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Veröffentlicht am 16.02.2025

Für die ehemaligen Optimisten

Die Achse der Autokraten
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Wenn man sich fragt, was schief läuft in dieser Welt in diesen Tagen, dann könnte dieses Buch zumindest einen Teil der Antwort geben. In Deutschland erschien es am 10.Oktober 2024, also noch vor der Wahl ...

Wenn man sich fragt, was schief läuft in dieser Welt in diesen Tagen, dann könnte dieses Buch zumindest einen Teil der Antwort geben. In Deutschland erschien es am 10.Oktober 2024, also noch vor der Wahl in Amerika, zu einer Zeit, in der man noch denken konnte, Amerika gehöre zu den freiheitlichen Demokratien. Natürlich kann mit einem Aufsatz von knapp 200 Seiten nicht jedes Rätsel gelöst werden, aber man bekommt doch einen Eindruck darüber, wie es läuft in autokratisch geführten Staaten. In Staaten, in denen man keine Rücksicht nehmen muss und schlimme Dinge einfach macht, weil man es kann. Man bekommt Strukturen aufgezeigt über persönliches Zusammenwirken der Autokraten, über finanzielle Ströme und Strukturen und auch wirtschaftliche Ziele oder Zwänge. Auch im Hinblick auf die Nutzung von Social Media zum Wohle und zum Machterhalt der Autokratien, zur Destabilisierung der Demokratien ist einiges zu erfahren. Da kann einem beim Lesen Angst und Bange werden, vor allem wenn man seine eigene Welt irgendwie erhalten möchte. Ein paar Hinweise gibt es, was getan werden könnte. Doch dazu müssten Staatenlenker für das Volk und die Demokratie eintreten und das Volk müsste auch mitmachen. Transparenz wäre ein gutes Stichwort. Nur mag sich der Silberschein am Horizont nicht so recht auftun. Das Buch ist den Optimisten gewidmet, doch es wird wohl eher von den ehemaligen Optimisten gelesen. Natürlich wird es weiterhin Hoffnung geben, allerdings wird die Arbeit schwieriger.

Die Autorin bekam den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2024 für ihr Gesamtwerk.

Veröffentlicht am 06.02.2025

In Gedanken

Der Lärm des Lebens
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Der Autor Jörg Hartmann, wahrscheinlich vielen bekannt als Kommissar Faber aus Dortmund, legt hier sein erstes schriftstellerisches Werk vor. Mit emotionalen Worten erzählt er von seiner Familie. Beginnend ...

Der Autor Jörg Hartmann, wahrscheinlich vielen bekannt als Kommissar Faber aus Dortmund, legt hier sein erstes schriftstellerisches Werk vor. Mit emotionalen Worten erzählt er von seiner Familie. Beginnend mit seinen ersten Schritten zur Karriere als Schauspieler nimmt er die Leser oder Hörer mit durch die Jahre. Dabei geht er auch zurück zu den Großeltern, die in der Nazi-Zeit als Gehörlose immer mit Repressalien rechnen mussten, deren Kinder keine Beeinträchtigungen hatten und die vor Schlimmeren bewahrt werden konnten. Und auch seinen Eltern verleiht er eine Stimme, insbesondere seinem Vater, der an Demenz erkrankte und den er nach einigen Dingen nicht mehr fragen konnte.

Diese berührende Familiengeschichte erzählt der Autor selbst in dem Hörbuch mit den jeweiligen Situationen angepasster Intonation, wodurch man die besondere Wärme der Handlung spürt. Mal geht es dabei humorvoll, komisch zu. Das Mettbrötchen mit Brigitte Bardot will sich gerne in die eigene Vorstellung bringen. Manchmal wird es allerdings auch traurig, eben wenn es heißt vom Vater Abschied zu nehmen. Dazu ist man nie bereit, auch wenn man sich der Unausweichlichkeit bewusst ist. Bei Sorgen, die man sich um die Kinder macht, wird wohl jeder mitfühlen können. Und anrührend ist die Begegnung mit einem Tumorpatienten, der länger durchhält, auch wegen seinem Kumpel Faber.

Das Hörbuch ist völlig zurecht für den Deutschen Hörbuchpreis 2025 nominiert und man kann die Entscheidung der Jury sehr gut nachvollziehen. Mit viel Wärme erzählt der Autor von seiner Familie, von glücklichen und traurigen Momenten, so wie es in jeder Familie ist. Da kann man hin und wieder die Gedanken zur eigenen Familie wiedererkennen, wenn manchmal die Zeit zu schnell vergeht, wenn man etwas erfährt, das bisher nicht bekannt war. Mit seiner ausdrucksstarken Stimme nimmt der Autor einen mit durch die Erlebnisse, die mehrere Generationen seiner Familie geprägt haben, wobei auch die aktuellen Krisen und ihre Auswirkungen nicht übergangen werden. So wie das Leben eben ist.

Das Bild auf dem Cover bildet das Vertrauen zwischen Kindern und Eltern sehr gut ab.

Veröffentlicht am 02.02.2025

Spaßige Zeiten

Fun
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Die Band nbl nbl kommt für drei Konzerte an Lianes Heimatort. Zum Glück mag ihre 20jährige Tochter Maila Rock nicht. Liane möchte nicht, dass Maila zu einem der Konzerte geht. Zwar ist Liane etwas besorgt, ...

Die Band nbl nbl kommt für drei Konzerte an Lianes Heimatort. Zum Glück mag ihre 20jährige Tochter Maila Rock nicht. Liane möchte nicht, dass Maila zu einem der Konzerte geht. Zwar ist Liane etwas besorgt, aber dennoch freut sie sich auf ein gemeinsames Wochenende mit ihren besten Freundinnen Selina und Frankie. Dagegen hat die Band ein paar unerwartete Probleme. Maler, der Sänger, hat mit einem unbedachten Interview einen Shitstorm hervorgerufen und einem der Drummer wird vorgeworfen, eine junge Frau auf einer Aftershowparty vergewaltigt zu haben. Das Management versucht alles, um die Wogen zu glätten. Die Show muss weitergehen.

Mit seinem zweiten Roman greift Bela B Felsenheimer ein Thema auf, von dem man am liebsten hätte, dass es nicht existiert. Was führt Liana für eine eigenartige Ehe mit Guido, der manchmal ein unangenehmes Verhalten an den Tag legt. Immerhin Maila ist Lianes ein und alles. Obwohl Liane sehr jung war als sie Mutter wurde, hat sie nach der Geburt nie bereut, dass sie ihr Kind bekommen hat. Maila ist ein tolles Mädchen. Die Mitglieder der Band scheinen vom Erfolg sehr abgehoben zu sein. Nur einer der Drummer hat sich ein richtiges Leben aufgebaut. Seit über zwanzig Jahren machen sie gemeinsam Musik und scheinbar haben sie mit dem großen Erfolg die Verbindung zur Realität verloren.

Wenn man von der Handlung des Romans liest, muss man natürlich an die Ereignisse der letzten Zeit denken, die eine andere deutsche Band betrafen und die ein weniger schönes Bild von der Musikszene zutage brachten. Mit seinen handelenden Personen geht der Autor etwas behutsamer um, was die Lektüre wahrscheinlich angenehmer macht. Trotzdem bekommt man sehr gut mit, wie in der Branche der Hase läuft. Das war vor Jahren nicht in Ordnung und es ist es heute auch nicht. Dennoch kommt hier keiner nur gut weg, wodurch die Geschichte sehr realistisch wirkt. Es ist nur eine Woche, über die der Autor erzählt. Und er erzählt auch nur. Man selbst reagiert auf den Text mit Widerwillen, Verständnis, Unverständnis, Bedauern oder auch Erleichterung, je nach dem, wo man gerade ist. Da die hauptsächliche Handlung eben in dieser Woche stattfindet, hört sie irgendwie auch mittendrin auf. Das mag einen nicht ganz zufrieden stellen. Davon abgesehen jedoch ist dieses Werk ausgesprochen fesselnd.

Veröffentlicht am 24.01.2025

Von beiden Seiten

Apeirogon
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Es kann keinen Frieden geben. In Israel wird Ramis 14jährige Tochter Smadar bei einem Selbstmordanschlag getötet. Beinahe zehn Jahre später stirbt die 10jährige Abir, Tochter des Palästinensers Bassam. ...

Es kann keinen Frieden geben. In Israel wird Ramis 14jährige Tochter Smadar bei einem Selbstmordanschlag getötet. Beinahe zehn Jahre später stirbt die 10jährige Abir, Tochter des Palästinensers Bassam. Männer, die sich nie kennenlernen würden. Doch Rami lebt in einer Familie, die sich kritisch mit der Okkupation auseinandersetzt. Und er beginnt sich mit einer Gruppe von Eltern zu treffen, die ihre Kinder verloren haben. Bassam, der mit siebzehn als Terrorist verurteilt wurde, beginnt während der Haft, den Holocaust zu studieren. Auch er fängt an, die Treffen der Gruppe zu besuchen. Die beiden Männer wollen ihre Geschichte erzählen und darüber werden sie Freunde.

Der zum Teil auf wahren Begebenheiten beruhende Roman erschien noch vor Beginn der Pandemie, eine Zeit, in der das Massaker vom siebten Oktober noch nicht stattgefunden hatte. Eltern, die ein Kind verloren hatten, wollten nicht verstummen. Ihre Kinder waren für immer tot, einem Krieg geschuldet, aus dem es keinen Weg zum Frieden zu geben scheint. Und doch erzählen sie ihre Geschichten, um die Erinnerung an ihre Kinder am Leben zu halten, und um der Welt zu zeigen, dass vielleicht doch noch ein Funke Hoffnung existiert. Bassam und Rami zeigen, dass eigentlich geborene Feinde, einen Weg zueinander finden. Können.

Leider sind der Elterngruppe sind dem siebten Oktober weitere Mitglieder beigetreten. Und doch setzen sie ein Zeichen der Hoffnung, weil sie sich gegen Krieg und Besatzung wenden. Insofern ist das Werk von Colum McCann möglicherweise noch wichtiger geworden. Und es ist noch viel mehr. Aus einer neutralen Position heraus, kann sich der Autor beiden Positionen nähern. Die Eltern fühlen man kann sagen das gleiche, das selbe Leid. Es ist nur eine kleine Hoffnung der Vernunft, die im Großen eher untergeht, je schlimmer die Lage wird. Aber immerhin, die Hoffnung ist da, dass es doch ein Miteinander geben kann. Um die Geschichte ihrer Töchter, die Rami und Bassam erzählen, gibt McCann eine Vielzahl von Informationen, Geschichten, Anekdoten. Auch die besondere Komposition der Erzählung fällt auf und wird im Nachwort auch erläutert. Wenn man zunächst möglicherweise dachte, das Thema sei nichts für einen, sollte man diese Meinung doch noch einmal genauestens überdenken. Dieser berührende fast Tatsachenroman ist ausgesprochen lesenswert.

Veröffentlicht am 19.01.2025

Körperschau

Aua!
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Zu Beginn geht es um die Abgrenzung des ca. 68jährigen Körpers gegen seine Umwelt. Und je kleinteiliger die Gedanken werden, desto ungenauer wird die Grenze. Atome und ihre Elektronen haben eben Zwischenräume ...

Zu Beginn geht es um die Abgrenzung des ca. 68jährigen Körpers gegen seine Umwelt. Und je kleinteiliger die Gedanken werden, desto ungenauer wird die Grenze. Atome und ihre Elektronen haben eben Zwischenräume und in diese kann etwas hineingelangen, Oder vielleicht können Elektronen sich auch mit anderen Elektronen austauschen. Möglicherweise hat man selbst schon mal über etwas ähnliches nachgedacht und ist zu einer ähnlichen Unendlichkeit oder Ewigkeit gelangt. Dann freut man sich, dass man mit den Gedanken nicht alleine dasteht. Die verschwommene Körperlichkeit hat echt was.

Auch geht es um Mut, der aus dem Streß geboren wird. Es wirkt so. als habe der Autor Mut gebraucht, um seine nicht mehr geliebte aber sichere Arbeit zu kündigen und selbstständiger Autor zu werden. Doch manchmal ist es einfach so, dass der Körper Signale gibt, die irgendwann nicht mehr überhört werden können. Genauso wie der Tinnitus im Ohr, der hier jedoch sehr irdische Ursachen hat, die etwas mit dem Geburtsjahr des Autors zu tun haben. Überhaupt hat der Autor einen guten Draht zu seinen Ärzten, was ihm zum Glück des Öfteren vor Schlimmeren bewahrt hat. Gleichwohl wirkt er für sein Alter erfreulich gesund, fit und auf der Höhe der Zeit.

Die biografischen Essays und Gedanken über seinen Körper beziehungsweise einzelne Körperteile lassen den Autor sehr nahbar wirken. Auf unkomplizierte und intelligente Weise bekommt man Einblicke in ein normales und zugleich besonderes Leben. Wie bei anderen auch, denkt er manchmal erst dann über Körperteile oder Organe nach, wenn sie sich melden. Und so geht es uns wohl allen. Der Körper wird als selbstverständlich hingenommen. Er hat zu funktionieren. Doch wenn es zwickt und zwackt, sollte man hin und wieder schnell werden. Mitunter reicht es aber auch, mit seinem Körper liebevoll umzugehen und ihn pfleglich zu behandeln. Und sich zu erinnern, zu welchen Gelegenheiten sich der Körper gemeldet hat und welche Familienerinnerungen sich damit verbinden. Die Betrachtungen sind amüsant, humorvoll und haben Tiefe. Sie können gerne empfohlen werden, auch wenn üblicherweise eher dem Fiktiven zugeneigt ist, denn sie sind einfach nachvollziehbar und lebendig erzählt. Anhand der kleinen Illustrationen auf dem Cover kann man sich eine Vorstellung von den Organen machen, um die es wohl geht.