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Veröffentlicht am 01.08.2025

Innovative Idee und guter Auftakt, dann aber mit deutlichen Schwächen

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Ich fand die Figurenkonstellation des Romans wirklich äußerst reizvoll. Zwei Frauen treffen in einem Luxus-Hotel aufeinander. Während die eine ihre minutiös geplante, glamouröse Hochzeit feiern möchte, ...

Ich fand die Figurenkonstellation des Romans wirklich äußerst reizvoll. Zwei Frauen treffen in einem Luxus-Hotel aufeinander. Während die eine ihre minutiös geplante, glamouröse Hochzeit feiern möchte, ist die andere nur für ihren Su!zid gekommen. Leider hat der Roman für mich aber zu sehr an der Oberfläche gekratzt, sodass das Potenzial der Idee für mein Empfinden nicht annähernd ausgeschöpft wurde.

Den trockenen Humor der Geschichte mochte ich wirklich gern, fand ihn im Vergleich zum emotionalen Tiefgang aber schlicht zu dominant. Phoebe ist eine richtig interessante, smarte Figur und wie über sie Depressionen dargestellt werden, hat mir gut gefallen. Dafür kann es gar nicht genug authentische Repräsentation geben! Und doch blieb sie mir bis zum Schluss einfach zu distanziert. Auch die Beziehung zwischen Phoebe und Lila wurde an ihrem Potenzial vorbei geschrieben und neben der zweifelsfrei existierenden humorvollen Ebene habe ich eine emotionale Verbundenheit sehr vermisst.

Dabei werden neben psychischer Gesundheit auch einige andere ernste Themen behandelt wie der Tod einer Beziehungsperson oder unfreiwillige Kinderlosigkeit. Und auch den Ansatz einer Sozialkritik mit dem satirischen Blick auf reiche Menschen mochte ich. Doch es fehlte mir einfach der Spark. Mit überspitzten Figuren habe ich in einer Satire kein Problem, doch das ist es irgendwie nicht, was der Roman primär vorgibt zu sein. Ihm fehlt meiner Meinung nach eine gesunde Balance zwischen ernstem Tiefgang und auflockernden Elementen.

Streckenweise ist „Wedding People“ sicherlich gute Unterhaltung und einige Male habe ich dank des gut geschriebenen Humors geschmunzelt. Aber dann gab es auch Phasen, in denen ich quergelesen habe, weil es mir zu platt und langatmig war. So ganz wusste ich bis zum Schluss nicht, wo die Geschichte eigentlich hinmöchte. Wahrscheinlich waren meine Erwartungen aufgrund des Marketings für dieses Buch auch einfach hoch angesetzt. Für einen lockeren oder packenden Summer-Read würde ich das Buch nicht wirklich empfehlen.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Gute Grundlage, aber auf Figurenebene leider ziemlich schwach

Bis mein Herz wieder schlägt
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Ich habe große Erwartungen in dieses Buch gesetzt, weil es mich im Setting an „Wolke Sieben ganz nah“ erinnert hat, das ich letztes Jahr von vorn bis hinten geliebt habe. Diese Konkurrenz ist also schon ...

Ich habe große Erwartungen in dieses Buch gesetzt, weil es mich im Setting an „Wolke Sieben ganz nah“ erinnert hat, das ich letztes Jahr von vorn bis hinten geliebt habe. Diese Konkurrenz ist also schon hart, aber auch ungeachtet dessen konnte mich „Bis mein Herz wieder schlägt“ leider nicht überzeugen.

Besonders durch die erste Hälfte habe ich mich eher geschleppt. Die Zeitsprünge in hohem Tempo laufen immer nur auf Emerys Herzanfälle hinaus. Was danach passiert oder wie es den beteiligten Nebenfiguren währenddessen ergangen ist? Nebensächlich. Kann so entschieden werden, führt in der Konsequenz bei mir aber dazu, dass ich keine Nähe zur Geschichte aufbauen kann, weil sie bruchstückhaft und wenig plausibel wirkt.

Die zweite Hälfte hat mir besser gefallen, was zu großen Teilen daran lag, dass es ein paar spannungstreibende Elemente gab, deren Auflösung ich gerne erfahren wollte. Und ganz am Ende hab ich auch geweint, die Emotionalität kam mir insgesamt aber einfach viel zu spät.

Das ist einer meiner großen Kritikpunkte: Alles dreht sich nur um Emery, aber die bleibt mir bis zum Ende wenig greifbar. Sie scheint mir sehr lange sehr unreif zu sein, mit wenig Selbstreflexion und Empathie für ihre Herzensmenschen. Auch die Nebenfiguren bleiben mehr oder weniger ohne Profil. Sie bekommen allesamt 1-2 Charakterzüge, über ihre echten Emotionen erfahren wir wenig. Ich habe nichts gegen eine Protagonistin im Fokus, aber auch Nebenfiguren brauchen Tiefe, sonst leidet die gesamte Handlung.

Kritikpunkt 2: Die angekündigte Liebesgeschichte bzw. das Liebesdreieck kommt mir deutlich zu kurz für einen Liebesroman. Colin wird von Emery so schrecklich behandelt und tut mir einfach nur leid. Die Chemie zwischen Nick und Emery stellte sich für mich auch nicht so recht ein und die Romance war mir zu konstruiert - schließlich sehen die beiden sich ja auch immer nur eine kurze Zeit lang.

Der Roman lässt sich sprachlich gut lesen und ich würde auch nicht grundsätzlich von der Lektüre abraten. Mir persönlich drehte sich die Geschichte aber zu sehr um eine selbstbezogene Protagonistin mit wenig Wachstum und dafür mit viel emotionaler Distanz. Nebenbei werden auch immer mal wichtige Themen angesprochen, etwa die Diskriminierung queerer Menschen, doch auch die kommen mir schlicht zu kurz. Das Ende fand ich zu großen Teilen gut und emotional, wenngleich ich es mir auch ein wenig anders gewünscht hätte.

Und abschließend noch ein Wunsch an den Verlag: Inhaltswarnungen wären hier meiner Meinung nach angebracht gewesen.

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TW: Krebserkrankung, Tod, Blut, M0rd

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Abgesehen vom Spice bleibt im zweiten Teil nicht mehr viel übrig

Dirty Diana: Die Reise
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Ich fand den ersten Teil der Trilogie durchaus gut, wenn auch auf Spice-Ebene etwas repetitiv und natürlich auch klischeebehaftet. Ich hatte also schon Interesse an Dianas weiterer Reise, bin aber nach ...

Ich fand den ersten Teil der Trilogie durchaus gut, wenn auch auf Spice-Ebene etwas repetitiv und natürlich auch klischeebehaftet. Ich hatte also schon Interesse an Dianas weiterer Reise, bin aber nach der Fortsetzung deutlich ernüchtert.

Was auf jeden Fall bleibt ist der Spice. Ich würde sogar sagen, das dieser noch einmal intensiver war, doch das ist auch mein erster Kritikpunkt. Wie schon im ersten Buch wird der S_x im weiteren Verlauf unglaublich repetitiv, wirkt irgendwann einfach banal und ein wenig so, als solle er davon ablenken, dass die Handlung ziemlich stumpf ist. Ebenso kritisiere ich wieder, dass die 6ualität ziemlich einseitig dargestellt wird (es geht schon primär um P3netration) und mir persönlich auch zu plakativ einfach war, Verhütung spielt bspw. gar keine Rolle.

Mein Hauptkritikpunkt aber: Aus der Grundlage hätte wirklich viel gemacht werden können über weibliches Begehren und das Leben einer Protagonistin Ü40. Mir hat auch Oliver im ersten Buch richtig gut gefallen, weil er ziemlich vielschichtig war. Die Parts zwischen ihm und Diana mochte ich in der Fortsetzung auch noch am meisten, weil sie emotional wenigstens mal ein bisschen abwechslungsreich waren. Irgendwie dreht sich der Konflikt zwischen den beiden für meinen Geschmack auch ein wenig zu lang im Kreis, aber das hätte ich als Spannungsmoment noch akzeptieren können.

Doch viel mehr geht es um Jasper, der eine so unglaublich flache Figur ist, dass es mich wirklich gelangweilt hat. Scheinbar nicht in der Lage, längerfristig ernste Beziehungen einzugehen, aber gleichzeitig sehr demanding, wenn er dann doch mal in der Nähe ist. Und abgesehen davon, dass er Künstler ist, extrem gut bestückt und natürlich absolut besessen von Diana, habe ich auch im zweiten Teil rein gar nichts über ihn erfahren.

Auch Diana selbst bleibt mir nicht greifbar. Ich fühlte mich über weite Strecken hinweg einfach hingehalten und frage mich ernsthaft, ob das wirklich der Stoff für eine Trilogie ist. Ihr Projekt „Dirty Diana“ liegt eigentlich fast vollständig brach, wir erfahren nur, dass im Hintergrund immer mal daran gearbeitet wird. Aber Interviews mit Frauen zu ihren heimlichen Fantasien? Fehlanzeige. Und das ist im Kontrast zum ersten Teil doch sehr enttäuschend, fast so, als wäre dort schlicht schon alles verschossen worden.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich Teil 3 noch lesen möchte. Nichts gegen Spice und auch hier sorgt er natürlich für einen starken Reiz und gewissen Lesesog. Aber wenn ich die Lektüre sacken lasse, muss ich zugeben, dass mich die Handlung vor allem gelangweilt hat und fast alle Figuren blass bleiben. Diana soll wohl eigentlich eine Figur mit Herausforderungen sein, was angesichts ihrer ultraprivilegierten Lage und der oberflächlichen Besprechung tatsächlicher Probleme aber unglaubwürdig wirkt.

Wer hier keine großen Erwartungen in Bezug auf die Tiefe der Geschichte hat und viel Spice sucht, wird hoffentlich auch nicht so enttäuscht sein wie ich. Ich runde ggf. auf dafür, dass sich die Geschichte sehr schnell lesen lässt.

2,5 ⭐️ für Spice-Liebhaber*innen, sonst eher 2 ⭐️

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Veröffentlicht am 07.02.2025

In seiner Banalität irgendwie ein faszinierend-anstrengendes Buch

Xerox
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Zum Hörbuch: Ein wirklich großartiges Hörbuch mit einer Sprecherin, die den trockenen Humor und die grundlegende Banalität des Inhalts perfekt umzusetzen vermag. Ich denke, als Hörbuch funktioniert dieser ...

Zum Hörbuch: Ein wirklich großartiges Hörbuch mit einer Sprecherin, die den trockenen Humor und die grundlegende Banalität des Inhalts perfekt umzusetzen vermag. Ich denke, als Hörbuch funktioniert dieser Roman auch wirklich noch besser, weil mensch sich dann im Dahinplätschern der Geschichte verlieren kann und weniger dazu neigt, Verständnisfragen zu stellen - denn darum geht es auch gar nicht. Das Hörbuch reißt meine Wertung wirklich noch einmal etwas nach oben.

Zum Buch selbst: „Xerox“ ist ein so skurriler Roman, dass meine Meinung zu ihm nicht leicht zu greifen ist. Es fiel mir eher schwer, in die Geschichte einzusteigen und bis zum Schluss konnte ich keine Beziehung zur namenlosen Protagonistin aufbauen. Ich denke, genau darum geht es aber auch und mit entsprechend gesetzten Erwartungen wäre mir das alles etwas leichter gefallen.

Fien Veldman hat einen so banalen, eigenartigen Roman geschrieben, dass es eigentlich schon wieder gut ist. Sie schafft es durch Stilmittel wie das völlige Auslassen von Figurennamen, die Unbedeutsamkeit und Austauschbarkeit der arbeitenden Menschen darzustellen. Der trockene Humor, welcher mir sehr gefallen hat, unterstreicht das zusätzlich.

Und doch war es für mich nicht unbedingt ein Match. Ich habe zu lange kämpfen müssen, um mich auf das Buch einzustellen und war oft verwirrt von den Rückblenden, der dargestellten Mensch-Drucker-Beziehung und später auch von der Drucker-Erzählperspektive. Als Mensch, der viel um Verständnis bemüht ist, geriet ich mit „Xerox“ stark an meine Grenzen. In der zweiten Hälfte hat es grundsätzlich besser geklappt, aber das Buch wird mir dadurch nicht sonderlich in Erinnerung bleiben.

Ich halte es für wirklich wichtig, dass mensch mit entsprechenden Vorstellungen in die Lektüre geht. Am besten ist es, die Geschichte einfach nur hinzunehmen, sie um sich herumfließen zu lassen und nichts zu hinterfragen. In dem Fall kann es eine kurzweilige Lektüre sein, die jedoch gleichzeitig gesellschaftskritische Fragen rund um Hustle Culture und Sinnhaftigkeit im Kapitalismus aufwirft. Menschen, die keine Beziehungsebene zu den Figuren brauchen und vielleicht sogar selbst einen öden Bürojob haben, werden hier sicher mehr Freude haben als ich.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Spannende Grundlage, aber recht verwirrend erzählt

Ein anderes Leben
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Zum Hörbuch: Ich finde es immer sehr schön, wenn die Autor*innen selbst das Hörbuch einsprechen - das gibt dem Hörerlebnis einen persönlicheren Touch. Caroline Peters hat eine angenehme Stimme mit schöner ...

Zum Hörbuch: Ich finde es immer sehr schön, wenn die Autor*innen selbst das Hörbuch einsprechen - das gibt dem Hörerlebnis einen persönlicheren Touch. Caroline Peters hat eine angenehme Stimme mit schöner Varianz, der ich gerne zugehört habe. Verschiedene Emotionen und Figuren hat die Sprecherin wirklich greifbar umgesetzt.

Zum Buch selbst: Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um in die Handlung hineinzufinden und ehrlicherweise habe ich bis zum Schluss keinen guten Überblick über die ganzen Figuren gehabt. Die vielen Namen und Verbindungen haben mich sehr verwirrt. Das hat es mir auch ziemlich schwer gemacht, emotionale Verbundenheit zu ihnen aufzubauen.

An sich finde ich die Idee, die Geschichte der eigenen Mutter im Rückblick zu erkunden, wirklich spannend und habe mit der Protagonistin auf ihrer Suche nach bestimmten Wahrheiten und Erkenntnissen mitgefühlt. Gern mochte ich dabei auch den subtilen Alltagshumor, mit dem die erzählende Tochter über Vergangenes reflektiert.

Doch insgesamt konnte mich das Buch nicht erreichen. Es gab einige gute Szenen, die ich als tiefgründig empfunden und über welche ich gern noch viel mehr erfahren hätte. Die ganze Vergangenheit rund um eine Fluchtgeschichte und Dinge, über die nicht eben gesprochen wurde, aber auch um allgegenwärtigen Sexismus fand ich wirklich interessant, doch viel zu schnell waren die meisten Szenen wieder verpufft. Und vor allem emotional konnte ich mit den Figuren wenig anfangen. Manchmal tat mit Hanne in ihrer Situation leid, doch dann fand ich sie im Umgang mit ihren Kindern wieder einfach nur schrecklich.

Der Roman hat eine gute Grundlage und die potenziellen autobiografischen Züge der Geschichte sind spannend. Doch die Figurenlast und Zeitsprünge haben mich eher verwirrt, eine emotionale Tiefe fehlte mir. Deshalb wird mir das Buch nicht in Erinnerung bleiben.

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