Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.02.2025

Ein Highlight meines Lesejahres 2025

Stromlinien
0

Seit 12 Jahren kommen sie regelmäßig auf die Insel Hahnöfersand. Oma Ehmi und ihre beiden Enkelinnen Enna und Jale. Die beiden Kinder sind Zwillinge und die Töchter von Alea. Die lebt sei vielen Jahren ...

Seit 12 Jahren kommen sie regelmäßig auf die Insel Hahnöfersand. Oma Ehmi und ihre beiden Enkelinnen Enna und Jale. Die beiden Kinder sind Zwillinge und die Töchter von Alea. Die lebt sei vielen Jahren auf der Insel. Im Gefängnis. Als es dann endlich so weit ist und ihre Mutter entlassen wird, beginnt für Enna eine Zeit der Unsicherheit und des Schreckens. Alea ist nicht am verabredeten Ort und Jale spurlos verschwunden. Was hat sich in den letzten Stunden ereignet? Wo sind die beiden und geht es ihnen gut? Es beginnt nicht nur die Frage nach dem Verbleib von Mutter und Schwester. Gleichzeitig kommt es zu Antworten etlicher Fragen, die seit Jahrzehnten das Familienleben belasteten.

Für mich war "Stromlinien" eine Familiengeschichte der außergewöhnlichen Art. So viele Geheimnisse, die förmlich nach Klarstellung riefen. Zu lange war das Schweigen in dieser Familie normal und schadete allen Beteiligten. Aber nicht nur das faszinierte mich an dem Buch. Auch diese lebhaften Beschreibungen der Natur an Elbe und ihrem Nebenfluss. Hier gibt es seltene Vogelarten zu bestaunen und auch die Kritik an Umweltschädigungen sind durchaus berechtigt.

Die Autorin beschreibt abwechselnd das Geschehen der Gegenwart und der Vergangenheit. Die Zeitsprünge sind gut erkennbar und verwirren den Leser nicht. Auch der Lesefluss leidet zu keinem Zeitpunkt. Die Wendungen lassen sich nachvollziehen und tragen zur Spannung bei. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung ohne Abstriche.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2025

Ein Buch über das Unfassbare

Und ich werde dich nie wieder Papa nennen
0

Am 02.09.2024 begann in Frankreich ein Prozess, wie es ihn zuvor noch nie gab. Ein Mann wurde angeklagt. Er soll seine Frau über 10 Jahre lang unter Drogen gesetzt haben. Er bot sie auf diversen Plattformen ...

Am 02.09.2024 begann in Frankreich ein Prozess, wie es ihn zuvor noch nie gab. Ein Mann wurde angeklagt. Er soll seine Frau über 10 Jahre lang unter Drogen gesetzt haben. Er bot sie auf diversen Plattformen an und ließ sie von Fremden vergewaltigen. 52 Angeklagte wurden nacheinander zu dem Fall verhört. Der Hauptangeklagte war der Vater Carolines, der Autorin von "Und ich werde dich nie wieder Papa nennen". Sie will durchsetzen, dass die „chemische Unterwerfung“ eine Tat ist, die angemessen zu bestrafen ist. Nein, hier geht es nicht um K.o.Tropfen. Es sind oft Medikamente, die es in fast jedem Haushalt gibt.

Es triggert ungemein, dieses autobiographische Buch über Erniedrigung und Misshandlung. Wer es lesen möchte, sollte sich dessen bewusst sein. Die Tochter des Angeklagten Pelicot schreibt nicht nur über ihr Entsetzen. Sie gesteht ebenfalls ihr Schwanken zwischen Verachtung und Mitleid. Der Zwiespalt ist so zermürbend, dass sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Was sie dort erlebt, lässt sie auch nach Jahren noch schaudern. So wenig Empathie und Verständnis, das hätte sie nie erwartet. Sie will dafür kämpfen, dass Menschen mit diesen Traumata besser geschützt und von guten Therapeuten begleitet werden.

Achtsam sein und selbst das Unerklärbare ins Auge fassen. Das behalte ich nach dem Lesen dieses Buches für mich. Es ist ein ganz wichtiges Werk. Gerade für Mütter, die das Unfassbare nicht wahrhaben wollen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2025

Sehr spannend und niemals langweilig

Der Gott des Waldes
0

Sie zählt und zählt. Es ändert sich aber nichts. Es sind 8 Kinder und 9 Betten. Ein Kind fehlt definitiv. Es ist Barbara, 13 Jahre alt und Tochter reicher Eltern. Nicht alleine die Tatsache, dass sie die ...

Sie zählt und zählt. Es ändert sich aber nichts. Es sind 8 Kinder und 9 Betten. Ein Kind fehlt definitiv. Es ist Barbara, 13 Jahre alt und Tochter reicher Eltern. Nicht alleine die Tatsache, dass sie die Tochter reicher Eltern ist, macht ihr Verschwinden brisant. Die sind zudem auch Besitzer des Grund und Bodens, auf dem Kinder ihre Ferienfreizeit verbringen. Das „Camp Emerson“ gehört also zum gehobenen Ferienlager elitärer Kids.

"Der Gott des Waldes" ist viel mehr als „nur“ ein Thriller. Das Buch beschreibt, in welcher Weise sich wohlhabende Menschen über Recht und Gesetz hinwegsetzen. Wie sie ihre Umwelt nur in „nützlich“ oder „verachtenswert“ unterteilen. Diese van Laars feiern rauschende Feste und schmücken sich dabei mit prominenten Gästen. Hinter dieser Fassade schlummern Missbrauch und psychische Gewalt. Bevor ihre Tochter Barbara verschwand, wurde ihr Bruder Bear schmerzlich vermisst. Wie kann es sein, dass zwei Kinder einer Familie auf unerklärliche Weise verschwinden? Hängen diese Vermisstenfälle zusammen?

Das Buch war so spannend, dass ich es innerhalb eines Tages las. Es dauerte zwar einige Seiten, bis ich der Story folgen konnte, das Durchhalten wurde aber belohnt. Es gab sehr viele Protagonisten, die ich verdächtigte. Und nicht nur ich. Auch die Ermittler mussten immer wieder ihre Vermutungen revidieren. Aber erst das macht für mich einen gelungen Thriller aus. Sehr spannend und niemals langweilig, so beurteile ich das Buch. Klare Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2025

Ein spannender Thriller, der bestens unterhält

Während du schläfst
0

Erschrocken schaut Tara auf ihr Handy. Sie hat eine SMS ihrer Nachbarin und Freundin übersehen. Rasch zieht sie sich eine Jacke über und eilt zum Nachbarhaus. Dort öffnet ihr der Ehemann und bittet sie ...

Erschrocken schaut Tara auf ihr Handy. Sie hat eine SMS ihrer Nachbarin und Freundin übersehen. Rasch zieht sie sich eine Jacke über und eilt zum Nachbarhaus. Dort öffnet ihr der Ehemann und bittet sie herein. Was danach geschieht, das übertrifft alles, was sie bisher erlebte. Die häufig zitierte „Hexenjagd“ ist dagegen wohl noch harmlos.

"Während du schläfst" führt den Leser in eine Story, die sowohl spannend als auch kaum vorstellbar ist. Tara kämpft wie eine Löwin für ihre Tochter Rosie. Die ist, das gibt sie selbst zu, keineswegs einfach zu händeln. Immer wieder verstrickt sie sich in Lügen und dass sie erst vor wenigen Tagen als Stalkerin ertappt wurde, bringen ihr nicht gerade Sympathie entgegen. Doch, ist wie wirklich eine Mörderin? Tara will es nicht glauben.

Das Buch ist ein spannender Thriller, der ohne Blutvergießen und zerstückelte Leichen auskommt. Hier sind es vielmehr die Zwischentöne, die den Spannungsbogen dauerhaft straff halten. Viele Wendungen gibt es und jedes Mal, wenn ich dachte, oh ja, das ist der Mörder, kommt ein anderer Verdacht daher. Für gute Unterhaltung sorgt hier ebenfalls die Sprecherin Anne Düe. Klare Empfehlung von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.02.2025

Ein sehr gutes Buch über die Lebenswelten der Samen

Das Echo der Sommer
0

Indigene Völker haben es schwer. Nicht nur in den USA. Auch die nordischen Länder gehen nicht gerade behutsam mit ihren Vorfahren um. Hier sind es Samen, die gegen Politik und Wirtschaft zu kämpfen haben. ...

Indigene Völker haben es schwer. Nicht nur in den USA. Auch die nordischen Länder gehen nicht gerade behutsam mit ihren Vorfahren um. Hier sind es Samen, die gegen Politik und Wirtschaft zu kämpfen haben. Immer wieder müssen sie das Fluten ihrer Dörfer erdulden. Dabei haben sie sich Hütten gebaut und leben gut vom Fischfang und ihren Rentieren. Es gibt etliche Leute, die ihre Hütten als primitiv und kaum bewohnbar ansehen. Aber Inga und ihre Lieben empfinden das ganz anders. "Das Echo der Sommer" gibt ihnen eine Stimme.

Was mag in den Köpfen der Menschen vorgehen, die seit Jahrhunderten in einem Land leben? Dieses als ihr Zuhause ansehen und plötzlich geradezu überfallen werden? Wenn Leute zu ihnen kommen und behaupten, dass sie es nur gut mit ihnen meinen? Dass sie ihnen Fortschritt bringen und den Verlust ihrer Heimat mit Geld ausgleichen möchten? Nein, diese Männer und Frauen hatten keine Lobby. Sie mussten der Macht, die leider immer auch mit Geld in Verbindung gebracht wird, weichen.

Das Buch ist keine leichte Lektüre, die ich innerhalb weniger Stunden „verschlungen“ habe. Zu ernst ist das Thema und das Schicksal der Samen berührte mich sehr. Immer wieder fragte ich mich, welches Recht sich diese Architekten der Industrialisierung herausnahmen. Sie sahen die Samen als einfältig an und gönnten ihnen noch nicht einmal ein Haus aus Stein. Warum nicht? Keiner weiß es. Für diesen Roman gebe ich eine Leseempfehlung und das ohne Abstriche.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere