Gute Grundidee, Umsetzung nicht ganz gelungen
Der Comic-ClubMakayla hat tausend Ideen im Kopf, schafft es aber nicht richtig, sie in die Form einer strukturierten Geschichte zu bringen. Howard zeichnet für sein Leben gern, ihm fehlt aber ein grundsätzliches Konzept ...
Makayla hat tausend Ideen im Kopf, schafft es aber nicht richtig, sie in die Form einer strukturierten Geschichte zu bringen. Howard zeichnet für sein Leben gern, ihm fehlt aber ein grundsätzliches Konzept für seine Bilder. Art ist sehr kreativ und experimentiert gerne. Lynda liebt ebenfalls das Zeichnen, ist aber von ihren eigenen Fähigkeiten nicht überzeugt und sieht immer nur ihre Fehler. Bibliothekarin Frau Fatima hat eine Idee: Warum nicht einen Comic-Club gründen, um gemeinsam das zu machen, was alleine bisher nicht ganz so gut funktioniert hat: Comics?
Die Geschichte wird als Comic in vielen bunten Bildern mit Sprechblasen erzählt. Die aussagekräftigen Bilder sind in recht einfachem und klarem Stil gezeichnet. Insgesamt sind die Illustrationen motivierend gestaltet und nett anzusehen. Problemlos lässt sich die Handlung anhand der Abbildungen nachvollziehen. Alle Sprechblasen sind in leicht verständlicher, meist kindgemäßer Sprache formuliert. Das lila Cover spricht wohl eher Mädchen an, eigentlich richtet sich das Buch aber gleichermaßen an Mädchen und Jungen ab acht Jahren.
Die Personenkonstellation ist divers. Alle Charaktere haben ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, dennoch gibt es erstaunlicherweise keinen Streit unter ihnen, was nicht ganz realistisch sein mag. Lynda z.B. ist ruhig und zurückhaltend, sie hat große Angst, zu viel von sich preiszugeben und ausgelacht zu werden. Art hingegen hat keine Angst vor Fehlern, äußert dem Vater gegenüber wörtlich: „Ich will in ganz vielen Dingen scheitern.“ Makayla zeigt viel Temperament, ist oft sehr ausgelassen, manchmal überdreht. Sie sprüht vor Ideen. Howard zeichnet ständig und träumt davon, Comiczeichner zu werden, fürchtet aber, dass sein Vater das nicht akzeptieren kann. Sicher werden hier viele Kinder Figuren finden, mit denen sie sich identifizieren können.
Einige Aspekte gefielen mir am Buch. Ich fand es beispielsweise prima, bekannte Comics wie El Taubinio im Buch zu entdecken. Zudem mochte ich auch, dass die theoretischen Ausführungen direkt Einzug in die Geschichte halten und sofort angewendet werden. So wird beispielsweise ausführlich erläutert, dass Bilder immer auch auf die Fantasie der Leser angewiesen sind und von ihnen automatisch interpretiert werden. Ein paar Seiten später findet sich in der Geschichte ein perfektes Beispiel für das vorher Erklärte.
Grundsätzlich ist das Buch sicher eine gute Idee. Eine Geschichte übers Comicmachen, die auch Theorie vermittelt und Kinder anregt, selbst kreativ zu werden. Das ist aber auch andererseits genau das Problem des Buchs. Es will zu viel und ist dadurch weder Fisch noch Fleisch. „Der Comic-Club“ möchte eine ansprechende, motivierende Geschichte erzählen. Aber die Handlung an sich ist doch recht eindimensional und wenig aufregend. Sie fesselte meine Kinder leider nicht. Die Stellen über die Theorie, obwohl eigentlich sehr wichtig, informativ und faszinierend, wirken im Zusammenhang der Handlung eher öde, wecken kein richtiges Interesse, verzögern stattdessen nur den Fortgang der Geschichte. Zudem wirkt die diverse Figurenkonstellation auf uns etwas zu gewollt. Achtjährige Kinder, die auch Zielgruppe des Buchs sind, können mit den Pronomen „xier“ und „xiem“ noch nichts anfangen. Dass sich Art mit seinen Pronomen vorstellt, wirkt dann doch ein wenig aufgesetzt, zumal es für die weitere Entwicklung auch überhaupt keine Bedeutung hat. Für Kinder sollte eine Geschichte nicht allzu offensichtlich belehren, sie sollte grundsätzlich einfach spannend, rund und stimmig sein. Das ist diese trotz vieler guter Ansätze aber leider nicht.