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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2025

Ein wenig betrachtetes Gefühl

Scham
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Im gleichnamigen Buch beschäftigt sich Matthias Kreienbrink mit einem Gefühl, das in meiner Wahrnehmung bisher wenig bis keine Sichtbarkeit bekommen hat: Scham. Zunächst leitet er damit ein, wie Scham ...

Im gleichnamigen Buch beschäftigt sich Matthias Kreienbrink mit einem Gefühl, das in meiner Wahrnehmung bisher wenig bis keine Sichtbarkeit bekommen hat: Scham. Zunächst leitet er damit ein, wie Scham entsteht, in welchem Alter und in welchen typischen Situationen wir Scham häufig empfinden und welche Prozesse im Körper dabei stattfinden. Dabei spielt unsere Sozialisierung natürlich eine entscheidende Rolle.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, recht neutral und sachlich, in den richtigen Momenten humorvoll. Matthias Kreienbrink erzählt von seinen eigenen Erfahrungen mit der Scham und lässt andere Menschen zu Wort kommen, die von schamhaften Momenten oder Beschämungen erzählen. Darin können sich sicherlich viele Leser*innen wiederfinden. Er schafft es, einen guten Mix aus wissenschaftlichen Fakten und Information und persönlichen Erlebnissen zu schaffen.

Durch die Lektüre habe ich einen guten Überblick über die verschiedenen Dimensionen und Wirkbereiche von Scham, der Entstehung, Sozialisierung und den Umgang damit bekommen.

Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen und bin generell dafür, dass mehr über Gefühle gesprochen und geschrieben wird und gerade negativ konnotierte Gefühle wie Wut oder Scham benannt und enttabuisiert werden.

Veröffentlicht am 02.04.2025

Zweite Chancen

Almost isn't enough. Echoes of the Past (Secrets of Ferley 2)
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Damian geht nachts mit seinem Hund durch den Park, als plötzlich seine Jugendliebe Hazel vor ihm steht. Sie hat ihm vor drei Jahren das Herz gebrochen, als sie ohne Abschied die Kleinstadt verlassen und ...

Damian geht nachts mit seinem Hund durch den Park, als plötzlich seine Jugendliebe Hazel vor ihm steht. Sie hat ihm vor drei Jahren das Herz gebrochen, als sie ohne Abschied die Kleinstadt verlassen und sich nie wieder bei Damian gemeldet hat. Hazel hilft ihrem kranken Großvater in dessen Buchhandlung. In ihrer Abwesenheit hat Damian unterstützt, weshalb die beiden sich dort wieder begegnen. Die Anziehung von damals ist wieder da, doch beide tragen Verletzungen, Probleme und Geheimnisse mit sich herum. Während Hazel sich zurückzieht, betäubt Damian seinen Schmerz bei sehr fordernden Underground-Boxkämpfen.

Ich habe den ersten Band von Jennifer Bright nicht gelesen, sondern haber jetzt mit Hazel und Damian gestartet. Den Schreibstil fand ich sehr flüssig und die Ausgangsposition vielversprechend. Zwischendurch gab es einige spannende Momente. Doch einen richtigen Draht oder Sympathie konnte ich weder für Hazel noch für Damian entwickeln. Vielleicht auch, weil beide sich nicht von Beginn an geöffnet haben, sondern so stark zwischen Anziehung und Distanz gewechselt haben.
Ein kurzweiliges Buch für zwischendurch mit einer Geschichte über zweite Chancen.

Veröffentlicht am 14.02.2025

Konstruiert, aber ließ sich gut lesen

The Killer Profile
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Midnight Jones arbeitet in London bei einem Biotech-Unternehmen, wo sie mithilfe einer KI erstellte psychometrische Persönlichkeitstetst auswertet. Dabei trifft sie bei einem Bewerber auf ein auffälliges ...

Midnight Jones arbeitet in London bei einem Biotech-Unternehmen, wo sie mithilfe einer KI erstellte psychometrische Persönlichkeitstetst auswertet. Dabei trifft sie bei einem Bewerber auf ein auffälliges Profil, das eines Killers. Als eine Frau in ihrer Nachbarschaft brutal ermordet wird, vermutet Midnight Jones, dass es sich um den Menschen hinter ihrem Profil handelt. Innerhalb ihres Unternehmens stößt sie vermehrt auf Widerstand, sodass sie sich selbst auf die Spurensuche macht.

Den Plot, dass eine KI Persönlichkeitsprofile erstellt und dadurch Rückschlüsse auf Bewerber*innen gestellt werden können, fand ich interessant. Helen Field schreibt flüssig und einfach, dabei werden immer wieder Kapitel des Mörders eingefügt, in denen aus seiner Perspektive erzählt wird, was die Spannung steigerte.
Die Schilderungen der Vorgänge innerhalb des Unternehmens fand ich teilweise fragwürdig, ebenso leichtfertig waren einige von Midnights Entscheidungen - für den Plot jedoch notwendig.
Alles in allem war einiges sehr konstruiert und vorhersehbar, aber das Buch war gut zu lesen und konnte mich für die Lesestunden fesseln.
Ein flotter Thriller, der mir allerdings nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben wird.

Veröffentlicht am 11.02.2025

Langjährige Brieffeindschaft

P. S. I Hate You – Auf dem schmalen Grat zwischen Hass und Liebe
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In der fünften Klasse werden Naomi und Luca für ein Projekt als Brieffreund*innen zugewiesen. Während Naomis Brief nett ist, antwortet Luca sehr unfreundlich, worauf Naomi ebenfalls unhöflich zurückschreibt. ...

In der fünften Klasse werden Naomi und Luca für ein Projekt als Brieffreund*innen zugewiesen. Während Naomis Brief nett ist, antwortet Luca sehr unfreundlich, worauf Naomi ebenfalls unhöflich zurückschreibt. So entwickelt sich ein Briefwechsel voller Gemeinheiten und Beleidigungen, der sich über Jahre hinweg hält. Nach zwei Jahren Briefpause erhält Naomi einen weiteren Hassbrief von Luca und beschließt, ihn ausfindig zu machen und zu suchen.

Donna Marchetti hat mit "P.S. I hate you" eine Enemies to Lovers Geschichte geschrieben, deren Plot ich ganz unterhaltsam finde - auch wenn einige Briefe, gerade für das junge Alter der beiden, wirklich sehr fies und doll sind. Die Autorin schreibt flüssig, humorvoll und schafft eine unterhaltsame Grundatmosphäre, sodass sich das Buch sehr schnell lesen lässt.
Erzählt wird wechselnd aus Naomis und Lucas Perspektive, wobei ich Naomi als eher oberflächlich und weniger greifbar empfand, während ich Luca als nahbarer empfand und seine Entwicklung auch stärker nachvollziehen kann.
Der Plottwist und die Gesamtentwicklung waren für mich sehr schnell vorhersehbar, sodass es für mich keinen Überasschungseffekt gab, sondern ich "P.S. I hate you" als unterhaltsame Lektüre für zwischendurch bezeichnen kann.

Veröffentlicht am 22.01.2025

Selbstbehauptung und Empowerment

The Freedom Clause
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Daphne und Dominic haben sich am College kennengelernt und früh geheiratet. Sie sind in ihren Zwanzigern, seit drei Jahren verheiratet und müssen sich eingestehen, dass ihr Sexleben nicht aufregend ist. ...

Daphne und Dominic haben sich am College kennengelernt und früh geheiratet. Sie sind in ihren Zwanzigern, seit drei Jahren verheiratet und müssen sich eingestehen, dass ihr Sexleben nicht aufregend ist. Also beschließen sie auf einer Silvesterparty einen Pakt/eine Freiheitsklausel: Eine Nacht im Jahr können sie jeweils mit einer anderen Person verbringen. Dabei bestehen strenge Regeln: Es bleibt bei dieser einen Nacht, keine Person wird zweimal getroffen und es wird nicht darüber gesprochen.

Während Daphne in dieser Abmachung aufblüht, sich selbst behauptet, Erfahrungen macht und dieser Pakt weitreichende Konsequenzen für sie hat, verändert Dominic sich eher in die andere Richtung. Obwohl der Vorschlag für die offene Ehe von ihm kommt, wirkt es eher so, als wäre er vor allem für Daphne ein wichtiger Schritt zu female Empowerment, Selbstbehauptung und der Auseinandersetzung mit ihrer Sexualität und ihrer Beziehung zu Dominic. Ihre Erlebnisse teilt sei auf einem anonymen Blog.

Durch die unterschiedlichen Erfahrungen und Entwicklungen von Daphne und Dominic thematisiert Hannah Sloane unterschiedliche Vorstellungen von Romantik, Dating und Sex, der unterschiedlichen Stellung von Männern und Frauen sowie gesellschaftliche Erwartungen.
Das Cover und der Klappentext haben mich schon sehr angesprochen, aber dass mich "The freedom clause" so gut gefällt - gerade Daphnes Figur -, hätte ich nicht gedacht. Ich mag den flüssigen und humorvollen Schreibstil, der auf den Punkt ist, die kritische Sichtweise und das Aufzeigen gesellschaftlicher Mankos.
Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!