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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2025

Action und Spannung präsentiert mit Herzenswärme

Die Brandung – Leichenfischer
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Bei Ausgrabungen im deutsch-dänischen Grenzgebiet stoßen die Mitarbeiter des archäologischen Museums unter Leitung von Fria Svensson auf eine Frauenleiche. Schon bald stellt sich heraus, dass diese auf ...

Bei Ausgrabungen im deutsch-dänischen Grenzgebiet stoßen die Mitarbeiter des archäologischen Museums unter Leitung von Fria Svensson auf eine Frauenleiche. Schon bald stellt sich heraus, dass diese auf die gleiche Weise ermordet wurde wie eine Monate zuvor entdeckte Tote im Raum Oldenburg. Der Mörder gestaltete beide Grabstätten nach Art der Wikinger. Bei der Suche nach der Identität der zweiten Toten kommen die Ermittler der Flensburger Kripo unter Führung des Hauptkommissars Ohlsen Ohlsen zu der traurigen Erkenntnis, dass zwei weitere junge Frauen aus der Region seit Tagen vermisst werden. Sind sie ebenfalls Opfer dieses Täters geworden? Leben sie womöglich noch? Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Die deutsche und die dänische Polizei suchen gemeinsam fieberhaft nach einem Anhaltspunkt, und Fria lässt es sich nicht nehmen, dabei kräftig mitzumischen. Aber es gibt nicht die geringste Spur.

Der unruhige Erzählstil von Karen Kliewe ist zunächst mal gewöhnungsbedürftig. Fünf Erzähler wechseln sich in atemberaubendem Tempo ab, man weiß als Leser über weite Strecken hinweg nicht, um wen es sich dabei eigentlich genau handelt. Die Szenen sind kurz gehalten, die Übergänge dazwischen manchmal etwas sprunghaft, sie fordern dem Leser einiges an Konzentration ab. Bei manchen der Dialogen fragte ich mich, ob es wirklich Menschen gibt, die so gewählt miteinander sprechen. Die Landschafts- und Personenbeschreibungen sind farbenprächtig, ohne aufdringlich zu wirken. Jede Szene erfüllt einen Zweck, so etwas wie Langeweile kommt nirgendwo auf.

Überhaupt steigert sich die Spannung von Kapitel zu Kapitel, Actionpassagen wechseln sich ab mit zutiefst herzerwärmenden Szenen. Der Leser wird, was den Täter betrifft, nach Strich und Faden in die Irre geführt. Und die beiden Protagonisten Fria und Ohlsen hatten schon von Anfang an meine Sympathien gewonnen. Erst ganz zum Schluss löst sich auf fast spielerische und völlig logische Weise der Knoten auf. Den Täter hatte ich als Leser ständig vor dem geistigen Auge und doch in keinster Weise als solchen in Betracht gezogen. Hatte ich zuvor noch die dumpfe Befürchtung, die Autorin könnte eine völlig unbekannte Person als Mörder aus dem Hut zaubern, so hinterlässt die letztendliche Lösung des Falls ein breites Grinsen auf meinem Gesicht. Das ist doch mal ein Krimi ganz nach meinem Geschmack.
Übrigens, die Bedeutung des Titels Leichenfischer erfährt der Leser erst auf den letzten Seiten.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Liebenswerte Charaktere

Sam backt sich ins Glück
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Nachdem Samantha „Sam“ es endlich geschafft hat, die toxische Beziehung zu ihrem Ex innerlich zu verarbeiten, will sie so schnell keinen Mann mehr in ihr Leben lassen. Dennoch übt der ruhige und zuverlässige ...

Nachdem Samantha „Sam“ es endlich geschafft hat, die toxische Beziehung zu ihrem Ex innerlich zu verarbeiten, will sie so schnell keinen Mann mehr in ihr Leben lassen. Dennoch übt der ruhige und zuverlässige John eine gewisse Anziehungskraft auf sie aus, aber da ist auch der charmante Paolo, der ihr Avancen macht. Sie jedoch bleibt ihren neuen Prinzipien treu und peppt ihr Single-Dasein durch eine Reihe neuer Hobbies auf. Schließlich hat sie ja noch ihre verständnisvolle Schwester Charlie und übernimmt das Backen der Kuchen und Torten in dem Café ihres netten Chefs. Kann das alles auf Dauer die dennoch bestehende innere Leere in ihr ausfüllen?

Sam und ihre Schwester Charlie waren mir von der ersten Seite an sympathisch. Ich habe gespannt mitverfolgt, ob es ihr gelingt, ihr tief verwurzeltes Misstrauen gegen Männer abzustreifen. Zwischen den Zeilen leuchtet der unbedingte Glaube der Autorin an die Kraft wahrer Freundschaft und Loyalität hervor. Eine in jeder Hinsicht herzerwärmende Geschichte.

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Veröffentlicht am 05.02.2025

Es brodelt unter der Oberfläche

Die Villa
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Es sollte eine unbeschwerte Junggesellinnen-Abschieds-Party im sonnigen Marbella werden, bei der die Braut Aoife und ihre Freundinnen Dani, Tiff, Beth und Celine es richtig krachen lassen wollten. Doch ...

Es sollte eine unbeschwerte Junggesellinnen-Abschieds-Party im sonnigen Marbella werden, bei der die Braut Aoife und ihre Freundinnen Dani, Tiff, Beth und Celine es richtig krachen lassen wollten. Doch am vorletzten Abend stirbt die Braut, der oder die Täter können von der spanischen Polizei nicht ermittelt werden.
Drei Jahre später kehrt Dani an den Ort des Blutbads zurück. Sie will herausfinden, warum sie sich an nichts erinnern kann, obwohl sie in unmittelbarer Nähe der Toten bewusstlos aufgefunden wurde. Mit einem Trick lockt sie auch die anderen drei Mädels zurück in die malerisch gelegene Villa. Alle vier erleben in Gedanken noch einmal die schrecklichen Ereignisse, jedoch weichen ihre Erinnerungen stark voneinander ab. Je mehr Dani in der Vergangenheit gräbt, umso greifbarer wird die tödliche Gefahr, in der sie schwebt.

Die Autorin beschreibt teilweise minutiös die Ereignisse, die zum grausamen Tod der Braut geführt haben. Besonders im letzten Drittel des Buches empfand ich die detaillierten Schilderungen mitunter als lähmend. Ich wollte endlich wissen, wer von all den mehr oder minder tatverdächtigen Personen hinter der Tat steckt. Tatsächlich erfährt der Leser das erst auf den letzten Seiten. Die Auflösung ist ebenso simpel wie schockierend, das hätte ich nicht erwartet.

Obwohl die fünf Mädels nicht immer sympathisch rüberkommen, empfand ich das nicht als unangenehm. Hat nicht jeder von uns helle und dunkle Seiten? Nicht jeder ist das, was er scheint. Und der spritzige Schreibstil der Autorin lässt keine Minute Langeweile aufkommen, keine Szene ist überflüssig, man ist als Leser mittendrin, sieht alles deutlich vor sich und versteht.

Dieser Roman wird dem Prädikat „Thriller“ in jeder Hinsicht gerecht. Spannender und mysteriöser geht wohl nicht. Teilweise spitzen sich die Ereignisse so zu, dass mir fast die Haare zu Berge stehen.
Von mir ganz klar fünf Sterne für dieses überragende Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Albtraum-Insel

One Perfect Couple
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Lyla Santiago, Forscherin für Tropenfiebererkrankungen, lässt sich von ihrem Freund Nico dazu überreden, an einer Reality-TV-Show teilzunehmen. Es handelt sich dabei um eine neue Art von Dschungelcamp ...

Lyla Santiago, Forscherin für Tropenfiebererkrankungen, lässt sich von ihrem Freund Nico dazu überreden, an einer Reality-TV-Show teilzunehmen. Es handelt sich dabei um eine neue Art von Dschungelcamp auf einer traumhaften kleinen Insel im Indischen Ozean. Fünf Paare sollen beweisen, dass sie sowohl zusammen als auch unabhängig voneinander in einer Reihe obskurer Wettbewerbe bestehen können. Das Ganze läuft aus dem Ruder, als ein Tropensturm die Insel verwüstet, es gibt keine Kommunikationsmöglichkeit nach außen, und das Schiff mit den Veranstaltern ist verschollen. Unter den Überlebenden entbrennt ein mörderischer Kampf um die wenigen Lebensmittel und vor allem um Trinkwasser.

Die Ich-Erzählerin Lyla berichtet in ihrer nüchternen und doch sympathischen Art von den Vorfällen auf der Insel. Dazwischen streut die Autorin in kursiver Schrift Tagebucheinträge von anderen Teilnehmern ein, die zum Teil erheblich von Lylas Darstellungen abweichen. Für mich als Leser stellt sich die Frage, ob Lyla wirklich die Wahrheit erzählt. Oder vielleicht doch nicht? Dieses dramaturgische Kunststück erhöht die Spannung von Kapitel zu Kapitel. Die Auflösung am Ende ist verblüffend und logisch zugleich.

Wieder einmal hat Ruth Ware ihre Rolle als eine der weltbesten Thriller-Autorinnen bewiesen. Jede einzelne Episode dieses Romans ist perfekt recherchiert und hochspannend. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin ihre Figuren in dieser mörderischen Situation nicht als niederträchtig und selbstsüchtig darstellt, wie das leider einige andere namhafte AutorInnen tun. Trotz der schrecklichen Ereignisse bewahren sie Menschlichkeit. Und damit Hoffnung.
Aber mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten. Ich habe jede einzelne Seite dieses Thrillers genossen und halte ihn für den bisher besten Roman der Autorin.

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Veröffentlicht am 12.12.2024

Genial durchdacht und emotional aufwühlend

Stalker – Er will dein Leben.
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Endlich läuft für Eric Sanders alles rund. Neben seinen Auftritten am Residenztheater brilliert der Mittvierziger in einer wichtigen Nebenrolle im Münchner Tatort und wird über Nacht berühmt. Die Zahl ...

Endlich läuft für Eric Sanders alles rund. Neben seinen Auftritten am Residenztheater brilliert der Mittvierziger in einer wichtigen Nebenrolle im Münchner Tatort und wird über Nacht berühmt. Die Zahl seiner Follower in den sozialen Medien steigt stündlich, und ihm winkt eine weitere wichtige Filmrolle. Er könnte am Ziel seiner Träume sein, wäre da nicht dieser Unbekannte, der scheinbar jeden seiner Schritte überwacht, seinen Facebook-Account kopiert hat und nun in seinem Namen Posts veröffentlicht, die Eric in ein übles Licht rücken. Doch damit nicht genug, dieser Eindringling droht Eric damit, ihn zu vernichten, wenn der nicht bis zum Ablauf einer kurzen zeitlichen Frist in allen Medien verkündet, dass er als Elfjähriger einen neunjährigen Jungen grausam ermordet hat. Das Problem ist nur, Eric hat keine Erinnerung an diese Zeit. Und noch während er um eine Lösung für dieses massive Problem ringt, schlägt der Widersacher zu. Nun muss Eric handeln. Und zwar sehr schnell.

„Stalker“ ist ein emotional aufwühlender und hochspannender Thriller. Jedes einzelne Kapitel hat mich mitgerissen. Mir war von Anfang an klar gewesen, dass die letztendliche Lösung des Falles sensationell sein würde. Tatsächlich gibt der Autor erst auf den allerletzten sechs Seiten die ultimative Wahrheit, die hinter den Geschehnissen steckt, preis. Und die hat mich umgehauen.
Auch wenn mich persönlich dieses Ende nicht glücklich gemacht hat, erkenne ich an, dass „Stalker“ ein genial durchdachter Albtraum ist. Man sollte ihn lesen.

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