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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.06.2025

Mutter und Kinder

Die Toten auf Föhr
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Mit ihrem Regio-Krimi "Die Toten auf Föhr" präsentiert Anna Johnannsen bereits den 12. Fall für die Insel-Kommissarin Lena Lorenzen, die mit ihrem Team in einem brisanten Fall auf der nordfriesischen Insel ...

Mit ihrem Regio-Krimi "Die Toten auf Föhr" präsentiert Anna Johnannsen bereits den 12. Fall für die Insel-Kommissarin Lena Lorenzen, die mit ihrem Team in einem brisanten Fall auf der nordfriesischen Insel ermittelt. Im Fokus stehtn die Wiederaufnahme der Ermittlungen in einem tödlichen Familiendrama, der als Erweiterter Suizid längst zu den Akten gelegt worden ist, auch wenn es sich durchaus um einen brutalen Mord an einer Mutter und ihren zwei Kindernhandeln könnte.

Das Cover ist in düsteren Farbtönen gehalten und stimmt auf das bedrückende Geschehen ein. Ermittlungen im Rahmen des Todes von kleinen Kindern sind emotional belasten für alle Beteiligtend. Der Titel ist sachlich, ohne jegliche Emotionen.

Wer einen spannenden Krimi mit Nordsee-Feeling sucht, sollte die Romane von Anna Johannsen beachten. Wie immer erzählt sie eine in sich abgeschlossene Geschichte, die man ohne jegliche Vorkenntnisse lesen kann. Allerdings ist eine Lektüre der erschienenen Bücher in der vorgegebenen Reihenfolge sinnvoll, wenn man die charakterliche Entwicklungen der handelnden Personen nachvollziehen will.

In meiner Bewertung fühle ich mich etwas hin- und hergerissen. Einerseits habe ich die leicht lesbare Lektüre als realitätsnah und logisch nachvollziehbar erlebt. Der Fall war sehr interessant und vielschichtig angelegt, die Schilderung von privaten Problemen der Ermittelnden ist geschickt in die laufende Handlung integriert worden. Andererseits sind für mich einige Fragen (z. B. die Klärung des Vorwurfs der häuslichen Gewalt, Untersuchung der Einflussnahme auf die Ermittlungen) offen geblieben, was mich persönlich etwas gestört hat. Alles in allem handelt es sich um gute Unterhaltung für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Bachelor Party

Die Villa
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¡Hola!

Wer kennt nicht ausgelassene Junggesell*innenabschiede, die "den letzten Abend in Freiheit" feiern? Was als bleibende Erinnerung fürs Leben gedacht ist, kann mitunter außer Kontrolle geraten. Von ...

¡Hola!

Wer kennt nicht ausgelassene Junggesell*innenabschiede, die "den letzten Abend in Freiheit" feiern? Was als bleibende Erinnerung fürs Leben gedacht ist, kann mitunter außer Kontrolle geraten. Von traumatischen Erlebnissen erzählt die Schriftstellerin Jess Ryder in ihrem Psychothriller "Die Villa", die zum Schauplatz einer (typisch britisch anmutenden) weiblichen Bachelor Party wird.

Das wunderschöne Cover stimmt auf einen traumhaften Urlaub ein. Der Sonnenuntergang in einer modernen Villa mit einem von Palmen gesäumten Pool ist atemberaubend. Wer träumt nicht von einer unbeschwerten Reise ans Mittelmeer? Dahingegen holt der nüchterne Titel wieder in die Realität zurück. Hier läuft nicht alles so, wie man es sich wünscht

Der Psychothriller spielt in der für einen Urlaub angemieteten, privat geführten Villa Floriana, nicht allzu weit vom touristischen Hot Spot Marbella, einer Küstenstadt an der südspanischen Costa del Sol in der Region Andalusien, entfernt. Kennzeichnend sind zwei zeitliche Ebenen, differenziert nach "Damals" (vor drei Jahren) und "Heute" (in der Gegenwart). Vermittelt wird das Geschehen aus mehreren Perspektiven. Zu Wort kommen Dani, Tiff, Beth und Cecile, vier junge Frauen aus Großbritannien, die wenig gemeinsam haben außer ihre Beziehung zu der vor drei Jahren in der Villa Floriana unter mysteriösen Umständen verstorbenen Aiofe. Keine Protagonistin ist eine positiv besetzte Identifikationsfigur, alle sind gebrochene Charaktere, die dunkle Geheimnisse hüten.

Es ist eine durchaus spannende Lektüre, aber mich hat sie nicht wirklich abgeholt. Meiner Ansicht nach ist sie an einigen Stellen etwas zu ordinär geraten. Der von Tiff akribisch organisierte Junggesellinnen-Abschied artet zu einem wahren Exzess aus. Kein gängiges Klischee wird ausgelassen. Geld spielt (fast) keine Rolle, Alkohol fließt in Strömen, die betrunkenen Gäste taumeln von einem Event zum nächsten. Sie vergnügen sich in einem viel zu teuren Beach Club, veranstalten alberne Party-Spiele und ergötzen sich an den Darbietungen von Strippern, welche die Stimmung anheizen sollen. Der Besuch in einem von zwielichtigen Gestalten geschätzten, mondänen Nachtclub entwickelt sich zu einem absoluten Desaster, die Braut überschreitet alle Regeln des guten Geschmacks (und des Anstands), die Gäste pflegen persönliche Animositäten und führen einen nervtötenden Kleinkrieg gegeneinander. Jeder hetzt gegen jeden. Sorry. Das ist nicht meine Welt. Für mich ist es too much. Aber letztendlich muss jeder Lesende selbst entscheiden.

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Veröffentlicht am 03.04.2024

Geteiltes Glück

Liebe kann doch jedem mal passieren
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Hello!

Sucht ihr einen locker-leichten Feel-Good-Roman, der nach den obligatorischen Missverständnissen zielsicher auf das Happy-End zusteuert? Dann lege ich euch den amüsanten Roman "Liebe kann doch ...

Hello!

Sucht ihr einen locker-leichten Feel-Good-Roman, der nach den obligatorischen Missverständnissen zielsicher auf das Happy-End zusteuert? Dann lege ich euch den amüsanten Roman "Liebe kann doch mal jedem passieren" von Anne Sanders ans Herz, der den Auftakt zur Reihe "Chestnut Road" bildet.

Das Cover spiegelt die im Roman dargestellte Situation. Angetan mit Reisetasche, bahnt sich eine junge Frau ihren Weg zu ihrer neuen Bleibe auf Zeit. Der Titel überzeugt durch Wortwitz und lässt auf eine amüsante, leichte Geschichte hoffen.

Als ich das Portrait von Anne Sanders aufmerksam studiert habe, fühlte ich mich dank der markanten Brille gleich an Julie Cooper, die Heldin des Romans "Liebe kann doch mal jedem passieren", erinnert. Nach dem Studium der Zahnmedizin sollte sie die gut gehende Praxis ihrer Eltern übernehmen, doch ihre Aversion gegen die für sie vorgesehene Laufbahn hat sie zur Flucht aus ihrer Heimatstadt bewegt. Julie ist ein chaotischer, sprunghafter Mensch, der nicht aufs Kleingedruckte achtet und klare Entscheidungen vermeidet. Wie sie künftig ihre Zukunft gestalten will, weiß sie noch nicht. In Brighton schlittert sie in die nächste Katastrophe. Sie hat ein halbes Zimmer mit eigenem Bad im 1. Stock einer geräumigen Altbauwohnung gemietet, das sie sich mit Alex Logan, einem pflichtbewussten, stocksteifen Juristen, teilen soll, der eine berufsvorbereitende Stage in einer großen Kanzlei absolviert und sich ebenso wie Julie nicht mit seinen tagtäglichen Aufgaben identifizieren kann.

Wie bereits erwähnt, spielt der Roman in Brighton, einem typisch englischen Urlaubsort am Meer, dessen markante Punkte von Anne Sanders wahrheitsgetreu wiedergegeben werden. Der Plot weicht von den üblichen Mustern in Liebesromanen ab, allerdings ist die Ausgangssituation nicht sehr realistisch, sondern der Phantasie von Anne Sanders entsprungen.



Julie und Alex sind sympathische Protagonisten, die man schnell ins Herz schließt. Mit 28 und 29 Jahren sind sie fast im gleichen Alter; ihre erste tiefe sinn- und Lebenskrise erreicht sie bereits vor dem Vollenden des 30. Lebensjahres. Trotz ihrer charakterlich bedingten Unterschiede finden sie sich in ihrer gemeinsamen Neigung, mit der (von ihnen selbstgewählten) beruflichen Laufbahn zu hadern. Im Laufe der Handlung pflegen sie nicht mehr ihre Vorurteile, sondern kommen sich immer näher.

Wenn man so will, passiert nicht viel in diesem Buch. Im Fokus stehen Interaktion und Kommunikation der handelnden Personen, deren Verhalten (für mich zumindest) nicht immer logisch zwingend nachvollziehbar erscheint. Dennoch möchte ich es nicht schlecht reden. Wer eine entspannte, ruhige Lektüre zum Abschalten und Runterkommen sucht, die gefällige Unterhaltung für zwischendurch bietet, sollte nach seinem Feierabend zu diesem Buch greifen.

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Veröffentlicht am 10.02.2024

Im dunklen Wald

In dunklen Wäldern
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Wie fühlt ihr euch, wenn ihr durch dunkle Wälder streift? Macht euch die düstere Atmosphäre nichts aus oder läuft euch eine Gänsehaut über den Rücken? Oder leidet ihr unter Panikattacken wie Lodi Lerke, ...

Wie fühlt ihr euch, wenn ihr durch dunkle Wälder streift? Macht euch die düstere Atmosphäre nichts aus oder läuft euch eine Gänsehaut über den Rücken? Oder leidet ihr unter Panikattacken wie Lodi Lerke, die in ihrem ersten Fall "In dunklen Wäldern" von Rieke Jost in der Reihe "Lodi Lorke ermittelt"?

Das in dunklen Tönen gehaltene Cover gewährt einen Einblick in einen dunklen Wald; insoweit ist es perfekt auf den (auf den Ort des Verbrechens fokussierten) Titel abgestimmt.

Dieser Regio-Krimi erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte, er setzt keinerlei Vorkenntnisse voraus und kann für sich unabhängig gelesen werden. Angesiedelt in (Nord-) Hessen, atmet er viel Lokalkolorit. Leider gehen die ausführlichen Beschreibungen zu Lasten der eigentlichen Handlung, die etwas auf der Strecke bleibt. Die Ermittlerin Lodi Lerke ist eine gebrochene Figur, geprägt von traumatischen Erfahrungen in ihrer Kindheit und Jugend, die sie nicht mehr losgelassen haben. Der Fund einer weiblichen Leiche im nordhessischen Habichtswald reißt viele alte Wunden bei ihr auf., die sie vor ihrem kettenrauchenden Vorgesetzten Thomas Ziegler verbirgt. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, mehrere Personen geraten ins Visier des ermittelnden Teams, leider lässt sich allzu früh erkennen, wer hinter dem brutalen Mord steckt.

Alles in allem bietet der sehr ruhige hessische Regio-Krimi gute Unterhaltung für zwischendurch. Der Auftakt für eine neue Reihe ist durchaus gelungen, allerdings ist noch etwas Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 13.01.2024

Unter einem Dach

Wellentanz und Liebesglück
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Hej!

Als unsere Kinder noch klein waren, haben wir traumhafte Sommer in Dänemark verlebt. Leider sind wir viel zu lange nicht mehr dorthin gefahren. Um so mehr freue ich mich über das (literarische) Wiedersehen ...

Hej!

Als unsere Kinder noch klein waren, haben wir traumhafte Sommer in Dänemark verlebt. Leider sind wir viel zu lange nicht mehr dorthin gefahren. Um so mehr freue ich mich über das (literarische) Wiedersehen mit der malerischen Halbinsel Jütland. Der neue Roman "Wellentanz und Liebesglück" bildet die (von mir lang ersehnte) Fortsetzung der romantischen Ostsee-Reihe "Herzklopfen in Dänemark". Für mich heißt es: Willkommen zurück im (fiktiven) idyllischen Hareby an der Ostsee, wo die Luft nach Salz und frisch gebackenen Zimtschnecken riecht!

Das Cover lässt von einem gemütlichen Urlaub in einem Ferienhäuschen am Meer träumen, der Titel gibt den Rhythmus für eine berührende Geschichte vor. Sehr schön umgesetzt!

Im Mittelpunkt dieses Romans stehen Simon und Lerke, die (notgedrungen) unter einem Dach (von Simons Oma Fria) leben müssen. Sie snd zwei sympathische Protagonisten, die sehr menschlich dargestellt werden. Ihre inneren Konflikte kann man gut nachvollziehen. Der (sich an bürgerlichen Idealen orientierende) empfindsame Architekt Simon muss die Trennung von seiner Frau Heidi verarbeiten, während die esoterisch angehauchte, nach außen kühl und reserviert wirkende Lerke ihre schwierige Kindheit und Jugend nicht verarbeitet hat und allen festen Bindungen aus dem Weg gehen möchte. Nach und nach kommen sie einander näher - und schaffen es, sich gegenseitig zu stützen und zu helfen.

Besonders gut hat mir gefallen, dass Jane Hell einen "starken" Mann in seinen schwachen Momenten zeigt. Simon leidet sichtlich unter dem Scheitern seiner Ehe, er wollte seine angeknackste Beziehung wiederbeleben und seiner kleinen Tochter eine "heile" Familie bieten, während seine kalte Frau längst mit ihrem alten Leben abgeschlossen hat und mit der Online-Scheidung vor vollendete Tatsachen stellt. Dahingegen wirkt Lerke ziemlich abgeklärt, weil sie sich selbst für ein selbstbestimmtes Leben, ohne Mann und Kinder, entschieden hat, aber auch sie hat ihr Päckchen zu tragen...

Auch wenn die Handlung etwas vorhersehbar ist, hat mir diese emotional berührende Lektüre gut gefallen. Genießt sie in den kalten Tagen, mit einem Glas Lakritztee und frisch gebackenen Zimtschnecken. Farvel så længe!

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