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Ovidius_Naso

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Schau nicht zu oft in die Vergangenheit

Wie man die Zeit anhält
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Matt Haig setzt in seinem Roman „Wie man die Zeit anhält“, der am 20.04.2018 in der dtv Verlagsgesellschaft in deutscher Sprache erschienen ist, den Menschen im Verhältnis zu der Zeit.

Inhaltsangabe:
Der ...

Matt Haig setzt in seinem Roman „Wie man die Zeit anhält“, der am 20.04.2018 in der dtv Verlagsgesellschaft in deutscher Sprache erschienen ist, den Menschen im Verhältnis zu der Zeit.

Inhaltsangabe:
Der Protagonist Tom Hazard hat eine außergewöhnliche Veranlagung: Während die meisten Menschen ganz normal altern, scheint die Zeit für ihn viel langsamer zu vergehen, sodass er äußerlich wie mit 40 Jahren aussieht, aber in Wirklichkeit 400 Jahre schon gelebt hat. Dieses Geheimnis darf niemand erfahren, da es ihn und alle anderen in seinem engsten Umfeld in Gefahr begibt. Als Mitglied der Albatros-Gesellschaft verpflichtet er sich deswegen dazu, alle 8 Jahre seine Identität zu wechseln und einer goldenen Regel nachzugehen: Er darf sich in niemanden verlieben. Im Gegenzug wird Tom vor den möglichen Folgen geschützt, die das Aufdecken des Geheimnisses mit sich bringt. Nun hat er sich entschieden in London als Geschichtslehrer zu arbeiten und da lernt er die Französischlehrerin Camille kennen. Diese Beziehung soll sein Leben verändern.

Erzähl- und Schreibstil:
Matt Haig hat einen sehr schönen Schreibstil. Da dieser sehr flüssig und vor allem leicht zu lesen ist, wird man sehr schnell festgehalten und motiviert, immer weiterzulesen. Auch die Kürze der Kapitel trägt dazu bei.
„Wie man die Zeit anhält“ ist in der Ich-Perspektive aus Sicht des Protagonisten Tom Hazard geschrieben. So erfahren wir seine Geschichte: von seiner Kindheit bis zu seiner Gegenwart. Eine Besonderheit stellt der Erzählstil dar. Neben der Gegenwart springt Tom von Epoche zu Epoche und erklärt in seinen Rückblenden sein Leben und seine Erlebnisse mit verschiedenen Personen, die man heute aus dem Geschichtsunterricht kennt. Der Lesefluss wird dabei kaum gestört, da stets ein roter Faden befolgt wird, auch wenn Tom manchmal hin und her springt. Die Rückblenden erzeugen zudem die Spannung. Von „Wie man die Zeit anhält“ sollte man keine allzu große Action erwarten, aber man möchte doch immer wissen, wie es weitergeht. Ist nämlich ein Kapitel beendet, kann man es kaum erwarten, zurück in die Zeit zu springen, um zu erfahren, was dort passiert ist und wie es weitergeht. Matt Haig schafft es insgesamt durch seinen Erzähl- und Schreibstil, jede Epoche so zu beschreiben, als sei man tatsächlich dabei. Einzig die Ausdrucksweise der Figuren hätte konsequenter sein können. So spricht beispielsweise eine Figur in der zur Epoche passenden Ausdrucksweise, später aber wie wir heute sprechen würden. Dem Lesefluss schadet es dennoch nicht und meiner Meinung nach trägt es sogar bei, die Figur besser zu verstehen, da die altertümliche Sprache schwerer zu verstehen ist.

Charaktere:
Matt Haig hat die Figuren in „Wie man die Zeit anhält“ mit ganz viel Liebe erschaffen. Jede einzelne Figur hat einen Eindruck hinterlassen: und wenn es ein negativer Eindruck sein sollte. Mit dem Protagonisten Tom Hazard konnte ich mitfiebern, wollte ihn bei falschen Entscheidungen wachrütteln, konnte ihn verstehen. Ich habe mich so gefühlt, als würde er mir seine Geschichte von Angesicht zu Angesicht erzählen, so lebhaft werden die Epochen beschrieben und sein Leben dargestellt. Deswegen konnte ich es kaum erwarten, die Lektüre fortzusetzen. Zudem hat mir Toms Entwicklung sehr gefallen. Er ist allgemein von großer Angst geprägt, was durch seine Erlebnisse zu erklären ist. Er lernt aber mit der Zeit – auch wenn es 400 Jahre dauert – das Leben zu schätzen und nicht in der Vergangenheit stehen zu bleiben. Er lernt, einer unbekannten Zukunft ohne Angst entgegenzublicken. Mehrmals wird im Roman erwähnt, dass Tom seinem Leben ein Ende setzen wollte und mit Depressionen zu kämpfen hatte. Gleichzeitig hat ihn seine Lebenskraft im Inneren davon abgehalten.

Handlung:
Das Thema des Menschen im Kontext der Zeit ist von Matt Haig sehr gut umgesetzt worden. Durch Toms Entwicklung lernt man, dass man aus seiner Vergangenheit lernen soll: Zwar wird mehrmals gesagt, dass die Menschen nicht aus der Vergangenheit lernen und die Geschichte sich ständig wiederholt, allerdings soll man nicht in der Vergangenheit stehenbleiben und dieser erlauben, seine Gegenwart und seine Zukunft mit Ängsten zu leben. Manchmal sollte man nicht zu sehr nachdenken, da viele Dinge nicht einmal eintreten werden, wie man sich das häufig ausmalt.

Fazit:
Insgesamt ist „Wie man die Zeit anhält“ ein sehr schöner Roman, den man nicht aus der Hand legen möchte. Man sinkt durch Toms Erzählungen in die jeweilige Epoche und kann sich in die Zeit hineinversetzen. Tom ist ein sehr gut herausgearbeiteter Charakter, mit dem man miterleben kann. „Wie man die Zeit anhält“ erhält von mir eine klare Kaufempfehlung und ich bin echt froh, zu diesem Roman gegriffen zu haben, denn es gehört zu meinen Lieblingsbüchern.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2025

How to kill a guy in ten ways

How To Kill a Guy in Ten Ways
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Eve Kellman erzählt in ihrem Debütroman "How to kill a gut in ten ways", der am 28.02.2025 im Lübbe-Verlag in deutscher Sprache erschienen ist, von Millies Art, Frauen vor Männern zu schützen.

Inhaltsangabe:
Die ...

Eve Kellman erzählt in ihrem Debütroman "How to kill a gut in ten ways", der am 28.02.2025 im Lübbe-Verlag in deutscher Sprache erschienen ist, von Millies Art, Frauen vor Männern zu schützen.

Inhaltsangabe:
Die Protagonistin Millie hat nach der Vergewaltigung ihrer Schwester eines zur Aufgabe gemacht: Sie will den Täter finden. In der Zwischenzeit erstellt sie eine Hotline für Frauen, die sie jederzeit rufen können, wenn sie sich von Männern bedrängt fühlen. Eines Nachts gerät alles aus den Fugen und Millie kann der Verlockung nicht widerstehen, für Recht zu sorgen.

Cover und Klappentext:
Das Cover ist optisch ansprechend und kreativ gestaltet. Die Farben harmonieren gut, da es sich um Komplementärfarben handelt. Meines Erachtens lässt die Covergestaltung viel Interpretationsspielraum, sodass man dazu geneigt ist, den Roman zu kaufen oder sich zumindest den Klappentext durchzulesen. Das Cover passt insgesamt sehr gut zur Handlung. Je mehr man liest, desto deutlicher werden die einzelnen Elemente.

Erzähl- und Schreibstil:
Eve Kellmann hat einen erfrischenden Erzähl- und Schreibstil. Sie schreibt ziemlich eindrücklich, was man in der Beschreibung der Ortschaften und Vorgängen sehen kann. Außerdem ist die Ich-Perspektive sehr treffend gewählt. Man hat als Leser das Gefühl, die Handlungen hautnah mitzuerleben, wie wenn Millie ihre Geschichte persönlich erzählen würde. Was mich etwas gestört hat, sind verschiedene Rechtschreibfehler. Der Lesefluss wird insgesamt nicht dadurch gestört, aber sie sind auffällig.

Handlung:
Der Einstieg in die Geschichte ist durch den Prolog sehr gut gelungen. Schon der erste Satz zieht schnell in den Bann der Lektüre. Allerdings habe ich persönlich nach dem Prolog einige Zeit gebraucht, um vollends in die Geschichte verwickelt zu werden. Gut umgesetzt finde ich die Spannungskurven. Sie sind abwechslungsreich und an den richtigen Stellen entweder absteigend oder aufsteigend, sodass man insgesamt eher weiterlesen will.
Für eine Art Krimi-Roman finde ich einige Handlungen der Protagonistin, die ich an dieser Stelle nicht nennen möchte, etwas an den Haaren herbeigezogen, vor allem im letzten Drittel der Geschichte. Trotzdem wird die Handlung kohärent und stringent erzählt.

Charaktere:
Die Charaktere finde ich ziemlich authentisch. Mit Millie habe ich nicht so sympathisieren können, es hat mich aber nicht gestört. Das lag eher an ihren Handlungen und ihre Sichtweise auf moralische Fragestellungen. Ihre beste Freundin Nina ist dagegen super sympathisch. Sie ist eine gute Freundin, die stark zu Millie hält: im Guten wie im Schlechten. Am authentischsten beschrieben wurde meines Erachtens Millies Schwester, die nun mit den Konsequenzen der Vergewaltigung zu leben hat. Es ist einleuchtend beschrieben, warum sie auf gewisse Weise reagiert und lebt.

Insgesamt finde ich, dass "How to kill a gut in ten ways" ein solider Debütroman ist. Die Ich-Perspektive ist sehr treffend gewählt und man möchte gerne Millies Geschichte erfahren.

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Veröffentlicht am 17.01.2025

Lieblich unbeliebt

Eine unbeliebte Frau
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„Eine unbeliebte Frau“ von Nele Neuhaus erscheint 2009 als erster Teil der bisher elf publizierten Kriminalromane um die Ermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff im List, ein Verlag der Ullstein ...

„Eine unbeliebte Frau“ von Nele Neuhaus erscheint 2009 als erster Teil der bisher elf publizierten Kriminalromane um die Ermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff im List, ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH.

Die Handlung spielt im Main-Taunus-Kreis und erstreckt sich über fünfzehn Tage – vom 28. August bis zum 11. September 2005. Am selben Tag werden zwei Leichen gefunden: zum einen die des Oberstaatsanwalts Dr. Joachim Hardenbach, den Oliver von Bodenstein schon seit 20 Jahren gut kennt und diesen deshalb erschüttert, in einem Weinberg, zum anderen die einer attraktiven Frau vor einem Aussichtsturm. Handelt es sich bei Hardenbachs Tod gewiss um einen Suizid, so erfährt man schnell, dass die junge Isabel Kerstner an den Folgen eines Mordes gestorben sein muss. Bei den Ermittlungen um Isabel Kerstner, eine talentierte Pferdereiterin im Gut Waldhof, wird schnell deutlich, dass sie bei so gut wie allen in ihrem Bekanntenkreis unbeliebt war. Fast alle hätten einen Mordmotiv haben können.

Und fast alle auftretenden Figuren verdächtigt man mindestens ein Mal des Mordes. Nele Neuhaus schafft einen fortwährenden Spannungsbogen, der sich bis zum letzten Kapitel hält. Einerseits erzielt sie das, indem man als Leser oder Leserin raffiniert in die Irre getrieben wird. Bis zum Schluss konnte ich mir nicht sicher sein, ob ich mit meiner Vermutung richtig lag, wer Isabel Kerstner letzten Endes ermordet hat. Andererseits schafft sie das durch ihren unkomplizierten, sehr flüssigen und alltagstauglichen Schreibstil. Ich hatte das Gefühl, die Seiten förmlich zu verschlingen. Grundsätzlich mag ich lange Kapitel nicht, da sie sich für mich wie eine halbe Ewigkeit anfühlen und eher einer Qual gleichen. Obwohl „Eine unbeliebte Frau“ mehrere Kapitel, die länger als zwanzig Seiten sind, umfasst, machte mir das nichts aus. Ich musste nämlich unbedingt erfahren, wie es weitergehen würde.
Auf stilistischer Ebene hat mir besonders der Umgang mit Humor gefallen. Es war nicht übertrieben eingesetzt, sondern mit Maß an geeigneten Stellen, sodass sich zwischendurch auch ein Lächeln auf dem Gesicht abzeichnete oder gar kurz schmunzelte. Das machte die Figuren meiner Meinung nach nahbarer und realitätsnah, das Lesen insgesamt unterhaltsam und kurzweilig. Ferner mochte ich ungemein, wie die Figuren umschrieben werden. So wird der Arzt, der die Leichenschau von Isabel durchführte, als Zwerg und die grimmige Tierarzthelferin als Mops beschrieben. Auch dies machte meine „Lesesitzungen“ unterhaltsam und kurzweilig.
Einzig die mehrfach verwendeten Floskeln nach dem Schema „Was hast du für einen Trottel von Ehemann?“ – das ist ein ausgedachtes Beispiel, um den sprachlichen Aspekt zu verdeutlichen – haben mich leicht gestört, da ich sie persönlich unschön finde, tragisch ist dies aber in keiner Weise.

Insgesamt mochte ich, wie Nele Neuhaus die Figuren in ihrem Kriminalroman aufgebaut hat. Ein mir sehr sympathischer Charakter, der öfters während der Lektüre auftritt, ist Thordis. Sie offenbart sich als taffe, junge Frau, die anfangs ein wenig mysteriös charakterisiert wird. Auch die – zugegebenermaßen etwas klischeehafte, neugierige und alles wissende – Nachbarin der Kerstners mit ihrem Akzent ist mir sympathisch in Erinnerung geblieben.
Zu den beiden Hauptfiguren Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff habe ich aber noch keine Brücke aufbauen können. Sie waren für mich nicht nahbar genug, auch wenn ich sie grundsätzlich auch sympathisch finde. Meines Erachtens hätten beide noch tiefgründiger herausgearbeitet werden können. Zwar erfährt man einiges über die familiären Umstände beider Figuren, aber dabei bleibt es auch. Ich hätte mir gewünscht noch mehr von ihrem Innenleben zu erfahren.

Zuletzt möchte ich noch auf Titel und Cover eingehen. Das Cover deckt sich mit der düsteren Atmosphäre, die anfangs herrscht, und passt zum Taunus. Während der Vordergrund sehr scharf ist, erscheint der Hintergrund verschwommen. Dies steht in engem Zusammenhang mit der Handlung. Man meint als Leser oder Leserin den vollen Überblick zu haben, dabei hat man nie den vollständigen Durchblick hinter den Kulissen. Immer wieder übersieht man etwas. Immer wieder werden mehr Puzzleteile auf den Tisch geschüttet, die sich scheinbar nicht zu einem Bild zusammenfügen möchten. Immer wieder wird man in die Irre getrieben.
Der Titel „Eine unbeliebte Frau“ passt sehr. So gut wie alle Figuren berichten Negatives über die Ermordete. Sie scheinen alle eher froh zu sein, dass sie gestorben ist, anstatt ihr hinterherzutrauern.

Der Kriminalroman „Eine unbeliebte Frau“ ist ein solider Einstieg in die Buchreihe um die Ermittler Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein. Der Erzählstil von Nele Neuhaus ist meines Erachtens herausragend, was sich im Aufrechterhalten des Spannungsbogens und der unkomplizierten Sprache zeigt.
Lediglich die Hauptfiguren hätten tiefgründiger herausgearbeitet werden können, sodass ich mich ihnen besser nähern kann. Dies wird aber vielleicht in den folgenden Bänden gemacht.
Für Freunde der Kriminalliteratur ist „Eine unbeliebte Frau“ absolut lesenswert. Von mir gibt es eine eindeutige Kaufempfehlung. Diese richte ich zugleich auch an mich selbst für die weiteren zehn Bände, da ich nun wissen möchte, wie sich Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein im Laufe der ganzen Buchreihe entwickeln werden und welche weiteren spannenden Fälle sich Nele Neuhaus ausgedacht hat.

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Veröffentlicht am 28.01.2024

Mitreißender Schreibstil neben weniger mitreißenden Figuren

Morgen, morgen und wieder morgen
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Es ist an einem Tag in der Mitte der 90er-Jahre, als sich die Kindheitsfreunde Sam Masur und die Computerspieldesign-Studentin Sadie Green an einer U-Bahn-Station nach mehreren Jahren wieder begegnen. ...

Es ist an einem Tag in der Mitte der 90er-Jahre, als sich die Kindheitsfreunde Sam Masur und die Computerspieldesign-Studentin Sadie Green an einer U-Bahn-Station nach mehreren Jahren wieder begegnen. Was beide seit Beginn iherer Freundschaft miteinander verbindet, ist vor allem die Liebe zu Videospielen. Bald darauf schließen sich beide zusammen, um Videospiele zu entwickeln, und bauen eine erfolgreiche Firma auf. Aufkommende Rivalitäten und Missverständnisse sollen ihre Freundschaft auf die Probe stellen.

Mit "Morgen, morgen und wieder morgen" gelingt Gabrielle Zevin eine äußerst mitreißende Lektüre über die Freundschaft und deren verschiedensten Nuancen.

Persönlich hat mir Gabrielle Zevins Schreibstil sehr gut gefallen. Zwar gebraucht sie oft Fachtermini der Videospielbranche; diese sind jedoch keinesfalls notwendig, um das Geschriebene zu verstehen, sodass die Lektüre von einer breiten Leserschaft gelesen werden kann. Was Gabrielle besonders gut schafft, ist, die Leserschaft am Ball zu halten. Dies gelingt ihr unter anderem mithilfe von Vorausdeutungen, die aber nie zu viel verraten. Wenn diese dann im Verlauf der Geschichte erneut aufgegriffen werden, kommt dann das Aha-Erlebnis.

Gabrielle Zevin spricht im Verlauf der Lektüre viele gesellschaftsrelevanten Themen an. Diese verarbeitet sie auf "leichter" Art. Doch sind diese keine leichte Kost: Meines Erachtens hat man das Gefühl, durch die Vielfalt an Themen schnell satt zu werden. Es gleicht einem großen Buffet, von dem man nicht alles essen kann. Man hat nicht die Möglichkeit, diese Themen komplett zu verdauen, da sie hintereinander erwähnt werden, ohne vollständig ausgeführt oder zum Teil gar nochmals aufgegriffen zu werden. So habe ich als Leser nicht die Möglichkeit, mich tiefer damit auseinanderzusetzen.

Die Figuren fand ich gut gestaltet, hätten insgesamt aber tiefgründiger herausgearbeitet werden können. Über den größten Teil der Lektüre habe ich mich zu den Figuren nicht so verbunden gefühlt. Deren Handlungen waren oft nicht nachvollziehbar, auch wenn genau diese Handlungen die Geschichte ausmachen. Was ich dennoch spannend fand, ist, wie ich die Protagonisten im Verlauf der Geschichte wahrgenommen habe. Während mir Sam anfangs nicht wirklich gefallen hat, konnte ich gegen Ende mit ihm mitfühlen. Das Gegenteil war mit Sadie Green der Fall: Anfangs konnte ich sie besser nachvollziehen als gegen Ende.

Insgesamt ist "Morgen, morgen und wieder morgen" eine solide Lektüre, die sich trotz der Bandbreite an gesellschaftsrelevanten Themen sehr gut lesen lässt. Der Schreibstil treibt den Leser bzw. die Leserin an, immer weiter zu lesen. Eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den vielen Themen gestaltet sich aber schwierig.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Morgen und Abend

Morgen und Abend
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ACHTUNG: SPOILER!

Jon Fosse, Nobelpreisträger für Literatur im Jahr 2023, thematisiert in seinem Roman "Morgen und Abend", der am 01.02.2003 im Rowohlt Verlag in deutscher Sprache erschienen ist, ...

ACHTUNG: SPOILER!



Jon Fosse, Nobelpreisträger für Literatur im Jahr 2023, thematisiert in seinem Roman "Morgen und Abend", der am 01.02.2003 im Rowohlt Verlag in deutscher Sprache erschienen ist, den Tod als Teil des Lebens.

Inhaltsangabe:
Der Roman "Morgen und Abend" beschreibt das Leben von Johannes, einem Fischer aus Norwegen, von seiner Geburt an bis zu den letzten Augenblicken vor seinem Tod. In diesen trifft er auf seinen alten Freund, auf seine Ehefrau sowie auf seine Tochter.

Cover und Titel:
Das Cover ist wunderschön und passend zur Rahmengeschichte eines Fischers aus Norwegen. Es stellt ein Gemälde von dem norwegischen Künstler Thomas Fearnley dar. Es passt sehr gut zum Inhalt. Die verschiedenen Blautöne wirken ruhig und friedlich. So wird auch der letzte Augenblick eines Menschen in dem Roman beschrieben. Ein Prozess, der fast unbemerkt und mit einer Selbstverständlichkeit passiert - schreckliche Todesepisoden wie der qualvolle Tod ausgenommen. Die Abbildung könnte sehr gut eine Szene aus der Lektüre darstellen. Das Cover hat mich dazu verleitet, den Roman zu kaufen.
Auch der Titel ist sehr gut gewählt. Das Leben fängt im übertragenen Sinne mit dem Morgen - der Geburt - an und klingt mit dem Abend - dem Tod - aus. Genau das wird in "Morgen und Abend" beschrieben.

Erzähl- und Schreibstil:
Der Erzähl- und Schreibstil des Autors dagegen konnten mich nicht überzeugen. Es werden keine Einrücke, kaum Satzschlusszeichen und keine Gänsefüßchen angewandt. Natürlich hat es an dieser Stelle einen künstlerischen und stilistischen Sinn. Dieser konnte mich aber nicht ansprechen. Ich brauche Satzzeichen. Die Lektüre hat sich für mich dadurch anfangs etwas zäh gestaltet, auch wenn man sich nach einer Zeit daran gewöhnt.
Die Charaktere gebrauchen sehr oft Wiederholungen von kleinen Füllwörtern, wie "ja", die meinen Lesefluss zusätzlich gestört haben. Durch die fehlenden Satzschlusszeichen erfordert die Lektüre ohnehin schon maximale Konzentration, ohne dass der Sinn verloren geht.
Und trotzdem gibt es etwas, dass den Leser fesselt, die Lektüre fortzuführen. Vielleicht ist es eben die literarische Minimalistik, das konnte ich nicht klar identifizieren.

Handlung:
"Morgen und Abend" gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil wird Johannes' Geburt aus Sicht seines Vaters Olai geschildert, im zweiten Teil werden Johannes' letzten Augenblicke geschildert.
Der erste Teil konnte mich mehr packen als der zweite Teil. Dort werden eindrücklich Olais Gefühle während der Geburt seines Sohnes geschildert. Die Angst, seine Frau oder seinen Sohnen zu verlieren, die Freude, die die Geburt mit sich bringt, die Hoffnung, dass alles gut gehen wird. Alles Gefühle, die das Wunder des Lebens mit sich bringt.
Der zweite Teil dagegen hat mich anfangs erst verwirrt. Erst am Ende fügen sich die Puzzleteile zusammen und man versteht, dass Johannes ein Geist ist, weil er tot ist. Insgesamt konnte ich dem zweiten Teil mit weniger Lesefreude folgen. Die Handlung blieb für mich ziemlich flach. Johannes und sein alter Freund wiederholen sich mehrmals. Es geschieht nichts Rhythmisierendes, wie es im Klappentext versprochen wird.

Charaktere:
Die Charaktere konnten mich in "Morgen und Abend" durch die flache Handlung leider auch nicht packen. Ich konnte mit keinem Charakter wirklich mit- oder nachempfinden, nicht einmal mit seiner Tochter, als sie den Tod des Vaters realisiert. Nur Olai schien mir am Anfang sympathisch, aber dann kommt er nicht mehr vor. Viel mehr kann ich zu den Charakteren irgendwie nicht sagen, da sie im ganzen Roman über oberflächlich bleiben und keine Tiefe erhalten.

Fazit:
Insgesamt soll "Morgen und Abend" von Jon Fosse den Tod als selbstverständlichen Teil des Lebens thematisieren, vor dem man keine Angst haben braucht. Die flache Handlung und die oberflächlich ausgearbeiteten Charaktere tragen nur ansatzweise zur guten Umsetzung des Themas bei. Von mir gibt es daher leider keine Kaufempfehlung.

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