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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.05.2025

Weckte falsche Erwartungen, aber sehr ansprechend gestaltet

Schauplätze der Weltliteratur
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Dieses Buch hatte ich mit falschen Erwartungen zur Hand genommen. Ich hoffte auf eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den geografischen, landschaftlichen und gesellschaftlich-politischen Orten berühmter ...

Dieses Buch hatte ich mit falschen Erwartungen zur Hand genommen. Ich hoffte auf eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den geografischen, landschaftlichen und gesellschaftlich-politischen Orten berühmter literarischer Werke. Stattdessen liegt der Fokus des Buches auf der literaturwissenschaftlichen Interpretation mit Blick auf Orts- und Naturdarstellungen, also z.B. auf der Rolle, Funktion und Bedeutung etwa von Wetter- oder Landschaftsbeschreibungen innerhalb der Erzählstruktur. Diese Herangehensweise war für mich eher ernüchternd, da sie nicht meinem ursprünglichen Interesse entsprach.

Die Gestaltung des Buches ist dabei äußerst gelungen. Zu jedem der 73 ausgewählten Werke, die die letzten 100 Jahre Literaturgeschichte abdecken, gibt es eine Fotografie der Autorinnen und eine Kurzbeschreibung, ein Foto der Originalausgabe sowie visuelles Begleitmaterial wie Karten, zeittypische Fotografien, Gemälde oder Karten. Diese Elemente geben dem Buch eine hochwertige, fast museale Anmutung. Die Präsentation lädt zum Blättern und Stöbern ein und bietet einen interessanten visuellen Zugang zur Literatur.

Weniger gut gefiel mir die große Bandbreite der Buchvorstellungen, die von unterschiedlichen Autor
innen verfasst wurden. Das führte zu qualitativen Schwankungen im Stil und in der Lesbarkeit. Insgesamt hätte ich mir weniger Werke gewünscht, dafür aber eine tiefere Auseinandersetzung. So wirkte manches für mich schlecht greifbar. Zudem kannte ich nur ca. ein Drittel der Werke, so dass mir hier der Zugang fehlte und das Verstehen der Essays etwas erschwerte. Die unbekannten Werke weckten allerdings auch mein Interesse, sie zu lesen.

Fazit: Eine empfehlenswerte Lektüre für literturwissenschaftlich Interessierte – weniger für Leser*innen auf der Suche nach kulturgeschichtlichen oder reisebezogenen Einblicken in die Weltliteratur.

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Veröffentlicht am 30.05.2025

„In Echo Cove werden die Dinge nicht besser“

Kodiak Echoes – Trust me
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Nach dem berührenden ersten Teil Kodiak Echos wollte ich sofort weiterlesen. Die Geschichte hatte mich bewegt, die Charaktere Brynn und Archer waren mir sehr ans Herz gewachsen – und natürlich wollte ich ...

Nach dem berührenden ersten Teil Kodiak Echos wollte ich sofort weiterlesen. Die Geschichte hatte mich bewegt, die Charaktere Brynn und Archer waren mir sehr ans Herz gewachsen – und natürlich wollte ich unbedingt erfahren, was wirklich mit Ada geschehen ist.

Im zweiten Band rücken nun Keira, Adas jüngere Schwester, und Finn, Brynns älterer Bruder, in den Mittelpunkt. Die beiden lernen sich zufällig bei einem One-Night-Stand kennen und begegnen sich kurz darauf in Kodiak Echo wieder. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Anziehung, doch Keira kämpft stark gegen ihre Gefühle an. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder von Ada. Gleichzeitig gerät Keira zunehmend in Gefahr, da ein mysteriöser Unbekannter sie zu verfolgen scheint, auf erschreckend ähnliche Weise wie damals Ada.

Mit Keira hatte ich zunächst Schwierigkeiten. Schon im ersten Teil wirkte sie auf mich eher unsympathisch: schroff, verschlossen, misstrauisch. Doch im Verlauf der Geschichte gelang es mir, mich ihr anzunähern. Ihre verschlossene Art wurde durch ihre schwierige Vergangenheit und den Verlust ihrer Schwester nachvollziehbar, sodass ich zunehmend Mitgefühl für sie entwickeln konnte. Besonders gut gefiel mir ihre spürbare persönliche Entwicklung. Ihre inneren Konflikte und ihr emotionaler Reifeprozess wurden überzeugend dargestellt.

Finn ist ihr in mancher Hinsicht ähnlich: Auch er schützt sich aus Angst vor Verlust. Dennoch wirkt er deutlich zugänglicher – sympathisch, bodenständig und wie ein „sicherer Hafen“. Etwas zu klischeehaft fand ich allerdings die Darstellung seiner Rolle als „Retter“ – als "Prinz, der die Prinzessin erlöst". Dass er trotz Keiras ständiger Abweisungen an ihr festhält, war für mich zudem nicht immer ganz nachvollziehbar.

Ich hätte mir gewünscht, mehr von Archer und Brynn zu lesen, zumindest hatte Brynn ein paar kurze Auftritte. Die heimliche Hauptfigur war für mich Koda – die riesige, zottelige, stürmische Alaskan-Malamute-Hündin, die mit ihrer treuen und wilden Art das Herz aller gewinnt..:).

Erzählt wird abwechselnd aus Keiras und Finns Perspektive, ergänzt durch Adas Tagebucheinträge, die der Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen. Der Schreibstil ist leicht und gut lesbar, passt sich den jeweiligen Figuren gut an. Gelegentlich empfand ich die Häufung von Schimpfwörtern als störend und auch die zwei spicy Szenen, hätte ich nicht unbedingt gebraucht. Ich war durchaus gefesselt, aber über einige Strecken kam für mich die Spannung doch zu kurz, obwohl die Handlung zügig voranschritt. Der Fokus lag vor allem auf der Liebesgeschichte und Keiras persönlicher Entwicklung, zudem konnte ich leider recht früh erahnen, wer hinter Adas Ermordung steckte – spätestens zur Mitte des Buches war es für mich ziemlich offensichtlich.

Es geht um Liebe, Vertrauen, Freundschaft und die Aufklärung des Mordes- vor der Kulisse Alaskas. Die beeindruckenden Landschaften, kulturellen Eigenheiten und gesellschaftlichen Herausforderungen waren atmosphärisch und interessant beschrieben. Themen wie die illegalen Wildabschüsse in Schutzgebieten, insbesondere der Bären, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Einheimischen oder die langen, dunklen Winter gaben der Geschichte Aktualität und inspirierten mich, mehr über Alska zu erfahren.

Fazit: Band 2 fiel leider deutlich schwächer als Band 1 aus. Bei Band 2 konnten mich die Figuren nicht so stark berühren, die Geschichte war weniger komplex und fesselnd, die Spannung eher niedrig. Dennoch mochte ich die Rückkehr nach Kodiak Echo. Ich fühlte mich gut unterhalten und würde durchaus auch noch einen Band der Autorin lesen.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Humorvoll, klamaukig, spannungsarm

Horror-Date
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Fitzeks Bücher höre ich in der Regel als Hörbuch – stets gelesen von Simon Jäger, dessen Stimme ich äußerst gerne lausche. Auch dieses Mal war er der Sprecher, was für mich schon ein großer Pluspunkt war.

In ...

Fitzeks Bücher höre ich in der Regel als Hörbuch – stets gelesen von Simon Jäger, dessen Stimme ich äußerst gerne lausche. Auch dieses Mal war er der Sprecher, was für mich schon ein großer Pluspunkt war.

In der Geschichte springt Julius für seinen schwerkranken Freund Rafael ein, der sich über ein Datingportal für todkranke Menschen mit Nala verabredet hatte. Rafael, ein literarisch und philosophisch interessierter Mann, kann das Treffen krankheitsbedingt nicht wahrnehmen und bittet Julius, an seiner Stelle zu gehen. Nala, Psychologin und Eheberaterin, hat gerade ihre zweite Krebsdiagnose erhalten. Entsprechend angespannt, direkt und mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus begegnet sie Julius, der selbst mehrere Start-ups betreibt und kurz vor seiner Hochzeit steht. Er ist das genaue Gegenteil von Rafael – mehr an Sport als an Tiefgründigkeit interessiert. Und so beginnen die Verwicklungen und Verstrickungen, die Julius zunehmend in ernsthafte Schwierigkeiten bringen...

Obwohl mir die Grundidee gut gefiel, ließ mich die Umsetzung etwas enttäuscht zurück. Ich wartete lange auf einen spannenden Moment, doch die Geschichte blieb über weite Strecken hinweg eher spannungsarm und etwas langweilig. Die Geschehnisse waren sehr konstruiert, oft unglaubwürdig und manchmal etwas drüber, zumindest für mein Humorverständnis..:) Die Geschichte bewegte sich zwischen unterhaltsamem Humor und überdrehtem Klamauk. Der Sprachwitz und die schlagfertigen Dialoge haben mich jedoch gut unterhalten. Auch die vertraute Kulisse – Berlin und das Berliner Umland – wie meist in Fitzeks Romanen, gefiel mir.

Die Figuren, abgesehen von Julius, Rafael und Nala, konnten nicht so recht mein Interesse wecken, sie waren auch sehr eindimensional und zum Teil doch zu skurill. Lange Zeit fragte ich mich zudem, warum Julius das absurde Spiel überhaupt so lange mitmacht, zudem es ihm wirklich an den Kragen ging. Ist er ein "verlogener Opportunist" oder ein "liebenswerter Trottel" (Aussprüche von Nala) Oder steckt noch etwas anderes hinter seinem Verhalten? Diese Frage wird erst gegen Ende beantwortet.

Kurz vor Schluss wird die Geschichte spannender und auch wendungsreich. Sie schlägt zudem einen ernsteren Ton an. Es wird berührend, traurig, bevor alles in ein lebensbejahendes, nachdenkliches Ende mündet.
Insgesamt blieb mir die Handlung aber zu spannungsarm und stellenweise zu überdreht. Dennoch – der Sprachwitz konnte mich immer wieder abholen und sorgte für heitere Momente und gute Laune.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Potential verschenkt

Skin City
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Ein durchaus brutaler Krimi (als Thriller würde ich es nicht bezeichnen), der quer durch verschiedene Berliner Stadtbezirke und das Brandenburger Umland führt.
Der Roman verfolgt drei wechselnde Perspektiven: ...

Ein durchaus brutaler Krimi (als Thriller würde ich es nicht bezeichnen), der quer durch verschiedene Berliner Stadtbezirke und das Brandenburger Umland führt.
Der Roman verfolgt drei wechselnde Perspektiven: Romina, eine Romnja, die es geschafft hat, Polizistin zu werden, was jedoch von ihrer Familie kritisch beäugt wird. Sie ist entschlossen, denjenigen zu finden, der ihre Schwester brutal verprügelt hat, und ist gleichzeitig mit der Aufklärung einer Einbruchserie betraut.
Koba, ein junger Mann aus Georgien, kann aufgrund einer begangenen Blutrache nicht nach Tiflis zurückkehren und ist in mafiöse Strukturen verstrickt. Er will mit Einbrüchen in Berliner Villen genug Geld verdienen, um nach Kanada auszuwandern.
Lippold, ehemaliger Techno-Fan und Drogendealer, der wegen Finanzbetruges im Gefängnis saß, ist schnell reizbar und frisch aus der Haft entlassen. Nun versucht er, sich in der Kunstszene einen Namen zu machen und dabei leichtes Geld zu verdienen.

Der Krimi ist rasant, spannend und fesselnd geschrieben. Die Handlung bewegt sich durch verschiedenste Berliner Milieus, was besonders Berlin-Kennern Freude bereiten dürfte. Von Schrebergärten und Hochhaussiedlungen bis hin zu Zelten am Landwehrkanal, Villen an den Randbezirken, edle Cafe`s der Stadtmitte und Kunstauktionen – die Vielfalt der dargestellten sozialen Welten hat mir gut gefallen.

Die Figurenzeichnung gefiel mir nur mittelmäßig. Besonders zu Beginn konnte ich mit Romina und Koba gut mitfühlen, ihre Handlungen waren nachvollziehbar, ihre Charaktere lebendig und greifbar. Anders verhielt es sich mit Lippold, der für mich als Figur schwer fassbar und wenig überzeugend blieb. Leider verloren Romina und Koba mit der Zeit an Tiefe und wirkten zunehmend eindimensional. Dies gipfelte in einem sehr schwachen Ende, das ich nicht mehr ernst nehmen konnte. Gerade weil die Charaktere mit interessanter Herkunft und viel Potenzial angelegt waren, hätte man hier deutlich mehr herausholen können.

Insgesamt zeichnet der Roman ein düsteres, stellenweise schmerzhaftes Bild von Berlin und seiner kriminellen Szene, bleibt dabei jedoch authentisch und realistisch. Dennoch verbleibt bei mir ein unangenehmer Nachgeschmack von Rassismus und Frauenverachtung, der insbesondere dem Ende geschuldet ist.

Ein weiterer Punkt, der mich irritierte: Das Cover und der Titel schienen nicht recht zum Inhalt des Romans zu passen.

Fazit: Ein spannender Einblick in die kriminelle Szene Berlins sowie die exklusive Kunstwelt. Die Handlung ist packend, doch das Potenzial der vielversprechenden Figuren wurde verschenkt. Das Ende war für mich leider nicht glaubwürdig.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Hat uns nicht in Gänze überzeugt

Josch der Frosch: Abenteuer im Regenwald
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Dieses Kinderbuch verbindet ein spannendes Abenteuer mit Einblicken in den tropischen Regenwald und dem Thema Zusammenhalt.

Josch, der Rotaugenlaubfrosch, und Daggi, die Stabschrecke, leben gemeinsam ...

Dieses Kinderbuch verbindet ein spannendes Abenteuer mit Einblicken in den tropischen Regenwald und dem Thema Zusammenhalt.

Josch, der Rotaugenlaubfrosch, und Daggi, die Stabschrecke, leben gemeinsam in einem Terrarium in der Biosphäre Potsdam. Eines Tages erscheint ein Pelikan, der sie um Hilfe bittet, da ein riesiges Tier den (indonesischen) Regenwald bedroht. Sie fliegen nun gemeinsam in den Regenwald und treffen auf verschiedene Tiere wie einen Komodowaran, einen Orang-Utan, einen Wasserbüffel und viele andere. Schnell wird klar, dass es sich bei der Bedrohung um Waldarbeiter mit Baggern handelt, die die Bäume fällen. Als es zu einer Konfrontation kommt, bricht auch noch ein Feuer aus...

Die Geschichte ist humorvoll und abenteuerlich gestaltet. Sie wechselt zwischen Fließtext und Sprechblasen, wodurch sie abwechslungsreich bleibt. Die großflächigen, farbenfrohen Illustrationen sind sehr eindrücklich und zeigen auch weniger bekannte Tiere. Nicht immer waren mir die Bilder sympathisch, so fand ich die Menschen nicht ganz gelungen und man musste das Buch auch immer abwechselnd nah und fern halten, da die Größenverhältnisse auf den Seiten unterschiedlich waren.

Am Ende des Buches gibt es eine informative Seite, die kurz auf den tropischen Regenwald, die Abholzung und Schutzmöglichkeiten eingeht. Besonders gelungen ist die Vorstellung des Komodowarans, wobei ich es schön gefunden hätte, wenn auch die anderen Tiere näher beschrieben worden wären.

Für meine fast siebenjährigen Kinder war die Geschichte etwas zu kurz und wirkte an einigen Stellen zu oberflächlich und wenig überzeugend, was irritierte und Fragen aufwarf. Ich denke, das Buch eignet sich gut für Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren, um erste Eindrücke vom Regenwald und seinen tierischen Bewohnern zu gewinnen. Die Informationsseite am Ende richtet sich jedoch eher an ältere Kinder oder Erwachsene.

Das Buch hat einen klaren Bezug zur Biosphäre Potsdam, was mir besonders gefallen hat, da meine Kinder die Biosphäre sehr schätzen. Allerdings war für mich nicht ganz ersichtlich, wie stark der Fokus auf einem werblichen Charakter lag.

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