht alltäglich wirken, aber für andere Menschen eine große Bedeutung haben. So auch Guylains allmorgendliche Erzählungen im Zug.

Die Seiten, die Er im Zug vorliest, sind im Buch farblich verändert und weisen hier und da Falten und Flecken auf. Dies verleiht ihnen Authentizität, als wären sie tatsächlich einmal verdaut und gewaschen worden. Auch die Seiten vom USB Stick wurden in der Optik einer Word Datei abgedruckt, was den beim Lesen den Eindruck erweckt, man würde sich selbst in den Händen halten.

Die Stimme, die der Autor Guylain gibt, mag keine große und Imposante sein, aber sie ist magisch und lässt einen die gewöhnlichen Dinge des Alltags schöner erscheinen.

Veröffentlicht am 05.11.2017

Casa Celstina

Das Haus ohne Männer
0

"Ihr seid außergewöhnliche Frauen, jede einzelne auf ihre Weise.“

Brief von der Königin an ihre Nachbarinnen.


Ein Haus in Paris. Fünf Frauen. Sie alle könnten unterschiedlicher nicht sein, doch eines ...

"Ihr seid außergewöhnliche Frauen, jede einzelne auf ihre Weise.“

Brief von der Königin an ihre Nachbarinnen.


Ein Haus in Paris. Fünf Frauen. Sie alle könnten unterschiedlicher nicht sein, doch eines eint sie: sie wohnen gemeinsam in der Casa Celestina, dem Haus ohne Männer mit einer „Königin“ im obersten Stockwerk. Es gibt nur Klempnerinnen, Malerinnen, Pizzalieferantinnen, die das Haus betreten dürfen. Jean-Pierre, der Kater, ist das einzige männliche Wesen, das freien Zugang hat. Doch kann man ohne Männer leben? Als Juliette, die jüngste der fünf Frauen und diejenige, die der Liebe noch nicht vollends abgeschworen hat, einzieht, beginnen auch die Anderen daran zu zweifeln…


Unter dem französischen Original „L'immeuble des femmes qui ont renoncé aux hommes“ wurde das Buch von Karine Lambert 2014 erstveröffentlicht. Nun erschien es erstmals in deutscher Ausgabe.


Guiseppina, Juliette, Simone, Rosalie und die „Königin“. Dies sind die fünf Frauen im Haus ohne Männer. Jede von ihnen stammt aus unterschiedlichen Schichten und Kreisen. Ein jeder von ihnen übt einen anderen Beruf aus und die „Königin“ als ehemalige Primaballerina hängt den vergangenen Ovationen nach ihren Auftritten nach. Diese bunte Mischung an Charakteren verspricht den Großteil des Buches ein angenehmes Lesevergnügen. Es handelt sich aber eher um eine leise und manchmal auch etwas langatmige Geschichte, die aber immer wieder mit dem gewissen Etwas aufwartet, wenn man mehr über die Gründe der Frauen erfährt, warum sie in dem Haus ohne Männer leben. Sei es durch eine Kindheit ohne Zuneigung, dem Sitzengelassen werden durch den Partner oder dem Verlust des Kindes, jede Geschichte berührt und lässt einen als Leser nachvollziehen, warum die Frauen den Männern abgeschworen haben.


Der Roman wird stets aus der Perspektive der 3. Person erzählt. Diese wird nur durch Dialoge, sowie den Gedanken von Juliette unterbrochen. Durch letzteres kommt immer wieder Schwung in den Erzählverlauf.


„Dieser Vogel ist etwas für Rosalie. Sie würden zusammen den sakralen Skarabäus machen“ S. 119


Karine Lambert versteht es, dem Leser die Schauplätze so zu beschreiben, dass man glaubt sogar den Blaubeertarte riechen zu können. Man fühlt sich wohl in den Wohnungen der Protagonisten, die auch ihre jeweiligen Charaktere wiederspiegeln.


Die „Königin“, die das Haus regiert „wie eine Biene den eigenen Stock“, ist für sich ein bemerkenswerter Mensch, der es sich in seinen späten Jahren nicht erlaubt noch einmal nach der Liebe zu greifen.


„Das Haus ohne Männer“ ist ein ruhiger und charmanter Roman über gebrochene Herzen, die eine gemeinsam Zuflucht suchen. Ob dies in der Realität funktioniert, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Veröffentlicht am 11.12.2017

last Christmas in Endlosschleife

Eine wundersame Weihnachtsreise
0

Anna verbringt Weihnachten normalerweise weit weg von ihrer Familie und der Dauerschleife an Weihnachtsliedern, die gespielt werden. Besonders „Last Christmas“ wird, sehr zu ihrem Leidwesen, nahezu nonstop ...

Anna verbringt Weihnachten normalerweise weit weg von ihrer Familie und der Dauerschleife an Weihnachtsliedern, die gespielt werden. Besonders „Last Christmas“ wird, sehr zu ihrem Leidwesen, nahezu nonstop gespielt. Dieses Jahr jedoch wünscht sich Annas kleiner Bruder nichts sehnsüchtiger, als das seine große Schwester an Weihnachten daheim ist. Somit begibt sich Anna am 23. Dezember mit dem Zug von Leipzig nach Berlin. Doch anstatt wie geplant in Berlin auszusteigen, verschläft sie die Hauptstadt und wird erst an der Endstation in Binz wieder wach. Draußen tobt einer der schlimmsten Schneestürme seit Jahren und es fährt kein Zug mehr. Ihr Handy hat keinen Saft mehr und auch das Bahnhofsgebäude bietet kaum Unterschlupf. Doch wie durch eine Fügung nimmt sie ein netter Fahrer eines Schneeräumfahrzeuges mit und bringt sie in Richtung Autobahn. Es beginnt eine abenteuerliche Rückfahrt von Binz nach Berlin mit zukünftigen Kapitänen, einem lustigen Blumentrio, weisen LKW-Fahrern und einem bunten Hippiebus.

Eine wundersame Weihnachtsreise ist eine nette Geschichte für alle Weihnachtsgrinch´ dieser Welt um ihnen zu zeigen, dass Weihnachten nicht nur Last Christmas in Dauerschleife bedeutet, sondern gute Freunde, Familie und ein warmes Zuhause. Der Schreibstil ist leicht und angenehm zu lesen. Anna ist ein symphytischer Charakter und auch die Personen, die sie auf ihrer Reise trifft, sind jeder für sich herzlich und manchmal auch sehr verrückt. Doch gerade das macht die Geschichte zu einem Buch für jede Jahreszeit. Nicht nur an Weihnachten sollte man doch für einander da sein.

Jedes Kapitel beginnt mit einer kleinen Zeichnung eines Rentieres und Schneeflocken, wodurch es doch einen Gewissen Touch an Kitsch erhält. Die Idee Anna, eine bekennende Weihnachtsverweigerin, auf eine Reise zu sich selbst zu schicken fand ich sehr witzig und it auch an den meisten Stellen gut umgesetzt. Allerdings war es doch etwas sehr abwegig, dass der Schaffner sie nicht wach bekommen hat und sie dadurch ihre Haltestelle verschlafen hat und damit das Abenteuer seinen Lauf nimmt. Durch diesen Eingriff wirkt der Rest etwas künstlich herbeigeleitet und liest sich oftmals auch so. Ebenso Anna´s Tick mit „Last Christmas“ und das immer etwas negatives passiert wenn sie dieses Lied hört. Für Unterhaltung sorgen unterwegs die unterschiedlichen Menschen, die Anna trifft und deren persönliche Verbindung zu Weihnachten. Das man nun aufgrund dieser Geschichten für den Geist der Weihnacht bekehrt werden kann fand ich etwas zu vorschnell, aber alles in allem ist es eine nette Geschichte für zwischendurch und sorgt auch im Sommer für eine Prise Erfrischung.

Veröffentlicht am 11.12.2017

ein happy end auch im wahren Leben?

Glück schmeckt nach Popcorn
0

„Es gab Filme, da fühlte man sich wie ein Voyeur, so echt wirkten die Freuden oder Qualen der Schauspieler“. S. 86

Martha gehört zu den wenigen Menschen, die es geschafft haben, Hobby und Beruf zu vereinen. ...

„Es gab Filme, da fühlte man sich wie ein Voyeur, so echt wirkten die Freuden oder Qualen der Schauspieler“. S. 86

Martha gehört zu den wenigen Menschen, die es geschafft haben, Hobby und Beruf zu vereinen. Sie betreibt ein allerwürdiges Lichtspielhaus, von denen es kaum noch welche gibt. Die Leute lieben hingegen ihr Kino und das besondere Flair darin. Doch für Martha ist ihr Lichtspielhaus noch viel mehr. Seit ihrer Trennung von Tom ist es für sie zu einem einzigen Rückzugsort geworden. Als nun auch noch ihre beste Freundin Susanna zu ihrem Freund in eine andere Stadt zieht, fühlt sich Martha ganz alleine. Doch dann antwortet der stets gutgelaunte junge Filmstudent Erik auf ihre Jobanzeige und auf einmal wird Martha´s Leben auf den Kopf gestellt.

„Glück schmeckt nach Popcorn“ ist der zweite Roman von Marie Adams und ebenfalls, wie sein Vorgänger „Das Café der guten Wünsche“ ein leichter Roman über das Chaos, das die Liebe so mit sich bringen kann.

Die Protagonistin Martha ist eine junge Frau, die ihren Traum, ein eigenes Lichtspielhaus zu führen, lebt. Nach ein paar Seiten lesen bin ich sofort warm mit ihr geworden, was sich auch über den Rest des Buches nicht geändert hat. Einzig ihr starken Selbstzweifel und ihre doch immer wiederkehrenden Verleugnungen ihrer eigenen Gefühle waren manchmal etwas sehr zäh zum Lesen.
Erik, der gutgelaunte junge Filmstudent, hat eine ansteckende Fröhlichkeit, zu der man wohl kaum nein sagen kann. Manchmal aber war sie etwas zu viel des guten. Aber wohl im Buch eine gelungene Möglichkeit aus Martha ihr selbstbewusstes Ich heraus zu kitzeln.

Auch die anderen Charaktere, allen voran Susanna, sind ihrer jeweiligen Rolle als beste Freundin, oder im Fall von Stefan, als arroganter Filmkritiker, sehr gut gerecht geworden.

Besonders schön zwischendurch fand ich die Filme, die immer wieder einmal vorgestellt wurden. Einige von denen kannte ich nicht, werde ich mir aber sicher mal ansehen. Sie haben zumindest im Buch immer wieder geholfen die Gefühlwelt von Martha besser zu verstehen. Ebenfalls schön waren auch die ausführlichen Beschreibungen, wie es denn in dem Lichtspielhaus aussieht und welche signierten Fotografien an den Wänden hängen. Mitunter kam mir als Leser sogar der Duft von Popcorn in die Nase ?

Zu Beginn mag man meinen, man kenne die Handlung schon und es ist alles recht vorhersehbar, doch im Laufe des Lesens passieren immer wieder mal kleine und große Dinge, mit denen man doch nicht unbedingt gerechnet hat. Auch das Ende finde ich sehr passend, vielleicht ein wenig zu viel Handlung auf zu wenig Seiten. Zudem war der Weg zu Ende etwas unerwartet, was das Setting betrifft.

Alles in allem ist „Glück schmeckt nach Popcorn“ ein netter Roman für Romantiker und Filmfreunde. Manchmal wartet er aber mit ein wenig zu viel "warten auf den Prinzen" und "die große Liebe gibt es nicht" Flair auf.