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Veröffentlicht am 27.02.2025

So krass

Wir doch nicht
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WIR DOCH NICHT
Nora Burgard-Arp

TW: Schwangerschaftsabbruch

Hamburg in der Zukunft:
Die Partei SfDD („Sieg für Deutschland und die Deutschen“) hat die Macht übernommen und die bereits drakonischen Gesetze ...

WIR DOCH NICHT
Nora Burgard-Arp

TW: Schwangerschaftsabbruch

Hamburg in der Zukunft:
Die Partei SfDD („Sieg für Deutschland und die Deutschen“) hat die Macht übernommen und die bereits drakonischen Gesetze der vorherigen Regierung noch weiter verschärft. „Kontrollierte Rückführungen“ von Migranten gibt es nicht mehr - entscheidend ist nun allein die „deutsche Abstammung statt Pass“. Wer nicht in dieses Schema passt, muss das Land verlassen.
Frauen werden auf ihre Rolle als Mütter reduziert: Sie haben zu gebären, berufliche Perspektiven gibt es für sie nicht. Verhütung ist verboten, Abtreibung wird mit lebenslanger Haft bestraft. Der Staat überwacht jeden Schritt - Handys werden abgehört, die Kontrolle ist allumfassend. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind untersagt, und die Männer bestimmen über das Land.

Mathilda, 37 Jahre alt, lebt mit ihrem Mann Finn in Hamburg. Sie kennt ihn seit der Schulzeit - damals waren sie bereits ein Paar. Ihre Mutter hatte sie vor ihm gewarnt, doch Mathilda ignorierte alle Bedenken. Auch von Republikflucht wollte sie nichts hören - Deutschland verlassen? Für sie kam das nie infrage. Als ihre Mutter eines Tages verschwand, reagierte sie mit Wut und Unverständnis.
Doch in letzter Zeit schleichen sich Zweifel ein: Hatte ihre Mutter vielleicht doch recht? Finn ist längst nicht mehr liebevoll, und Mathilda weigert sich vom Staat zur „Gebärmaschine“ degradieren zu lassen. Als sie unerwartet schwanger wird, trifft sie eine radikale Entscheidung: Finn darf nichts erfahren. Sie will die Schwangerschaft beenden und nimmt einen Kleiderbügel zur Hilfe.

Doch ihre inneren Verletzungen entzünden sich und es gibt niemanden, den sich Mathilda anvertrauen kann.

Was für eine Geschichte!
Dieses intensive Buch mit seinem packenden Schreibstil hat mich von der ersten Seite an mitgerissen - ich konnte es nicht aus der Hand legen. Diese (viel zu realistische) Dystopie sollte gerade jetzt ganz viel Aufmerksamkeit erhalten - damit wir unsere Demokratie weiterhin schützen und unterstützen.
Ein weiteres Highlight ist die liebevolle Gestaltung des Buches mit kleinen Illustrationen an jedem Kapitelende, die die düstere Atmosphäre perfekt unterstreicht.

Fazit:
Krass und eindringlich! Große Leseempfehlung. BITTE LEST DIESES BUCH!
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2025

Eine zarte, bittersüße Liebesgeschichte!

Für Polina
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Endlich ein neues Buch von Takis Würger!
Nachdem ich all seine bisherigen Werke verschlungen und geliebt habe, konnte ich es kaum erwarten, in sein neuestes Buch einzutauchen.

FÜR POLINA
Takis Würger ...

Endlich ein neues Buch von Takis Würger!
Nachdem ich all seine bisherigen Werke verschlungen und geliebt habe, konnte ich es kaum erwarten, in sein neuestes Buch einzutauchen.

FÜR POLINA
Takis Würger

Polina und Hannes kennen sich seit ihrer Kindheit. Sie wachsen fast wie Geschwister auf, da ihre Mütter, die sich im Krankenhaus kennenlernten, eine tiefe Freundschaft verbindet. Ein Geheimnis teilen die Mütter: Beide verschweigen, wer die Väter ihrer Kinder sind.
Während Polina voller Neugier und Tatendrang ist, ist Hannes eher der stille, in sich gekehrte Junge. Sein außergewöhnliches musikalisches Talent wird erst spät entdeckt.
Schon früh spürt Hannes, dass seine Gefühle für Polina mehr als nur Freundschaft sind. Doch weil Worte nicht seine Stärke sind, komponiert er eine Melodie für Polina - ein Werk, in das er all seine Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht legt.

Ein tragischer Unfall reißt die beiden auseinander und unglückliche Umstände führen schließlich zu einem vollständigen Kontaktabbruch. Doch was wird aus Polina und Hannes? Werden sie ihren Weg zueinander wiederfinden? Gibt es ein Happy End? Diese Fragen müsst ihr selbst herausfinden.

Eine zarte, bittersüße Liebesgeschichte!
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, ob die beiden wieder zueinanderfinden. Takis Würger erzählt von Liebe und Freundschaft, von Abschieden und Neuanfängen, von verpassten Chancen - und berührt damit tief.

Große Leseempfehlung von mir.
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.02.2025

Ein bewegendes Geschwister-Porträt

Die erste halbe Stunde im Paradies
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„Er ist einmal alles für mich gewesen - alles, worauf ich mich verlassen und woran ich glauben konnte. Für mich hat er die ganze Welt zusammengehalten. Und dann ist er aus ihr herausgefallen und auf einem ...

„Er ist einmal alles für mich gewesen - alles, worauf ich mich verlassen und woran ich glauben konnte. Für mich hat er die ganze Welt zusammengehalten. Und dann ist er aus ihr herausgefallen und auf einem fremden Planeten gelandet, während ich zurückgeblieben bin.“ (S.111)

DIE ERSTE HALBE STUNDE IM PARADIES
Janine Adomeit

Vor 20 Jahren:
Anne und Kai sind Geschwister - eng verbunden, obwohl fast sieben Jahre Altersunterschied zwischen ihnen liegen und sie eigentlich nur Halbgeschwister sind. Gemeinsam kümmern sie sich um ihre chronisch kranke Mutter. Während die elfjährige Anne einkauft, kocht und wäscht, übernimmt der ältere Kai die offiziellen Wege und begleitet die Mutter zum Arzt. Anne soll im Hintergrund bleiben, denn die Angst ist groß, dass das Jugendamt sie entdeckt und aus der Familie reißt.
Doch die Situation spitzt sich immer weiter zu. Die Mutter wird zum Pflegefall, kann sich kaum noch allein bewegen, und die Last auf den Schultern der Kinder wächst ins Unerträgliche.

Heute:
Anne ist Pharmareferentin, alleinstehend, bewusst kinderlos und hat seit Langem keinen Kontakt mehr zu ihrem Bruder Kai. Beruflich könnte es nicht besser laufen: Sie arbeitet für das große US-Phamaunternehmen P&H im Bereich Schmerzmittel. Ihre Aufgabe ist es, das umstrittene Schmerzpflaster Fentanyl auf dem norddeutschen Markt einzuführen - möglichst ohne die stark abhängig machende Nebenwirkung zu erwähnen.

Gerade befindet sie sich auf einer großen Tagung des Unternehmens, wo sie einen Vortrag halten soll, als ihr Bruder anruft und sie bittet, ihn aus einer Drogenentzugsklinik auf Pellworm abzuholen.

Janine Adomeit zeichnet auf zwei Zeitebenen ein eindringliches Porträt zweier Geschwister, die viel zu früh Verantwortung übernehmen mussten - überfordert, ohne Kindheit, ohne Jugend.

Die Art und Weise, wie beide ihre Traumata auf ganz unterschiedliche Weise verarbeiten, hat mich tief bewegt. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, mich in die kühle Anne hineinzuversetzen, doch nach wenigen Kapiteln ließ mich das Buch nicht mehr los. Ich habe es in nur zwei Tagen verschlungen.

Eine klare Leseempfehlung!
5/5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.02.2025

Große Leseempfehlung!

Geliebte Mutter – Canım Annem
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„Kennst du die Angst, nach Hause zu kommen und nicht zu wissen, ob die Mutter vielleicht mit ner Vase erschlagen in der Ecke liegt?"

GELIEBTE MUTTER CANIN ANNEM
Çiğdem Akyol

1974:
Aynur wird mit 18 Jahren ...

„Kennst du die Angst, nach Hause zu kommen und nicht zu wissen, ob die Mutter vielleicht mit ner Vase erschlagen in der Ecke liegt?"

GELIEBTE MUTTER CANIN ANNEM
Çiğdem Akyol

1974:
Aynur wird mit 18 Jahren von ihrem Bruder zwangsverheiratet - mit einem Mann, der unter ihrem Stand ist, der aus allen Poren nach Armut riecht und diesen Geruch sein Leben lang nicht loswerden wird. Ihr Bruder will sie einfach nur aus dem Haus haben und redet ihr ein, der Bewerber Alvin lebe in Deutschland ein luxuriöses Leben und habe eine bedeutende Arbeit.
Doch die Realität ist eine andere: Alvin schuftet unter Tage, sie wohnen zu viert in einer kleinen Wohnung ohne Bad, und Geld gibt es kaum. In Deutschland kennt sie niemanden, die Sprache spricht sie nicht, und die Tage ziehen endlos an ihr vorbei.

Erst mit der Geburt ihrer beiden Kinder, Ada und Meryem, empfindet sie für eine kurze Zeit so etwas wie Glück. Sie beginnt in einer Fabrik zu arbeiten, und endlich können sie sich eine eigene Wohnung leisten.

Doch Alvin verfällt dem Glücksspiel. Die Schulden türmen sich, er versetzt alles, was er zu Geld machen kann. Immer häufiger schlägt er seine Familie. Auch Aynur lässt ihre Verzweiflung an ihrer Tochter Meryem aus - mal aus Hilflosigkeit, mal aus Frustration.

Während Aynur sich aufreibt, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, zerbricht in ihnen eine ganze Welt.

Die heranwachsenden Kinder schwanken zwischen Scham und Sehnsucht: Scham über Eltern, die nach all den Jahren noch immer gebrochenes Deutsch sprechen, und die Sehnsucht danach, von ihnen geliebt und anerkannt zu werden. Sie wollen anders sein - freier, selbstbestimmter - und doch suchen sie immer wieder den Stolz in den Augen ihrer Eltern.

Çiğdem Akyol zeichnet in diesem Roman ein beklemmendes, toxisches Familienporträt. Die Gewalt und Spielsucht des Vaters stehen im Mittelpunkt. Doch statt ihre Kinder zu schützen, hält die Mutter an ihm fest - aus Angst, aus Abhängigkeit, vielleicht auch aus Resignation. Ein Leben in einem Land, dessen Sprache sie noch immer nicht sicher spricht, ganz allein? Unvorstellbar.

Was dieses Buch neben seiner Tragik so besonders macht, ist der großartige Schreibstil der Autorin. Flüssig, eindringlich - und immer wieder unterbrochen von Passagen, in denen Meryem in der Ich-Perspektive direkt an ihre Mutter schreibt.

Mich hat das Buch tief berührt. Noch lange werde ich darüber nachdenken. Und immer wieder stellte ich mir beim Lesen die Frage: Wie unwillkommen mussten sich die Gastarbeiter damals gefühlt haben? Ohne Integration, ohne echtes Ankommen?

Ein Meisterwerk, das gelesen werden muss!
#Highlight – Eine große Leseempfehlung!
5/5

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.02.2025

Gefiel mir sehr!

Die blaue Stunde
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DIE BLAUE STUNDE
Paula Hawkins

James Becker, Kurator der Chapman-Sammlung der Fairburn-Stiftung, erfährt, dass eine Skulptur der verstorbenen Künstlerin Vanessa Chapman, die derzeit in der Tate Gallery ...

DIE BLAUE STUNDE
Paula Hawkins

James Becker, Kurator der Chapman-Sammlung der Fairburn-Stiftung, erfährt, dass eine Skulptur der verstorbenen Künstlerin Vanessa Chapman, die derzeit in der Tate Gallery ausgestellt ist, einen menschlichen Knochen enthält.
Das Exponat wurde bereits zur Seite geräumt, und die Galerie besteht auf einer gründlichen Untersuchung. Die Fairburn-Stiftung, die nach Chapmans Tod sämtliche Kunstgegenstände erhalten hat, fürchtet einen Skandal - zumal der Ex-Mann der Künstlerin vor Jahren spurlos verschwand und zuletzt auf der kleinen schottischen Gezeiteninsel Eris gesehen wurde, wo Vanessa Chapman lebte und arbeitete.

Obwohl Becker seine hochschwangere Frau eigentlich nicht allein lassen möchte, überzeugt ihn der Inhaber der Stiftung, selbst nach Eris zu reisen, um mit Grace, der Erbin des Anwesens und ehemaligen Weggefährtin Vanessas, über den Fund des Knochens zu sprechen. Bei dieser Gelegenheit soll er auch die noch immer zurückgehaltenen Tagebuchaufzeichnungen sowie die verschwundenen Kunstwerke einfordern.

Grace, einst Ärztin, betrachtet sich als Hüterin von Vanessas persönlichem Erbe und deren Geheimnissen - und sie ist nicht gewillt, ihre letzten Schätze preiszugeben.

Paula Hawkins, bekannt durch den Weltbestseller The Girl on the Train, hat ein Buch mit einer wunderbaren Atmosphäre geschaffen. Besonders der Schauplatz, die fiktive Insel Eris, die wegen der Gezeiten nur alle sechs Stunden zugänglich ist, hat mich begeistert und die besondere Freundschaft zwischen Vanessa und Grace perfekt abgerundet.

Wer hier einen Thriller oder Krimi erwartet, wird enttäuscht sein. Vielmehr erzählt das Buch die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mit geschicktem Wechsel der Erzähl- und Zeitebenen entwirft Hawkins ein vielschichtiges Porträt, das erst am Ende in einem fulminanten Höhepunkt gipfelt.

Ich habe das Buch sehr genossen und kann mir bereits vorstellen, dass es eines Tages großartig verfilmt wird - mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!
4½/5

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