Hatte mehr erwartet, vor allem, dass mich mehr Emotionen erreichen
Warte auf mich am MeerEvelyn und Joseph unterbreiten ihren Kindern einen schockierenden Plan: In genau einem Jahr möchten sie sich gemeinsam das Leben nehmen, da Evelyn Parkinson hat und nicht von der Krankheit besiegt werden ...
Evelyn und Joseph unterbreiten ihren Kindern einen schockierenden Plan: In genau einem Jahr möchten sie sich gemeinsam das Leben nehmen, da Evelyn Parkinson hat und nicht von der Krankheit besiegt werden will. Joseph kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen, denn beide waren Nachbarskinder und haben sich als Jugendliche direkt verliebt: Die große und eine Liebe. Die Kapitel schildern abwechselnd das Heute und Damals. Wir Leser/innen können in die 60 Jahre Beziehung von Evelyn und Joseph eintauchen, die aus beiden Sichtweisen erzählt wird.
Ich liebe Liebesromane und ich liebe große Emotionen, weil mich Geschichten im Herzen berühren müssen. Diese Geschichte klingt genau danach, jedoch hatte ich hier irgendwie von Anfang an das Gefühl, dass mich Evelyns und Josephs Problem nicht emotional erreichen konnte, vielmehr die ungläubige Reaktion der drei Kinder, die ich aber auch erstmal kennenlernen musste. Deswegen habe ich das Buch sogar zwei Mal begonnen, weil es mich beim ersten Versuch überhaupt nicht mitreißen konnte. Ich glaube, ich hätte zuerst von der großen Liebe zwischen den beiden Protagonisten lesen und auch zunächst ihre drei Kinder und deren unterschiedlichen Charaktere kennenlernen wollen, bevor das alte Paar die große Bombe platzen ließ, sodass ich emotional schon mit allen Buchfiguren verbunden gewesen wäre.
Dass auch die vielen schweren und glücklichen Momente in den 60 Jahren von Evelyn und Joseph erzählt werden, finde ich richtig schön. Deren Liebesgeschichte ist romantisch und schmerzhaft und hat mich schon bald berührt. Die Geschichte ist insgesamt aber nicht unbedingt leicht zu lesen, weil es im Heute immer um die lebensverändernde Entscheidung des alten Pärchens geht und diese auch schon in jungen Jahren viel durchmachen mussten, was sich auf den Beginn ihrer Beziehung ausgewirkt hat. Es folgen Höhen und Tiefen mit ihrem Umfeld, ihren Kindern, ihrem Beruf und auch sich selbst. Dabei hat mich ein Detail während der Vergangenheitskapitel sehr genervt: Evelyn erscheint irgendwann unddankbar und frustriert. Die junge Frau hat viele Träume und schwere Situationen erleben müssen, während Joseph mit Evelyn an seiner Seite in ihrer Heimatstadt vollkommen zufrieden ist. Sie will so viel mehr vom Leben und ist unzufrieden, was sie Joseph auch spüren ließ, der sie ihrerseits stets auf Händen trug. Das fand ich stellenweise unfair und ich hatte Mitleid mit ihm, denn er hätte ihr aus Liebe bestimmt Vieles ermöglicht.
Fazit:
„Warte auf mich am Meer“ bietet eine interessante Idee und eine vielversprechende Liebesgeschichte. Doch leider konnte mich das Paar und dessen Familie von Anfang an nicht emotional mitnehmen. Die Kapitel über die jungen Jahre ihrer Beziehung sind romantisch und ereignisreich, weshalb mich diese berühren konnten. Der Konflikt im Jetzt hat sich jedoch irgendwann im Kreis gedreht und ich bin mit dem Ende auch nicht vollständig zufrieden.