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Veröffentlicht am 01.04.2025

Familiäre Verflechtungen

Die Garnett Girls
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Margo und Richard verband einst eine leidenschaftliche LIebe, aus der die Töchter Rachel, Imogen und Sasha hervorgegangen sind. Doch als Richard spurlos verschwindet, verfällt Margot dem Trübsinn und dem ...

Margo und Richard verband einst eine leidenschaftliche LIebe, aus der die Töchter Rachel, Imogen und Sasha hervorgegangen sind. Doch als Richard spurlos verschwindet, verfällt Margot dem Trübsinn und dem Alkohol und überlässt die jungen Mädchen sich selbst - ohne jemals über die Vergangenheit sprechen zu wollen. DIe Geheimnisse wirken sich jedoch auf die ganze Familie und ihre Beziehungen aus....

DIe britische PR-Fachfrau legt mit "Die Garnett Girls" ihren Debütroman vor; ein Familienroman, der tief hinter die Kulissen der Garnett-Verwandtschaft blickt.

Georgina Moore hat ein Auge für Beziehungen, ihre Dramatik und Verpflichtungen, die aus ihnen erwachsen. Es gelingt ihr, die Gefühle der Figuren genau zu beschreiben, ihre jeweiligen Probleme sowie ihr oftmals schwieriges Verhältnis untereinander und die Folgen, die auch unüberlegte Handlungen auf andere haben. Trotz der ernsten Themen schreibt Moore mit leichter Hand und schönem Stil, so dass ich von der Geschichte mitgerissen wurde.

DIe Figuren sind mehrdimensional ausgearbeitet; ihre Zweifel und Komplikationen nachvollziehbar und höchst authentisch. Ich habe mit allen vier Frauen mitgelitten und auf eine zufriedenstellende Lösung ihrer Probleme gehofft. Durch die wechselnden Perspektiven konnte ich mich gut in die unterschiedlichen Positionen einfühlen.

Auch, wenn hinter allem die Frage steht, was aus Richard, dem Vater der drei Mädchen, geworden ist und hierdurch eine Spannungskurve entsteht, die letztlich befriedigend aufgelöst wird, lebt der Roman von den Spannungen der Figuren untereinander und den Veränderungen in ihren Beziehungen. Mir hat sehr gut gefallen, wie alle (!) sich weiterentwickeln zu starken Frauen, die ihren Weg finden und gehen.

Der Plot, in und rund um das Sommerhaus der Familie auf der Isle of Wight gelegen, ist sicher ebenso ein Höhepunkt dieses Romans und ich habe die wunderschönen Beschreibungen sehr genossen.

Ich empfehle den Roman sehr gerne an Frauen weiter, die sich mit den Themen Frausein, Familie und Selbstfindung beschäftigen mögen und sich auf unterhaltsame Weise spannenden Konflikten stellen.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Rettung des Staatsschatzes

Campion. Tödliches Erbe
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Eher unerwartet tritt Albert Campion in das Leben von Val Gyrth, der Sohn der alteingesessenen Familie Gyrth, die einen Stastsschatz, einen über tausend Jahre alten Kelc,h in einem angeblich türlosen Zimmer ...

Eher unerwartet tritt Albert Campion in das Leben von Val Gyrth, der Sohn der alteingesessenen Familie Gyrth, die einen Stastsschatz, einen über tausend Jahre alten Kelc,h in einem angeblich türlosen Zimmer hütet, denn dieser soll gestohlen werden. Dank der hervorragenden Kombinationsgabe und der zahlreichen Beziehungen des Kriminalisten sind Campion und sein Schützling den Verbrechern immer einen Schritt voraus....

Die britische Autorin Margery Allingham (20.05.1904, †30.06.1966) gehört neben Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Ngaio Marsh zu den „Queens of Crime“, den vier bedeutendsten Autorinnen von klassischen Detektivromanen des Goldenen Zeitalters. "Campion. Tödliches Erbe" erschien bereits 1931 unter dem Titel "Look to the Lady / The Gyrth Chalice Mystery" als dritter Band der Reihe um den unscheinbaren Detektiv Albert Campion (die insgesamt 34 Bäne umfasst), und wurde fast 95 Jahre nach dessen Erstveröffentlichung im Jahr 2025 neu aufgelegt.

Natürlich ist es keinesfalls verwunderlich, dass wir dabei in eine völlig andere Zeit entführt werden, in der Adel und Großgrundbesitzer noch einen anderen Stellenwert hatten als heute, das "fahrende Volk" mit Argwohn beachtet, die Erbfolge männlich beherrscht wurde und die Frauen noch ausschließlich Kleider trugen. Und selbstredend ist auch die blumige, ausdrucksvolle Sprache anders als in modernen Werken. Doch wer sich darauf einlässt, findet einen höchst charmanten und unterhaltsamen Krimi in feinster klassischer Manier vor.
Auch Rätselhaftes und Unerklärliches spielt eine große Rolle.

Campion, der Meisterdetektiv mit dem meist dümmlichen Gesichtsausdruck, hat es faustdick hinter den Ohren und ist Freund und Feind immer einen Schritt voraus. So gibt es ständige Wendungen und miträtseln lässt sich kaum, weil immer wieder Neues offenbar wird. Er überrascht nicht nur seinen Schützling immer wieder, sondern auch die Leser
Innen mit seinen Schachzügen im Hintergrund.
Und auch die anderen Figuren sind bestrickend bildhaft gezeichnet und passen selbstredend in die Zeit.
Für mich war es wohltuend, einmal von klassischen Schurken zu lesen, Schmugglern, Taschendieben, Raufbolden, die einer handfesten Polizei, gebildeter Professorenfamilie und verarmten Landadel gegenüberstehen.

Ein angenehmer Spannungsbogen führt zu einem befriedigenden Ende; nur das Rätsel, von welchem Geld Campion eigentlich seine AUsgaben bestreitet, wird nicht gelöst.

Der einnehmende Schreibstil, aussagekräftige Kommunikation und feiner britischer Humor machen das Leseerlebnis zu etwas Besonderem; und auch eine Prise Mystik darf nicht fehlen.

Wer sich auf einen klassischen Krimi einlassen kann, wird mit einem wahren Meisterwerk aus den Anfängen der Schriftstellerinnen und der ehrwürdigen Detektivkunst belohnt.

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Veröffentlicht am 17.11.2024

Ein besonderer Wohlfühlroman

Das Buch der neuen Anfänge
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Gerade als Jo Sorsby vor den Scherben ihres Lebens steht, bittet ihre Mutter sie, den Schreibwarenladen ihres dementen Onkels Wilbur zu übernehmen. Erst zögerlich, dann aber mit viel Engagement, krempelt ...

Gerade als Jo Sorsby vor den Scherben ihres Lebens steht, bittet ihre Mutter sie, den Schreibwarenladen ihres dementen Onkels Wilbur zu übernehmen. Erst zögerlich, dann aber mit viel Engagement, krempelt Jo das Sortiment des Ladens um, führt tiefe Gespräche mit ihren Kunden und schließt Freundschaft mit der "flüchtigen Vikarin" Ruth und dem geheimnisvollen pensionierten Steuerberater Malcolm. Und dann gibt es da auch noch Eric, den Jo "den Wikinger" nennt....

Die englische Autorin Sally Page legt nach ihrem Erstlingswerk, dem Überraschungsbestsellers "Das Glück der Geschichtensammlerin", nun mit "Das Buch der neuen Anfänge" ihren zweiten Roman vor, bei dem schon das Cover ein echter Hingucker ist!

Dass Sally Page durch ihre eigene Laufbahn ein besonderes Augenmerk auf Menschen legt, die alle ihre eigene Geschichte zu erzählen haben, stellt auch in diesem Buch den Mittelpunkt der Handlung dar. Über all die Kunden, die in Jos Schreibwarenladen kommen, gibt es etwas zu erzählen - und besonders herausgepickt werden dabei Ruth, die aus ihrer Gemeinde geflohene Vikarin und der alte Herr Malcolm, der offenbar auch seinen Weg sucht. Gerade diese beiden sind, neben Jo, absolut mehrdimensioal ausgearbeitet, mit LIebe und Tiefsinn gezeichnet und wecken schnell das Interesse der Leser*Innen.

Sehr gut gefallen hat mir auch das Setting des Wohlfühlromans, denn ein Schreibwarenladen ist doch - neben einer Buchhandlung - einfach ein Paradies für mich! Und außerdem spielt auch ein alter Friedhof mit vergessenen Persönlichkeiten eine große Rolle - und ich liebe Friedhöfe!

Auch, wenn die Spannungskurve nicht gerade abhebt, hat mich das Buch so in seinen Bann gezogen, dass ich immer weiter lesen wollte und mich absolut in die Geschichte hineinversetzen konnte. Die leichte Schreibweise sowie die ernsten Themen haben zum Lesegenuss beigetragen.

Neben den im Titel zitierten neuen Anfängen, denen sich unsere Hauptfiguren Jo, Ruth und Malcolm stellen müssen (und schließlich mit Bravour meistern), ist Freundschaft ein zentrales Thema. Und dabei finden sich anbahnende Freundschaften, wachsende Freundschaften, aber auch neu belebte alte Freundschaften, die durch neue Anfänge auf die Probe gestellt werden.

Lediglich das doch etwas kitschige Ende, das weniger realistisch als der Rest der Buches scheint, hat mich ein wenig enttäuscht.

Insgesamt hat mir dieser Roman von Sally Page ein wohlig-warmes Gefühl vermittelt, Hoffnung in schweren Zeiten gegeben und den Wert von Freundschaften aufgezeigt. Ein wahrer Trostspender - oder einfach eben ein Wohlfühlroman mit Tiefgang und einem positiven Menschenbild.

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Veröffentlicht am 13.10.2024

Fulminanter Auftakt mit kleinen Schwächen

Kein Land in Sicht
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Sie wacht nach einer durchzechten Nacht in einer engen Kabine eines Kreuzfahrtschiffes auf und kann sich an nichts erinnern: Der Name auf ihrem Ausweis, "Stephanie Mayrhofer" scheint ihr genauso fremd ...

Sie wacht nach einer durchzechten Nacht in einer engen Kabine eines Kreuzfahrtschiffes auf und kann sich an nichts erinnern: Der Name auf ihrem Ausweis, "Stephanie Mayrhofer" scheint ihr genauso fremd wie ihr Job als Animateurin auf einem Schiff - gerade, weil sie doch Angst vor Wasser hat! Nach und nach tauchen bruchstückhafte Erinnerungen auf und sie weiß wieder, dass ihr richtiger Name Sarah lautet und sie, gemeinsam mit ihrem Partner Michael, eine schwierige MIssion hat. Doch wo ist MIchael und was hat sie alles vergessen? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt ...

"Kein Land in Sicht" ist das Debut der österreichischem Journalistin und Autorin Christina Pertl und zugleich Auftakt einer neuen Reihe um die Kriminalkommissarin Sarah Peters, die mit einem richtigen Knaller beginnt.

Ungewöhnlich und absolut bemerkenswert ist schon das 3D-Cover des Buches, in dem durch ein (ausgeschnittenes) Bullauge das Meer zu sehen ist und perfekt zur Handlung passt.

Die beklemmende Atmosphäre und Stephanies bzw. Sarahs Not ist von Beginn an sofort greifbar und die Erinnerungslücken, der ihr fremde Name und die merkwürdigen Kleidungsstücke sowie die Kollegen, deren Verhalten Sarah nicht einschätzen kann, schufen eine atemlose Spannung, die es unmöglich machte, das Buch aus der Hand zu legen. Überhaupt ist die Handlung großartig aufgebaut, in der sich immer mehr Puzzlestückchen für Sarah und die LeserInnen finden und zusammengesetzt werden müssen.
So gerne hätte ich diesen Thriller als mein Jahreshighlight bezeichnet, wenn sich nicht im zweiten Teil unrunde bis unlogische Passagen eingeschlichen hätten sowie ein in meinen Augen unnötiger Todesfall. So Schade bei dieser ansonsten bestechenden Idee!

Das ungewöhnliche Setting auf einem Kreuzfahrtschiff konnte mich dagegen beeindrucken, ohne dass diese Reisebranche hier übermäßig kritisiert wurde. Es handelte sich bei diesem aber nicht um eine Locked Room Mystery - Geschichte, im Gegenteil war das Schiff ein Mittel zum Zweck. Aktuelle kriminelle Machenschaften (die ich nicht im Einzelnen aufführen möchte um nicht zu spoilern) wurden aufgezeigt und sollten unbedingt zum Nachdenken anregen.

Der bestechende Schreibstil mit anschaulichen Beschreibungen und pointiert eingesetztem Humor konnte mich überzeugen. Pertl erzählt ihre Geschichte aus wechselnden Perspektiven und mit eingestreuten Rückblenden, so dass wirklich immer mehr Einzelheiten sichtbar wurden und die Spannung hochhielten bis zum groß angelegten Show-down.

DIe Hauptfiguren sind authentisch und nachvollziehbar bis ins Detail beschrieben und ich konnte mich uneingeschränkt mit Sarah und ihrer anfänglichen Hilflosigkeit identifizieren. Dass weitere Figuren meist eindimensional und zunächst nicht nur für Sarah rätselhaft blieben, tat der Handlung absolut keinen Abbruch.

Trotz meiner Kritik am zweiten Teil des Buches ist der Auftakt der Reihe um die ermittelnde Sarah Peters , die sich hier in eienr besonderen Rolle wiederfindet, gelungen und ich freue mich auf die - hoffentlich baldige - Fortsetzung! Ich bin gespannt, ob Christina Pertl wieder ein so außergewöhnliches Umfeld zu erschaffen vermag.

Abschließend möchte ich eine Triggerwarnung hinzufügen, da nicht jede
r Leser*in KInder als Opfer ertragen kann.


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Veröffentlicht am 03.10.2024

Very british

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bürgermeister
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Während der Sitzung des Bauauschusses wird der allseits beliebte Bürgermeister des Örtchens Marlow, Geoffrey Lushington , ermordet - durch einen vergifteten Kaffee. Judith Potts und ihre Freundinnen Suzie ...

Während der Sitzung des Bauauschusses wird der allseits beliebte Bürgermeister des Örtchens Marlow, Geoffrey Lushington , ermordet - durch einen vergifteten Kaffee. Judith Potts und ihre Freundinnen Suzie und Becks werden von der Polizei zu Beraterinnen ernannt und fühlen den Beteiligten auf den Zahn, ohne sich um Regeln zu kümmern. Und natürlich stoßen sie dabei auf viele streng gehütete Geheimnisse und nicht wenige Tatverdächtige, von denen doch einer der Mörder sein muss ....

Der britische Roman- und Drehbuchautor Robert Thorogood, der mit den nicht mehr jungen Damen Judith Potts, Becks Starling und Suzie Harris einen liebenswerten "Mordclub" erschaffen hat, der im dritten Band der Reihe "Mord ist Potts' Hobby" nun den Tod des Bürgermeisters aufklären muss. Dabei agieren sie diesmal nicht allein auf eigene Faust, sondern werden von der örtlichen Polizei sogar offiziell zu Beraterinnen ernannt.

Schauplatz ist wieder einmal die beschauliche Kleinstadt Marlow in Buckinghamshire, an der Themse gelegen, in der Judith wie immer ihr (fast) tägliches Bad nimmt. Und nicht nur der Ort des Geschehens und die geschilderten Figuren sind typisch britisch, auch der feine, oftmals schwarze Humor passt ins Bild und Eisenmacht Spaß.

Die locker leichte Schreibweise, in der die frechen unkonventionellen Ermittlungen geschildert werden, erinnert an die große Agatha Christie. Ein jeder Beteiligter hat seine sprichwörtlichen Leichen im Keller und ist sofort tatverdächtig. Es macht Spaß mitzurätseln und trotz aller Informationen ist das Ende überraschend und gut konstruiert.

Während es viel Freude macht, den Marlow Murder Club bei seinen neuesten Ermittlungen zu begleiten und ich mich schon sehr auf das Wiedersehen mit den sympathischen, schrulligen Damen gefreut hatte, sind die weiteren Figuren oft klischeehaft dargestellt, was bei diesem Wohlfühlkrimi aber in keinster Weise stört. Und so spielen Eisenhut, die “Königin der Gifte” , der "fette Nerd", die alleinstehende Buchhalterin, der erfolgreiche, gestresste Unternehmer und weitere alle ihre Rollen.

"Mrs Potts' Mordclub und der tote Bürgermeister" hat mir wieder viel Lese-Vergnügen bereitet und ich freue mich schon auf den nächsten Band!, der hoffentlich im kommenden Jahr auch auf Deutsch erscheinen wird.

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