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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2025

Schockierend ehrlich

Das Lieben danach
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Mit diesem Buch beendet Helene Bracht Schweigen und Sprachlosigkeit und setzt sich sehr intensiv und gnadenlos mit ihrer kindlichen Missbrauchserfahrung und deren Auswirkungen auf ihr ganzes Leben auseinander.

Dabei ...

Mit diesem Buch beendet Helene Bracht Schweigen und Sprachlosigkeit und setzt sich sehr intensiv und gnadenlos mit ihrer kindlichen Missbrauchserfahrung und deren Auswirkungen auf ihr ganzes Leben auseinander.

Dabei wechseln sich autobiografische Episoden und die sehr fachliche Auseinandersetzung mit der Thematik, auch unter Erwähnung von Studien und Forschung, ab. Insgesamt würde ich das Buch als schwere Kost bezeichnen - sowohl thematisch als auch vom Stil her, der eher anspruchsvoll ist.

Die Autorin ist in all ihren Schilderungen schonungslos ehrlich, was einen immer wieder erschüttert zurück lässt. Da wäre der Einblick in die Gefühlswelt eines Kindes, das Missbrauch erfährt. Hin und hergerissen zwischen einer toxisch-verqueren Form von Liebe und den schmerzvollen, schrecklichen Erfahrungen, die das ganze Leben prägen werden. Aber es geht auch um Scham, um Sprachlosigkeit, um Hemmungslosigkeit, emotionale Kälte, Opfer, Täter und so vieles mehr.

Ich halte es für ein sehr wichtiges Buch, weil es wahnsinnig viele Situationen, Handlungen und Gefühle und auf den Tisch schmettert, die sicherlich viele Menschen ähnlich erlebt oder gefühlt haben, aber die einfach mit einem großen Tabu versehen sind. Vielleicht schafft dieses Buch es, ein Sprachrohr für die Sprachlosen zu sein, das Gefühl „Du bist nicht alleine“ zu vermitteln oder einfach aufzuzeigen, dass Missbrauch Spuren hinterlässt, die ein Leben lang nachwirken und weite Kreise ziehen können.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Authentisch und sehr atmosphärisch

Kronsnest
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“Kronsnest” ist ein sehr stimmungsvolles Buch, das auf sehr authentische Art das Leben in einem holsteinischen Dorf in den 1920er Jahren zum Thema hat. Es überzeugt insbesondere durch seine sehr vielschichtigen ...

“Kronsnest” ist ein sehr stimmungsvolles Buch, das auf sehr authentische Art das Leben in einem holsteinischen Dorf in den 1920er Jahren zum Thema hat. Es überzeugt insbesondere durch seine sehr vielschichtigen Charaktere und deren Leben und Entwicklung.

Protagonist Hannes lebt mit einem gewalttätigen Vater und einer hilf- und sprachlosen Mutter auf einem Hof in der Elbmarsch. Mit leisen Tönen und sehr viel Zeit für die Entwicklung der Geschichte erleben wir als Leser doch sehr intensiv, wie Hannes zu einem Mann heranwächst und sich von seinem Vater emanzipiert. Dabei kommen sowohl ganz persönliche Themen, wie der Alltag in einem landwirtschaftlichen Betrieb, die Liebe, Freundschaft und Familie zum tragen, als auch die Darstellung der damaligen gesellschaftlichen und politischen Lage.

Auf eine sehr unaufdringliche Art wird der Überlebenskampf der Landwirte und das Erstarken der Nationalsozialisten thematisiert.
Die ersten Tendenzen und Teile der Beweggründe für das, was dann im darauffolgenden Jahrzehnt folgte zu lesen, war interessant und doch auch sehr bedrückend. Der Fokus bleibt dabei immer bei Hannes, der solche Situationen und Veränderungen an ihm wichtigen Menschen feststellt, aber die ganze Lage auch nur aus seiner „eingeschränkten“ Sicht beurteilen kann.

Den Schreibstil würde ich schon als etwas anspruchsvoller beschreiben - es ist durchaus ein literarisch sehr hochwertiges Buch und keines, das ich in einem Stück „wegatmen“ konnte. Das lag vermutlich auch daran, dass überwiegend sehr schwere und bedrückende Themen behandelt werden. Wer sich aber darauf einlassen kann wird mit einer sehr intensiven und wunderschönen Lektüre belohnt.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Überzeugendes Debut

Kummersee
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Mit „Kummersee“ ist dem Autor ein überzeugendes Debut gelungen. Der Thriller ist bis zum Schluss sehr spannend.und greift dabei ernste Themen auf.

Lena, die vor über 30 Jahren ihren Bruder im Kummersee ...

Mit „Kummersee“ ist dem Autor ein überzeugendes Debut gelungen. Der Thriller ist bis zum Schluss sehr spannend.und greift dabei ernste Themen auf.

Lena, die vor über 30 Jahren ihren Bruder im Kummersee verloren hat, kehrt als Personenschützerin in ihr Heimatdorf zurück. Sie soll zwei Vermesser schützen, die das Areal als potentielles Endlager für Arommüll vermessen sollen. Doch schon bald gibt es den ersten Toten und die Lage eskaliert schnell.

Besonders gefallen hat mir die bedrohliche Armosphäre, die sich durch das Buch durchzieht. Sehr gelungen ist auch das Spiel mit Realität und gruseligen Legenden. So fragt man sich als Leser die ganze Zeit, was da in dem See passiert: Ob es eine „einfache“ Erklärung für all das gibt oder ob tatsächlich Monster in dem See leben.

Die Charaktere gefallen mir gut und das Zusammenspiel, die Frage, wem man vertrauen kann und die zwischenmenschlichen Beziehungen im Heute und in der Vergangenheit sind sehr vielschichtig und berührend.

Die Spannung wird gut aufgebaut und ich habe die zweite Buchhälfte tatsächlich an einem Tag gelesen. Gegen Ende wird es vielleicht etwas arg und verliert dadurch etwas an Glaubwürdigkeit, aber insgesamt ist das ein toller Thriller, der fesselt und sehr gut unterhält.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Bedrückend und sehr authentisch

Coast Road
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Das Cover dieses schönen Buches finde ich sehr passend gewählt, denn es symbolisiert für mich sowohl den „Riss in der Fassade“ als auch den Blick hinter die Kulissen einer scheinbar heilen Welt.

Thematisch ...

Das Cover dieses schönen Buches finde ich sehr passend gewählt, denn es symbolisiert für mich sowohl den „Riss in der Fassade“ als auch den Blick hinter die Kulissen einer scheinbar heilen Welt.

Thematisch spielt das Buch in den Jahren 1994/1995 in Irland. Kurz vor dem Referendum zur Beseitigung des Paragrafen, der die Scheidung verbietet, aus der Verfassung. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir diese Jahreszahlen immer wieder bewusst machen musste. Denn viele Schilderungen von Ehe und Familie haben mich gedanklich eher in die 1950er katapultiert.

Anhand verschiedener Beispiele erhalten wir einen sehr intimen Einblick in gescheiterte Ehen - in Ehen, die nach außen perfekt wirken. In „Du-kannst-Dich-glücklich-schätzen“ und „Du-hast-doch-alles“ Ehen. Dabei thematisiert der Autor so viele wichtige Themen, die unter anderem auch das Thema Selbstbestimmung betreffen: Fremdgehen, die Einsamkeit in der Beziehung, Machtgefälle, Bevormundung, Kindesentzug, Sprachlosigkeit, Verletzung, Durchhaltevermögen, Versöhnung, Befreiung… All dies wird sehr eindringlich und doch irgendwie unaufgeregt geschildert.

Die Charaktere - allen voran Colette und Izzy - haben mir in ihrem Facettenreichtum sehr gut gefallen. In diesem Buch gibt es nicht den Helden sondern ganz normale Menschen, mit Träumen, Hoffnungen, Enttäuschungen und falschen Entscheidungen. Es ist ein unfassbar authentisches Buch, dass mit seiner Ehrlichkeit und der Unzulänglichkeit der Personen überzeugt.

Es ist ein Buch das berührt und nachwirkt. Und auch wenn ich nicht mit allen Erkenntnissen der Protagonistin einverstanden bin, verleihen auch sie dem Buch ihre besondere Authentizität.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Düsterer und magischer Auftakt

To Kill A Shadow (Die verfluchten Lande, Band 1)
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„To kill a shadow“ entführt uns in eine düstere Welt, die aufgrund der Abwesenheit der Sonne kurz vor dem Untergang steht.

Mit Kiara und Jude haben wir es mit zwei sehr spannenden Protagonisten zu tun, ...

„To kill a shadow“ entführt uns in eine düstere Welt, die aufgrund der Abwesenheit der Sonne kurz vor dem Untergang steht.

Mit Kiara und Jude haben wir es mit zwei sehr spannenden Protagonisten zu tun, die erst nach und nach zu sich selbst und zueinander finden. Dunkle Geheimnisse warten darauf entdeckt und zahlreiche Gefahren darauf gemeistert zu werden - alles, um das Licht zurück zu bringen.

Mir haben sowohl der Schreibstil als auch der Spannungsbogen sehr gut gefallen. Definitiv ein Buch, dass mich mit einer interessanten Welt und einer durchdachten Handlung schnell und bis zum Schluss gefesselt hat - auch wenn mir die inneren Monologe der im Wechsel erzählenden Protagonisten rund um ihre Gefühle, Selbstzweifel und Ängste teils etwas zu ausschweifend und wiederholend waren.

Es handelt sich um ein Jugendbuch ab 14 Jahren - das erklärt vielleicht auch, warum die Liebesgeschichte zwar emotional intensiv aber recht keuch erzählt wird. Bezüglich der Gewalt muss ich aber sagen, dass es durchaus sehr brutale und blutrünstige Szenen gibt. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Mir hat das Buch auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und ich freue mich jetzt auf die Fortsetzung und gleichzeitig den Abschluss der Dilogie.

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