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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.02.2025

Farbenfrohe Schrebergartenschau - Umblättern und Träumen

Blumen, Kohl & Rock'n'Roll
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Autorin Anja Klein bereitet ihr Garten viel Freude und das teilt sie nicht nur gern mit Spaziergängern, die sich beim Vorbeigehen an der Blumenpracht erfreuen, sondern auch mit anderen Menschen auf Instagram ...

Autorin Anja Klein bereitet ihr Garten viel Freude und das teilt sie nicht nur gern mit Spaziergängern, die sich beim Vorbeigehen an der Blumenpracht erfreuen, sondern auch mit anderen Menschen auf Instagram und über ihre Bücher. «Blumen, Kohl & Rock'n' Roll» gewährt einen weiteren Einblick in ihren farbenfrohen Schrebergarten, der zum „Eintreten und Wohlfühlen“ einlädt - und das immer mit einer guten Portion Humor.

Anja Klein zeigt die Gestaltung ihres Gartens, ihre Blumenauswahl, tierische Gartenbewohner, Obst- und Gemüseernte, Do-it-Yourself-Projekte und gibt viele Tipps und Erfahrungswerte weiter. Es gibt sogar Rezepte, die unbedingt ausprobiert werden wollen. Das Buch ist voller schöner Farbfotos, die inspirieren und schon beim Angucken glücklich machen.
Mir hat die authentische und ehrliche Art gefallen, die auch kritische Fragen einbezieht, wie: Lohnt es sich eigentlich, eigenes Gemüse anzubauen? Zudem werden auch Misserfolge nicht versteckt und es wird dazu ermutigt, Risiken einzugehen und fleißig zu planen, auch wenn man dann alles wieder verwirft oder scheitert.
Für mich stellt diese Komposition einen echten Mehrwert dar und die Illustrationen zum „kleinen Horrorgarten“ sind genauso großartig wie der Rest, der wilden und bunten Mischung, die zur Umsetzung einladen, wenn man bereit ist, die Arbeit und Entbehrungen auf sich zu nehmen, die mir hier etwas kurz kamen.

Insgesamt ein abwechslungsreicher Erfahrungsbericht für die kommende Gartensaison und ein Traum für jeden leidenschaftlichen Gartenfan.

Veröffentlicht am 17.01.2025

Dem Geheimnis immer näher

Die Villa
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Aoife starb bei ihrem Junggesellenabschied in einer Villa mit vier Freundinnen. Offiziell führte ein Einbruch zu dem tragischen Tod, doch Dani hat Erinnerungslücken. Sie war die einzige, die Aoife wirklich ...

Aoife starb bei ihrem Junggesellenabschied in einer Villa mit vier Freundinnen. Offiziell führte ein Einbruch zu dem tragischen Tod, doch Dani hat Erinnerungslücken. Sie war die einzige, die Aoife wirklich nahe stand und die auch lange danach nicht mit dem Trauma abschließen kann. Drei Jahre später ist Dani trockene Alkoholikerin, nachdem sie ihren Kummer in Alkohol ertränkte. „Sie muss dieses Wochenende noch einmal durchleben, damit die Erinnerungen zurückkehren.“ Deshalb lädt sie die drei Frauen dazu ein, ihrer toten Freundin zu gedenken, dabei hat Dani alle getäuscht, um herauszufinden, was passiert ist und hat in der selben Villa eingecheckt, was die anderen entsetzt. Sie geht den damaligen Ablauf durch, besucht Orte, an denen sie waren und immer wieder gehen Danis Gedanken in die Vergangenheit. Erzählerisch wechselt Jess Ryder dabei geschickt zwischen Gegenwart und Vergangenheit und lässt auch vereinzelt Sichtweisen von Celine, Beth und Tiff einfließen, die ein ganz neues Licht auf den Junggesellenabschied werfen. Wer lügt? Es wird immer offensichtlicher, dass jeder etwas zu verbergen hat, während sich neue Verstrickungen offenbaren. Zudem verhält sich Aoifes Verlobter immer seltsamer. Damals ließen es die Frauen richtig krachen und feierten einen klischeehaften Junggesellenabschied, ob Drink, Cocktail-Workshop, Trinkspiel oder permanente Alkoholfahne. Besonders Aoife ist praktisch nie nüchtern. Das war beim Lesen schwer zu ertragen und Identifikationsfigur ist keine der Frauen, auch wenn man mit Dani zumindest ein bisschen sympathisiert. Den Aufbau fand ich jedoch gelungen und es ist schwer zu durchschauen, was genau vorgefallen ist. So bleibt es durchgehend spannend, weil man wissen will, was passiert ist, weil die Handlungsorte wechseln und der Schreibstil fesselnd ist. Ingesamt hätte ich mir mehr Tempo und weniger Längen gewünscht, aber das überraschende Ende kann überzeugen und ich würde diesen Thriller, trotz der Schwächen, empfehlen.

Veröffentlicht am 17.01.2025

Frauen sind toll?!

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
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«Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben» erzählt die Geschichte von der bald fünfzigjährigen Nina, zweifache Mutter und geschiedene Ehefrau. Ihre Perspektive wird in der Ich-Form ...

«Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben» erzählt die Geschichte von der bald fünfzigjährigen Nina, zweifache Mutter und geschiedene Ehefrau. Ihre Perspektive wird in der Ich-Form erzählt, während ihre Schwester Lena, und gelegentlich deren Mann Flori und Schwarm David, durch die dritte Person mit mehr Abstand auftreten. Ninas seelische Verfassung ist seit der Scheidung gebeutelt. Kritisch sieht sie ihr Leben, ihr Älterwerden und erst recht die aufkeimenden Gefühle für einen jüngeren Mann. Zu groß ist das Gefühl der Scham über das eigene Scheitern und das Pflichtbewusstsein für ihre eigene Familie, insbesondere ihre plötzlich pflegebedürftige Mutter, und der noch immer schmerzende Verlust des Vaters. Ninas innere Dialoge lassen tief blicken, zeigen aber auch, wie reflektiert sie ist, was eine authentische Entwicklung zur Folge hat.

Anika Decker kritisiert selbstironisch unsere Gesellschaft. Ob Grunewald-Lebensentwürfe, Scheidung, Influencer, der Wahrheitsgehalt auf Social Media oder fehlende gegenseitige Unterstützung unter Frauen. Sie macht allgegenwärtige Ungerechtigkeit sichtbar und eröffnet mit MeToo und den Vorfällen bei den Dreharbeiten eine Nebenhandlung, die Nina und ihrer besten Freundin Zeynep eine Rolle verleihen, die mir ganz besonders gefallen hat. „… niemand darf mich wie einen Spielstein hin und her schieben.“ Es geht um Macht und Geld, aber auch um Hoffnung und die Botschaft, dass es sich immer lohnt, zu kämpfen. Herzergreifend, auflockernd komisch und eine wunderbare Mischung aus Unterhaltung und Inspiration. Dazu passt auch das vielleicht ein bisschen kitschige Ende, bei dem einem „feierlich zumute“ wird.

Veröffentlicht am 15.01.2025

Brutal, rasant, tödlich - Lady Killer

Sing mir vom Tod
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»Sing mir vom Tod« war eine ungewöhnliche Geschichte, die auch außergewöhnlich geschrieben ist. Es geht um Frauen, die töten und die Schwierigkeit, die manche haben, sich das vorzustellen vergeht schnell: ...

»Sing mir vom Tod« war eine ungewöhnliche Geschichte, die auch außergewöhnlich geschrieben ist. Es geht um Frauen, die töten und die Schwierigkeit, die manche haben, sich das vorzustellen vergeht schnell: Frauen, Wut und Gewalt. Ivy Pochoda schreibt in der dritten Person. Ihr Stil ist eindringlich, furchtlos, gewalttätig und grausam - mit dem entsprechendem Jargon. Besonders die Anfangsszene mit der Gabel werde ich so schnell nicht vergessen. Dabei konzentriert sie sich aber vorwiegend auf Florence, die aufgrund ihres Aussehens im Knast „Florida“ genannt wird, und die aufgrund der Pandemie auf Bewährung entlassen wird und sich auf den Weg in ihre Heimat Los Angeles macht, um ihren Jaguar abzuholen, obwohl sie Arizona eigentlich nicht verlassen darf. Es braucht etwas, bis man sich in die Erzählweise (dritte Person) eingelesen hat und die Zwischentöne von Kase, die im selben Gefängnis einsitzt, und Florence Zellengenossin Dios einordnen kann. Dadurch bekommt man einen düsteren Einblick in die Zeit im Frauengefängnis und manchmal hätte ich so gern gewusst, was sich in Florence Kopf abspielt. Dios ist besessen von Florida, weil sie ihr die selbe mörderische Natur zuschreibt, die sie selbst besitzt, und nach einem unglücklichen Ereignis verfolgt Detective Lobos ihre Spuren von Arizona in die verlassenen Straßen von Los Angeles. Ich fühlte mich beim Lesen manchmal an die Serie „Orange Is the New Black“ erinnert, aufgrund des rauen Tons und der ausschließlich weiblichen Charaktere. Der Showdown in der verwüstetet Stadt Los Angeles liest sich packend und die Rückblenden verleihen Florence und Lobos mehr Tiefe, was die Hintergründe aufdeckt. Pochada überlässt ihrer Leserschaft bezüglich der Neigung zu Gewalt hier ganz eigene Interpretationen.
Eine brutale und spannende Unterhaltung, die ungewöhnlich ist.

Veröffentlicht am 09.01.2025

Zu Hause ankommen

Heimweh nach mir
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«Heimweh nach mir» ist kein Selbstoptimierung-Ratgeber, sondern ein sanfter Impulsgeber für Selbsterkenntnis und Heilung, der zur Ruhe und inneren Einkehr inspiriert, die nur in eine Richtung führt: nach ...

«Heimweh nach mir» ist kein Selbstoptimierung-Ratgeber, sondern ein sanfter Impulsgeber für Selbsterkenntnis und Heilung, der zur Ruhe und inneren Einkehr inspiriert, die nur in eine Richtung führt: nach Hause. Ich kannte die junge Autorin Elena Anna Mayr vorher nicht, aber mir hat die tröstliche und einfühlsame Schreibweise gefallen, indem sie ihre eigenen Erfahrungen ihres Heilungsprozesses einfließen lässt, zu dem auch das Schreiben gehört. Es ist sehr persönlich, in der Ich-Perspektive geschrieben, ohne zu privat zu werden. Dadurch kann man sich leichter damit identifizieren. Die Fragen nach jedem Kapitel helfen dabei, darüber nachzudenken.

„Schlechte Menschen existieren nicht. Ihr Leid bringt sie nur oft dazu, schlechte Dinge zu tun, um die eigenen Qualen leichter ertragen zu können.“

Das Buch eignet sich wunderbar, um es einfach aufzuschlagen, querbeet zu lesen und in dreiunddreißig Häppchen gute Gedanken zu tanken. Die harmonische Gestaltung hat mir besonders gefallen. Beruhigende Farben und ein angenehmen Format, werten das Buch noch einmal auf. Ich würde es allen empfehlen, die nach Trost suchen und sich Impulse für ihre psychische Gesundheit wünschen - besonders, wenn man sensibel ist.