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Veröffentlicht am 21.06.2019

Eine schöne Coming-of-Age-Geschichte

Ramona Blue
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"Ramona Blue" war mein erstes Buch der Autorin, deren bekanntestes Werk "Dumplin'" den meisten wohl ein Begriff sein sollte. Ich bin erst durch eine Empfehlung auf Goodreads auf den Titel aufmerksam geworden. ...

"Ramona Blue" war mein erstes Buch der Autorin, deren bekanntestes Werk "Dumplin'" den meisten wohl ein Begriff sein sollte. Ich bin erst durch eine Empfehlung auf Goodreads auf den Titel aufmerksam geworden. Das Buch wurde mir vorgeschlagen, weil ich unter anderem "Am Ende sterben wir sowieso" und "Was mir von dir bleibt" von Adam Silvera und "Nur drei Worte" von Becky Albertalli gelesen hatte. Gemeinsam haben nicht nur alle drei Bücher, dass sie im Young Adult Contemporary Genre angesiedelt sind, sondern auch der Einbezug von Diversity.

Bei "Ramona Blue" handelt es sich um eine Coming-of-Age-Geschichte, die der Leserschaft einen Ausschnitt aus dem Leben der gleichnamigen Protagonistin aufzeigt. Inhaltlich kann ich gar nicht so viel mehr verraten, als es in der offiziellen, sehr ausführlichen Inhaltsangabe beschrieben wird, denn die deckt eigentlich schon den gesamten Plot ab. Es war aber nicht mal so sehr das was passiert, was mir so gut am Buch gefallen hat, sondern wie es passiert. Obwohl das Buch jede Menge Drama beinhaltet, empfand ich es dennoch als eine locker-leichte Sommerlektüre, die bei mir gute Laune verursacht hat. Ramona ist ein Charakter mit Ecken und Kanten, die kurz vor dem Erwachsenwerden steht und einige wichtige Entscheidungen über ihre Zukunft treffen muss, nachdem sie einen wunderschönen Sommer mit einem Mädchen verbracht hat. Nachdem die Schule wieder losgeht, muss Ramona allerdings wieder in die Realität zurückkehren, fernab von der Wolke 7, auf der sie sich zuvor befunden hat. Und als wäre ihr Leben nicht schon aufgrund ihrer schwierigen familiären Situation eine Herausforderung, wird es noch komplizierter, als Freddie - ein ehemaliger Freund - zurück nach Eulogy kehrt und Ramonas Leben auf den Kopf stellt. Was als Freundschaft anfängt, verändert sich zunehmend zu einer engeren, romantischen Bindung, die Ramonas bisherige sexuelle Orientierung in Frage stellt und bei ihr verständlicherweise zu einer Identitätskrise führt. Mit dem nahenden Schulabschluss muss sich Ramona aber nicht nur über ihre Sexualität klar werden, sondern auch darüber, was ihre Zukunftspläne angeht. Das Schwimmen war schon immer eine grosse Leidenschaft von ihr und als es so aussieht, als könnte sie damit ihre berufliche Zukunft einschlagen, muss sie sich entscheiden, ob sie ihre schwangere Schwester nahezu alleine auf sich selbst gestellt zurücklassen kann, oder ob sie dazu verdammt ist, ihre restlichen Leben in Eulogy zu verbringen. Keine einfache Entscheidung, vor der Ramona steht - doch zum Glück hat sie jede Menge Freund*innen, die ihr in dieser Zeit der Unsicherheit zur Seite stehen.

Ich kann gar nicht so genau benennen warum, aber mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Ich fand Ramona sehr sympathisch und war natürlich begeistert davon, dass die Autorin auf verschiedene Art und Weise Diversity in die Geschichte einfliessen lässt und dies auch mit der nötigen Sensibilität thematisiert. Anfangs war ich etwas skeptisch über den Umstand, ob man einen eigentlich lesbischen Charakter nun auch auf hetero "trimmen" muss, aber je länger in der Geschichte verweilt habe, desto klarer wurde mir die Botschaft, die die Autorin mitgeben will. Es ist halt nicht immer alles so Schwarz-und-Weiss wie man vielleicht denkt und genau diese Erkenntnis muss auch Ramona im Laufe der Geschichte machen. Der Schreibstil der Autorin ist locker und flüssig zu lesen und die teilweise umgangssprachlichen Begriffe, passt er sehr gut zu einem Jugendbuch.

Fazit:
Eine lockere, unterhaltsame Coming-of-Age-Geschichte über eine junge Protagonistin, die am Schwellenübergang zum Erwachsenenleben steht und einige schwierige Entscheidungen für ihre Zukunft treffen muss. Die liebenswerte Protagonistin, der Einbezug von Diversity und der flüssige, jugendhafte Schreibstil haben das Buch zu einem sommerlichen Lesevergnügen für mich gemacht. Für Freunde der LGBT-Literatur kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Von mir gibt's 4.5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.12.2018

Eine berührende Geschichte

Jeder von uns ist ein Rätsel
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Auf "Jeder von uns ist ein Rätsel" bin ich in erster Linie aufgrund des auffälligen Covers aufmerksam geworden. Das Cover stellt ein Labyrinth dar, das im Laufe der Handlung seine Erwähnung findet und ...

Auf "Jeder von uns ist ein Rätsel" bin ich in erster Linie aufgrund des auffälligen Covers aufmerksam geworden. Das Cover stellt ein Labyrinth dar, das im Laufe der Handlung seine Erwähnung findet und einen direkten Zusammenhang mit der Protagonistin Alvie aufweist, die unter dem Asperger Syndrom - also einer Form von Autismus - leidet. Als Leser hat man nicht direkt von Anfang an Kenntnis von dieser Diagnose und man wird zuerst einmal mit den teilweise sonderbaren Verhaltensauffälligkeiten und Eigenheiten von Alvie vertraut gemacht. Wenn man das Buch sehr aufmerksam liest und sich ein Stück weit mit Autismus auskennt, dann wird man vermutlich sehr bald einmal auf die Verdachtsdiagnose Autismus oder Asperger kommen - zumindest erging es mir so. Das erwähne ich deshalb besonders, weil dieser Umstand dafür spricht, dass es der Autorin gelungen ist, die Krankheit sehr authentisch und realistisch darzustellen, ohne das Kind direkt beim Namen zu nennen. Dafür gibt es einen grossen Pluspunkt von mir. Man kann sich selbst als Nicht-Autist/in sehr gut in die Gedanken- und Gefühlswelt von Alvie einfühlen und ein Stück weit erleben, wie herausfordernd für sie ganz alltägliche Situationen mit sozialem Kontakt sein können.

A. J. Steiger ist es gelungen, mit Alvie eine sehr tiefgründige, vielschichtige und vor allem liebenswerte Protagonistin zu schaffen, ohne ihre psychische Erkrankung beschönigend darzustellen. Jedes Mal wenn Alvie an die Grenzen ihres Aspergers Syndroms gelangt ist, habe ich mit ihr mitgefühlt. Was Alvies Schicksal doppelt so traurig macht, ist ausserdem der Umstand, dass sie sich mit gerade mal 17 Jahren alleine durchs Leben kämpfen muss, da ihre Mutter, die ihre einzige Bezugsperson gewesen war, vor ein paar Jahren verstorben ist. Wie es dazu gekommen ist, erfährt man auch erst nach und nach und ich will nur so viel verraten: Auch dieser Schicksalsschlag hat mich sehr berührt und mitgenommen.

Neben all den bedrückenden Thematiken, die besonders Alvies Autismus und ihre Vergangenheit betreffen, gibt es aber auch viele amüsante und wunderschöne Szenen im Buch, die einen immer wieder über die traurigen Erinnerungen hinwegtrösten. Grund dafür ist unter anderem Stanley, ein 19-jähriger junger Mann, den Alvie eher durch Zufall in einem Chat kennenlernt, nachdem sie sein Handy aus einem Teich im Park gefischt hat. Sehr bald entsteht zwischen den beiden eine enge Bindung, und das trotz Alvies auffälligem und teilweise sonderbarem Verhalten, das auch Stanley nicht entgangen ist und immer wieder zu ulkigen Situationen führt. Trotz, oder gerade wegen Alvies Eigenheiten scheint Stanley ein besonderes Interesse für sie zu entwickeln und die beiden verlieben sich ineinander, was sie immer wieder vor neue Herausforderungen stellt - denn was Alvie anfangs nicht weiss: Nicht nur sie, sondern auch Stanley hat eine Krankheit, die sein Leben beeinträchtigt. Auch seine Charakterisierung ist der Autorin sehr gelungen, was Alvie und Stanley zu einem aussergewöhnlichen und tollen Pärchen macht.

Die Geschichte wird eher in einem gemächlichen Tempo erzählt, so dass zwischenzeitlich manchmal für kurze Momenten ein paar Längen entstanden sind, die aber durch meist darauffolgende berührende Szenen wieder wett gemacht werden. Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und flüssig zu lesen und passt perfekt zu einer Geschichte aus den Augen einer 17-jährigen.

Fazit:
Das Buch hat mich mit seinen Themen wie Erwachsenwerden, erste Liebe, schwierige Familiengeschichten und Schicksale und psychische und körperliche Erkrankungen sehr bewegt. Es war sehr berührend, die 17-jährige Alvie, die unter Asperger leidet, ein Stück weit auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Es gelingt der Autorin sehr gut, die täglichen Herausforderung von Betroffenen mit Autismus realistisch darzustellen, so dass man als Leser ein Stück weit nachempfinden kann, wie schwierig selbst alltägliche soziale Situationen für Betroffene sein können. Insgesamt ein wunderschönes Buch, das zwischenzeitlich ein paar Längen aufweist, aber sehr empfehlenswert ist. Von mir gibt es deshalb 4,5 Sterne.

Veröffentlicht am 14.10.2018

Ein actiongeladener Fantasyroman mit einer starken Protagonistin

ASH PRINCESS
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Auf dieses Buch habe ich lange gewartet und ich bin froh, sagen zu dürfen, dass sich das Warten gelohnt hat. Man wird als Leser von Anfang an direkt in die Geschichte hineingeworfen und erfährt durch die ...

Auf dieses Buch habe ich lange gewartet und ich bin froh, sagen zu dürfen, dass sich das Warten gelohnt hat. Man wird als Leser von Anfang an direkt in die Geschichte hineingeworfen und erfährt durch die Augen der Protagonistin Theo, wie es dazu gekommen ist, dass sie nun seit über zehn Jahren als Sklavin der sogenannten "Kalovaxianer" gehalten wird - und das obwohl sie eigentlich selbst Königin eines anderen Volkes wäre, den "Astreanern". Die beiden Völker sind seit jeher verfeindet und vor einem Jahrzehnt ist es dem grausamen Kaiser der Kalovaxianer gelungen, das Reich der Astreaner zu erobern, sie zu besiegen und seine Feinde unter seinem brutalen Regime für sich als Sklaven arbeiten zu lassen.

Der Schreibstil ist so flüssig und packend, dass ich mich sofort in der Fantasywelt zurechtgefunden habe, die Laura Sebastian geschaffen hat. Es ist ihr gelungen, dass ich von Anfang an eine Bindung zu der Protagonistin aufbauen und mit ihr mitfühlen konnte. Obwohl sich Theo seit Jahren in Gefangenschaft befindet, ist sie nach wie vor eine starke junge Frau, die sich selbst durch regelmässige Peitschenhiebe oder dem Spott, bei öffentlichen Anlässen eine Krone aus Asche tragen zu müssen (durch die sich der Kaiser über Theos Herkunft als Tochter der Feuerkönigin lustig macht), nicht unterkriegen lässt. Ihre Situation scheint aussichtslos zu sein und dennoch lassen sie ihre Rachegelüste Tag für Tag überleben, es eines Tages dem Kaiser und allen anderen Kalovaxianern heimzuzuzahlen, die sie und ihr Volk unterdrückt und gefoltert haben.

Anfangs scheint Theos Vorhaben noch aussichtlos zu sein, doch nach einer furchtbaren Tat, zu der sie vom Kaiser gedrängt wird, werden einige Rebellen auf den Plan gerufen, die ihr zur Seite stehen. Mit Hilfe ihrer Freunde schmiedet die Ascheprinzessin einen Plan, wie sie es dem Kaiser ein für alle Mal heimzahlen kann. Der Plan beinhaltet jedoch einige Gefahren und Tücken, die das Risiko bergen, dass weder Theo, noch die anderen Rebellen, das Vorhaben überleben werden. Doch Theo ist bereit, dieses Risiko auf sich zu nehmen. Für sich selbst und für ihr Volk.

Was mir neben der packenden Handlung, die mit vielen überraschenden Wendungen und Actionszenen versehen ist, besonders gefallen hat, ist die Stärke der weiblichen Protagonistin. Obwohl sie mit Blaise, einem Rebellen aus ihrem Volk und mit Soren, dem Sohn des Kaisers, zwei Männer an ihrer Seite als Unterstützung hat, schafft sie es dennoch, sich immer wieder ganz eigenständig durch verschiedene gefährliche Situationen zu manövrieren. Sie muss die Schmach und die Folter des Kaisers auf ihren Schultern tragen, ohne dass ihr ein Mann dies abnimmt. Das will sie auch gar nicht, denn angesichts dessen, was ihr Volk alles ertragen muss, trägt sie das Leid so mit ihnen. Und das ist ein ganz grosser Pluspunkt, durch den sich Theo meinen Respekt als Leserin verdient hat.

Das Buch beinhaltet neben Theo noch viele weitere, vielschichtige Charaktere, die vielleicht am Anfang noch unscheinbar und klischeehaft wirken, aber sich am Ende als viel tiefgründiger entpuppen, als sie am Anfang den Anschein gemacht haben. Auch hier hat die Autorin sich immer wieder überraschende Entwicklungen überlegt, die ich so nicht habe kommen sehen. Allen voran betrifft das Theos beste Freundin Cress, die eine Wandlung durchmacht, die ich so nicht erwartet hätte.

Ein kleiner Kritikpunkt muss am Ende aber dennoch erwähnt werden: Leider greift die Autorin in ihrem Buch auf ein „altbewährtes“ Liebesdreieck zurück, das man schon von so vielen anderen Young Adult (Fantasy) Büchern kennt. Dieses Liebesdreieck oder generell die Romantik nimmt im Buch zwar (zum Glück!) viel weniger Raum ein, als ich es befürchtet hatte, aber dennoch habe ich gegen Liebesdreiecke inzwischen eine solche Abneigung entwickelt, dass mir die Geschichte besser gefallen hätte, wenn die Autorin darauf verzichtet hätte. Die Story hätte auch ohne Liebesdreieck wunderbar funktioniert.

Fazit:
Ein packender, actiongeladener Fantasyroman mit einem fantastischen Worldbuilding und einer starker Protagonistin, der mich von Anfang an in seinen Bann reissen konnte. Die Autorin schafft es mit einem flüssigen Schreibstil und vielen überraschenden Wendungen, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will. Nur das klischeehafte Liebesdreieck hätte man meiner Meinung nach getrost weglassen können, ohne dass es der Geschichte einen Abbruch getan hätte.
Dieser spannende Reihenauftakt kriegt von mir 4.5 Sterne und ich kann es kaum erwarten, den zweiten Band zu lesen.

Veröffentlicht am 17.02.2025

Eine interessant Fallaufarbeitung

Cold Case Ötzi
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In Cold Case Ötzi ist der Name Programm. Drei forensische Experten, die heute mit ihrem Fachwissen Verbrechen aufklären, rollen den Fall der in den 90er-Jahren in Südtirol gefundenen Gletschermumie („Ötzi“) ...

In Cold Case Ötzi ist der Name Programm. Drei forensische Experten, die heute mit ihrem Fachwissen Verbrechen aufklären, rollen den Fall der in den 90er-Jahren in Südtirol gefundenen Gletschermumie („Ötzi“) neu auf. Ihr Ziel: herausfinden, was sich damals tatsächlich zugetragen hat.

Ich muss zugeben, dass auch mir der Name Ötzi nicht unbekannt war und ich vage wusste, dass er als Mumie entdeckt wurde. Was ich jedoch nicht wusste: In seinem Körper wurde eine Pfeilspitze gefunden, weshalb man davon ausgeht, dass er nicht eines natürlichen Todes starb, sondern ermordet wurde. Wer ihn tötete und aus welchem Grund – genau das versuchen die Experten dieses Buches mithilfe ihrer forensischen Kenntnisse zu rekonstruieren. Eine anspruchsvolle Aufgabe, wenn man bedenkt, dass Ötzi rund 3000 Jahre v. Chr. gelebt hat – also vor über 5000 Jahren.

Bei der Fallaufklärung gehen die drei Experten äusserst akribisch vor. Sie analysieren zunächst die zahlreichen Fundstücke, die in und um die Mumie entdeckt wurden: Neben Kleidungsstücken aus Tierhaut fanden sich unter anderem ein selbst gebauter Bogen, Pfeile und eine Axt. Jedes Detail wird sorgfältig untersucht, um keinen möglicherweise entscheidenden Hinweis auf die Tat zu übersehen.
Durch Spurenanalysen und Materialuntersuchungen gelingt es ihnen, ein grobes Bild von Ötzis damaligem Status zu erstellen und dieses mit dem heutigen Wissen über die Kupferzeit zu verknüpfen – vieles davon basiert natürlich auf Vermutungen.

Während der erste Teil des Buches von detaillierten Analysen geprägt ist, die ein gewisses Interesse an forensischer Arbeit erfordern, fand ich vor allem die späteren Hypothesen fesselnd. Die Autoren rekonstruieren Ötzis letzten Weg und die wahrscheinliche Tat auf beeindruckende Weise. Auch wenn es keine Beweise für diese Erklärungsmodelle gibt, erscheinen sie durch die im Buch dargelegten Überlegungen schlüssig. Auf welche Erkenntnisse sich die Experten letztlich einigen, möchte ich nicht vorwegnehmen. Sie können zwar keinen klaren Täter benennen, doch sie entwerfen ein plausibles Bild eines möglichen Mörders und seiner Beziehung zu Ötzi sowie ein denkbares Mordmotiv.
Für mich klang ihre Theorie überzeugend, und ich würde am liebsten mit einer Zeitmaschine in die Kupferzeit reisen, um herauszufinden, was wirklich geschah – denn die Geschichte ist faszinierend.

Fazit:
Dieser Abstecher in das mir eher fremde "True Crime" Lesegenre hat mir überraschend gut gefallen. Drei forensische Experten rollen die Fallakte Ötzi neu auf und wollen herausfinden, wie er damals gestorben ist. Die detailreichen Analysen jedes Gegenstandes waren stellenweise etwas trocken, dafür fand ich die daraus abgeleiteten Hypothesen über die damaligen Geschehnisse, Ötzis Status und dem Mordmotiv sehr spannend und aufschlussreich und am Ende wirkt alles - trotz fehlender Beweise - sehr plausibel, sodass mich dieses Sachbuch überraschend gut unterhalten konnte.

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Veröffentlicht am 27.10.2024

Eine Erzählung, die ihrer Zeit voraus war

Ex-Wife
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Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin Patricia zu Beginn des Buches von ihrem Ehemann verlassen wird, was ihr Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellt. Als nun alleinstehende ...

Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin Patricia zu Beginn des Buches von ihrem Ehemann verlassen wird, was ihr Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellt. Als nun alleinstehende Frau muss sie sich in der Gesellschaft neu zurechtfinden. Erst nach und nach werden die Ereignisse enthüllt, die sich in der Ehe von Patricia und ihrem Mann zugetragen haben und schliesslich vermutlich zum Bruch geführt haben. Von Untreue bis zur Fehlgeburt ist alles dabei.

Das Buch bietet keine reisserische Story, sondern eher ruhige, lebensechte Szenen. Dabei fand ich es erstaunlich, mir immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass das Buch vor fast einem Jahrhundert geschrieben wurde – denn lustiger- oder traurigerweise könnte die Erzählung genauso gut aus der heutigen Zeit stammen, was einige der Stigmata und Rollenbilder angeht. Patricia ist für die damalige Zeit eine erstaunlich selbständige, emanzipierte Frau, die aus meiner Sicht auch aus dem 21. Jahrhundert stammen könnte. Sie ist beruflich erfolgreich und geht immer wieder unverbindliche Männergeschichten ein – etwas, von dem ich angenommen hätte, dass es in den 1930er-Jahren verpönter gewesen wäre. Die Autorin wirkte mit ihrer Erzählung ihrer Zeit voraus, was ich äusserst beeindruckend finde.

Zur Handlung selbst kann ich gar nicht so viel sagen, denn ehrlicherweise ist nicht allzu viel in meiner Erinnerung haften geblieben. Und dennoch habe ich das Hörbuch als sehr kurzweilig empfunden und Patricias Erlebnissen gerne zugehört. Für die heutige Zeit mag das Buch nichts Besonderes sein, aber wenn man bedenkt, dass Ex-Wife bereits 1929 erschienen ist, dann hat die Autorin mit Patricia eine sehr eindrückliche, starke junge Frau geschaffen, die als Vorbild für andere Frauen in der damaligen Zeit dienen konnte.

Die einzigen Momente, in denen ich wirklich das Alter des Buches bemerkt habe, waren jene, in denen immer wieder betont wurde, wie alt die Protagonistin mit ihren 24 Jahren doch sei – scheinbar galt man damals in diesem Alter schon fast als Frau mittleren Alters, was ich aus heutiger Sicht fast schon amüsant fand.

Die Sprecherin hatte eine angenehme Erzählweise, doch eine jüngere Stimme hätte besser zum Inhalt und zur Protagonistin des Hörbuchs gepasst. Dies hätte besonders hervorgehoben, wie jung Patricia eigentlich ist und welche Auswirkungen die Trennung auf ihre damalige Lebenssituation hatte.

Fazit:
Das Hörbuch bietet eine ruhige, lebensnahe Erzählung einer erstaunlich emanzipierten Frau, die sich nach ihrer Trennung in einer konservativen Gesellschaft zurechtfinden muss. Obwohl die Geschichte 1929 verfasst wurde, wirkt sie überraschend zeitgemäss und zeigt eindrucksvoll, wie stark und unabhängig die Protagonistin Patricia ist. Auch wenn das Buch heute weniger spektakulär erscheint, war es damals seiner Zeit voraus. Die Sprecherin überzeugt, doch eine jüngere Stimme hätte den jugendlichen Charakter der Hauptfigur besser zur Geltung gebracht. Von mir gibt es 4 Sterne, denn für 5 hat mir noch das gewisse Etwas gefehlt.

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