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Veröffentlicht am 25.03.2025

Ein schönes Werk über Friedrich

Zauber der Stille
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„Zauber der Stille“ ist ein populärwissenschaftliches Sachbuch von Florian Illies, das sich mit Werk, Leben und Rezeption von Caspar David Friedrich auseinandersetzt. Inhaltlich unterteilt ist das Buch ...

„Zauber der Stille“ ist ein populärwissenschaftliches Sachbuch von Florian Illies, das sich mit Werk, Leben und Rezeption von Caspar David Friedrich auseinandersetzt. Inhaltlich unterteilt ist das Buch in vier Kapitel: „Feuer“, „Wasser“, „Erde“ und „Luft“. Jedes Kapitel berührt thematisch zu den vier Elementen Passendes. Zur Veranschaulichung sei kurz „Feuer“ beleuchtet: Biografisch wird Friedrichs Herkunft aus einer Kerzenmacher-/Seifensiederfamilie angespielt, werkimmanent wird u. a. der glühende Himmel von „Das Große Gehege“ beschrieben. Gleichzeitig wird hier auch thematisiert, dass Werke Caspar David Friedrichs mehrfach dem Feuer zum Opfer gefallen sind. Man merkt schon: Erzählt wird hier nicht chronologisch: Florian Illies springt zwischen Episoden, Anekdoten und Zeiten, erzählt mal etwas aus Friedrichs Leben, um sich dann einem bestimmten Werk Friedrichs zu nähern und dessen (Rezeptions-)Geschichte zu beleuchten. Dadurch entsteht ein ungemein abwechslungsreiches, buntes Bild von Caspar David Friedrich, das alles andere als trocken ist. Dies liegt auch an Illies‘ Erzählstil: Illies verpackt die Informationen in kleinen, kurzweiligen Erzählungen, die sehr anschaulich sind und dadurch im Kopf bleiben. Besonders hat mir gefallen, dass man – trotz der teilweise vorhandenen Kürze der einzelnen Ausführungen – Friedrich und seine Gemälde von einer anderen, menschlichen Seite sieht. Insgesamt ist „Zauber der Stille“ ein schön geschriebenes Buch, das sich insbesondere für Lesende eignet, die sich bisher noch nicht intensiver mit Caspar David Friedrich beschäftigt haben.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Ein fesselndes Familiendrama

Die Frauen im gelben Haus
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Inhalt: Die sechzehnjährige Anna lebt bereits seit einigen Jahren bei einer Pflegefamilie, die es nicht immer gut mit ihr meint. Doch dann erfährt sie unverhofft, dass sie noch eine Großmutter hat: Belle ...

Inhalt: Die sechzehnjährige Anna lebt bereits seit einigen Jahren bei einer Pflegefamilie, die es nicht immer gut mit ihr meint. Doch dann erfährt sie unverhofft, dass sie noch eine Großmutter hat: Belle nimmt Anna bei sich auf, allerdings gestaltet sich das zusammenleben schwierig. Denn: Anna fällt es aufgrund gemachter Erfahrungen schwer, Belle zu vertrauen – und tatsächlich erfährt Anna bald, dass Belle ihr etwas verschweigt…

Persönliche Meinung: „Die Frauen im gelben Haus“ ist ein Familiendrama von Josephine Katharina Groß. Erzählt wird die Handlung aus mehreren personalen Perspektiven auf drei Zeitebenen. Im Jahr 1971 begleiten wir Anna, wie sie in South Carolina bei ihrer Großmutter versucht, sich ein neues Leben aufzubauen; wie sie Freunde findet, sich verliebt, aber gleichzeitig mit den Dämonen ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat. Der zweite Handlungsstrang spielt in den 1930ern, ebenfalls in South Carolina, und dreht sich um die junge Belle, die ihre Träume verwirklichen möchte, durch ihre Hautfarbe allerdings rassistischen Vorbehalten/Übergriffen ausgesetzt ist. Der dritte Handlungsstrang, der zunächst in Paris spielt, findet im Kontext des Ersten Weltkriegs statt. Hier begegnen wir Amelie, der Mutter Belles, wie sie ihr bisheriges Leben für die Liebe aufgibt. Der Wechsel der Erzählstränge erfolgt mit einem stimmigen Tempo; außerdem enden die Abschnitte meist mit Cliffhangern, sodass man unbedingt weiterlesen möchte. Ein rätselhafter Prolog sorgt für zusätzliche Spannung. In allen drei Zeitebenen finden sich Coming of Age-Elemente, wobei diese aber jeweils variieren und – je nach Zeitkontext – anders konnotiert sind, sodass hier keine Wiederholungen aufkommen. Zudem diskutiert der Roman im historischen Gewand Problemfelder, die auch die heutige, außerliterarische Welt beschäftigen, wie (Alltags-)Rassismus, sexuelle Gewalt und die Rolle der Frau. Der Schreibstil von Josephine Katharina Groß lässt sich flüssig lesen und ist anschaulich sowie detailliert, sodass man unweigerlich mit den Protagonistinnen leidet, hofft und bangt. Insgesamt ist „Die Frauen im gelben Haus“ ein facettenreiches Familiendrama mit fesselnder Handlung.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Ein bildgewaltiger, intensiver historischer Roman

Tod und Teufel
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Inhalt: 1260. Jacop der Fuchs, seines Zeichens Dieb und Herumtreiber, befindet sich gerade auf einem Apfelbaum im Garten von Konrad von Hochstaden, dem Erzbischof von Köln, um ein paar Äpfel zu stibitzen, ...

Inhalt: 1260. Jacop der Fuchs, seines Zeichens Dieb und Herumtreiber, befindet sich gerade auf einem Apfelbaum im Garten von Konrad von Hochstaden, dem Erzbischof von Köln, um ein paar Äpfel zu stibitzen, als ihm auf einem Gerüst der nahe gelegenen Dombaustelle zwei Personen gewahr werden: Die eine stößt, die andere stürzt. Jacop eilt zu dem Gestürzten, er-kennt in ihm den Dombaumeister Gerhard, kann ihm aber nicht mehr helfen: Nachdem Gerhard Jacop eine letzte Botschaft zuraunt, haucht er sein Leben aus. Und plötzlich ist Jacop unfreiwillig Teil eines mörderischen Komplotts…

Persönliche Meinung: „Tod und Teufel“ ist ein historischer Roman von Frank Schätzing. Handlungsort des Romans ist das mittelalterliche Köln, das facettenreich sowie atmosphärisch intensiv dargestellt wird: Man besucht mit Jacop die Dombaustelle, begibt sich auf Diebeszü-ge durch die Marktstände auf dem Heumarkt, stromert durch Berlich, Filzengraben und Se-verinstraße (Man merkt es schon: Für Kölner*innen ist „Tod und Teufel“ eine Pflichtlektüre). Die Handlung strotzt nur so vor Historischem: Kölner Stadtgeschichte (z. B. der Bau der Stadtmauer oder die Verwaltung der Stadt) und globale Ereignisse (z. B. die Kreuzzüge) spie-len ebenso eine Rolle wie zeitgenössische Diskurse über die Theologie. Der historische Hinter-grund ist dabei fundiert recherchiert. So wird insgesamt eine Welt erschaffen, in die man wirklich schön abtauchen kann. Erzählt wird der Roman aus unterschiedlichen personalen Per-spektiven, wobei Jacop den Ankerpunkt bildet. Die Figuren werden mit ihren Ecken und Kan-ten lebendig und dreidimensional gezeichnet, sodass man unweigerlich mit ihnen bangt und fühlt. Wer der Mörder ist, steht zwar schon zu Beginn der Handlung fest, allerdings hat das für mich nicht das Lesevergnügen geschmälert. Denn: Die Mörderfigur umwogt etwas Myste-riöses, das erst zum Schluss aufgelöst wird und so latent für Spannung sorgt. Insgesamt ist „Tod und Teufel“ ein atmosphärisch dichter historischer Roman mit lebendigen Figuren, an dem insbesondere (aber nicht nur!) Geschichtsinteressierte ihre Freude haben werden.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Ein zeitloser Jugendbuchklassiker

Krabat
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Inhalt: Krabat zieht gerade mit zwei anderen Waisenjungen als Heilige Drei Könige durch die Lande, als er mehrfach einen seltsamen Traum hat: Eine Stimme befiehlt ihm, die Mühle in Schwarzkollm aufzusuchen. ...

Inhalt: Krabat zieht gerade mit zwei anderen Waisenjungen als Heilige Drei Könige durch die Lande, als er mehrfach einen seltsamen Traum hat: Eine Stimme befiehlt ihm, die Mühle in Schwarzkollm aufzusuchen. Kurzerhand verlässt er die beiden anderen „Könige“ und begibt sich auf die Suche nach der Mühle. Dort angekommen, wird schnell klar: Nicht nur das Mül-lern wird er hier lernen…

Persönliche Meinung: „Krabat“ ist ein Jugendbuchklassiker von Otfried Preußler, der einer-seits Elemente der Phantastik und andererseits Coming of Age-Elemente besitzt. Die Phantas-tik findet sich insbesondere im Handlungsort der Mühle, denn diese ist – so viel sei verraten – eine Schwarze Schule, in der Magie gelehrt wird (Krabat kann insofern als früher Harry Potter gesehen werden). Innerhalb dieser magischen Zone passiert allerlei Mysteriöses, was für Kra-bat, aus dessen (personaler) Perspektive erzählt wird, nicht von Beginn an zu durchschauen ist. Diese Rätselhaftigkeiten sorgen für eine latente Spannung innerhalb der Handlung. Daneben ist „Krabat“ auch ein Coming of Age-Roman: Die Handlung erstreckt sich über drei Jahre, in denen Krabat erwachsener wird. So lernt er neue Freunde kennen, verliebt sich und lernt, Ver-antwortung zu übernehmen. Der Ton von „Krabat“ ist über weite Strecken eher düster, aller-dings finden sich immer wieder schwankhafte Zwischengeschichten, die den Roman auflo-ckern. Die Handlung von „Krabat“ ist perfekt konstruiert: Gestreute Brotkrumen werden in späteren Kapiteln geschickt aufgegriffen. Zudem finden sich am Ende einzelne unerwartete Wendungen (erwachsene Leserinnen werden diese vermutlich erahnen können, für Lesean-fängerinnen können sie aber durchaus überraschend sein). Die Sprache in „Krabat“ ist aus-drucksstark und fesselnd, erzeugt dadurch unweigerlich Spannung, sodass man „Krabat“ kaum beiseitelegen kann. Insgesamt ist „Krabat“ ein zeitloser Jugendliteraturklassiker, der auch beim erneuten Lesen seine Spannung voll entfalten kann.

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Veröffentlicht am 11.02.2025

Ein fesselnder Roman mit liebevoll ausgestalteten Figuren

Zwei Leben
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Inhalt: Salach, ein kleines Dorf, 1971. Roberta kehrt von ihrer Schneiderlehre in der Stadt auf den Hof ihrer Eltern zurück. Eigentlich möchte sie Kleider designen, doch ihre Eltern haben andere Pläne: ...

Inhalt: Salach, ein kleines Dorf, 1971. Roberta kehrt von ihrer Schneiderlehre in der Stadt auf den Hof ihrer Eltern zurück. Eigentlich möchte sie Kleider designen, doch ihre Eltern haben andere Pläne: Da Roberta Einzelkind ist, soll sie den Hof übernehmen – was zu Reibereien führt. Einziger Lichtblick: Wilhelm, des Pfarrers Sohn, mit dem Roberta als Kind schon befreundet war, den sie nun aber ganz neu kennenlernt…

Persönliche Meinung: „Zwei Leben“ von Ewald Arenz wird aus zwei personalen Perspektiven erzählt: Auf der einen Seite begegnen wir der bereits im Inhaltsteaser vorgestellten Roberta. Daneben trifft man auf Gertrud, die Mutter von Wilhelm. So unterschiedlich die beiden Figuren sind – lange Strecken des Romans kennen sie sich gar nicht wirklich –, geeint sind sie in ihrer Stärke: Beide sind auf der Suche nach ihrem Selbst, sehen sich mehr und mehr vom dörflichen Mikrokosmos eingeengt, der durch Vorurteile, Rollenbilder und Erwartungen geprägt ist (vor diesem Hintergrund nimmt „Zwei Leben“ Züge eines Gesellschaftsromans/Sittengemäldes an). Die Selbstfindungsprozesse der Protagonistinnen werden innerhalb des Romans verschiedenartig aufgefächert: Während die eine Generation ältere Gertrud sich aufgrund der dörflichen Zwänge teilweise verbietet, ihren Weg zu gehen, ist Roberta offener: Robertas Entwicklung ähnelt einem klassischen Coming of Age: So kapselt sie sich (nicht konfliktfrei) von ihren Eltern ab, findet ihre erste Liebe und ist insgesamt liberaler als die Dorfgemeinschaft. Ein Highlight des Romans war für mich der Großvater von Roberta. Zu viel will ich hier nicht verraten. Nur: Er hat einen großen Anteil an Robertas Entwicklung und ich glaube, es wird niemanden geben, der Robertas Großvater nicht lieben wird. Die Handlung selbst ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Szenen voller Glück finden sich neben Szenen voller Tragik; wenige der Wendungen des Romans kann man erahnen. Bei all dem erzählt Ewald Arenz dicht und empathisch, sodass sehr lebendige Szenen entstehen. Insgesamt ist „Zwei Leben“ ein sehr flüssig zu lesender Roman mit liebevoll ausgestalteten Protagonisten und einer fesselnden Handlung.

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