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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2025

Zwischen Rom-Com und Lebensgeschichte

Great Big Beautiful Life
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Ich habe schon einige Bücher von Emily Henry gelesen und sie immer als schöne Rom--Com-stories für den Sommer wahrgenommen. Dementsprechend habe ich mich auch auf "Great big beautiful life" gefreut und ...

Ich habe schon einige Bücher von Emily Henry gelesen und sie immer als schöne Rom--Com-stories für den Sommer wahrgenommen. Dementsprechend habe ich mich auch auf "Great big beautiful life" gefreut und eine seichte, sommerliche Rom-Com gefreut.

Die recht unbekannte Autorin Alice Scott hat Margaret Ives, die Tochter einer der bekanntesten und reichsten Familie Amerikas, ausfindig gemacht und angefragt, ob sie eine Biografie über sie schreiben dürfe. Was sie nicht weiß: Margaret hat auch den Pulitzer-Preis-Gewinner Hayden Anderson eingeladen, trifft sich mit beiden im Rahmen eines Probemonats und entscheidet dann, wer von beiden ihre Biografie schreiben darf. Alice und Hayden müssen eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben, dürfen sich nicht über ihre Gespräche mit Margaret austauschen und begegnen sich auf Little Crescent Island regelmäßig und können die gegenseitige Anziehung deutlich spüren. Dem nachzugehen kommt in dieser Konkurrenzsituation selbstverständlich nicht in Frage...

Emily Henrys Schreibstil ist wie gewohnt locker und humorvoll. Allerdings empfand ich hier die Klischees der naiven Alice und des muskulösen, attraktiven und unnahbaren Hayden als nervig. Ich konnte beiden keine Funken abnehmen, Alice hat mich streckenweise arg genervt und die Entwicklung der beiden Figuren zueinander konnte ich nicht nachvollziehen bzw. empfand sie nicht als glaubwürdig.
Die Abschnitte über Margarets Leben haben mich teilweise interessiert, allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass sie so ausführlich beschrieben werden und ihre Lebens- und Familiengeschichte so viel Raum einnimmt.

Leider habe ich nicht die sommerliche Rom-Com bekommen, die ich erwartet habe und war leider nicht so von Emily Henry überzeugt wie bei anderen Büchern von ihr.

Veröffentlicht am 23.06.2025

Biographische Erzählung über die Rentengestaltung

Freiheit beginnt jetzt!
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Die meisten Fernsehzuschauerinnen kennen Ulrike von der Groeben sicherlich aus "RTL aktuell", wo sie als Sportexpertin bekannt wurde. Nach 35 Berufsjahren schlägt sie ein neues Lebenskapitel auf und läutet ...

Die meisten Fernsehzuschauerinnen kennen Ulrike von der Groeben sicherlich aus "RTL aktuell", wo sie als Sportexpertin bekannt wurde. Nach 35 Berufsjahren schlägt sie ein neues Lebenskapitel auf und läutet den Ruhestand ein. Da die Arbeitszeiten, der Sender und die Kolleginnen nun nicht mehr die äußeren Strukturen vorgeben, muss sie ihren Alltag neu strukturieren und hat dennoch Zeit, sich nun auf ganz andere Dinge zu konzentrieren, für die vorher nie Zeit war. "Freiheit beginnt jetzt!" ist eine Mischung aus persönlichen Berichten und Anekdoten sowie Interviews und Geschprächen mit Expertinnen aus verschiedenen Bereichen, die für Ulrike von der Groeben und vermutlich viele andere Menschen im Ruhestand (oder auf dem Weg dahin) interessant sind.

Neben finanziellen Fragen geht es auch um die Fragen des Lebensorts, die Veränderungen innerhalb der Ehe und der Familienstruktur oder um Ehrenämter. Denn auch wenn Ulrike von der Groeben sich vorgenommen hat, erstmal "Nichts" tun zu wollen, ist das doch nicht so leicht, wie es sich sagen lässt.

Der Schreibstil ist einfach gehalten und das Buch dreht sich um das Leben und die Gedanken von Ulrike von der Groeben, sodass viele biographische Züge zu erkennen sind. Wer hier also einen Ratgeber oder einen Bericht über allgemeine Lebensentwicklungen und Ruhestandgestaltung sucht, wird hier eventuell nicht glücklich. Ich persönlich kannte zuvor weder die Autorin noch war ich mit den Abläufen oder der Moderation diverser Sendungen und den Vorgängen innerhalb des Senders RTL vertraut. Daher fand ich viele Erzählungen zu ausschweifend und zu langatmig, konnte nicht relaten und habe manchmal nicht verstanden, weshalb sie relevant für das jeweilige Kapitel sind. Wer die Autorin kennt, mehr über ihr Leben und ihre Karriere erfahren möchte und sich davon inspirieren lassen möchte, wie sie ihren Ruhestand gestalten möchte und gestaltet, kommt sicherlich auf seine
ihre Kosten!

Für mich war es eine nette Gelegenheit, mehr über die Autorin zu erfahren und einige Grundgedanken mitzunehmen, aber als gute Vorbereitung für meinen Ruhestand würde ich es jetzt nicht beurteilen.


Veröffentlicht am 27.05.2025

Über Jahrzehnte getrennt

Die Tage nach dem Pflaumenregen
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Suchi und Haiwen lernen sich als Kinder in den 1930er Jahren kennen, da ihre Familien nebeneinander wohnen. Während Suchis Familie traditionell geprägt ist, ist Haiwens Familie wohlhabend und eher westlich ...

Suchi und Haiwen lernen sich als Kinder in den 1930er Jahren kennen, da ihre Familien nebeneinander wohnen. Während Suchis Familie traditionell geprägt ist, ist Haiwens Familie wohlhabend und eher westlich geprägt. Dennoch verbringen die beiden Kinder viel Zeit miteinander und verlieben sich als Teenager ineinander; sie sprechen über das Heiraten. Doch dann wird durch den Krieg alles und ihre Wege trennen sich. Suchi und Haiwen schlagen komplett unterschiedliche Leben in verschiedenen Ländern ein und treffen sich sechzige Jahre später zufällig in Los Angeles wieder. Doch können sie nach all den Jahren getrennt voneinander wieder zueinander finden?

"Die Tage nach dem Pflaumenregen" erzählen die Lebensgeschichten von Suchi und Haiwen aus verschiedenen Perspektiven und auf den unterschiedlichen Zeitebenen ihres Lebens. Dabei erzählt Karissa Chen nicht chronologisch, sondern springt zwischen Kindheit, Jugend, Erwachsenenjahre und der Gegenwart hin und her.
Suchi und Haiwen sind Figuren, die sich im Laufe der Zeit immer mehr entfalten und über die die Leser*innen mehr erfahren. Dabei werden ihre unterschiedlichen Lebensverläufe und der Umgang damit deutlich.
Was mir neben der Liebesgeschichte der beiden gefallen hat, waren all die Informationen über den Krieg, da ich darüber bisher quasi nichts wusste. Das war auch ein großer Grund dafür, dass ich das Buch gelesen habe. Denn für mein Empfinden gab es viele Längen, ich bin manchmal in Gedanken abgeschweift. Doch grundsätzlich fand ich den Plot, die Figuren und ihre Geschichte innerhalb und nach den Kriegszeiten sehr interessant.

Veröffentlicht am 30.04.2025

Ekstase historisch eingeordnet

Berauscht der Sinne beraubt
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Racha Kirakosian kommt aus der Mediävistik und beschäftigt sich in diesem Buch mit den verschiedenen Formen der Ekstase. Dabei spielen vor allem die historischen Entwicklungen und Prägungen eine große ...

Racha Kirakosian kommt aus der Mediävistik und beschäftigt sich in diesem Buch mit den verschiedenen Formen der Ekstase. Dabei spielen vor allem die historischen Entwicklungen und Prägungen eine große Rolle. Die Assoziationen zu Ekstase können vielfältig sein, beispielsweise: Drogen, Sex, Transzendenz oder Kontrollverlust. Ganz heruntergebrochen bezeichnet Ekstase einen bewusstseinserweiterten und meist glückserzeugenden Zustand.

Racha Kirakosian geht bei ihrer Untersuchung unter anderem auf die Antike ein, in der Träumen, Prophezeiungen und Orakeln eine bedeutende Rolle zugeschrieben wurden - beispielsweise im Gegensatz zur Aufklärung, in der irrationale Aspekte als primitiv galten. Generell lässt sich sagen, dass das Buch weniger ein informatives Sachbuch ist, sondern vielmehr eine wissenschaftliche Abhandlung. Das bedeutet, der Stil ist sehr nüchtern, die Sätze sind kurz, aber inhaltlich sind sie anspruchsvoll und komplex. Durch den wissenschaftlichen Stil bin ich manchmal mit den Gedanken abgeschweift und habe nach längeren Passagen teilweise vergessen, was ich zuvor gelesen habe.
Es ist also weniger ein Buch für Lesestunden zwischendurch, sondern eher geeignet für eine intensive Auseinandersetzung, würde ich sagen.

Veröffentlicht am 14.02.2025

Zwischenmenschliche Spannung, aber es passiert nicht viel

Drei Wochen im August
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Elena möchte die Ferien mit ihrem sechsjährigen Sohn und ihrer dreizehnjährigen Tochter in einem abgelegenen Ferienhaus an der Atlantikküste Frankreichs verbringen. Das Haus gehört der Partnerin ihrer ...

Elena möchte die Ferien mit ihrem sechsjährigen Sohn und ihrer dreizehnjährigen Tochter in einem abgelegenen Ferienhaus an der Atlantikküste Frankreichs verbringen. Das Haus gehört der Partnerin ihrer Arbeitsgeberin, weshalb es ein unschlagbares Angebot ist. Elenas Mann muss wegen der Arbeit zuhause bleiben. Daher fragt sie Eve, das Kindermädchen, ob sie mitkommen mag. Eigentlich sind ihre Kinder zu alt für ein Kindermädchen, doch vor allem ihr Sohn hängt an Eve. Damit ihre Tochter sich nicht langweilt, darf sie ebenfalls eine Freundin mitnehmen.

Erzählt wird wechselnd aus Eves und Elenas Perspektive. Während Eve für Elena eine Art Freundin und gute Gesellschaft ist, sieht Eve Elena ganz klar als ihre Arbeitgeberin, hält sie auf Distanz und lässt sich die Wochen in Frankreich gut bezahlen.
Nina Bußmann schreibt nüchtern, schnörkellos und schafft von Beginn an eine bedrohliche Grundstimmung, die untergründig spürbar ist. Die Waldbrände und der verschrobene Hauswart verstärken diesen Eindruck.
Im Grunde passiert auf der Handlungsebene kaum etwas. Die Gruppe ist in dem Haus, verbringt Nachmittage am Strand und irgendwie leben alle aneinander vorbei. Die einzelnen Situationen werden von Elena und Eve so unterschiedlich geschildert und bewertet, dass ich gar nicht wusste, was sich tatsächlich abgespielt hat. Die Dynamik der Figuren ist in jeder Hinsicht konkurrierend - gerade Eve und Elena buhlen nur so um die Aufmerksamkeit und die Wertschätzung der Kinder.

Dadurch, dass kaum etwas passiert, aber durchgehend eine zwischenmenschliche Spannung herrscht und sich die Tage in Frankreich sowie die Lesepassage ziehen, baute sich keine Spannung im Leseprozess auf.
Ein Buch, das beklemmend ist und mich irgendwie ratlos zurücklässt. Ich hatte, ausgehend vom Klappentext und der Leseprobe ein spannungsgeladenes Kammerspiel erwartet, das sich so nicht erfüllt hat.