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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.02.2025

Bedrückend und sehr authentisch

Coast Road
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Das Cover dieses schönen Buches finde ich sehr passend gewählt, denn es symbolisiert für mich sowohl den „Riss in der Fassade“ als auch den Blick hinter die Kulissen einer scheinbar heilen Welt.

Thematisch ...

Das Cover dieses schönen Buches finde ich sehr passend gewählt, denn es symbolisiert für mich sowohl den „Riss in der Fassade“ als auch den Blick hinter die Kulissen einer scheinbar heilen Welt.

Thematisch spielt das Buch in den Jahren 1994/1995 in Irland. Kurz vor dem Referendum zur Beseitigung des Paragrafen, der die Scheidung verbietet, aus der Verfassung. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir diese Jahreszahlen immer wieder bewusst machen musste. Denn viele Schilderungen von Ehe und Familie haben mich gedanklich eher in die 1950er katapultiert.

Anhand verschiedener Beispiele erhalten wir einen sehr intimen Einblick in gescheiterte Ehen - in Ehen, die nach außen perfekt wirken. In „Du-kannst-Dich-glücklich-schätzen“ und „Du-hast-doch-alles“ Ehen. Dabei thematisiert der Autor so viele wichtige Themen, die unter anderem auch das Thema Selbstbestimmung betreffen: Fremdgehen, die Einsamkeit in der Beziehung, Machtgefälle, Bevormundung, Kindesentzug, Sprachlosigkeit, Verletzung, Durchhaltevermögen, Versöhnung, Befreiung… All dies wird sehr eindringlich und doch irgendwie unaufgeregt geschildert.

Die Charaktere - allen voran Colette und Izzy - haben mir in ihrem Facettenreichtum sehr gut gefallen. In diesem Buch gibt es nicht den Helden sondern ganz normale Menschen, mit Träumen, Hoffnungen, Enttäuschungen und falschen Entscheidungen. Es ist ein unfassbar authentisches Buch, dass mit seiner Ehrlichkeit und der Unzulänglichkeit der Personen überzeugt.

Es ist ein Buch das berührt und nachwirkt. Und auch wenn ich nicht mit allen Erkenntnissen der Protagonistin einverstanden bin, verleihen auch sie dem Buch ihre besondere Authentizität.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Düsterer und magischer Auftakt

To Kill A Shadow (Die verfluchten Lande, Band 1)
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„To kill a shadow“ entführt uns in eine düstere Welt, die aufgrund der Abwesenheit der Sonne kurz vor dem Untergang steht.

Mit Kiara und Jude haben wir es mit zwei sehr spannenden Protagonisten zu tun, ...

„To kill a shadow“ entführt uns in eine düstere Welt, die aufgrund der Abwesenheit der Sonne kurz vor dem Untergang steht.

Mit Kiara und Jude haben wir es mit zwei sehr spannenden Protagonisten zu tun, die erst nach und nach zu sich selbst und zueinander finden. Dunkle Geheimnisse warten darauf entdeckt und zahlreiche Gefahren darauf gemeistert zu werden - alles, um das Licht zurück zu bringen.

Mir haben sowohl der Schreibstil als auch der Spannungsbogen sehr gut gefallen. Definitiv ein Buch, dass mich mit einer interessanten Welt und einer durchdachten Handlung schnell und bis zum Schluss gefesselt hat - auch wenn mir die inneren Monologe der im Wechsel erzählenden Protagonisten rund um ihre Gefühle, Selbstzweifel und Ängste teils etwas zu ausschweifend und wiederholend waren.

Es handelt sich um ein Jugendbuch ab 14 Jahren - das erklärt vielleicht auch, warum die Liebesgeschichte zwar emotional intensiv aber recht keuch erzählt wird. Bezüglich der Gewalt muss ich aber sagen, dass es durchaus sehr brutale und blutrünstige Szenen gibt. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Mir hat das Buch auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und ich freue mich jetzt auf die Fortsetzung und gleichzeitig den Abschluss der Dilogie.

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Veröffentlicht am 16.01.2025

Starke Frau zwischen den Fronten

Die Tochter der Drachenkrone
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Das Buch spielt im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert in Wales und behandelt die anhaltenden Kämpfe der Briten gegen die Normannen. Es zeigt sehr authentisch und eindrucksvoll die Rivalitäten zwischen ...

Das Buch spielt im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert in Wales und behandelt die anhaltenden Kämpfe der Briten gegen die Normannen. Es zeigt sehr authentisch und eindrucksvoll die Rivalitäten zwischen den verschiedenen Herrschenden, die Intrigen und wackeligen Bündnisse.

Mittendrin steckt die Fürstentochter Gwenllian, die sich in ihrer Rolle als Frau mit „wertvollem Blut“ und zerrissen zwischen ihren rivalisierenden Brüdern wiederfindet. Mir hat das sehr ausgewogene Verhältnis in der Darstellung einer Frau des 12./13. Jahrhunderts mit all ihren Pflichten und den an sie gerichteten Erwartungen einerseits, ihrer starken politischen Haltung und Einmischung andererseits sehr gut gefallen. Die Handlung hat dabei immer wieder unerwartete Wendungen vollzogen und überrascht.

Was ich etwas schade fand ist, dass die meisten Charaktere einen emotional jedoch kaum berühren. Hinzu kommt, dass über eine sehr lange Zeitspanne erzählt wird (etwa 20 Jahre), so dass immer wieder Zeitsprünge zum Einsatz kommen. In den meisten Fällen hat das gepasst, aber an ein oder zwei Stellen hat in dem übersprungenen Zeitraum eine komplette Kehrtwende der Situation stattgefunden und hier hat mir dann doch etwas gefehlt. Zumal ich den Eindruck hatte, dass an diesen Stellen Spannungspotential verschenkt wurde.

Es ist ein Buch, dass den Fokus auf seine Protagonistin und die Schilderung der politischen und gesellschaftlichen Lage legt - an den Schlachten selbst nimmt man als Leser nicht teil.

Die Umsetzung des Buches als Hörbuch ist sehr gut gelungen. Heike Warmuth hat eine wirklich angenehme Stimmfarbe und hat dieses Buch exzellent zum Leben erweckt. Insbesondere wenn man die vielen walisischen Namen bedenkt, die hier vorkommen. Tatsächlich muss man sich bewusst sein, dass ein Familienstammbaum oder ein Personenregister zum nachschlagen im Hörbuch fehlen. Gerade am Anfang hätte das sehr geholfen, da man doch mit vielen fremden Namen und verschiedenen Großfamilien zu tun bekommt. Wenn man aber gerade am Anfang aufmerksam dabei ist, kann man sich hier auf ein paar schöne Hörstunden freuen.

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Veröffentlicht am 12.01.2025

Sehr originelle Science Fiction Story

Das Kollektiv I - Die Beobachter
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Bei „Die Beobachter“ bekommt man es als Leser gleich mit mehreren Erzählsträngen zu tun. Mehrere ganz verschiedene Protagonisten verschiedenen Geschlechts, Alters, Profession und Herkunft haben eines gemeinsam ...

Bei „Die Beobachter“ bekommt man es als Leser gleich mit mehreren Erzählsträngen zu tun. Mehrere ganz verschiedene Protagonisten verschiedenen Geschlechts, Alters, Profession und Herkunft haben eines gemeinsam - sie stellen an sich selbst Fähigkeiten fest, welche die Naturgesetze wie wir sie kennen außer Kraft setzen.

In recht schnell wechselnden Kapiteln lernen wir die verschiedenen Personen nach und nach besser kennen und es wird schnell deutlich, dass hier noch mehrere nicht-menschliche Akteure im Spiel sind, deren Motivation und Pläne undurchsichtig sind.

Der Erzählstil ist wirklich sehr gut, das Buch lässt sich super flüssig lesen und die Ideen des Autors zu den speziellen Fähigkeiten der Akteure und des ganzen Settings an sich sind sehr originell und machen viel Spaß. Manche Charaktere gewinnt man schnell lieb, andere befremden eher oder bleiben noch recht geheimnisvoll. Insgesamt muss man schon aufmerksam am Ball bleiben, denn auch wenn sich einige Zusammenhänge allmählich zeigen, bleiben doch viele Fragen noch offen und es kann hier und da etwas verwirrend sein. Doch wer das tut und Spaß an Science Fiction Elementen hat, wird hier auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 30.12.2024

Subtile Bedrohung

Die Insel der Angst
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Mir hat „Die Insel der Angst“ sehr gut gefallen. Gleich vorab muss ich vielleicht sagen, dass es kein klassischer Thriller ist, bei dem man atemlos durch die Story getrieben wird. Aber ich finde, der Autor ...

Mir hat „Die Insel der Angst“ sehr gut gefallen. Gleich vorab muss ich vielleicht sagen, dass es kein klassischer Thriller ist, bei dem man atemlos durch die Story getrieben wird. Aber ich finde, der Autor versteht es exzellent, eine subtil bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Das Buch lebt von der Stimmung und Einsamkeit auf der abgelegenen Insel. Von dem mangelnden Vertrauen der Crewmitglieder untereinander und den immer wieder eingestreuten kleinen Situationen, die Unbehaglichkeit auslösen.

Dabei haben wir es bei Protagonistin Tess mit einer ursprünglich investigativen Filmemacherin zu tun, die den eigentlich harmlosen Auftrag erhält, die Insel und die Arbeit des Forschungsteams zu dokumentieren. Bis ein Toter auftaucht und das Unheil seinen Lauf nimmt. Gleichzeitig umgibt Tess das Geheimnis um ein früheres Projekt, bei dem es zu einem tragischen Vorfall kam und das nach und nach gelüftet wird.

Mich hat das Buch gepackt und auch sehr gut unterhalten. Insbesondere den Fall aus der Vergangenheit fand ich sehr spannend. Darüber hinaus wartet die Geschichte auch durchaus mit überraschenden Wendungen auf.

Einzig Tess fand ich zum Ende hin etwas eingeschränkt und plump in ihrer Urteilsfähigkeit - das hat mich zunehmend gestört, da ihre Gedanken und Rückschlüsse für mich nicht zu einer erfolgreichen Investigativ-Filmerin gepasst haben.

Aber insgesamt ein schöner Thriller, der auch stimmig zu Ende gebracht wird.

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