Platzhalter für Profilbild

Valabe

Lesejury-Mitglied
offline

Valabe ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Valabe über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.12.2017

eine Hommage an das Leben

Das Leben ist ein listiger Kater
0

"Ich bin kein besinnlicher Typ. Ich hasse es, nichts zu tun. So war ich schon immer. Ich habe das Bedürfnis mich zu bewegen, alle Minuten und Stunden mich bis oben hin vollzustopfen wie ein Nagetier, ...

"Ich bin kein besinnlicher Typ. Ich hasse es, nichts zu tun. So war ich schon immer. Ich habe das Bedürfnis mich zu bewegen, alle Minuten und Stunden mich bis oben hin vollzustopfen wie ein Nagetier, das Vorräte hortet" S. 158

Jean-Pierre ist 67, Witwer und wacht eines Tages im Krankenhaus auf ohne zu Wissen wie er dort hin kam. Stattdessen erhält er Besuch von einem liebenwürdigen Polizisten, der versucht ist den Fall aufzuklären, einem jungen Stricher, der ihn aus der Seine gefischt hat, und einem jungen Mädchen mit dem Watschelgang einer Ente. Die Krankenschwestern schließen nie die Tür und die Ärzte sind Götter in Weiß, wie sie im Buche stehen. Dabei möchte Jean-Pierre doch nur seine Ruhe haben. Doch widererwarten bleiben diese Personen in seinem Leben und mehr und mehr offenbart sich für ihn ein Blick auf die Menschen, den er schon ganz vergessen hatte.

"Das Leben ist ein listiger Kater" ist ein weiteres Buch aus der Feder von Marie-Sabine Roger und bezaubert einen ebenso wie "Das Labyrinth der Wörter", welches mit Gérard Depardieu verfilmt wurde.

Jean-Pierre ist ein sarkastischer alter Mann, dessen Frau zu jung von ihm gegangen ist und der lieber alleine lebt als sich mit irgendwelchen Menschen abzugeben. Der Schreibstil ist sehr locker und angenehm leicht zu lesen, ohne das es an Tiefgang fehlt. Die immer wiederkehrenden sarkastischen Äußerungen von Jean-Pierre ließen mich nicht nur einmal laut auflachen. Sie haben den richtigen Biss und sind dennoch nicht allzu gemein formuliert. Ebenso liebenswürdig sind kurzen Sätze der Selbsterkenntnis bei gewissen Begegnungen mit den anderen Charakteren im Buch, bei denen man sich als Leser oft selbst mit dem gleichen Gedanken ertappt.

"Manchmal verdücke ich ein Tränchen. Das ist die Inkontinenz der Erinnerung, das Bettnässen der Gefühle."

Die anderen Charaktere im Buch sind ebenfalls jeder für sich ganz unterschiedlich. Maxime, der junge Polizist, der in Jean-Pierre so etwas wie seinen Vater sieht. Camille, ein junger Student, der eisern an seinem Traum arbeitet das Studium zu beenden und dafür wirklich alles macht. Maeva, ein frecher Teenager, der Jean-Pierre beinahe den letzten Nerv raubt, und dennoch einfach nur jung und naiv wirkt, so dass der Beschützerinstinkt erwacht. Myriam, die resolute Krankenschwester, die, wäre sie nicht ganz so jung, gerne auch mehr Zeit mit Jean-Pierre verbringen könnte. Ebenso bringen die Ärzte, sein bester Freund und sein Bruder einen gewissen Charme mit in die Erzählung, so dass das Lesen stets abwechslungsreich ist ohne den Faden zu verlieren.

Alles in allem ist "Das Leben ist ein listiger Kater" ein wirklich sehr lustiges Buch über das Altern und dennoch mit dem richtigen Maß an Tiefgang um nicht in Klischés abzudriften.

Veröffentlicht am 11.12.2017

wunderschön und tief traurig zugleich

Als die Träume in den Himmel stiegen
0

„Ich habe nicht übrig für Krieg oder Krieger, für jene, die alles zerstören, was gut, was richtig ist. Und dennoch würde ich kämpfen bis zum Tod, um jene zu beschützen, die ich liebe. Vielleicht ist es ...

„Ich habe nicht übrig für Krieg oder Krieger, für jene, die alles zerstören, was gut, was richtig ist. Und dennoch würde ich kämpfen bis zum Tod, um jene zu beschützen, die ich liebe. Vielleicht ist es doch nicht so anders.“ S. 73

Samar hat in jungen Jahren schon mehr erlebt als was ein Mensch in seinem gesamten Leben ertragen kann. Aus ihrem geliebten gelben Haus in Kabul mit dem zartblühenden Mandelbaum muss sie eines Tages fliehen, als der Belagerungszustand in der Stadt untragbar wird. Gemeinsam mit ihrer Familie flieht sie in ein Dorf in den Bergen, in dem ihr Baba geboren ist. Doch auch dort werden sie nicht vom Taliban Regime verschont und für Samar und ihre Familie beginnt ein eiserner Kampf ums eigene Überleben und das ihrer Träume..

„Als die Träume in den Himmel stiegen" (englisches Original: Under the almond tree) ist der Debütroman von Laura McVeigh. Sehr gut recherchiert und wunderbar erzählt erobert Samar mit all ihren Wünschen und Träumen das Herz des Lesers. Die Hauptthematik des Buches befasst sich mit dem Leben in Afghanistan zur Zeit der Taliban und deren Regeln und Lehren. Laura McVeigh geht ungeschönt mit diesem Thema um und erschafft somit einen fiktiven Roman, dem man aber sofort abnimmt, das er auch im realen Leben so stattfinden könnte.

Das Cover mag im ersten Moment nicht ganz zu der Thematik des Buches passen, dies klärt sich aber im weiteren Verlauf der Handlung. Ein dramatischeres Cover hätte wohl die Handlung besser getroffen, aber Samar ist ein Kind und es passt besser zu einem kindlichen Geist, der an die Träume glaubt und dessen Phantasie Berge versetzen kann und der Geist alles Mögliche zu Erschaffen befähigt ist. Das Buch selbst besteht aus 352 Seiten, welche nicht immer komplett bedruckt und in doppelten Zeilenabstand geschrieben sind. Letzterer lässt das Buch zwar dicker werden, aber es nimmt etwas den Druck aus dem Lesen des Buches.

Die Charaktere des Buches werden in den ersten Kapiteln wunderbar beschrieben, so dass man sich sofort ein Bild über die Familienmitglieder machen kann. Aufgrund des Alters von Samar liest sich das Buch oft wie Tagebucheinträge, dadurch gewinnt es aber eine sehr persönliche Note und man ist als Leser sofort tief in der Gefühlswelt von Samar verankert. Die Erzählungen wechseln zwischen ihrer aktuellen Situation und der Vergangenheit. Diese Zeitsprünge wirken aber keineswegs störend, vielmehr hinterlassen sie den Eindruck, als würde man in ihre Gedanken eintauchen. Nach und nach erfährt man als Leser mehr über Samar, ihre Vergangenheit, ihre Familie und ihr eigentliches Ziel der Flucht. Laura McVeigh hat es meiner Meinung nach hervorragend geschafft einen Spannungsbogen aufzubauen mit Wendungen in den Geschehnissen, die unerwartet sind und mich beständig gefesselt haben. Das Ende mag für manche nicht vollkommen sein, für mich passt es aber perfekt in die Erzählweise und auf den Charakter von Samar.

Für mich war „Als die Träume in den Himmel stiegen“ ein wirklich sehr gut geschriebenes, ehrliches und auch trauriges Buch. Doch es macht auch Mut nie aufzugeben, auch wenn lange schon keine Drachen mehr am Himmel zu sehen sind.

Veröffentlicht am 11.12.2017

wunderschönen Natur und Geschichte

Für einen Sommer und immer
0

„Mag dieser wunderbare Mann mir auch nur ein paar Tage gehören – in diesen paar Tagen gehört er mir offensichtlich ganz.“ S. 166

Annika ist eine durch und durch toughe Frau. In der Karriere, im Leben, ...

„Mag dieser wunderbare Mann mir auch nur ein paar Tage gehören – in diesen paar Tagen gehört er mir offensichtlich ganz.“ S. 166

Annika ist eine durch und durch toughe Frau. In der Karriere, im Leben, im Bett. Keine ungeplante Gefühlsregung entkommt ihr. Weder lästige Pressekonferenzen noch sich verzehrende Verehrer können ihren Panzer durchdringen. Doch als sie eines Tages aufgrund eines Schicksalsschlages Hals über Kopf aus ihrem durchgeplanten Alltag in die Dolomiten flüchtet, ahnt sie nicht welche Tragweite dies hat. Statt in den Bergen Ruhe und Abstand zu gewinnen, nagt der Selbstzweifel über ihr bisheriges Leben an ihr. Als sie den Bergführer Samuel kennenlernt, erlebt sie durch ihn nicht nur die Natur um sie herum viel deutlicher, sondern erkennt auch was es heißt sich selbst zu lieben.

Mit „Ein letzter Sommer und für immer“ hat Julie Leuze einen wunderbaren Roman über die Fähigkeit sich selbst und andere so zu lieben, wie sie sind, geschaffen. Als Leser wird man mitgenommen auf eine Reise in die Südtiroler Bergwelt und erlebt seine singenden Fichtenwälder und rauschenden Bergbäche genauso intensiv wie Annika. Der Schreibstil ist angenehm leicht zu lesen und nimmt einen sofort für sich ein. Durch die gut recherchierte und detailgetreue Beschreibung der Landschaft entwickelt sich beim Lesen ein wunderbares Bild von den Dolomiten und seinen Bewohnern, wodurch sofort der Wunsch nach einem Spontanurlaub in Südtirol aufkommt.

Annika´s Veränderung im Laufe des Buches macht sie dem Leser nur um so sympathischer. Auch als Leser begibt man sich insgeheim auf eine kleine Reise in sein Inneres, hinterfragt so manche Ereignisse selber. So idyllisch wie das Cover mit seinen Pusteblumen anmutet, ist die Geschichte nicht immer. Die Themen Krankheit, Tod, Selbstzweifel und auch Liebe und Lust werden von der Autorin immer wieder aufgegriffen und in die Geschichte eingewoben. Vor allem der Aspekt, dass alles vergänglich ist im Leben und verpasste Chancen dies auch bleiben, wird deutlich gemacht. Auch hier hat die Autorin viel Hintergrundinformationen vorab gesammelt, was in einer gut strukturierten und harmonischen Geschichte resultiert. Mit der Zeit baut sich eine Vertrautheit zwischen dem Leser und den beiden Charakteren Annika und Samuel auf, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. Natürlich sind manche Passagen etwas vorhersehbar, doch dies stört nicht im Lesefluss.

Alles in allem ist „Ein Sommer und für immer“ ein wunderbarer Roman für tolle Lesestunden im Sommer, die wie im Flug vergehen.

Veröffentlicht am 11.12.2017

Wieder mal genial geschrieben

Blutige Stille
0

„Mary Plank hat zweifelslos ein schlechtes Urteilsvermögen bewiesen. Lediglich ihre Jugend und die amische Erziehung sprechen zu ihren Gunsten, denn sie hat nie gelernt sich in der Welt, in die sie sich ...

„Mary Plank hat zweifelslos ein schlechtes Urteilsvermögen bewiesen. Lediglich ihre Jugend und die amische Erziehung sprechen zu ihren Gunsten, denn sie hat nie gelernt sich in der Welt, in die sie sich begeben hatte, mit Vorsicht zu bewegen.“ S 156

Die Schlächtermorde sind noch kein Jahr her, da wird die amische Gemeinde in Painters Mill, Ohio, erneut von Morden heimgesucht. 7 Menschen, eine ganze Familie, wurden in nur einer Nacht ausgelöscht, die Mädchen gefoltert und verstümmelt. Für Chief of Police Kate Burkholder und ihrem Team gibt es so gut wie keine Anhaltspunkte, wer der Mörder ist. Bis Kate das Tagebuch von Mary, dem 14 Jährigen Opfer, findet. Es offenbart Geheimnisse, die jenseits des Glaubens der Amischen sind.

Wieder einmal hat es Linda Castillo geschafft mit ihrem Thriller über die amische Gemeinde in Painters Mill, Ohio, den Leser in den Bann zu ziehen. Sprachlich, wie auch inhaltlich, sehr gut geschrieben, wird man in die Geschichte hineingezogen und begibt sich auf die Suche nach dem Mörder. Wie auch im ersten Teil überzeugt die Autorin mit einer gut strukturierten Handlung und einem Spannungsbogen, der sich bis zuletzt gespannt hält. Einzig manche mehrfachen Wiederholungen bei Erklärungen und Beschreibungen, allen voran der amischen Gemeinde, sind etwas zäh zu lesen. Ein kleines Manko, wie ich finde, ist auch die Übersetzung. Manche gewählten Wörter der Übersetzerin Helga Augustin wirken etwas deplatziert in der Szenerie. Dies wurde im ersten Teil besser umgesetzt. Es sind allerdings nur wenige Passagen, die sich etwas unrund lesen lassen.

Sehr gut gefallen hat mir auch wieder die fortlaufende Erzählung über die Beziehung zwischen Kate und John Tomasetti. Obwohl die einzelnen Bücher in sich geschlossen sind, so empfiehlt es sich doch aufgrund der Weiterentwicklung der Hauptcharaktere sie entsprechend der Reihenfolge zu lesen.

Ebenfalls sehr gelungen sind wieder die Beschreibungen der amischen Kultur und deren Religion. Wer somit schon immer einmal etwas über die amische Gemeinde lesen wollte und zudem ein Fan von gut geschriebene, mitunter etwas blutigen Thrillern ist, der ist bei „Blutige Stille“ sehr gut aufgehoben.

Veröffentlicht am 05.11.2017

be brave and never forget to learn

Good Night Stories for Rebel Girls
0

„Mischief isn´t something you think up. It just happens” Astrid Lindgren.

“Good night stories for rebel girls” is a cooperative work of the two Authors Elena Favilli and Francesca Cavallo. Furthermore, ...

„Mischief isn´t something you think up. It just happens” Astrid Lindgren.

“Good night stories for rebel girls” is a cooperative work of the two Authors Elena Favilli and Francesca Cavallo. Furthermore, both are the founders of the “Timbuktu labs”, a lab that creates toys for kids. That book is supposed to read to kids.

“To the rebel girls in the world: dream bigger, aim higher, fight harder. And, when in doubt, remember: you are right.”

The book includes 100 stories about well-known but also unknown women in the world. Just to name a few: Ada Lovelace, Astrid Lindgren, Hypatia, Malala and Rosa Parks. Each story is supported by an illustration of one out of 60 female artists from all over the world. That illustrations vary between a photography-like image or just a caricature of the presented rebel girl. Which you like most will depend on your own taste.

I do really like the haptic of the cover. It touched like velvet when you stroke it. Inside it starts with the text “That book belongs to: …” That remembered me to the books in my Childhood and gives it a personal touch.

The following pages narrate stories about different rebel girls from the beginning of our time reckoning. Some are easygoing, some are sad, but all were quite impressive to me. The stories are not filled with too much data about the personalities, and for some readers this might be too less informative. But in my opinion, it´s a good start for kids to learn about famous women and what they achieved. I don´t think that a very detailed story will be the right before to go to bed. For all who are interested in more, they are free to go to a book store or library to find out more about the one or another rebel girl.

At the end of the books are two nearly empty pages where the kids can write and draw down their own story and picture. I liked that possibility, regardless of whether it will be used or not.
All in all “Good night stories for rebel girls” is a lovely books for kids in elementary school age, who are interested in what can be possible if you just believe in your dreams.