etwas anders, als erwartet, aber gut
Die Sehnsucht des Vorlesers„Anders als man denkt, ist nämlich nichts auf der Welt unveränderlich.“ Guylain
Guylain Vignolles arbeitet in einer Druckerei. Das erzählt er zumindest immer seiner Mutter. In Wahrheit jedoch arbeitet ...
„Anders als man denkt, ist nämlich nichts auf der Welt unveränderlich.“ Guylain
Guylain Vignolles arbeitet in einer Druckerei. Das erzählt er zumindest immer seiner Mutter. In Wahrheit jedoch arbeitet er nicht am Aufbau neuer Bücher, sondern an deren Zerstörung. Fünf Tage die Woche betätigt er die Hebel der bücherfressenden Maschine, so dass die Überreste der Bücher nur noch einen grauen Brei bilden. Doch ein paar Seiten überleben dieses Gemetzel und erhalten von Guylain am Folgetag ihren großen Auftritt auf der Bühne des 6:27 Zuges nach Paris. Als Guylain eines Morgens einen USB Stick findet, öffnet er ihn mit dem Willen ihn seinem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Doch das, was er auf dem Stick findet, verändert sein Leben und seine große Suche beginnt…
„Die Sehnsucht des Vorlesers“ ist das Romandebüt von Jean-Paul Didierlaurent, der hauptberuflich im Kundencenter eines Telekommunikationsunternehmens arbeitet. Schon seine Kurzgeschichten verzauberten seine Leser und der Roman schaffte es sogar bis ins Kino.
Die Geschichte um Guylain und dessen alltäglicher Kampf mit seiner ungeliebten Arbeit lässt einen an die eigenen zur Gewohnheit gewordenen Gänge und den täglichen Einheitsbrei erinnern, um den man meist nicht herumkommt. Die Erzählweise ist einfach gehalten, aber keineswegs platt. Vielmehr ist es eine nachdenkliche Stimme, die sich mit dem Alltagsgeplänkel abmüht und es dennoch schafft den Leser zu faszinieren. Das Buch enthält keine großen Spannungskurven, es zieht leicht dahin, und vieles wiederholt sich. Aber ist so nicht der Alltag? Gerade dadurch erhält der Leser den Einblick in die vielen kleinen Dinge, die vielleicht alltäglich wirken, aber für andere Menschen eine große Bedeutung haben. So auch Guylains allmorgendliche Erzählungen im Zug.
Die Seiten, die Er im Zug vorliest, sind im Buch farblich verändert und weisen hier und da Falten und Flecken auf. Dies verleiht ihnen Authentizität, als wären sie tatsächlich einmal verdaut und gewaschen worden. Auch die Seiten vom USB Stick wurden in der Optik einer Word Datei abgedruckt, was den beim Lesen den Eindruck erweckt, man würde sich selbst in den Händen halten.
Die Stimme, die der Autor Guylain gibt, mag keine große und Imposante sein, aber sie ist magisch und lässt einen die gewöhnlichen Dinge des Alltags schöner erscheinen.