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Ovidius_Naso

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Halt die Spannung flach

Das Dorf der toten Herzen
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Agustìn Martìnez geht in seinem Thriller „Das Dorf der toten Herzen“, der am 01.01.2021 im Fischer-Verlag erschienen ist, einer interessanten Frage nach: Hat die 14 Jahre alte Miriam den Mord an ihre Eltern ...

Agustìn Martìnez geht in seinem Thriller „Das Dorf der toten Herzen“, der am 01.01.2021 im Fischer-Verlag erschienen ist, einer interessanten Frage nach: Hat die 14 Jahre alte Miriam den Mord an ihre Eltern geplant?

Inhaltsangabe:
Der Thriller beginnt damit, dass rückblickend eine Mordszene beschrieben wird. Dabei wird Irene, Miriams Mutter, während eines Überfalls des Nachts in ihrem Haus umgebracht. Ihr Mann Jacobo, Erzähler des Geschehens, dagegen konnte sich schwerverletzt retten. Die gemeinsame Tochter Miriam war in dieser Nacht nicht zu Hause. Jetzt wird sie sogar verdächtigt, den Mord an ihre Eltern im Auftrag gegeben zu haben. Im Fortgang der Handlung werden Jacobos Erinnerungen und verschiedene Rückblenden zu den verschiedenen Charakteren immer weiter ausgeführt, die mehr Klarheit über den Fall und über Jacobos Familiensituation verschaffen.

Erzähl- und Schreibstil:
Der Schreibstil ist von einer klaren Sprache gekennzeichnet. Gehäuft kommen aber lange Hypotaxen vor, die den Lesefluss beeinträchtigen. Häufig muss man einzelne Textstellen mehrmals lesen, da der Sinn sonst durch die Länge des Satzes verloren geht. Das Lesen gestaltet sich daher insgesamt sehr zäh, es geht sehr schleppend voran. Außerdem wird dies durch eine hohe Anzahl an Rückblenden verursacht, die zwar zur Handlung beitragen, aber den Lesefluss zusätzlich massiv beeinträchtigen. Es ist vermehrt unklar, aus welcher Perspektive die Rückblende erzählt wird, was an sich nicht ein großes Problem ist. Allerdings wird dadurch die zuvor ohnehin mühsam aufgebaute Spannungskurve schnell wieder abgeflacht. „Das Dorf der toten Herzen“ ist somit als Thriller leider kein Pageturner.

Handlung und Charaktere:
Die Handlung wirft eine interessante Fragestellung in den Raum, die es zu beantworten gilt: Hat die 14 Jahre alte Miriam den Mord an ihre Eltern geplant? Die Umsetzung ist leider durch den Erzählstil eher weniger gut gelungen. „Das Dorf der toten Herzen“ ist gefüllt von Enthüllungen, die dem Leser entgegengeworfen werden. Bei der abermaligen Enthüllung wundert man sich nicht mehr und nimmt es einfach hin. Mit Spannung hat das für mich wenig zu tun. Auch die Erzählweise der Charaktere, vor allem durch Jacobo und die Anwältin von Miriam, erschwert den Spannungsaufbau im Fortgang der Handlung. Jacobo wirkt sehr unnahbar und unsympathisch. Er scheint die ganze Zeit über wichtige Details zu verheimlichen. Er ist nicht bereit, die Vergangenheit vollständig aufzudecken. Nora dagegen übernimmt in der Handlung eher die Rolle einer Detektivin als einer Anwältin. Sie scheint sehr naiv zu sein und begibt sich selbst in Gefahr. Auch sie ist nicht sympathisch. Dass aber keine Figur sympathisch ist, passt jedoch zu dem Dorf, in dem jeder Einwohner etwas zu verheimlichen hat. Deswegen kann die Unnahbarkeit der Charaktere nicht einmal als Minuspunkt gewertet werden, da es die Hintergrundhandlung fast schon erfordert. Zudem ist es ein Merkmal der Ich-Perspektive, dass wir alles nur aus der Sicht der erzählenden Figur erfahren. Wir erfahren nicht alles, wie es bei einem auktorialen Erzähler eher der Fall ist.

Cover und Klappentext:
Das Cover ist gut gestaltet. Es ist ein Bild im Bild. Der Umriss stellt wahrscheinlich Miriam dar, während die Häuser im Hintergrund das Dorf darstellen. Es stimmt mit der Handlung überein: Das Dorf steht symbolisch für ein Geheimnis. Jeder Einwohner trägt ein Geheimnis in sich. So trägt die Figur auf dem Cover ein Geheimnis in sich. Insgesamt ist das Cover sehr spannend gestaltet und wird erst im Nachhinein deutlicher.
Die Inhaltsangabe ist gut geschrieben, sodass man auf den vorliegenden Thriller eingestimmt wird. Leider finde ich, dass die Inhaltsangabe zu viel verspricht und spannender als der Thriller an sich ist. Die Inhaltsangabe wie das Cover haben mich dazu gebracht, den Thriller zu kaufen.

Fazit:
Insgesamt liegt mit „Das Dorf der toten Herzen“ ein weniger gut gelungener Thriller vor. Die Handlung geht schleppend voran und der Erzählstil beeinträchtigt den Lesefluss. Ich konnte keine Figur so wirklich ans Herz schließen oder ansatzweise mit ihr nachempfinden.
Von mir gibt es leider keine Kaufempfehlung, jedoch bin ich der Meinung, dass sich jeder ein eigenes Bild machen sollte. Wer aber als Thriller einen Pageturner sucht, der sollte lieber nicht zu „Das Dorf der toten Herzen“ greifen.

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Veröffentlicht am 03.02.2024

Leider abgebrochen

Erbin des verlorenen Landes
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„Erbin des verlorenen Landes“ von Kiran Desai ist in der vorliegenden Taschenbuch-Ausgabe im August 2013 im Berlin Verlag in der Piper Verlag GmbH erschienen.

Die Handlung spielt in der Mitte der 1980er ...

„Erbin des verlorenen Landes“ von Kiran Desai ist in der vorliegenden Taschenbuch-Ausgabe im August 2013 im Berlin Verlag in der Piper Verlag GmbH erschienen.

Die Handlung spielt in der Mitte der 1980er Jahre. Gleich zu Anfang wird das Anwesen eines pensionierten Richters, wo auch seine Hündin Mutt, seine Enkelin Sai und ein Koch leben, von Aufständischen gestürmt. Es handelt sich hierbei um „Ghorkas“, indische Nepalesen, die für Unabhängigkeit kämpfen. Dies soll die historische Randgeschichte und die politische Lage Indiens darstellen. Parallel wird die Geschichte von Biju, dem Sohn des Kochs, erzählt, der in den USA ausgewandert ist, aber keinen sicheren Arbeitsplatz findet.

Beim Zusammenfassen der Handlung habe ich schon meine Probleme, denn ich habe den Roman nach genau 80 Seiten abgebrochen.

Für mich persönlich ist kein Funke übergesprungen. Vergeblich wartete ich auf ein kleines Ereignis, das mich zum Lesen motivierte. Nicht einmal der Schreibstil der Autorin und der Erzählstil der Handlung haben mich fesseln können. Von der historischen und politischen läge erfährt man bisher wenig. Die Figuren sind sehr oberflächlich. Nach 80 Seiten erwarte ich schon, dass es etwas gibt, dass mich an die Figuren binden könnte. Und wenn es nur Hass ist...
Damit sage ich nicht, dass der Roman schlecht geschrieben oder der Roman insgesamt schlecht ist. Es entspricht schlichtweg nicht meinem persönlichen Geschmack.
Was ich im Ansatz interessant fand, ist die Geschichte um Sai. Man erfährt, warum sie jetzt beim Richter lebt und von ihrer Kindheit. Gern hätte ich noch mehr erfahren, stattdessen wird in den ersten 80 Seiten vermehrt der Fokus auf den Koch und seinen Sohn gelegt.

Das Lesen hat sich die ganzen Seiten über sehr zäh angefühlt. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich endlich eine Seite beendet habe, aber Spaß am Lesen hatte ich nicht. Dies ist der Hauptgrund, warum ich für mich entschieden habe, die Lektüre abzubrechen.
Entsprechend kann ich die weitere Handlung in keiner Weise beurteilen. Vielleicht ändert es sich im Verlauf der Geschichte und es hätte mich doch noch fesseln können. Ich werde es wohl nie erfahren…

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich persönlich der Schreib- und Erzählstil nicht fesseln konnten. Die Figuren – bis auf Sai, aber nur ansatzweise – fand ich langweilig gestaltet. Vom historischen Hintergrund erfährt man wenig, aber vollständig beurteilen kann ich das eben nicht, da ich die Lektüre nach kurzer Zeit abgebrochen habe. Daher kann ich auch keine Kaufempfehlung aussprechen, bin aber der Überzeugung, dass sich jeder ein eigenes Bild machen sollte.

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