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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2025

Ein Lesevergnügen der ganz besonderen Art

Die Fletchers von Long Island
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Im Mittelpunkt des neuen Romans von Taffy Brodesser Akner steht die Entführung von Carl Fletcher bzw. die Auswirkungen, die diese Tat auf jedes einzelne Familienmitglied hat.
1980 wird Carl, reicher Fabrikant ...

Im Mittelpunkt des neuen Romans von Taffy Brodesser Akner steht die Entführung von Carl Fletcher bzw. die Auswirkungen, die diese Tat auf jedes einzelne Familienmitglied hat.
1980 wird Carl, reicher Fabrikant und männliches Oberhaupt der amerikanisch-jüdischen Familie Fletcher, vor seinem Haus in Long Island gekidnappt. Nach einer Lösegeldzahlung wird er zwar einige Tage später wieder freigelassen, doch so einfach wie sich die Familie das vorstellt, lassen sich die Ereignisse nicht verdrängen.
Und so erfahren wir, vor allem anhand der drei Kinder Beamer, Nathan und Jenny, wie dieses traumatische Erlebnis das Leben jedes einzelnen beeinflusst und lernen gleichzeitig auf höchst unterhaltsame Weise einiges über jüdische Familientraditionen und Denkweisen.
Nacheinander lernen wir Beamer, Nathan und Jenny kennen und schnell wird deutlich, dass nicht allein der Entführungsfall, sondern vielmehr der Reichtum der Familie ihre sehr unterschiedlichen Lebenswege stark beeinflusst hat.
Denn jeder von ihnen kämpft mit seinen eigenen Dämonen. Statt eines glücklichen Lebens in Saus und Braus geht es bei den Geschwistern um Ziellosigkeit, Drogen, Depressionen und Ängste.
Aus meiner Sicht ist der Autorin sowohl sprachlich als auch bei der Kreation der Figuren ein großer Wurf gelungen. Nathan, Beamer und Jenny werden als Charaktere komplett durchleuchtet und auseinandergenommen, und auch die Mutter Ruth sowie deren Schwiegermutter sind eindrucksvolle Persönlichkeiten, deren Aussagen einen manchmal fassungslos zurücklassen.
Manche Episoden im Buch sind einfach herrlich skurril, andere stimmen nachdenklich, aber unterhaltsam bleibt es durchgehend.
Vor allem der wirklich besondere, bissige Humor hat es mir angetan.
Selten habe ich mir so viele Zitate aufgeschrieben, denn dieser Roman strotzt nur so vor Sätzen, die es wert sind, öfter gelesen zu werden.
Mit dafür verantwortlich ist sicher auch die tolle Übersetzung, die ich an dieser Stelle unbedingt erwähnen möchte.

Fazit
„Die Fletchters von Long Island“ ist eine außergewöhnliche Familiengeschichte, grandios geschrieben und unbedingt lesenswert.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Uneingeschränkte Leseempfehlung für diese bewegende und spannende Familiengeschichte

Stromlinien
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„Stromlinien“ von Rebekka Frank ist eine ebenso dramatische wie spannende Familiengeschichte.

Die Zwillinge Enna und Jale wachsen bei ihrer Großmutter in den Elbmarschen auf.

Sehr naturnah verbringen ...

„Stromlinien“ von Rebekka Frank ist eine ebenso dramatische wie spannende Familiengeschichte.

Die Zwillinge Enna und Jale wachsen bei ihrer Großmutter in den Elbmarschen auf.

Sehr naturnah verbringen sie dort ihre Kindheit und Jugend, aufs Engste miteinander verbunden, und zählen die Tage bis ihre Mutter Alea nach mehr als 30 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden soll. Über den Grund ihrer Verhaftung wird in der Familie nicht gesprochen.

Doch an dem Tag, den alle so herbeigesehnt haben, ist plötzlich nichts so wie geplant. Nicht nur Alea ist plötzlich verschwunden, sondern auch noch Jale. Völlig außer sich begibt sich Enna auf die Suche nach den beiden und stößt dabei auf die dramatische Geschichte ihrer Familie.



Der neue Roman von Rebekka Frank hat mich in seiner Gesamtheit absolut begeistert.

Auf verschiedenen Zeitebenen, die durch eine Datumsangabe immer sehr genau gekennzeichnet sind, erleben wir, wie eine einzige Entscheidung das ganze Leben beeinflussen kann. Und nicht nur das. Sie kann immer größerer Kreise ziehen, die sich selbst auf das Leben nachfolgender Generationen und wiederum deren Entscheidungen auswirkt.

Jeder Erzählstrang dieses Romans ist für sich allein schon sehr fesselnd, doch so gekonnt miteinander verbunden wird daraus ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.

Sowohl auf die Landschaftsbeschreibungen, als auch auf die Ausarbeitung der Charaktere hat die Autorin Rebekka Frank ein besonderes Augenmerk gerichtet. Enna und Jale sind trotz aller Gemeinsamkeiten sehr verschieden, genauso wie ihre Oma Ehmi und deren Zwillingsschwester Greetje.



„Stromlinien“ hat alles, was es braucht, um für mich zum Buchhighlight zu werden; ein tolles Setting, besondere Charaktere und eine bewegende Familiengeschichte, die bis zum Schluss spannend bleibt.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Eine geniale Mischung aus Thriller und Gesellschaftsroman

Der Gott des Waldes
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Es ist Sommer in den Adirondacks Mountains, wo sich im Jahr 1975 wieder etliche Jugendliche im Sommercamp treffen. Barbara ist zum ersten Mal hier und ausgerechnet sie, die reiche Tochter der Familie ...

Es ist Sommer in den Adirondacks Mountains, wo sich im Jahr 1975 wieder etliche Jugendliche im Sommercamp treffen. Barbara ist zum ersten Mal hier und ausgerechnet sie, die reiche Tochter der Familie Van Laar, der sowohl das Camp als auch das Umland gehören, liegt morgens nicht in ihrem Bett. Und als könnte das nicht schon dramatisch genug sein, ist auch noch ihr Bruder Bear in denselben Wäldern vor vielen Jahren spurlos verschwunden.
Die Suche nach Barbara hält alle in Atem und reißt zudem alte Wunden auf. Nicht nur die Polizei stellt sich die Frage, ob das Verschwinden der beiden Geschwister zusammenhängen könnte.

Liz Moores literarischer Thriller überzeugt von der ersten bis zur letzten Seite und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Wenn ich entscheiden müsste, was mir an diesem Roman am besten gefallen hat, müsste ich wirklich passen. Das Setting mit Lagerfeuerflair, die ausgefeilten Charaktere, der Spannungsaufbau, die Dramatik - hier passt einfach alles, sodass „Der Gott des Waldes“ es eindeutig auf meine Lesehighlight-Liste geschafft hat.

Die Kapitel sind teilweise sehr kurz und ständig wechseln sowohl die Perspektiven als auch die Zeiten. Das klingt zunächst ziemlich kompliziert, ist es aber in keinster Weise. Der Roman ist so toll konstruiert, dass keinerlei Verwirrung entsteht, sondern sich die Spannung einfach immer noch weiter aufbaut.
Knapp 600 Seiten geballte Spannung und Dramatik ohne Blutvergießen - das schaffen wirklich nicht viele Thriller.
Starke Frauenfiguren stehen u.a. mit Barbara, T.J. und Judyta im Vordergrund; jede ist auf ihre Weise verletzlich, aber taff. Mit allen fühlt man sich im Laufe der Geschichte verbunden.
Die Autorin legt falsche Fährten, streut Misstrauen und sorgt so dafür, dass das Rätsel nicht zu früh aufgedeckt werden kann.

Fazit
Eine grandiose Mischung aus Thriller und Gesellschaftsroman - anspruchsvoll und fesselnd bis zur letzten Seite.
Absolute Leseempfehlung für alle Liebhaber von Spannungsliteratur, die ohne Brutalität und Blutvergießen auskommt.

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Veröffentlicht am 11.02.2025

Bildstark-emotional-spannend

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Elijah Leigh kehrt nach einigen erfolglosen Jahren in der Großstadt in seinen kleinen Heimatort Point Orchards zurück. Mit großen Ambitionen aufgebrochen, muss er bei seiner Rückkehr nicht nur ganz von ...

Elijah Leigh kehrt nach einigen erfolglosen Jahren in der Großstadt in seinen kleinen Heimatort Point Orchards zurück. Mit großen Ambitionen aufgebrochen, muss er bei seiner Rückkehr nicht nur ganz von vorn anfangen, er muss es auch noch alleine tun. Denn sein Vater ist zwischenzeitlich verstorben und seine Jugendliebe Nakita empfängt ihn auch nicht mit offenen Armen.

Also schlägt er sich allein durch, baut die Hütte seines Vaters wieder auf und beginnt, sich durch Gemüseanbau und Hühnerhaltung größtenteils selbst zu versorgen.



Die Handlung wird einerseits im Jahr 1994 vorangetrieben, ab dem Zeitpunkt an dem die Leiche der Dorfärztin gefunden wird. Der zweite Erzählstrang führt die Leser in der Zeit zurück, beginnend mit einem Versprechen, das sich Elijah und Nakita im Jahr 1973 geben.

Einerseits verfolgt man die Ermittlungen, andererseits erfährt man durch die Ereignisse in der Vergangenheit, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass die attraktive Ärztin Erin ihr Leben lassen musste.



Geschickt lässt die Autorin die beiden Stränge erst nebeneinander her, dann aufeinander zu laufen, wodurch sich ein regelrechter Sog entwickelt und eine Spannung, die ich in der Art gar nicht erwartet hatte.



Elijahs naturnahe Lebensweise wird so bildhaft beschrieben, dass einen eine tiefe Ruhe überkommt und man seinen Stolz über das selbst Geschaffene teilt, obwohl man nur darüber gelesen hat.

Emotional geht man mit Elijah durch alle Höhen und Tiefen; und wenn er mir auch nicht unbedingt durchgehend sympathisch war, habe ich doch immer mit ihm mitgefühlt.

Seine Beziehung zu Nakita, die sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen muss, ist rührend, ohne kitschig zu sein.

Und schließlich tragen einige unerwartete Wendungen dazu bei, dass man mit Spannung der Auflösung entgegenfiebert.



Fazit

„Middletide“ ist ein stimmungsvoller Roman über Vertrauen, Verlust und die Liebe zur Natur, der sich in kürzester Zeit verschlingen lässt.

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Veröffentlicht am 11.02.2025

Mitreißender Roman, der die Französische Revolution erlebbar macht

Die Farben der Revolution. Éléonore und Robespierre
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Im Mittelpunkt dieses historischen Romans von Jeanette Limbeck stehen die Malerin Eleonore Duplay und der als brutaler Revolutionsführer in die Geschichte eingegangene Maximilien de Robespierre.
Die beiden ...

Im Mittelpunkt dieses historischen Romans von Jeanette Limbeck stehen die Malerin Eleonore Duplay und der als brutaler Revolutionsführer in die Geschichte eingegangene Maximilien de Robespierre.
Die beiden begegnen sich 1791 in Paris als Jeanette nur knapp einem Blutbad am Rande einer Demonstration entgeht. Die Anziehung zwischen Eleonore und Maximilien ist sofort spürbar, doch die politische Lage ist brisant und Eleonore muss sich entscheiden, ob sie wirklich die Frau an der Seite eines hoch gelobten, aber auch abgrundtief gehassten Revolutionärs sein möchte.

Normalerweise ist mein Lesetempo recht hoch, doch für Jeanette Limbecks Werk habe ich mir viel Zeit gelassen. Denn aus Schulzeiten nur mit einem groben historischen Gerüst, was die Französische Revolution betrifft, ausgestattet habe ich immer wieder über bestimmte Personen und Ereignisse nachgelesen.
Für mich war das einfach wichtig, um die komplizierten politischen Verwicklungen zu dieser Zeit auch wirklich nachvollziehen zu können.
Man kommt allerdings auch völlig ohne andere Quellen aus, da die Autorin sehr viel Wissenswertes übersichtlich am Anfang und Ende des Buches liefert.
In „Die Farben der Revolution“ steckt soviel Wissen gepaart mit guter Unterhaltung, dass es für mich zu einem richtigen Leseerlebnis wurde.
Die Beziehung zwischen Maximilien und Eleonore ist anfangs noch zart und es ist schön, ihre Entwicklung zu verfolgen. Eleonore ist eine interessierte junge Frau, die sich für ihre Überzeugungen lautstark einsetzt und ihre Leidenschaft, das Malen, nie aufgibt.
Robespierre wird in diesem Roman einmal von einer anderen Seite beleuchtet.
War er wirklich einer der brutalsten Revolutionsführer, der Frankreich in den Terror abgleiten ließ oder wurde er Opfer der politischen Wirren und musste als Sündenbock für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung herhalten?
Jeanette Limbeck setzt sich mit diesen Fragen auf äußerst unterhaltsame Weise auseinander und gibt im Nachwort noch Informationen zur historischen Genauigkeit.

Fazit
Ein hervorragend recherchierter historischer Roman für alle, die Geschichte hautnah erleben wollen.

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