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Veröffentlicht am 20.07.2025

Fiktionalisierung der Tragödie von Waco

We Burn Daylight
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In "We Burn Daylight" verfolgen wir die Geschichte der beiden Teenager Jaye und Roy - eine Liebesgeschichte, aber auch eine Tragödie. Handlungsort sind die 90er Jahre in Texas, genauer gesagt in Waco. ...

In "We Burn Daylight" verfolgen wir die Geschichte der beiden Teenager Jaye und Roy - eine Liebesgeschichte, aber auch eine Tragödie. Handlungsort sind die 90er Jahre in Texas, genauer gesagt in Waco. Angelehnt an die reale Waco-Tragödie geht es auch hier um eine Sekte, ihren charismatischen Anführer, The Lamb, und das Massaker mit unzähligen Toten.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Roy und Jaye erzählt, was es sehr spannend macht, weil Roy der Sohn des Sheriffs ist, der bei der Polizeiaktion gegen The Lamb federführend dabei ist, berichtet, was außerhalb der Komune geschieht. Jaye hingegen lebt mit ihrer Mutter in der Gemeinschaft der Sekte und so wissen wir auch immer, was sich hinter dem Zaun der Gruppe abspielt. Besonders spannend wird es immer dann, wenn sich die Wege und Gedanken der beiden streifen und ihre Wege und Welten aufeinandertreffen.

Sprachlich ist "We Burn Daylight" sehr gelungen. Der Stil ist einfach, aber liest sich sehr fesselnd und bildlich. Gerade rund um die Stürmung der Sekte kann das emotional auch schon mal taff werden, aber der Zeitgeist wurde auf jeden Fall super eingefangen. Im Mittelteil hat es sich für mich ein bisschen gezogen, hier hätte man die Geschichte durchaus ein bisschen straffen können.

Ein spannendes und eindrucksvolles Buch, das Lust macht, sich mit den realen Ereignissen in Waco zu beschäftigen und das sehr real in die 90er Jahre in Texas entführt.

Veröffentlicht am 30.05.2025

Ungeschönt und trotzdem schön

Sunburn
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„Sunburn“ versetzt uns ins Irland der 90er Jahre, in eine sehr konservative, christliche Kleinstadt mit alten Werten, die wenig aufgeschlossen Neuem gegenüber ist. In genau diesem Umfeld wächst Lucy auf. ...

„Sunburn“ versetzt uns ins Irland der 90er Jahre, in eine sehr konservative, christliche Kleinstadt mit alten Werten, die wenig aufgeschlossen Neuem gegenüber ist. In genau diesem Umfeld wächst Lucy auf. Als sie anfängt, Gefühle für Susannah zu entwickeln, muss sie nicht nur alles in Frage stellen, was sie bisher gelernt hat, sondern auch was es heißt, für sich selbst einzustehen.

Die Geschichte ist sehr emotional und auch teilweise auch ganz schön herausfordernd. Die angeschnittenen Themen sind nicht immer einfach und oft ist es schwer, die Verbohrtheit von Lucys Familie, vor allem ihrer Mutter, und die Ungerechtigkeit, der Lucy ausgesetzt wird, zu ertragen. Aber so unschön das Bild der Gesellschaft auch ist, das hier entworfen wird, so realistisch erscheint es auch für die damalige Zeit.

Lucy ist ein Charakter, den man nicht mögen muss. Sie ist nicht super sympathisch, sondern eher "hässlich realistisch". Aber das hat mich nicht gestört, sondern ich fand eher, dass die Autorin ihre Person einfach sehr gut eingefangen hat. An manchen Stellen sind wir für meinen Geschmack trotzdem etwas zu sehr in ihrem Kopf geblieben und ich hätte mir ein bisschen aktiveren Einbezug der anderen Personen bzw. der Außenwelt, ein paar mehr Dialoge, ein bisschen weniger poetischen Schreibstil gewünscht. Ich glaube, das hätte das Buch noch stärker machen können.

Insgesamt hat mir „Sunburn“ aber echt gut gefallen, gerade weil es stellenweise so ungeschönt und schmerzhaft war. Es hat sich irgendwie wirklich wie ein Fenster in eine andere Zeit (von der es teilweise heute leider auch noch genug gibt) angefühlt, ein bisschen so als läge ein Sepia-Filter über dem Ganzen – wenn je ein Cover perfekt die Stimmung für eine Geschichte eingefangen hat, dann ganz eindeutig hier.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Klassisch, britisch und ein bisschen verwirrend

Campion. Tödliches Erbe
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"Campion - Tödliches Erbe" ist ein Krimi im alten Stil. Wir haben einen (leicht exzentrischen) Ermittler, halten uns vor allem in alten Herrenhäusern auf und tauchen ein bisschen in die Unterwelt ein. ...

"Campion - Tödliches Erbe" ist ein Krimi im alten Stil. Wir haben einen (leicht exzentrischen) Ermittler, halten uns vor allem in alten Herrenhäusern auf und tauchen ein bisschen in die Unterwelt ein. Das liest sich vergnüglich und fühlt sich sehr britisch beim Lesen an.

Albert Campion ist ein eigenwilliger Held, ein junger, leicht schwächlich wirkender Adliger, der oft unterschätzt wird - großer Fehler. Gemeinsam mit Lugg, seinem Diener und treuem Gefährten macht er sich auf, dem Verbrechen die Stirn zu bieten.

In diesem Fall geht es darum einen wertvollen Kelch davor zu schützen, von einer der reichsten Diebes-Banden zu schützen, die es auf die Kostbarkeit abgesehen haben. Doch schnell gibt es auf dem Anwesen der Gyrth den ersten Toten und Campion merkt, dass dieser Auftrag doch ein bisschen herausvordernder wird, als erwartet. Die Handlung ist recht actionreich und für die knapp 300 Seiten passiert so einiges - gerade gegen Ende wirkte aber so manches auf mich ein bisschen verwirrend und abstrus. Da wäre ich lieber bei etwas klassicheren Ermittlungen geblieben und hätte etwas weniger abgedrehte Wendungen gehabt.

Insgesamt ist Campion aber ein unterhaltsamer Ermittler, den man gerne auf seinem Weg begleitet. Er ist bei weitem nicht so stark wie sein Kollege Holmes und dem Roman geht ein bisschen die Raffinesse ab, aber gut lesen kann man ihn allemal.

Veröffentlicht am 25.02.2025

Was für ein wilder Ritt!

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Was habe ich da schon wieder gelesen? Diese Frage habe ich mir nicht nur am Ende des Buches gestellt, sondern jedes Mal, wenn ich das Buch beiseite gelegt habe. "Der letzte Mord am Ende der Welt" ist eine ...

Was habe ich da schon wieder gelesen? Diese Frage habe ich mir nicht nur am Ende des Buches gestellt, sondern jedes Mal, wenn ich das Buch beiseite gelegt habe. "Der letzte Mord am Ende der Welt" ist eine irre Geschichte, ein verrückter Genre-Mix aus Science-Fiction, Apokalypse, Dystopie, Thriller und ein bisschen guter alter Sherlock-Holmes-Manier.

Ich will gar nicht so viel über den Inhalt sagen, weil ich das Gefühl habe, dass das bei diesem Buch eh nicht so viel bringen würde, dafür ist es zu verrückt und gleichzeitig muss man sich eh so sehr auf das Gelesene einlassen, dass es eigentlich auch keine große Rolle spielt. Vielleicht gilt sogar eher umso weniger man weiß, umso mehr kann man sich auf dieses Experiment einlassen.

Im Groben geht es darum, dass 120 Menschen auf einer Insel leben, die umgeben ist von tödlichem Nebel. Auf Grund diverser Umstände steht das Ende der Menschheit kurz bevor, um genau zu sein, verbleiben noch 107 Stunden. Es gibt jedoch einen Ausweg, um das Ende zu verhindern - im Dorft wurde ein Mord verübt und sollte der Täter gefunden werden, kann das Aussterben verhindert werden. Das einzige Problem ist, dass sich niemand an die Mordnacht erinnert ... Und so beginnt ein wahrlich irres Spiel um Menschlichkeit und Erinnerung.

Es war mein erstes Buch von Stuart Turton, aber ich glaube nicht, dass es mein letztes wahr. Dieses Buch war so seltsam, so verstörend, aber gleichzeitig auch so fesselnd und faszinierend, dass es wirklich eine Erfahrung war. Es war teilweise anstrengend zu lesen und manchmal auch einfach nur wirr, und wer nur überfliegen will, kann das Lesen quasi gleich lassen, aber gleichzeitig hat es auch einen gewissen Sog ausgeübt. Insgesamt also auf jeden Fall ein Leseerlebnis, das ich nicht missen möchte. Dieses Buch wird garantiert nicht jedem gefallen, aber wenn man bereit ist, sich auf die Geschichte einzulassen, wird man definitiv belohnt.

Veröffentlicht am 10.02.2025

Sturmhöhe on Ice

The Favourites
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Ich hatte hohe Erwartungen an "The Favourites", wurde es doch im Vorfeld als ein Mix aus "Sturmhöhe" und "Daisy Jones and the Six" angekündigt - zwei Bücher, die ich sehr mag. Und ich muss sagen, ich wurde ...

Ich hatte hohe Erwartungen an "The Favourites", wurde es doch im Vorfeld als ein Mix aus "Sturmhöhe" und "Daisy Jones and the Six" angekündigt - zwei Bücher, die ich sehr mag. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Diese Beschreibung trifft wirklich perfekt auf das Buch zu!

Wir begleiten Kat Shaw und Heath Rocha dabei, wie sie sich in der Welt des Eistanzes nach ganz oben auf das goldene Treppchen kämpfen (und kämpfen ist hier durchaus wörtlich zu nehmen). Es gibt Intrigen und Skandale, es gibt Leidenschaft, es gibt Hass, einfach ganz viele Emotionen, es gibt jede Menge Sport, Wettkampf, Konkurrenz, Glamour und Partys.

Das Buch wird in erster Linie aus Kats Sicht in der Ich-Perspektive erzählt, immer wieder unterbrochen von Interview-artigen Einschüben, die zu einer Doku-Serie über das Leben der beiden Eistanz-Legenden gehören. Für mich hat das sehr gut harmoniert, das Lesen abwechslungsreich gemacht und irgendwie auch einen totalen Sog entwickelt und es wirklich brilliant geschafft, Spannung aufzubauen, da man durch die Einschübe häufig schon ahnte, dass jetzt wieder der nächste Skandal auf uns zu kommen würde.

Wie die Namen der beiden Protagonisten schon verraten, handelt es sich um eine moderne Nacherzählung von "Sturmhöhe" von Emily Bronte. Ich hätte nicht erwartet, dass das so gut mit der Eistanzwelt harmoniert, aber es hat bestens funktioniert. So gut wie alle Figuren konnten ihrem Alter-Ego in "Sturmhöhe" zugeordnet werden und wenn man die Geschichte kennt, konnte man schon sehr gut ahnen, was da noch alles auf uns zu kommen würde. Gerade in der ersten Hälfte laufen die Geschichten wirklich fast parallel. Etwa nach zwei Dritteln gibt es allerdings einen Cut, wo man ganz klar merkt, dass sich "The Favourites" hier löst und eigene Wege geht. An sich finde ich das super und ein spannendes Gedankenexperiment. Doch obwohl ich auch diesen Teil fix weggelesen habe, hat man leider diesen Break deutlich gemerkt und für mich gab es in der Qualität und Originalität der Handlung hier einen ganz eindeutigen Einbruch und auch in der Art, wie sich die Figuren entwickelt haben, was ich sehr schade fand.

"The Favourites" wird von seiner großen Vorlage "Sturmhöhe" getragen, nur auf eigenen Füßen war das Buch leider etwas wackelig unterwegs. Nichtsdestotrotz hat es mir viel Spaß gemacht zu lesen und in die Welt des Eistanzes einzutauchen und ich würde die Geschichte auf jeden Fall weiterempfehlen. Ein wahrer Page-Turner!