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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2025

Ganz wunderbar anders

Von hier aus weiter
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Ich wurde vom Verlauf der Geschichte auf positive Art überrascht, denn der Klappentext ließ mich erst in eine andere Richtung denken, die dann aber eine interessante Wendung nahm. «Von hier aus weiter» ...

Ich wurde vom Verlauf der Geschichte auf positive Art überrascht, denn der Klappentext ließ mich erst in eine andere Richtung denken, die dann aber eine interessante Wendung nahm. «Von hier aus weiter» beginnt mit einem Abschied, vielmehr mit einem ersten Moment auf der Toilette im Restaurant beim Totenmahl, als Marlene das erste Mal nicht an ihren verstorbenen Ehemann denkt. Dreißig Jahre waren sie verheiratet und dann nahm er sich schwerkrank das Leben. Doch Marlene ist vor allem wütend statt traurig und kein trübsinniger Charakter, sondern pragmatisch, aber es umgibt sie ein Schleier der gedrückten Freudlosigkeit, die auch ihrem Umfeld nicht entgeht. Reserviert und einem kontaktarmen Leben angepasst, zieht sie sich wochenlang zurück, während sich ihre Stiefsöhne und die Hausärztin Ida besorgt zeigen. Außerdem versucht ihre ehemals beste Freundin Wally Marlene zu erreichen, obwohl der Kontakt schon lange eingeschlafen ist. Klempner Jack bringt die Wendung. Er ist ein ehemaliger Schüler der pensionierten Lehrerin und zieht überraschend bei Marlene ein, die erst erkennen muss, dass trotz der empfundenen Sinnlosigkeit das Leben wertvoll ist. Marlene ist als Figur anfangs schwer zu durchschauen, was es spannend macht. Ich konnte nicht vorhersagen, wohin das führen wird und war auch Jack skeptisch gegenüber. Erst mit der Zeit offenbart sich, woher die Wut kommt und warum ihr Menschen egal geworden scheinen. Ich mochte die Figuren unglaublich gern. Besonders Jack, der so respektvoll und fürsorglich vorgeht, ohne unaufdringlich zu sein. Sein emphatisches Einwirken wirkt wie ein Zauber. „… und wieder einmal fühlte sich Marlene allein durch den Duft von Jacks Mahlzeiten besänftigt und versöhnt.“ Ich mochte die Figurenentwicklung, den Handlungsverlauf und ganz besonders den übernatürlichen Hauch, der stets schicksalhaft wispert und es einem selbst überlassen bleibt, was man davon hält. Der Humor, der immer mitschwingt, wurde sehr passend eingefügt und fühlt sich stets authentisch an. Manchmal fallen auch ehrliche Sätze, die ganz tief gehen, hart durchschütteln und nach denen man sich Marlene ganz nah fühlt.

Ein schöner Roman mit einem sanften Erzählstil, der von einer lebensmüden Frau erzählt, die ihr Leben nie besonders mochte, von Einsamkeit, Genuss, Freundschaft und Überwindung und dabei nie in Sentimentalitäten verfällt. So wunderbar unromantisch, so unfassbar tröstlich. Ein ganz tolles Buch, das mir im Gedächtnis bleiben wird.

Veröffentlicht am 07.02.2025

Wunderbar lebensnahes Buch

Only Margo
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Ich hatte nicht damit gerechnet, das mir dieses wunderbare und lebensnahe Buch so im Gedächtnis bleiben würde. «Only Margo» erzählt die Geschichte einer jungen Studienabbrecherin mit einem Baby, die, auf ...

Ich hatte nicht damit gerechnet, das mir dieses wunderbare und lebensnahe Buch so im Gedächtnis bleiben würde. «Only Margo» erzählt die Geschichte einer jungen Studienabbrecherin mit einem Baby, die, auf sich allein gestellt, einen ungewöhnlichen Weg wählt, um dem kapitalistischen Patriarchat die Stirn zu bieten.

Margo bekommt mit gerade einmal neunzehn Jahren ihren Sohn. Vater ist der verheiratete Literaturprofessor Mark, der nichts davon wissen will und ihr zur Abtreibung geraten hat, wie eigentlich alle in Margos Umfeld - ganz besonders ihre Mutter, die mit ihrem schreiendem Enkelsohn völlig überfordert ist. Margo ist klug und alle sagen ihr voraus, dass sie ihre Zukunft zerstört, wenn sie das Kind behält. Margo merkt schnell, dass sie den gewaltigen Einschnitt in ihr Leben unterschätzt hat, aber wenn sie gewusst hätte, worauf sie sich einlässt, hätte sie dann wieder so entschieden? Ihre Unerfahrenheit, finanzielle Engpässe, fehlende Babysitter und soziale Ausgrenzung zwingen sie zu ungewöhnlichen Maßnahmen, weshalb sie mit ihrem Vater, ehemaliger Profi-Wrestler, der kaum in ihrem Leben präsent war und gerade frisch getrennt aus der Entzugsklinik kommt, eine Wohngemeinschaft gründet.

Der Erzählmix aus einer Ich-Perspektive und personalen Erzähler ist geschickt gemacht und unkompliziert. Dadurch kann man entspannt eintauchen und mit Margo mitfühlen und sich einmal in ihre harte Lebensrealität voller Ungerechtigkeiten versetzten. Diesbezüglich hat Margo mich tief beeindruckt, denn ihre Reise ist bemerkenswert und inspirierend. Humorvoll verpackte Gesellschaftskritik, professionelles Wrestling als Kunstform, ein ungewöhnliches Kennenlernen und ein mitreißender Kampf um das Sorgerecht und Gerechtigkeit. Rufi Thorpe spricht wichtige Themen an und zeigt, wie schwer es Frauen gemacht wird, Kinder zu bekommen und weiter arbeiten zu gehen. „Wenn es nicht offensichtlich ist, dass du geliebt wird, giltst du als wertloser Müll… Nur wer geliebt wird, ist in Sicherheit.“
Ich kann «Only Margo» nur empfehlen, weil man die Charaktere ins Herz schließt, ihre Geschichte verschlingt und zum Nachdenken gebracht wird.

Veröffentlicht am 04.02.2025

Sport, Freundschaft und beste Unterhaltung

Die Football-Freunde – Touchdown für die Grasdorf Rebels
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Jimmy King träumt davon, einmal den Super Bowl zu gewinnen. Football spielen bei den Grasdorf Rebels ist seine Leidenschaft und er hofft, auf diesem Weg einmal seinen amerikanischen Vater kennenzulernen.

»Rebels ...

Jimmy King träumt davon, einmal den Super Bowl zu gewinnen. Football spielen bei den Grasdorf Rebels ist seine Leidenschaft und er hofft, auf diesem Weg einmal seinen amerikanischen Vater kennenzulernen.

»Rebels sind Gewinner, heute, morgen und für immer!«

Die Mannschaft hat keine profimäßige Ausrüstung, aber sie hält zusammen und zeichnet sich gerade durch die vielen verschiedenen Charaktere aus. Die Ich-Perspektive von Jimmy konzentriert sich vor allem auf seine Sicht und das ist sehr unterhaltsam, sprachlich passend und witzig geschrieben.
»Warum werden nicht alle für das gemocht, was sie am besten können, statt für ihre Schwächen ausgelacht? Das werde ich wohl nie verstehen.«

Die dreißig Kapitel haben eine gut lesbare Länge und angenehme Übergänge. Manchmal wird alles ein wenig gerafft. Das Ende ist packend geschrieben, mit der Aussicht auf eine Fortsetzung, die schon in den Startlöchern steht. Insgesamt ein gelungener Auftakt über sportlichen Teamgeist, Freundschaft und Zusammenhalt, der auch die aktuelle Lebensrealität der lesenden Zielgruppe einfängt und ganz nebenbei für Football begeistert. Für die grau eingefärbten Football-Begriffe findet man übrigens eine Erklärung im Glossar am Ende des Buches. Auch die Namen und Gesichter der Grasdorf Rebels findet man im Vor- und Nachsatzpapier und einige weitere tolle Illustrationen im Buch. Es macht Spaß, lässt sich gut (vor)lesen und hat ein angenehmes Format. Endlich mal eine Alternative zu Fussball! Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 04.02.2025

Die einzige Zeugin

Mord im Himmelreich
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»Mord im Himmelreich« ist der erste Cozy-Krimi aus der Feder von Autor Andreas Winkelmann, und ist der Auftakt einer humorvollen Verbrechens-Reihe auf dem bestens organisiertem Campingplatz Himmelreich ...

»Mord im Himmelreich« ist der erste Cozy-Krimi aus der Feder von Autor Andreas Winkelmann, und ist der Auftakt einer humorvollen Verbrechens-Reihe auf dem bestens organisiertem Campingplatz Himmelreich in Potsdam. Möchtegern-Tatort-Kommissar, Poet, Camper und pensionierter Schauspieler Björn Kupernikus gerät zufällig in die Verstrickungen eines Mordes, als er einen kleinen Hund, später getauft auf den Namen Pinguin, rettet. Die wasserscheue Hündin sitzt auf einem SUP und darunter befindet sich eine Leiche. Von Anfang an dabei ist die freiwillige Gehilfin Annabelle Schäfer, begnadete Köchin, pensionierte Lehrerin mit Besserwissergarantie und schillernde Künstlerin, ist mit ihrer offenen und zugewandten Art alle Sympathien gewinnt. Abgesehen von Pinguin, die alle Hundefreunde für sich gewinnen wird.

Kopernikus schafft es, mit Beobachtungsgabe und „Secondhand-Erfahrung“ aus Filmen und Büchern, den Fall zu lösen. Hier steht aber definitiv der Spaß im Vordergrund, denn der Fall ist nicht knifflig, trotz zahlreicher schräger verdächtiger Personen. Es ist eben ein Wohlfühlkrimi zum Abschalten, der gelungene Unterhaltung bietet. Es gibt einige kulturelle Anspielungen, auch viel zum Thema Campen. Ich mochte diese kleinen poetischen Sprüche, die Kopernikus einstreut hat und die Sehenswürdigigkeiten, die in dem schönen Caputh erwähnt werden.Wer humorvoll überzeichnete Charakter mag, ein bisschen miträtseln möchte und dazu in einem Setting mit Urlaubsfeeling verweilen will, könnte eine vergnügliche Lesezeit im Himmelreich haben. Ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 04.02.2025

Mitreißend, atmosphärisch und mystisch

Das Haus der Bücher und Schatten
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1913, kurz von Beginn des zweiten Weltkriegs, reisen die Lektorin Paula und ihr Verlobter und Autor Jonathan ins Baltikum zu einem schauerlichen Herrenhaus, um dort die Abgabe des Manuskripts des Schriftstellers ...

1913, kurz von Beginn des zweiten Weltkriegs, reisen die Lektorin Paula und ihr Verlobter und Autor Jonathan ins Baltikum zu einem schauerlichen Herrenhaus, um dort die Abgabe des Manuskripts des Schriftstellers Aschenbrand zu beschleunigen und mitzunehmen. Jonathan ist glühender Verehrer seiner Arbeit und Paula hatte einen regen Kontakt mit dem Autor, den sie nun zum ersten Mal persönlich trifft. Dieser Erzählstrang wird aus der Ich-Perspektive von Paula erzählt, während die andere Perspektive zwanzig Jahre in die Zukunft springt, in der Kommissar Cornelius in Leipzig einen Mord aufklären will. Bei seinen Ermittlungen sind es vor allem die Begegnungen, die Verhöre, die er führt, um Informationen zu sammeln, und die Dialoge, die sich daraus ergeben, die die Handlung formen. Dabei angelt er sich von einem Hinweis zum nächsten. Hier begegnen Cornelis kuriose Dinge, wie Geisterbeschwörung und erotische Darstellung sowie gefährliche Personen. Seine Freundin und Musiklehrerin Felicie bildet dabei eine wichtige Konstante.
Erst ungefähr ab der Mitte des Buches ergab sich für mich ein Zusammenhang zwischen den zwei Perspektiven und es wurde immer spannender. Ich fragte mich stets, was mit Paula passiert ist und mochte vor allem die atmosphärische Handlung in dem schaurigen Haus und Paulas Mut, ihrem Gespür zu vertrauen und der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Die Geschichte war für mich nicht vorhersehbar und ich mochte die zahlreichen historischen Fakten, die mühelos einfließen, die verträumt schönen Sätze und das dunkle Mysterium. Trotz der hohen Seitenanzahl waren keine Längen spürbar und ich wurde grandios unterhalten.