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Veröffentlicht am 16.02.2025

Aus Lesemuffeln werden Leseratten

Die Rattenbande 3. Achtung, Falle!
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Mit “Die Rattenbande-Achtung, Falle” haben Tim Harris als Autor und Shiloh Gordon als Illustrator einen witzigen Comic-Roman vorgelegt, der Kindern ab sieben Jahren das Lesenlernen erleichtern soll. Schon ...

Mit “Die Rattenbande-Achtung, Falle” haben Tim Harris als Autor und Shiloh Gordon als Illustrator einen witzigen Comic-Roman vorgelegt, der Kindern ab sieben Jahren das Lesenlernen erleichtern soll. Schon das fröhliche Hardcover dieses gelungenen Buches zeigt die vier Rattenfreunde Puzzle, Kante, Schicke-Ratte und Zwiebel, die durch ihre Suche nach Essbarem in die gefährlichsten, aber auch lustigsten Situationen kommen.

Puzzle ist die einzige Ratte, die ordentlich ist und Menschen mag, was für eine Ratte sehr ungewöhnlich ist. Seine drei Freunde lieben Unordnung und stiften gerne Unruhe. Doch jetzt gilt es, sich gegen zwei fiese Bedrohungen zu wehren: Da ist einerseits Kater Kräcker, der gerne Ratten verspeist und dafür auch einige schmackhafte Rezepte kennt. Andererseits ist die Schädlingsbekämpfung mit einem Roboter-Marder mit Laseraugen hinter den Freunden her. Jetzt braucht man natürlich einen Plan, und da Ratten sehr schlaue Tiere sind, stellen sie eine Falle auf. Aber wird es ihnen so gelingen, den Feinden zu entkommen? Und welche Rolle spielt Kater Kräcker, der bereits sein Lieblingsessen in Gefahr sieht, in dieser ausweglos scheinenden Situation?

“Achtung Falle” ist bereits der dritte Band der Rattenbande-Serie, der durch eine überschaubare Textmenge und eine spannende Geschichte im Comic- Stil dazu beitragen soll, dass Lesemuffel gerne ein Buch aufschlagen und auf Grund der gelungenen Illustrationen die Seiten nicht schnell genug umblättern können. Denn das Buch ist wirklich spannend und bietet viel Action, bei der die Kinder die sympathischen Figuren gerne bei ihren Abenteuern begleiten werden. Auch Erwachsene werden immer wieder gelungene Anspielungen und Sprüche finden, die zum Schmunzeln anregen. Besonders betont wird der Wert der Freundschaft, wobei jede der Figuren ihren eigenen Charakter hat. Da Ratten gerne Unfug machen, werden die Kinder diesen lustigen Tieren sicher mit Sympathie begegnen und das Buch bestimmt auch öfter zur Hand nehmen. Ich habe das Buch mit meiner acht Jahre alten Enkelin gelesen, die viel Spaß an dieser phantastischen Geschichte hatte.

Ich kann “Die Rattenbande- Achtung Falle” sehr empfehlen, wenn man Kinder dabei unterstützen will, die Freude am Lesen zu entdecken. Kurze Kapitel und einfache Texte erhalten die Lesemotivation und so kann es durchaus passieren, dass aus dem Lesemuffel eine Leseratte wird, die begeistert in einem ein Buch über freche Ratten liest.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Für kleine Entdecker und andere Neugierige

Wieso? Weshalb? Warum? Meine Vorlesegeschichten, Band 2 - Was passiert in Wald und Wiese?
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Mit dem zweiten Band der “Vorlesegeschichten” hat die Reihe “Wieso?, Weshalb?, Warum?” wieder ein gelungenes Vorlesebuch für Kinder zwischen vier und sieben Jahren dazubekommen. Schon das Hardcover dieses ...

Mit dem zweiten Band der “Vorlesegeschichten” hat die Reihe “Wieso?, Weshalb?, Warum?” wieder ein gelungenes Vorlesebuch für Kinder zwischen vier und sieben Jahren dazubekommen. Schon das Hardcover dieses liebevoll illustrierten Buches zeigt die fünf Kinder aus Brummelsby, wie sie interessiert auf Entdeckungsreise in die Natur gehen.

Brummelsby ist eine kleine Stadt nahe der Nordsee, dort leben die fünf Freunde Mara, Nesrin, Emil, Sofia und Luca. Damit die kleinen (Mit)Lesenden eine Vorstellung des Städtchens bekommen, gibt es gleich auf den ersten Buchseiten einen Plan, wo genau gezeigt wird, wo die Kinder wohnen und wo andere Schauplätze zu finden sind, die im Buch erwähnt werden. Die fünf Freunde mit ihren Familien werden im Anschluss präsentiert, wobei auch kurz auf den Charakter des jeweiligen Kindes eingegangen wird. So bietet das Buch von Anfang an eine gute Orientierung, auch wenn die Geschichten vielleicht nicht kurz hintereinander gelesen oder vorgelesen werden.

Besonders erwähnenswert ist das moderne und bunte Familienbild, die Familien haben unterschiedlichen ethnischen Hintergrund und neben der klassischen Vater-Mutter-Kind- Familie sind auch weitere Familienformen vertreten, sodass sich jedes Kind leicht in den Texten wiederfinden wird. Hervorzuheben ist, dass hier keine klischeehaften Rollenbilder gezeigt werden und dass auch eine Figur mit Handicap ganz selbstverständlich in die Erzählung eingebaut ist.

In fünfzehn abgeschlossenen Kapiteln, deren Länge exakt auf die Altergruppe abgestimmt ist, werden unterschiedliche Ereignisse und Abenteuer aus der kindlichen Erlebniswelt vorgestellt. Jeweils eingebettet in eine in sich abgeschlossene Geschichte bietet dieses Sachbuch neben unterhaltsamen und kindgerechten Themen sehr viel Wissen, dass sicher nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene interessant ist. Die kleinen und großen Lesenden erfahren Neues über die klugen Krähen, machen einen Ausflug ins Moor, erfahren, dass Bienen und auch Wespen nützliche Tiere sind und dass man gut auf seine Sachen aufpassen soll. Denn Emil hat einen Schuh im Garten liegen lassen, den sich ein junger Fuchs zum Spielen geholt hat. Auch kindliche Ängste werden angesprochen: Gibt es wirklich Geister im Moor und ist es gefährlich, im Freien zu übernachten?

Ergänzt werden die kindgerechten und gut verständlichen Texte durch phantasievolle, liebevoll gezeichnete Illustrationen. Auch die größere Schrift kommt vor allem Leseanfängern entgegen, macht aber die Texte auch insgesamt übersichtlich. “Was passiert in Wald und Wiese” ist ein farbenfrohes, unterhaltsames Buch, das unaufdringlich viel Wissen vermittelt und eine kindliche Lebenswelt abbildet, in der sich große und kleine Lesende immer wieder bewegen werden, denn dieses Buch nimmt man sicher öfter zur Hand.

Ich habe das Buch mit meinem vier Jahre alten Enkel gelesen, der die wirklich gelungenen Zeichnungen der Kinder sehr gerne mochte. Auch die Krähe, die das Wurstbrot klaut, fand er sehr lustig. Damit ist “Was passiert in Wald und Wiese” genau das richtige Buch für kleine Abenteurer. Kleine, aber auch große Naturfreunde werden mit diesem Sachbuch sicher lange Freude haben, daher von mir eine absolute Vorlese- und Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Das bin ich nicht!

Deep Fake
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Mit ihrem Thriller “Deepfake” hat die bekannte und preisgekrönte Autorin Cleo Konrad ein spannendes Werk über die Abgründe der sozialen Medien und deren Einfluss auf das Leben der von Deepfakes oder Hass ...

Mit ihrem Thriller “Deepfake” hat die bekannte und preisgekrönte Autorin Cleo Konrad ein spannendes Werk über die Abgründe der sozialen Medien und deren Einfluss auf das Leben der von Deepfakes oder Hass im Netz Betroffenen vorgelegt. Das hochwertig mit Farbschnitt ausgestattete Buch zeigt schon auf dem gelungenen Cover, dass aus der Tiefe des WWW Unheil steigen kann und Fakes leider jeden treffen können.

Das Buch teilt sich in zwei Handlungsstränge auf unterschiedlichen Zeitebenen:

Im Jahr 2003 schreibt Kat, eine Jugendliche, die gerade mit ihrem Vater in den kleinen Ort Tannwinkel im bayrischen Wald gezogen ist, auf ihrem Computer ein Tagebuch. Kat, die ein Informatik- und Mathematikgenie ist, findet bald Anschluss an eine Gruppe von einheimischen jungen Leuten, die eine verschworene Gemeinschaft bilden und einander versprochen haben, dass keine Informationen aus ihrem Kreis nach außen dringen werden. Aber nach einem Jagdunfall, bei dem ein junger Lehrer verletzt wird, für den Kat Zuneigung empfindet, bröckelt die Loyalität und ein Gruppenmitglied verrät alle Geheimnisse der Freunde an die Dorfbewohner. Doch Schimpf und Schande der bigotten und engstirnigen Einheimischen sind nicht genug, eines Tages liegt eine zerschmetterte Leiche am Fuß des Tannfelsens, der bisher der Treffpunkt der Gruppe war. So entsteht Schuld, die bis in die Gegenwart wirkt.

Zwanzig Jahre später wird Mira, eine engagierte Berliner Lehrerin, von ihren Schülern zögerlich angesprochen. Denn im Netz kursiert ein laszives Nacktvideo von ihr. “Das bin ich nicht!” erklärt Mira ihren Schülern, dem Direktor und auch ihrem Mann. Doch wer wird ihr glauben? Und alles deutet auf Tannwinkel, alles auf Kat. Also macht sich Mira auf den Weg, um Kat zur Rede zu stellen. Doch Kat ist nicht da, ihr Haus eine mit KI geschützte Festung. Auch zwei Freunde aus Jugendtagen sind zu dem selben Zweck wie Mira angereist. Auch sie wurden durch Deepfakes verleumdet, auch ihre Existenz steht auf dem Spiel. Warum hat Kat das getan? Hat Kat das getan?

In ihrem eindringlich und spannend erzählten Thriller “Deepfake” zeigt Cleo Konrad auf, wie rasch und unvorbereitet das eigene Leben aus der Bahn geworfen werden kann und wie schwierig es ist, den Urhebern von Deepfakes und Hassposts im Netz auf die Schliche zu kommen. Eindringlich lässt sie Kat in ihrem Tagebuch in Ich-Form die Gefühlswelt von Jugendlichen schildern, für die Loyalität in der Gruppe alles ist und die sich gegen eine Dorfgemeinschaft, die ihnen misstrauisch und ablehnend gegenübersteht, abgrenzen. Auch wenn die Freunde alle als Jugendliche das Dorf verlassen haben, Tannwinkel und ihre Schuld, die sie in ihr Leben als Erwachsene mitgenommen haben, verfolgt sie weiterhin. Erst ein Twist am Ende des Buches lässt die Ereignisse der Vergangenheit in völlig neuem Licht erscheinen und Mira erkennt, wen wirklich die Verantwortung für den Tod eines Gruppenmitgliedes trifft.

Dieses einfühlsam geschriebene Buch bietet viel Action und eine bis zur letzten Seite durchgehende Spannungskurve. In mitreißendem Erzählstil entsteht ein tiefgründiges Bild der Welt von Jugendlichen, die alle ihr besonderes Schicksal zu meistern haben und die als Erwachsene plötzlich vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, denn hier wird vor allem die psychologische Seite eines teuflischen Racheplans beleuchtet. Da der Missbrauch sozialer Medien und die Möglichkeiten der KI sowohl spannend wie Furcht einflößend sind, kann ich für diesen gelungenen Thriller, dessen Ereignisse ebenso faszinierend wie unvorhersehbar sind, nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Schicksalstage

Goldene Zeiten. Die Münchner Ärztinnen
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Mit ihrem historischen Roman “Goldene Zeiten: Die Münchner Ärztinnen” hat die bekannte Autorin Ina Bach den zweiten Teil der Saga über drei Frauen vorgelegt, die alles daran setzen, an der Münchner Universität ...

Mit ihrem historischen Roman “Goldene Zeiten: Die Münchner Ärztinnen” hat die bekannte Autorin Ina Bach den zweiten Teil der Saga über drei Frauen vorgelegt, die alles daran setzen, an der Münchner Universität Medizin studieren zu dürfen. Schon das gelungene und stilvolle Cover zeigt, dass der Roman an der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert ansetzt und rückt gleichzeitig die Frauen als Protagonistinnen eines in Wandlung begriffenen Frauenbildes in den Mittelpunkt.

Die einzelnen Kapitel sind mit genauen Orts- und Zeitangaben versehen und im Epilog legt die Autorin dar, was historische Fakten sind und was Fiktion ist.

Fünf Frauen, fünf Schicksale:
Die fünf Hauptfiguren des Buches haben einen sehr unterschiedlichen sozialen Hintergrund:
Lulu und Ida sind Töchter von renommierten Ärzten, doch nur die unkonventionelle Lulu möchte unbedingt Medizin studieren. Idas Wünsche entsprechen dem Ideal der Zeit, einen Ehemann zu finden und eine Familie zu gründen. Doch auch Ida hat ein Talent, denn sie ist modisch sehr begabt. Elsa, die als Wärterin im Kinderkrankenhaus arbeitet, ist Arzttochter, doch die Mutter weigert sich, ihren Wunsch nach einem Studium zu unterstützen. Elsa hat viel durchgemacht, denn sie sucht nach ihrer verschwundenen Tochter. Auch hat sie die Hoffnung auf ein Medizinstudium schon aufgegeben. Nicht so Fanny, die sich sogar als ihr Zwillingsbruder verkleidet, um zur Universität gehen zu können. Die fünfte Freundin, Änni, ist Schauspielerin mit zweifelhaftem Ruf, die sich aber noch als treue Helferin der anderen Frauen erweisen wird.

Schwierig gestaltet sich auch das Gefühls- und Liebesleben der Freundinnen, einerseits geprägt durch die moralischen Dogmen der damaligen Zeit, andererseits getrieben vom Wunsch nach freier Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Wünsche.
Lulu fährt begeistert Fahrrad, eine damals völlig neue Sportart, die auch Frauen ein bisschen Mobilität und Unabhängigkeit ermöglichte. Sie hat ihr Herz an einen der ersten Radprofis verloren. Fanny, die Geldprobleme hat, besucht immer wieder einen Galan, den ihr Änni, die selbst käuflich ist, zugeführt hat. Erst spät wird Fanny erkennen, woher das Geld stammt, das sie dort verdient, denn der Mann hat an ihrer Weiblichkeit kein Interesse. Elsa ist auf Grund furchtbarer Erfahrungen in ihrem Vorleben mit Bekanntschaften sehr vorsichtig. Nur zögerlich eröffnet sie ihren Freundinnen, wer wirklich der Vater ihrer kleinen Tochter Tilda ist.

Auch die wirtschaftlichen Gegebenheiten und sportlichen Ereignisse sind in die Geschichte eingebettet, wie beispielsweise die erste Tour de France oder die Anfänge des FC Bayern. Und wer möchte, kann sogar mit einem damals beliebten Getränk, dem Alabazam, anstoßen, denn das Rezept findet sich ebenfalls im Buch. So entsteht ein sehr klares Bild einer längst vergangenen Epoche und die Lesenden fühlen sich dadurch direkt in die Geschichte hineingezogen. Die sympathischen, hartnäckigen und klugen Frauenfiguren tun ihr Übriges, damit man Anteil an ihrem Schicksal nimmt und ihr Leben gespannt weiter verfolgt.

In ihrem Roman “Goldene Zeiten: Die Münchner Ärztinnen” hat Ina Bach ein historisch getreues Sitten- und Gesellschaftsbild der Zeit um das Jahr 1900 gezeichnet. Im Königreich Bayern waren Frauen nicht zur Immatrikulation zugelassen und die Freundinnen hatten einen harten Kampf mit vielen Rückschlägen auszufechten, um ihr Ziel zu erreichen. Authentisch wird die Rolle der Frau in der damaligen Zeit beschrieben, gekennzeichnet von männlicher Herablassung, Schikane und oft bitterster Armut, die die Frauen sogar in die Prostitution trieb.

Ich habe dieses mitreißend erzählte Buch mit Interesse gelesen, besonders gut gefallen hat mir die historische Authentizität, sowohl was die sozialen Verhältnisse als auch den damaligen Stand der medizinischen Wissenschaft betrifft. Angenehm fand ich auch, dass das Wissen nahtlos in die Geschichte eingewoben ist und nicht aufdringlich präsentiert wird. Den Epilog, die Quellenangaben und die historischen Fakten möchte ich hier besonders loben. Daher von mir eine absolute Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Wo ist denn jetzt die Leiche?

Letztes Glückskeks
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In seinem nunmehr zwölften Altaussee-Krimi hat der bekannte Autor Herbert Dutzler den Gasperlmaier in eine etwas verzwickte Situation gebracht. Soll er sich als Postenkommandant von Altaussee nun auf die ...

In seinem nunmehr zwölften Altaussee-Krimi hat der bekannte Autor Herbert Dutzler den Gasperlmaier in eine etwas verzwickte Situation gebracht. Soll er sich als Postenkommandant von Altaussee nun auf die Seite der Demonstranten gegen den Massentourismus oder doch auf die Seite derjenigen stellen, die meinen, es wäre gut, wenn Altaussee in China nachgebaut wird.

Denn das soll eine chinesische Delegation herausfinden, die vom Tourismusdirektor- einem Deutschen- von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und Handwerksbetrieb zu Trachtengeschäft geschleppt wird. Leider versteht nur ein Chinese mit bayrischer Mutter Deutsch, aber es gibt ja eine Dolmetscherin, die jedoch kaum zu übersetzen wagt, was die Männer sprechen, denn es sind vor allem obszöne Bemerkungen über Frauen. Ist das der Grund dafür, dass ein Chinese tot im Hotelpool treibt? Und dass dann auch noch seine Leiche einfach verschwindet?

In seinem neusten Buch hat Herbert Dutzler sich in gewohnt humorvoller Art wieder der Figuren angenommen, die die Fans von Gasperlmaier bereits aus den vorangegangenen Bänden kennen. Gasperlmaier selbst will in der Tourismusdebatte nicht Position beziehen, die Polizei ist für alle da, also bleibt er neutral. Nicht so seine Frau Christine und seine Tochter Kathi samt Ehefrau, die klar gegen den Ausverkauf des schönen Ausseerlandes sind, aber als freie Journalistinnen auch eine gute Story wittern. Denn es gibt eine weitere Leiche.

Also ist Gasperlmaier mit seinem Team bemüht, den Mord aufzuklären. Aber der leitenden Ermittlerin, Frau Dr. Kohlross, macht nicht nur der Fall Sorgen. Und Inspektorin Reitmair- Peschke findet, dass der Gasperlmaier sich ein bisschen zu viel um ihr Wohl sorgt. Neu stößt Gruppeninspektorin Emina Jovanovic zum Team, die nicht nur sehr sportlich ist, sondern es auch versteht, den Leuten Informationen zu entlocken, die diese lieber für sich behalten hätten. Doch Gasperlmaier ist ein guter Ermittler, auch wenn er auf Grund der Umstände des Falles schon die Frühpension erwägt. Denn geändert hat sich der Gasperlmaier nicht: Noch immer eher unentschlossen, in der Familie zurückhaltend, ist er mittlerweile begeisterter Opa, dem das Reisen genauso widerstrebt wie früher, der aber von seiner Frau Christine dazu nachdrücklich vergattert wird. Natürlich gelingt ihm auch die Aufklärung des Falles, doch diesmal hat die Geschichte ein sehr überraschendes Ende, das sicherlich zu Diskussionen in Leserkreisen Anlass geben wird.

In diesem in leichtem, gut lesbaren Stil mit witzigen Passagen und kleinen Sticheleien gegen andere Bundesländer und deutsche Autofahrer geschriebenen Buch werden durchaus ernste Probleme in die Geschichte eingewoben. Der Fluch des Massentourismus, der die Einheimischen nicht nur um ihre Ruhe bringt, sondern auch bewirkt, dass sie sich die Mieten oder Grundstücke in ihren Heimatorten nicht mehr leisten können. Ebenso zeigt sich, dass die Mitglieder des fernöstlichen Kulturkreises ganz andere Vorstellungen von Umweltschutz haben als die Einheimischen. Und natürlich dürfen auch Mauscheleien zwischen Baulöwen und Bürgermeistern, die an der Umwidmung von Grünland in Bauland verdienen, nicht fehlen.

Eindrücklich wird auf die schlechte Arbeitssituation im Tourismus eingegangen, daher täuscht die freundlich winkende Glückskatze auf dem gelungenen Cover ein wenig, jedoch nicht über diesen flott und spannend geschriebenen Krimi mit pointierten Dialogen und oft trockenem Humor, dessen kurzweiliger Erzählstil es schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Auch wenn einige Fäden der Handlung lose bleiben und der Schluss der Geschichte ungewöhnlich und unerwartet ist, kann man als Gasperlmaier-Fan nur empfehlen: Lesen Sie dieses Buch und hoffen Sie mit mir, dass Gasperlmaier seine Idee vom Vorruhestand ganz schnell wieder aufgibt und wir uns auf weitere Altaussee-Krimis freuen dürfen.

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