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Veröffentlicht am 11.03.2025

Mamas dürfen schlafen

Wenn Mama Fuchs schläft
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Der kleine Fuchs ist irritiert: Er ist aufgewacht und Mama schläft noch! Die Sonne scheint, es gibt kein Frühstück und die Höhle ist auch nicht aufgeräumt! Was ist nur los mit Mama?

Zuerst versucht der ...

Der kleine Fuchs ist irritiert: Er ist aufgewacht und Mama schläft noch! Die Sonne scheint, es gibt kein Frühstück und die Höhle ist auch nicht aufgeräumt! Was ist nur los mit Mama?

Zuerst versucht der kleine Fuchs Mama Fuchs aufzuwecken. Als das misslingt, wird es ihm in der Höhle schnell zu langweilig. Draußen trifft er andere Tiere, denen er erzählt, dass Mama schläft, und bekommt die erstaunlichsten und haarsträubendsten Erklärungen, warum das wohl so ist. Diese machen ihm Angst, bis er den weisen Uhu trifft, der ihn beruhigt. Liebevoll erklärt er ihm, warum Mama Fuchs einfach mal schlafen muss.

Mit liebevollen, naturgetreuen, farbigen Zeichnungen begleitet die Illustratorin den Text. Die Hintergründe (Wiese, Himmel, Höhle, etc.) sind verwaschen, beim Fell erkennt man „jedes“ Haar. Dabei sind die Bilder verschieden groß, über eine Doppelseite bis mehrere kleine auf einer Seite. Oft nehmen sie mehr Raum ein als der Text, bei den kleinen Zeichnungen halten sie sich mit ihm die Waage. Die kleinen Bilder sind dabei besonders interessant, erzählen sie doch jedes Mal eine Geschichte in der Geschichte.

Die Illustrationen erzählen oft mehr als der Text, aber teilweise erzählt der Text auch mehr als sie. So bleibt genug Spielraum, um die eigenen Gedanken schweifen und entdecken zu lassen.
Für Kinder ist diese Geschichte interessant, weil sie „ihre Welt“ mit der schlafenden und nichts-tuenden Mama auf den Kopf stellt und die Reaktion des kleinen Fuchses sie vielleicht neu nachdenken und handeln lässt.

Für Mütter (Eltern) offenbart sie eine tiefere Wahrheit, denn sie lässt sich eins zu eins ins Menschenleben übertragen: Auch Mütter (Eltern) brauchen mal eine Pause und sind deswegen keine „Rabeneltern“, denn auch Kinder können (eine kleine) Verantwortung übernehmen!

Ein sehr liebevoll gestaltetes und geschriebenes Bilderbuch für Kinder und Eltern!

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Kinderleben heute

9 kleine Menschen
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Neun kleine Menschen kommen am selben Tag zur Welt und sind doch alle unterschiedlich. Sie leben verschiedene Leben und dennoch auch miteinander.

Die Autorin schreibt auf jeder Doppelseite altersgerecht ...

Neun kleine Menschen kommen am selben Tag zur Welt und sind doch alle unterschiedlich. Sie leben verschiedene Leben und dennoch auch miteinander.

Die Autorin schreibt auf jeder Doppelseite altersgerecht jeweils nur einen prägnanten Satz, nur auf einer Doppelseite zwei. Dabei reimt sich ein Satz mit dem nächsten, so dass man diese auch als Gedicht hintereinander aufschreiben könnte. Dass das so gewollt ist, beschreibt die Schriftstellerin in ihrem Nachwort, in dem sie Bezug auf alte, ihre Kindheit begleitende Kinderreime nimmt, die bei ihr heute auch Unwohlsein auslösen.

Mit zauberhaften, in zarten, bunten Farben gehaltenen Bildern begleitet die Illustratorin die altersgerechten kurzen Sätze. Die Zeichnungen strahlen eine große Zärtlichkeit der erwachsenen Personen zu den Kindern, die mit großen Köpfen im Kindchenschema dargestellt wurden, aus. Es wird viel gekuschelt und gelächelt. So wirken auch die Kinder in ihrem jeweiligen Leben sehr glücklich und entspannt.

Das zieht sich wie der Grundtenor durch das ganze Buch: Wer geliebt wird und mit sich und seinem Leben und seinen Lieben zufrieden ist, ist glücklich.

Die Bilder sind unterschiedlich groß. Einmal ziehen sich über eine Doppelseite als großes Bild, einmal zeigen sie sich auf derselben Größe als Collage vieler kleiner Bilder, die ineinander übergehen oder auch durch Rahmung voneinander getrennt sind, aber auf allen Doppelseiten sind immer alle neun Kinder abgebildet.

Die neun Kinder sehen alle unterschiedlich aus, leben alle unterschiedliche Leben. Da sie aber seit ihrer gemeinsamen Geburt alle befreundet sind, leben sie und ihre Familien auch miteinander. So begleitet das Buch sie zusammen in ihren ersten Lebensjahren.

„“9 kleine Menschen“ ist eine Ode an eine Generation von Kindern, die bereits weiß, dass sie richtig ist genau so, wie sie ist, und an die Freundschaft, die sie verbindet.“ (Zitat aus dem Nachwort der Autorin)
Ein sehr empfehlenswertes Kinderbuch zum Thema Vielfalt!

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Kannst du das verstehen?

Unter Grund
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In ihrem Debütroman schreibt die Autorin über eine Jugend auf dem Dorf mit allen Schwierigkeiten, dem Zorn über Dinge, die man nicht ändern kann, und die eigene Familie, die man auch nicht ändern kann.

Franka, ...

In ihrem Debütroman schreibt die Autorin über eine Jugend auf dem Dorf mit allen Schwierigkeiten, dem Zorn über Dinge, die man nicht ändern kann, und die eigene Familie, die man auch nicht ändern kann.

Franka, Ende zwanzig, die mittlerweile als Referendarin in München arbeitet, besucht mit ihrer Klasse und ihrem Ausbildungslehrer die Abschlussplädoyers zum NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe am Oberlandesgericht München. Als ein Schüler die Anklagte „Nazischlampe“ nennt, brechen bei Franka alte, lange verschwiegene Erlebnisse ans Licht.

Kurz entschlossen packt sie ihre Sachen und fährt in ihr Heimatdorf, um sich diesen zu stellen, denn sie hat viel zu lange geschwiegen. In Rückblenden zwischen dem aktuellen Geschehen erfahren die Lesenden, dass Franka selbst für kurze Zeit zur rechten Szene ihres Dorfes gehört hat und was in dieser Zeit vorgefallen ist. In der Jetzt-Zeit erfährt sie, dass auch ihre Großmutter zu Hitlers Zeiten überzeugte Anhängerin des Nationalsozialismus war.

Endlich kann Franka diese Geschehnisse erneut durchdenken und bewerten und mit ihrer Tante und Mutter darüber sprechen, auch über die Reaktionen der beiden, als sie von Frankas Ausrichtung erfuhren.

Behutsam erzählt die Autorin von einer Jugend, die belastet war durch den frühen Tod des Vaters, das sich von der Mutter unverstanden und nicht-aufgefangen gefühlte Erleben des Kindes und der harten, von allen im Dorf als „Fuchsin“ gefürchteten Großmutter.

Franka durchlebt ihre Schulzeit als Außenseiterin, die sich bei Patrick und Janna aus der rechten Szene endlich angenommen fühlt, und bei ihren Aktionen erst merkt, wie viel unverarbeitete Wut auf das Leben in ihr steckt. Dabei erschrickt sie auch über sich selbst, über das, wozu sie fähig ist.
Am Ende kann Franka nach den Aussprachen mit ihrer Mutter und Tante wieder in ihr neues Leben in München zurückkehren und will ihr vorheriges Leben nicht länger verschweigen. Sie ist aus dem „Untergrund“ wieder aufgetaucht und sinkt mich mehr unter ihn.

Ein ernsthaftes, feinfühliges Buch zu einem aktuellen Thema – sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Starke Frauengestalt

Die Eigensinnige
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Inhalt:
In ihrem Roman „Die Eigensinnige“ erzählt die Autorin Lucca Müller frei über das Leben der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach, angefangen in ihrer Jugend 1847 auf dem Landgut ihrer Eltern ...

Inhalt:
In ihrem Roman „Die Eigensinnige“ erzählt die Autorin Lucca Müller frei über das Leben der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach, angefangen in ihrer Jugend 1847 auf dem Landgut ihrer Eltern in Zdislawitz im heutigen Tschechien bis ins Jahr 1884, diesmal mit ihrem Ehemann Moritz auf dem Gut in Zdislawitz, wo sie eine Schule planen, und der Kreis des Buches sich schließt. Im Nachwort ergänzt die Autorin noch Daten bis zu ihrer beider Tod.

Zum Buch:
Mitreißend beschreibt die Autorin das Leben ihrer Protagonistin, die mit „eigensinnig“ für die damalige Zeit sehr gut beschrieben wird. Schon früh weiß Marie, dass sie Schriftstellerin werden, auch wenn das noch in weiter, fast unerreichbarer Ferne liegt, und ihren weitaus älteren Cousin Moritz heiraten möchte, weil dieser ein fortschrittlicheres und verständnisvolleres Wesen an den Tag legt, als viele Männer ihrer Zeit, angefangen bei ihrem Vater.
So lehnt sich Marie gegen ihren Vater und ihre Stiefmutter und somit auch die Konventionen dieser Zeit, nämlich, was eine (adelige) Frau zu tun und zu lassen hat, mit mal mehr, mal weniger Erfolg auf. Ein Leben, das Marie nicht führen möchte, bekommt sie anhand des Lebens ihrer Stiefmutter oder ihrer Tante klar vor Augen geführt, einmal als Ehefrau und einmal als arme (geduldete) Witwe.
Auch ihr Ehemann bleibt ein Kind seiner Zeit. Zu ihrem Leidwesen bekommen sie keine Kinder und treffen auch beide falsche Entscheidungen, unter denen ihre Ehe zwischenzeitlich sehr leidet. Doch ihre Liebe überdauert auch diese und so finden sie wieder zusammen.
Interessant ist außerdem, dass auch andere Frauen in Maries Umgebung das Bedürfnis haben, mehr zu tun, als man ihnen zugesteht und erlaubt, mit denen sie sich anfreundet. So geben diese Gesellschaften in ihren Häusern, zu denen Wissenschaftler und Literaten eingeladen werden. Auf einer dieser Gesellschaften gründen fünf von ihnen einen Verein für Not leidende Frauen.

Fazit:
Die Autorin erhebt beim Erzählen ihrer Geschichte keinen Anspruch auf historische Wahrheit, sondern lässt ihren Roman nur auf dem Leben der Schriftstellerin basieren. Wer eine Biografie erwartet, wird also enttäuscht werden. Wer aber einen mitreißenden Roman mit einer starken Hauptfigur - in der historischen Zeit verankert - mit authentischen, lebendig ausgeführten Nebenfiguren lesen möchte, wird mit diesem Buch bestens bedient.

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Veröffentlicht am 11.12.2024

Traumhaft schön!

Eine Nacht im Ozean
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Was geschieht nachts im, am und auf dem Ozean? Diese Ereignisse zeigt dieses wunderschöne Bilderbuch in beeindruckenden Bildern und kurzen Texten.

Auf Doppelseiten stellt die Autorin und Illustratorin ...

Was geschieht nachts im, am und auf dem Ozean? Diese Ereignisse zeigt dieses wunderschöne Bilderbuch in beeindruckenden Bildern und kurzen Texten.

Auf Doppelseiten stellt die Autorin und Illustratorin farbenstark und traumhaft schön das Leben der Tierwelt abends und in der Nacht am, über und im Ozean dar. Das ganze Buch erstrahlt im Licht der unter- oder aufgehenden Sonne in Gelb- und Orangetönen oder im Licht des Mondes in Weiß bis Dunkelblau. Dazu schreibt sie kurze Sachtexte über die jeweiligen Tiere, die zu sehen sind.

Das Buch ist kaum einem Genre zuzuordnen: Ist es ein Bilderbuch? Ein Sachbuch mit Bildern? Oder doch ein Kunstbuch mit Texten?

Die Lesenden können nicht nur die überwältigend schönen Bilder genießen, sondern sich auch noch Wissen über Meerestiere aneignen. Das geht vom Basstölpel über Lederschildkröten und Delfine bis hin zu den kleinsten Lebewesen, dem Plankton, das so viel Leben im Meer erst ermöglicht, und den größeren, wie dem Walhai, der sich vom Plankton ernährt.

Dazu erfahren die Lesenden auch noch etwas über Kuriositäten, wie die Blase des Papageienfisches, das Treiben der Blaupunktrochen, die Schnelligkeit der Fächerfische und die Fliegenden Fische.

Ein rundherum zu empfehlendes Buch zum Lesen, Lernen und Genießen! Unbedingt ansehen!

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