Schau nicht zu oft in die Vergangenheit
Wie man die Zeit anhältMatt Haig setzt in seinem Roman „Wie man die Zeit anhält“, der am 20.04.2018 in der dtv Verlagsgesellschaft in deutscher Sprache erschienen ist, den Menschen im Verhältnis zu der Zeit.
Inhaltsangabe:
Der ...
Matt Haig setzt in seinem Roman „Wie man die Zeit anhält“, der am 20.04.2018 in der dtv Verlagsgesellschaft in deutscher Sprache erschienen ist, den Menschen im Verhältnis zu der Zeit.
Inhaltsangabe:
Der Protagonist Tom Hazard hat eine außergewöhnliche Veranlagung: Während die meisten Menschen ganz normal altern, scheint die Zeit für ihn viel langsamer zu vergehen, sodass er äußerlich wie mit 40 Jahren aussieht, aber in Wirklichkeit 400 Jahre schon gelebt hat. Dieses Geheimnis darf niemand erfahren, da es ihn und alle anderen in seinem engsten Umfeld in Gefahr begibt. Als Mitglied der Albatros-Gesellschaft verpflichtet er sich deswegen dazu, alle 8 Jahre seine Identität zu wechseln und einer goldenen Regel nachzugehen: Er darf sich in niemanden verlieben. Im Gegenzug wird Tom vor den möglichen Folgen geschützt, die das Aufdecken des Geheimnisses mit sich bringt. Nun hat er sich entschieden in London als Geschichtslehrer zu arbeiten und da lernt er die Französischlehrerin Camille kennen. Diese Beziehung soll sein Leben verändern.
Erzähl- und Schreibstil:
Matt Haig hat einen sehr schönen Schreibstil. Da dieser sehr flüssig und vor allem leicht zu lesen ist, wird man sehr schnell festgehalten und motiviert, immer weiterzulesen. Auch die Kürze der Kapitel trägt dazu bei.
„Wie man die Zeit anhält“ ist in der Ich-Perspektive aus Sicht des Protagonisten Tom Hazard geschrieben. So erfahren wir seine Geschichte: von seiner Kindheit bis zu seiner Gegenwart. Eine Besonderheit stellt der Erzählstil dar. Neben der Gegenwart springt Tom von Epoche zu Epoche und erklärt in seinen Rückblenden sein Leben und seine Erlebnisse mit verschiedenen Personen, die man heute aus dem Geschichtsunterricht kennt. Der Lesefluss wird dabei kaum gestört, da stets ein roter Faden befolgt wird, auch wenn Tom manchmal hin und her springt. Die Rückblenden erzeugen zudem die Spannung. Von „Wie man die Zeit anhält“ sollte man keine allzu große Action erwarten, aber man möchte doch immer wissen, wie es weitergeht. Ist nämlich ein Kapitel beendet, kann man es kaum erwarten, zurück in die Zeit zu springen, um zu erfahren, was dort passiert ist und wie es weitergeht. Matt Haig schafft es insgesamt durch seinen Erzähl- und Schreibstil, jede Epoche so zu beschreiben, als sei man tatsächlich dabei. Einzig die Ausdrucksweise der Figuren hätte konsequenter sein können. So spricht beispielsweise eine Figur in der zur Epoche passenden Ausdrucksweise, später aber wie wir heute sprechen würden. Dem Lesefluss schadet es dennoch nicht und meiner Meinung nach trägt es sogar bei, die Figur besser zu verstehen, da die altertümliche Sprache schwerer zu verstehen ist.
Charaktere:
Matt Haig hat die Figuren in „Wie man die Zeit anhält“ mit ganz viel Liebe erschaffen. Jede einzelne Figur hat einen Eindruck hinterlassen: und wenn es ein negativer Eindruck sein sollte. Mit dem Protagonisten Tom Hazard konnte ich mitfiebern, wollte ihn bei falschen Entscheidungen wachrütteln, konnte ihn verstehen. Ich habe mich so gefühlt, als würde er mir seine Geschichte von Angesicht zu Angesicht erzählen, so lebhaft werden die Epochen beschrieben und sein Leben dargestellt. Deswegen konnte ich es kaum erwarten, die Lektüre fortzusetzen. Zudem hat mir Toms Entwicklung sehr gefallen. Er ist allgemein von großer Angst geprägt, was durch seine Erlebnisse zu erklären ist. Er lernt aber mit der Zeit – auch wenn es 400 Jahre dauert – das Leben zu schätzen und nicht in der Vergangenheit stehen zu bleiben. Er lernt, einer unbekannten Zukunft ohne Angst entgegenzublicken. Mehrmals wird im Roman erwähnt, dass Tom seinem Leben ein Ende setzen wollte und mit Depressionen zu kämpfen hatte. Gleichzeitig hat ihn seine Lebenskraft im Inneren davon abgehalten.
Handlung:
Das Thema des Menschen im Kontext der Zeit ist von Matt Haig sehr gut umgesetzt worden. Durch Toms Entwicklung lernt man, dass man aus seiner Vergangenheit lernen soll: Zwar wird mehrmals gesagt, dass die Menschen nicht aus der Vergangenheit lernen und die Geschichte sich ständig wiederholt, allerdings soll man nicht in der Vergangenheit stehenbleiben und dieser erlauben, seine Gegenwart und seine Zukunft mit Ängsten zu leben. Manchmal sollte man nicht zu sehr nachdenken, da viele Dinge nicht einmal eintreten werden, wie man sich das häufig ausmalt.
Fazit:
Insgesamt ist „Wie man die Zeit anhält“ ein sehr schöner Roman, den man nicht aus der Hand legen möchte. Man sinkt durch Toms Erzählungen in die jeweilige Epoche und kann sich in die Zeit hineinversetzen. Tom ist ein sehr gut herausgearbeiteter Charakter, mit dem man miterleben kann. „Wie man die Zeit anhält“ erhält von mir eine klare Kaufempfehlung und ich bin echt froh, zu diesem Roman gegriffen zu haben, denn es gehört zu meinen Lieblingsbüchern.