Geschichte zum Genießen
Frau Hempels Tochter. RomanSehr gern habe ich mich zurückführen lassen in die Vergangenheit vor etwa einhundert Jahren und in das Berliner Kleinbürgermilieu. Frau Hempel ist Portiersfrau eines großen Mietshauses mit Menschen aus ...
Sehr gern habe ich mich zurückführen lassen in die Vergangenheit vor etwa einhundert Jahren und in das Berliner Kleinbürgermilieu. Frau Hempel ist Portiersfrau eines großen Mietshauses mit Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Hier bewohnt sie mit ihrem Mann, einem Schuster, und ihrer Tochter Laura die Kellerwohnung. Seit sie Mutter geworden ist, war ihr klar, dass ihre Tochter es einmal besser haben sollte als sie. Dafür hat sie getan, was sie konnte, dabei allerdings niemals ein Blatt vor den Mund genommen. Sämtliche Hilfsarbeiten im ganzen Haus hat sie angenommen, um das zusätzlich verdiente Geld für die Zukunft ihrer Tochter zu sparen.
Laura fand eine Anstellung als Kindermädchen bei Bankdirektors Bombach, die ebenso im Hause wohnten wie der verarmte Graf, mit dem Laura von Fenster zu Fenster verträumte Blicke tauschte.
Mir gefällt der lebhafte und oft humorvolle Schreibstil der Autorin Alice Berend unglaublich gut. Sehr wohl habe ich mich in der Familie Hempels gefühlt, und besonders habe ich Frau Hempel bewundert, die mit ihrem eisernen Willen das verwirklicht hat, was sie sich vorgenommen hatte.
Es ist so schade, dass die Bücher von Alice Berend im Nationalsozialismus verboten und verbrannt wurden, weil sie Jüdin war. Umso mehr freue ich mich, dass „Frau Hempels Tochter“ unter RECLAMs Klassikerinnen jetzt wieder in einer Neuauflage erschienen ist. Es gibt in dem Buch viele wunderbare Zitate, die es wert sind, sie zu lesen und einfach zu genießen.
Die Geschichte hat mir unterhaltsame Lesestunden geschenkt und sehr gern gebe ich meine volle Leseempfehlung für diesen Rückblick in vergangene Zeiten.