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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2025

Kultpotential!

Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste
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Mit viel hintergründigem Humor und einer herrlich grotesken Idee entwirft Jakob Hein eine geniale Geschichte, die zu innerdeutschen Verwicklungen zwischen der DDR und BRD auf höchster Ebene führt. Das ...

Mit viel hintergründigem Humor und einer herrlich grotesken Idee entwirft Jakob Hein eine geniale Geschichte, die zu innerdeutschen Verwicklungen zwischen der DDR und BRD auf höchster Ebene führt. Das ist urkomisch und für mich schon jetzt ein Highlight im Frühjahrsprogramm 2025. Die politischen und administrativen Instanzen auf beiden Seiten der Grenze werden gleichermaßen aufs Korn genommen, und ich hatte beim Lesen ein Dauergrinsen im Gesicht. Es gelingt Hein sogar, reale historische Ereignisse mit einzuflechten und diese in einem ganz anderen Licht darzustellen. Dieses Buch hat echtes Kultpotential, und ich könnte mir auch eine Verfilmung ähnlich „Good Bye, Lenin“ sehr gut vorstellen.

Ganz klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.02.2025

schonungslos ehrlich

Trocken
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Ein schonungslos ehrliches Buch, das zeigt, wie leicht es ist, in die Alkoholabhängigkeit zu rutschen, und wie viel Kraft es kostet, sich diesem Dämon zu stellen. Während andere Drogen gesellschaftlich ...

Ein schonungslos ehrliches Buch, das zeigt, wie leicht es ist, in die Alkoholabhängigkeit zu rutschen, und wie viel Kraft es kostet, sich diesem Dämon zu stellen. Während andere Drogen gesellschaftlich stigmatisiert werden, gehört Alkoholkonsum ganz selbstverständlich dazu, und wer nicht mittrinkt, steht unter Rechtfertigungsdruck oder kassiert einen dummen Spruch. Da ich selbst keinen Alkohol trinke (mein Großvater war Alkoholiker, und ich habe daher von klein auf eine starke Abneigung gegen Alkohol), kenne ich das selbst zur Genüge. Ich habe sehr großen Respekt vor dem Autor Daniel Wagner, der seine Alkoholsucht und seinen Weg zum trockenen Alkoholiker offen und sehr reflektiert beschreibt. Ich möchte dieses Buch jedem ans Herz legen, und hoffe, dass es zu einem Umdenken in Bezug auf den Umgang mit Alkohol in unserer Gesellschaft beitragen kann.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Eine rundum gelungene Fortsetzung!

Die magische Bibliothek der Buks 2: Das verfluchte Medaillon
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Der erste Teil von „Die magische Bibliothek der Buks“ war letztes Jahr ein echtes Lese-Highlight für meinen Sohn (11) und mich und wir konnten es kaum abwarten zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht ...

Der erste Teil von „Die magische Bibliothek der Buks“ war letztes Jahr ein echtes Lese-Highlight für meinen Sohn (11) und mich und wir konnten es kaum abwarten zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht – zumal Band 1 mit einem großen Cliffhanger endet. Band 2 setzt nahtlos dort an, so dass man Teil 1 unbedingt zuvor gelesen haben sollte.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen Finn, Nola, Geraldine, den Buks, Thommy und Mira, die sich alle an verschiedenen Schauplätzen der Handlung befinden. Dies hält die ohnehin schon enorme Spannung besonders hoch und sorgt für viel Tempo und Abwechslung. Die Kinder halten fest zusammen, und auch wenn sie immer wieder unsicher sind und Angst haben, überwinden sie sich und stellen sich mutig den Herausforderungen. Und auch die Buks lassen sich vom Mut der Kinder mitreißen und wachsen über sich hinaus.

Wie schon im ersten Band ist die Geschichte gespickt mit Anspielungen auf bekannte Kinder- und Jugendbücher von den „Fünf Freunden“ über die „Unendliche Geschichte“ und „Die Chroniken von Narnia“ bis zum „Herrn der Ringe“. Der dystopische Charakter tritt jedoch zugunsten der Fantasy etwas in den Hintergrund. Die Geschichte bleibt bis zum Schluss hochspannend, und wir hätten am liebsten noch länger weitergelesen. Verglichen mit dem ausführlichen Mittelteil ist das Ende relativ knapp erzählt, und manches ging uns ein bisschen zu schnell. Das ist jedoch allenfalls ein minimaler Kritikpunkt.

Besonders gut gefällt uns, wie sprachgewandt, bildhaft und lebendig die Geschichte erzählt ist. Auch die Dialoge sind richtig lebensnah und humorvoll. Wir freuten uns immer sehr auf die Abschnitte mit den Buks, deren sprechende Namen wie Sherlokko, Attila, Reimling, Ooht-Kwisien wunderbar zu den kleinen Buchschutzgeistern passen und die für viel Auflockerung und witzige Szenen sorgen. Einfach großartig war auch der Auftritt von Lagerfeldi Buk, auch wenn ich meinem Sohn erst einmal erklären musste, wer dessen berühmter Namensvetter war. Wie bei Lagerfeld gibt es immer wieder Anspielungen auf Personen oder Bücher, die die jungen Leserinnen und Leser nicht kennen, und die so zu Nachschlagen oder Nachfragen einladen, oder Lust darauf machen, gleich die nächste Lektüre zu entdecken. Das gefällt mir sehr, da das Buch so ganz nebenbei auch Wissen vermittelt. Und was könnte passender sein als ein Buch über die Kraft der Phantasie und die Magie der Bücher, das gleich Lust auf weitere Leseabenteuer macht?

Eine rundum empfehlenswerte Dilogie, die dank einiger kleiner Hintertürchen große Hoffnungen auf eine Fortsetzung mit einem dritten Band macht. Wir wären sofort dabei!

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Wieder ein Meisterwerk von Tommie Goertz

Im Schnee
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Letztes Jahr war „Im Tal“ von Tommie Goertz eines meiner absoluten Lesehighlights, und so konnte ich sein neuestes Werk „Im Schnee“ kaum erwarten.

Max ist über 80 Jahre alt und wohnt im (fiktiven) kleinen ...

Letztes Jahr war „Im Tal“ von Tommie Goertz eines meiner absoluten Lesehighlights, und so konnte ich sein neuestes Werk „Im Schnee“ kaum erwarten.

Max ist über 80 Jahre alt und wohnt im (fiktiven) kleinen fränkischen Dorf Austhal. Es ist Winter, Max sieht aus dem Fenster und denkt über das Leben nach. Gerade haben die Totenglocken geläutet, sein bester Freund Schorsch, den er sein Leben lang wie einen Bruder kannte, ist gestorben. Max macht sich auf zur Totenwacht: Abends wachen die Männer, von Mitternacht bis in den Morgen die Frauen. Max bleibt die ganze Nacht, so wie er auch mit Schorsch viel Zeit mit den Frauen des Dorfes verbracht hat, ob beim Besenbinden, Fertigen von Kräutersträußen oder Backen. Tief in Gedanken hängt er seinen Erinnerungen nach an eine Zeit, die nur noch in den Gedanken der Alten lebendig ist, Erinnerungen, die mit ihnen aussterben werden, genauso wie das Dorfleben. Denn das Dorflädchen, den Bäcker, den Schuster, den Metzger und all die anderen alten Gewerke gibt es schon lange nicht mehr. Doch Tommie Goertz verklärt das Dorfleben nicht, die vermeintliche Idylle, die keine ist und nie eine war: „Dieses Dorf (…) ist wie jedes Dorf. Da wohnen Leute, und da gibt es Misthaufen. Und je näher man herankommt, desto mehr stinkt es.“

Wie schon bei „Im Tal“ gelingt es Tommie Goertz auch hier auf unvergleichliche Weise, das Innenleben der Hauptfigur spürbar zu machen und in ihrer Tiefe auszuloten. Wieder ist die Hauptfigur ein stiller, wortkarger Mensch, der seine Gefühle nicht nach außen trägt, aber dennoch tief empfindet. Und in seinen Erinnerungen wird die alte Zeit wieder lebendig, so klar, dass man beim Lesen das Gefühl hat, unmittelbar dabei zu sein. Da ist die eingeschworene Dorfgemeinschaft der Alteingesessenen, die sich gegenseitig hilft. Wenn es etwas zu reparieren gibt, ist immer jemand zur Stelle, man feiert gemeinsam, trifft sich im Wirtshaus, kennt sich von Kindesbeinen an. Der Tee wird aus selbst gesammelten Wildkräutern bereitet, geschlachtet wird auf dem Hof, man ist autark als Gemeinschaft, aber auch hermetisch abgeschlossen ist gegen alles Neue. Die Zugezogenen aus dem Neubaugebiet gehören auch nach 40 Jahren nicht dazu, man bleibt beim „Sie“, lässt sie spüren, dass sie niemals dazugehören werden. Ganz zu schweigen gar von Geflüchteten – da wird lieber über Nacht ein Haus abgerissen, als zu riskieren, dass dort Afrikaner einquartiert werden. Die gegenseitige soziale Kontrolle ist hoch, jeder sieht alles, doch alle sehen auch gerne weg, wenn etwas nicht gesehen werden soll. Misshandlungen, cholerische Patriarchen – da mischt man sich lieber nicht ein. Und über Gefühle spricht man schon gar nicht. Beim Lesen bzw. Hören war die Enge für mich stellenweise geradezu körperlich spürbar.

Thomas Loibl liest „Im Schnee“ wunderbar nachdenklich ein und verleiht diesem leisen Roman genau den richtigen Ton.

Dieses Buch ist ein echtes Juwel, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte, ebenso wie „Im Tal“. Sehr, sehr lesens- und hörenswert.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Geniales Buch mit Potential zum Klassiker!

Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen
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Minna ist sechzehn Jahre alt und hat gerade die Realschule abgeschlossen. Seit elf Jahren hat sie nur einen Wunsch: Sie will Büchersucherin werden wie ihre Mutter. Diese verschwand damals im geheimnisvollen ...

Minna ist sechzehn Jahre alt und hat gerade die Realschule abgeschlossen. Seit elf Jahren hat sie nur einen Wunsch: Sie will Büchersucherin werden wie ihre Mutter. Diese verschwand damals im geheimnisvollen Bücherlabyrinth, und Minna setzt alles daran, das Verschwinden ihrer Mutter aufzuklären.

In ihrem Debüt „Tinte, Staub und Schatten“ entwirft Alina Metz eine spannende und faszinierende Welt voller Magie: In einem gigantischen unterirdischen Bücherlabyrinth lauern geheimnisvolle Staubwesen, und jeder, der das Labyrinth betritt, läuft Gefahr, auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Die Alexandrinische Gesellschaft als zentrales Verwaltungsorgan wacht über das Labyrinth, und die Büchersucher sind darin ausgebildet, sich mittels Staubmechaniken im Labyrinth zu orientieren und gegen drohende Gefahren zu verteidigen.

Die Autorin stellt Minna interessante Charaktere zur Seite: Da sind unter anderem die unkonventionelle Staubmechanikerin Litotes, Minnas grummeliger Lehrherr Raban Krull, sein tollpatschiger Sohn Gulliver und Jascha. Gulliver und Jascha sind ebenfalls Büchersucherlehrlinge. Jascha wird zudem als androgyne, queere Person dargestellt. Hier fand ich besonders gelungen, dass Jascha damit völlig selbstverständlich umgeht und das selbst auch gar nicht groß thematisiert, jedoch immer wieder mit entsprechenden Zuschreibungen und Klischees von außen konfrontiert wird und hierdurch auch genervt ist. Das wirkt auf mich sehr realitätsnah.

Das Bücherlabyrinth mit all seinen Facetten bietet sehr viel erzählerisches Potential und erinnert darin an Genre-Klassiker wie Cornelia Funkes Tintenwelt. „Tinte, Staub und Schatten“ ist als Dilogie konzipiert, und zwei Bände wirken fast ein wenig knapp bemessen, um dieses Potential komplett auszuschöpfen. So kommt die Ausbildung der Büchersucherlehrlinge durch Raban für mich im ersten Band etwas zu kurz. Bereits nach wenigen Tagen kann Minna die Staubmechaniken kontrollieren, und Lehreinheiten finden quasi nicht statt. Von den drei geisterhaften Patronen des Labyrinths kommt in Band 1 bisher nur einer nennenswert vor. Hier bin ich gespannt, ob in Band 2 die beiden anderen noch eine größere Rolle spielen dürfen.

Ich habe das Buch zusammen mit meinem knapp elfjährigen Sohn gelesen. Von Beginn an hat uns der lebendige und auch humorvolle Schreibstil richtig gut gefallen. Ich konnte mich sofort in Minna hineinversetzen und mir auch die weiteren Charaktere lebhaft vorstellen. Die Handlung ist bis zur letzten Seite voller spannender Wendungen und Abenteuer, so dass wir das Buch regelrecht verschlungen haben. Wir freuen uns schon sehr auf den zweiten Band und können es kaum erwarten zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht!

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