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Veröffentlicht am 12.02.2025

Dramatik in einer Familie

Bevor es geschah
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Eine Familie bestehend aus Elisabeth, einer Matriarchin, 2 Söhnen und 2 Töchtern kommt mit den jeweiligen Partnern und Kindern zum jährlichen gemeinsamen Barbecue zusammen. So unterschiedlich wie die erwachsenen ...

Eine Familie bestehend aus Elisabeth, einer Matriarchin, 2 Söhnen und 2 Töchtern kommt mit den jeweiligen Partnern und Kindern zum jährlichen gemeinsamen Barbecue zusammen. So unterschiedlich wie die erwachsenen Kinder sind, so unterschiedlich hängen sie während des Nachmittags ihren Gedanken und Problemen nach. Und davon hat jeder von ihnen reichlich, was natürlich nicht nach außen dringen darf. Der Schein einer perfekten Familienharmonie wird aufrecht erhalten - bis ein dramatisches Ereignis alle zum „Aufwachen“ zwingt.

Celine Spierer versteht es, den Leser in die Familie Haynes mitzunehmen. Mit einem wunderschönen Erzählstil werden die Familienmitglieder eingeführt. Die sich aufbauende Anspannung ist schnell zu spüren. Die Familienmitglieder tänzeln umeinander herum, sticheln, provozieren, aber lassen sich nicht in die Karten schauen. Mit Essen wird die Harmonie wieder aufgefrischt. Ein wunderbares Buch über Familiengeflechte hinter der Fassade. Wunderbar geschrieben. Einziger Haken: ich fand es manchmal schwierig zu folgen, in welcher Zeit wir gerade sind, ob es ein Rückblick ist oder am Nachmittag. Dies verschwimmt manchmal. Macht für mich aber keinen Abzug, absolute Empfehlung.

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Veröffentlicht am 05.02.2025

Von amüsant bis tief berührend

Fräulein Hedy träumt vom Fliegen
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Fräulein Hedy ist eine knapp 90 jährige egozentrische Dame, die es gewohnt ist, sich zu behaupten. Außerordentlich belesen, voller Ironie und doch absolut kultiviert schreckt sie vor kaum einer Situation ...

Fräulein Hedy ist eine knapp 90 jährige egozentrische Dame, die es gewohnt ist, sich zu behaupten. Außerordentlich belesen, voller Ironie und doch absolut kultiviert schreckt sie vor kaum einer Situation zurück und lenkt ihr Umfeld, wie es ihr beliebt. In Jan, ihrem Physiotherapeuten, hat sie dabei ein wundervolles Lernobjekt gefunden, welches sie formen kann. Doch mit ihrer Art macht sich Fräulein Hedy nicht nur Freunde, was auch in der eigenen Familie nicht halt macht.

Fräulein Hedy polarisiert - teils übergriffig und enorm klar in ihren Worten steuert sie ihre Mitmenschen. Humorvoll zackig und ironisch muss man beim lesen oft schmunzeln. Jan tut einem schon fast leid, als ihr neues Projekt, viel zu lachen hat er nicht. Doch was leicht und belustigend beginnt, wird sukzessive tiefgründiger und emotionaler. Die Geschichte ist enorm mitreißend, im unnachahmlichen Stil des Autors geschrieben, am Anfang lacht man, am Ende weint man. Es sind viele Tränen geflossen, die Geschichte hat mich sehr berührt. Absolute Empfehlung.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Emotional und bewegend

Deeper than the Sea
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Scott und Yuna waren von Kindesbeinen an unzertrennlich, ebenso wie die Väter, die beide als Rettungsschwimmer vor der Küste Alaskas gearbeitet haben. Durch ein tragisches Unglück kommt Scotts Vater um, ...

Scott und Yuna waren von Kindesbeinen an unzertrennlich, ebenso wie die Väter, die beide als Rettungsschwimmer vor der Küste Alaskas gearbeitet haben. Durch ein tragisches Unglück kommt Scotts Vater um, wofür sich Yuna die Schuld gibt. Zeitgleich verlässt Yuna mit ihrer Mutter Alaska, eine Affäre hat die Ehe der Eltern zerstört. Yuna kämpft seitdem mit ihrer Mutter, um finanziell über die Runden zu kommen in der neuen Heimat. Doch dann kommt ein Anruf, der alles auf den Kopf stellt. Sinas Vater ist nach einem Unfall schwerst eingeschränkt, gelähmt und sein einziger Gedanke gilt seiner Tochter. Also macht Yuna sich auf den Weg und trifft auf ihr altes Leben.

Die Geschichte hat mich sehr berührt, ich habe am Ende mitgefiebert, mitgelitten und Tränen vergossen. Wie schwer es sich Menschen selbst machen können… eine wirklich tolle Geschichte, über wahre Freundschaft, Liebe, Familie und wie weit Menschen gehen, um das zu schützen, was sie lieben. Bewegend geschrieben und gleichzeitig voller Spannung tauchen wir beim lesen wortwörtlich ab, in eine bewegende Geschichte vor der Küste Alaskas.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Vielschichtiger und tiefgründiger Roman

Berchtesgaden
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Berchtesgaden ist nicht nur eine wunderschöne Stadt in den Alpen, sondern der Obersalzberg wurde in den 30er Jahren sukzessive zum Führersperrgebiet und damit nahezu zweiten Regierungssitz ausgebaut. Bei ...

Berchtesgaden ist nicht nur eine wunderschöne Stadt in den Alpen, sondern der Obersalzberg wurde in den 30er Jahren sukzessive zum Führersperrgebiet und damit nahezu zweiten Regierungssitz ausgebaut. Bei der Einnahme der Alliierten nahm Berchtesgaden daher eine besondere Rolle ein. Und so treffen im Roman zunächst französische und amerikanische Truppen aufeinander und diese dann wiederum auf verschiedene Dorfbewohner. Frank, ein nach Amerika ausgewanderter Jude, Sam, ein „farbiger“ US-Soldat, Meg, eine amerikanische Fotografin - auf der anderen Seite sind Sophie und ihre Familie sowie Rudolf Kriss, ein aus Nazihaft entlassener Gegner des Regimes. Zunächst in losen Enden erzählt, treffen die Schicksale im Verlauf aufeinander. Sophie arbeitet als Übersetzerin bei den Amerikanern und auch für alle anderen beginnt ein Leben nach dem Krieg. Viele Fragen sind offen, nicht alle werden gestellt. Jeder geht anders damit um, und auch das neue Ziel der Demokratie nehmen die Bewohner unterschiedlich auf.

Carolin Otto nimmt uns hier mit in ein Berchtesgaden, welches kapitulierte und von den Amerikanern besetzt wurde. Geschickt verbindet sie geschichtliche Fakten mit einer Rahmenhandlung, die Geschichte greifbar macht. Es ist keine gefühlvolle und emotionale Geschichte, sondern eine relativ sachliche Geschichte, die gerade deshalb unter die Haut geht. Sie nennt barbarische Verbrechen einfach beim Namen und lässt in Sophie eine moderne junge Frau entstehen, die kritisch hinterfragt und sich eine eigene Meinung bildet. Stellenweise fließt Dialekt ein, z. B. beim Sopherl oder der Brez‘n. Dies macht die Handlung umso authentischer. Durch gezielte Gegensätze erfährt die Handlung noch mehr Tiefe: der jüdische Amerikaner, der den Deutschen nun Befehle erteilt und der schwarze Soldat, der daheim noch der Rassentrennung unterliegt und in Deutschland plötzlich mehr Freiheiten hat. Ein absolut fesselnder Roman, der trotz der gewissen Sachlichkeit berührt.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Spannende Story im politischen Österreich

Freunderlwirtschaft
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Die junge Kommissarin Alma Oberkofler wurde frisch nach Wien versetzt. Ihr erster Fall hat es direkt in sich, der Landwirtschaftsminister wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Allem Anschein nach, starb ...

Die junge Kommissarin Alma Oberkofler wurde frisch nach Wien versetzt. Ihr erster Fall hat es direkt in sich, der Landwirtschaftsminister wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Allem Anschein nach, starb er keines natürlichen Todes. Seine Verlobte Jessica ist nicht auffindbar, ebenso wenig sein Laptop. Während für alle damit die Verdächtige sofort feststeht, kommen Alma Zweifel. Doch das Umfeld mauert.

Zwischen gemütlicher Kaffeehaus-Atmosphäre und hartem politischen Machtkampf rangiert dieser Krimi und hat mein Herz erobert. Die österreichische Gelassenheit, die Kulisse, das Setting - einfach top. Bis zum Ende blieb unklar, was nun dahinter steckt. Doch dank Almas sympathischer Hartnäckigkeit sowie ihrer vertrauensvollen Art schafft sie es, den Fall zu lösen. Almas Privatleben fließt am Rande mit ein, genau in der richtigen Dosis. Die Geschichte springt ab und zu in der Zeit zurück, so dass wir beim Lesen auch genau erfahren, wie Jessica und der Minister zusammengefunden haben. ‚Freunderlwirtschaft‘ - nichts anderes als Vetternwirtschaft hierzulande - klingt jedoch irgendwie leichter, sympathischer, gemütlicher. Und genau so ist das Buch. Ein wunderbarer Schreibstil, authentische Protagonisten, eine perfekt geschaffene Kulisse. Mich hat das Buch wirklich begeistert und ich würde es jederzeit empfehlen.

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