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Veröffentlicht am 21.08.2021

Der Alltag im 18. Jahrhundert

Die Brücken der Freiheit
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Schottland im 18. Jahrhundert: Mack, ein junger Mann, arbeitet seit seinem siebten Lebensjahr in der Kohlegrube der Familie Jamisson. Schon bei der Taufe werden die kleinen Kinder den Besitzern der Zeche ...

Schottland im 18. Jahrhundert: Mack, ein junger Mann, arbeitet seit seinem siebten Lebensjahr in der Kohlegrube der Familie Jamisson. Schon bei der Taufe werden die kleinen Kinder den Besitzern der Zeche versprochen. Die meisten der Grubenarbeiterinnen und Grubenarbeiter fügen sich einfach ihrem harten Schicksal, doch Mack strebt nach Freiheit. Er beschließt wegzulaufen und kommt nach London. Dort findet er einen neuen Job, doch auch hier erlangt er nicht die Freiheit, die er sich erhoffte. Als er versucht, gegen sein Schicksal anzukämpfen und der Armut in den Straßen Londons zu entfliehen, wird er als Aufrührer verhaftet und zum Tode verurteilt. Nur das beherzte eingreifen von Lizzie Hallim, einer jungen Adeligen, mit der er bereits als Kind gespielt hatte, konnte ihn vorm Galgen retten. Stattdessen wurde er zu sieben Jahren Zwangsarbeit in den britischen Kolonien verurteilt. Die Freiheit schien in ungreifbare Ferne gerückt sein. Doch auch Lizzie, die seit jeher auf ein Leben in Selbstbestimmung hofft, wird in eine unglückliche Ehe mit Jay Jamisson gedrängt.

Der Schreibstil ist, wie nicht anders von Ken Follett zu erwarten, leicht und flüssig zu lesen gewesen. Auch an Spannung mangelt es das ganze Buch über nicht und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Charaktere waren sehr sympathisch, gut beschrieben, vielseitig und durchaus authentisch. So hatte Mack beispielsweise einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, einen Drang auf Selbstbestimmung, ist wiederum aber auch beherrscht, überlegt und durchaus dazu in der Tat, sein eigenes Verhalten und seine taten zu reflektieren. Begeistern konnte mich Ken Follett auch mit seiner hervorragenden Recherchearbeit. Das Leben der Kohlearbeiter, die Arbeit in der Zeche, das Leben und die Armut in den Straßen Londons und das Schicksal der Zwangsarbeiter, die in die Kolonien verschickt wurden, wurden sehr interessant beschrieben. Mitgenommen hat mich, wie die kapitalistischen geldgierigen Unternehmer immer weiter die Bevölkerung ausbeuten und dabei sogar noch von der Regierung unterstützt werden. Leider muss man sagen, dass es heutzutage in vielen Teilen der Welt nicht anders zugeht.

Schlussendlich ist der Roman sehr gut und spannend zu lesen. Er bietet einen interessanten Einblick in das Leben im britischen Königreich im 18. Jahrhundert. Ich kann das Buch wirklich uneingeschränkt allen weiterempfehlen, die gerne historische Romane lesen.

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Veröffentlicht am 21.08.2021

Ein Buch, das mich wirklich positiv überrascht hat.

Das verlorene Medaillon
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Nach dem tragischen Tod ihrer Eltern kommt die junge Emma Malloy in die Bergbaustadt Coal River, um bei ihren wohlhabenden Verwandten zu wohnen. An die Stadt hat sie negative Erinnerungen, da sie in ihrer ...

Nach dem tragischen Tod ihrer Eltern kommt die junge Emma Malloy in die Bergbaustadt Coal River, um bei ihren wohlhabenden Verwandten zu wohnen. An die Stadt hat sie negative Erinnerungen, da sie in ihrer Kindheit hier ihren Bruder nach einem tragischen Unfall Doch das Elend der Arbeiter und die Kinderarbeit, die sie vorfindet schockieren sie zu tiefst. Sie beginnt gegen die bestehende Ordnung anzukämpfen und stiehlt Lebensmittel, die sie anschließend an die Ärmsten der Armen verteilt. Bei ihrem Kampf gegen die mächtige Kohlekompanie trifft Emma auf den rebellischen Arbeiter Clayton Nash. Dieser warnt sie vor der Macht der Kohlekompanie und bittet sie sich nicht einzumischen. Dabei stößt er jedoch auf taube Ohren und auch die Liebe beginnt im Leben Emmas mitzumischen.

Als ich begonnen habe, das Buch zu lesen, hatte ich eigentlich keine hohen Erwartungen. Um so mehr war ich letztendlich von dem Roman überrascht. Die Hintergründe zum Kohlebergbau im Pennsylvania des frühen 20. Jahrhunderts waren sehr gut recherchiert und auch den bunte Schreibstil, der die sanften Berge Pennsylvanias vor meinem inneren Auge aus dem Nebel aufsteigen lässt, fand ich einfach fantastisch. Auch wie feind die Protagonisten ausgearbeitet sind, fand ich einfach wunderbar. Vor allem der Kampf, den Emma gegen ihre unmögliche Verwandtschaft, die Armut in Coal River, die Kinderarbeit, die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aber auch den Kampf gegen ihre eigene Vergangenheit, machen mir Emma besonders sympathisch. Auch kam in der Geschichte nie Langeweile auf.

Im Großen und Ganzen kann ich mich über keine Mängel an der Geschichte beschweren und kann somit das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen, an alle, die gerne historische Romane lesen.

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Veröffentlicht am 12.08.2021

Möglicherweise eine Streitschrift für das Recht Mutter zu sein

Mutter werden. Mutter sein.
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Bei dem Buch handelt es sich um eine Zusammenstellung von Beiträgen unterschiedlichster deutschsprachiger Autorinnen, die eines gemeinsam haben: Sie alle haben ein Kind (oder mehrere) zur Welt gebracht ...

Bei dem Buch handelt es sich um eine Zusammenstellung von Beiträgen unterschiedlichster deutschsprachiger Autorinnen, die eines gemeinsam haben: Sie alle haben ein Kind (oder mehrere) zur Welt gebracht uns sich dann anschließend mit den positiven und negativen Seiten davon auseinandersetzen müssen. Uns so findet sich hier eine Bandbreite, hin von Kritik am gesellschaftlichen Bild der Familie bis zu Selbstreflexion des Kinderwunsches und was es bedeutet, Kinder in die Welt zu setzen.

Sprachlich befinden sich unter den Beiträgen der Autorinnen wahre sprachliche Schätze. Man wird mitgerissen, bildet sich eine eigene Meinung bzw. erweitert diese und kommt aus dem Lachen und Weinen nicht mehr heraus angesichts der schreienden Ungerechtigkeiten, mit denen sich Frauen, insbesondere Mütter in unserer scheinbar aufgeklärten Gesellschaft herumschlagen müssen und der herzerwärmenden Geschichten, wie die Autorinnen zusammen mit ihren Kindern über Grenzen hinausgewachsen sind.

Mich am meisten begeistern konnten letztendlich aber die schon fast streiterisch und aufrührerisch anmutenden Apelle an alle Mütter, Frauen, ja an die ganze Welt. Bei den schreienden Ungerechtigkeiten, die man leider viel zu schnell wieder aus seinem Kopf versucht zu verbannen, die hier aber eiskalt angesprochen werden, blieb mir als Mann, der es wagt, sich als Feminist zu bezeichnen, nichts anderes über, als mit ausgestreckter Faust und erhobener Fahne die Barrikaden zu erklimmen, im Kampf für die Gleichheit aller Menschen. Bei armutsgefährdeten Alleinerziehenden denen die Kinder wirklich wie ein Klotz am Bein erscheinen muss, den sie vom Staat umgeschnallt bekommen, selbstzufriedenen Männern, die es wagen, die Bedürfnisse der Frau nach Selbstbestimmung durch ihr familiär destruktiv erscheinendes Verhalten und den Vorurteilen, die man sich ausgesetzt sehen muss, nur weil man unter Schweiß, Blut und Tränen ein Kind aus seinem Leib herausgepresst hat, kommt einem letztendlich das essen wieder hoch und man fragt sich, was mit unserer Welt eigentlich falsch gelaufen ist. Der Appell, der hier im Buch verpackt ist, hat mich auf ganzer Ebene erreicht und gezeigt, dass es für den Kampf für die Mutter niemals zu spät ist. Alleine deswegen, dass dieses Buch mir gezeigt hat, was es heißt Mutter zu sein, kann ich es nur weiterempfehlen und möchte es schon fast jedem Mann, dem ich begegne in die Hände drücken. Ich bin Begeistert.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

gelungener historischer Roman aus dem angelsächsischen England

Rabenthron
5

Das England im frühen 11. Jahrhundert ist geprägt durch politische instabilität unter der Herrschaft Æthelred des Unberatenen und den beständigen Überfällen dänischer Invasoren. In dieser Zeit macht sich ...

Das England im frühen 11. Jahrhundert ist geprägt durch politische instabilität unter der Herrschaft Æthelred des Unberatenen und den beständigen Überfällen dänischer Invasoren. In dieser Zeit macht sich Ælfric of Helmsby zusammen mit seinem Sohn und einen dänischen Gefangenen auf den Weg in die Hauptstadt des angelsächsischen Englands. Unterwegs machen sie bekanntschaft mit dem wissensbegierigem Mönch Eilmer of Malmesbury und eine langanhaltende Freundschaft entsteht. Dabei geraten unsere Helden schnell in den inneren Kreis des Hofes und finden sich schnell zwischen politischen Ränkespielen wieder.

Zeitlich schließt der Roman nahe vor "Das Zweite Königreich", dem ersten Band der Helmsby-Reihe an. Allerdings lässt sich Rabenthron gut lesen, ohne dass man die anderen beiden Romane aus der Reihe gelesen haben muss.

Schnell habe ich auch hier wieder in den Schreibstil Gablés hineingefunden, flott und raumgreifend wird die Geschichte erzählt, und die Seiten sind bei mir nur so dahingeflogen. Auch die Atmosphäre für Umgebung in räumlichen und historischen Sinn wurde wieder sehr gut getroffen und man hat wirklich das Gefühl, an den histroischen Schauplätzen mitdabei gewesen zu sein. Was dieses Mal aber hinter meinen Erwartungen zurückblieb war die Ausbildung der einzelnen Charaktere. Nach Klappentext und den ersten Kapiteln habe ich mir erwartet, dass wir mit Ælfric, Hakon und Eilmer drei gleichwertige Hauptcharaktere haben, zwischen denen in der Geschichte die Perspektiven hin und herwechseln. Allerdings blieb uns die Autorin dies schuldig. Der Fokus liegt deutlich auf Ælfric und später dann auf seinem Sohn Penda, den wir schon als kleinen Jungen zu Beginn des Buches kennenlernen. Bruder Eilmer taucht in den späteren Kapiteln des Buches hin und wieder mal auf, spielt allerdings keine wirklich tragende Rolle und auch Hakon - der zwar mehr auftritt als Eimer - blieb deutlich unter meinen Erwartungen. Nicht nur, was den Anteil an der Handlung anbelangt, sondern viel mehr auch die Charakterentwicklung. Hakon und andere auch, bleiben den ganzen Roman über nur sehr schwer greifbar für mich. Andere Figuren widerum wurden ihrer Rolle entsprechend in guter Art und Weise Gablés gezeichnet und dargestellt. Aber so muss ich leider sagen, dass der Roman ohne Hakon und Eilmer nicht sehr viel schlechter funktioniert hätte. Das Potential für intensive Zwischenmenschliche Beziehungen und Konflikte zwischen den drei jungen Männern mit doch sehr unterschiedlichem Hintergrund wurde leider nicht angetastet, obwohl es mitunter eines der Themen war, auf das ich mich zu Beginn des Romanes am meisten gefreut hatte. Auch muss ich sagen, dass mir im vergleich zu anderen Roman der Autorin unser Hauptprotagonist Ælfric weniger symathisch war. Er ist nicht unsympathisch, aber er macht durch gewisse Dummheiten und Wesenszüge auf mich doch einen bisschen stark naiven Eindruck.

Was Rebecca Gablé aber ohne Zweifel wieder sehr gut gelungen ist, ist es die historischen Gegebenheiten und das Leben am Hof spannend aufzubereiten. Nach diesem Roman weiß glaube ich jeder darüber Bescheid, was es mit den letzten Königen vor der normannischen Eroberung Englands auf sich hatte. Wir erleben - zwar mit vielen Zeitsprüngen - die Herrschaften von 5 englischen Königen mit und finden uns immer wieder mit dabei bei wichtigen Einzelereignissen. Besonders Augenmerkt wird von der Autorin auf Königin Emma, die uns den ganzen Roman über begleitet und ihren Sohn Prinz Edward, den späteren Eduard der Bekenner, gelegt. DSas ist der Autorin auch hier wieder sehr gut gelungen, diese nahbar zu machen und ihnen ein stark menschliches Antlitz zu geben. Auch wenn wir es nicht wissen, ich kaufe es der Autorin ab, dass die beschriebenen historischen Persönlichkeiten wirklich so drauf waren.

Auch wenn die Kritik hart wirken mag, ist der Roman immer noch außerordentlich spannend und unbedingt lesenswert. Als jemand, der beinahe alle Bücher der Autorin gelesen hat, komme ich nicht umhin, Rabenthron in seiner Umsetzung mit diesen zu vergleichen. Und dabei schneidet dieser Roman für mich persönlich einfach in einigen Aspekten schlechter ab. Dennoch kann ich den Roman wirklich jedem ans Herz legen und ich hatte sehr viele spannende Stunden damit.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Panama in tiefen Atemzügen

Der große Riss
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Ein Riss geht durch Paname. Der physische wächst von beiden Ufern des Landes jeden Tag ein Stück bis der Panamakanal als neues Nadelöhr der Schifffahrt entsteht. Der zweite Riss, viel feingliedriger, dringt ...

Ein Riss geht durch Paname. Der physische wächst von beiden Ufern des Landes jeden Tag ein Stück bis der Panamakanal als neues Nadelöhr der Schifffahrt entsteht. Der zweite Riss, viel feingliedriger, dringt viel subtiler und dennoch viel schneller voran. Er geht durch die Gesellschaft, durch Familien, teilt diejenigen, die im Bau des Panamakanals eine Chance für eine blühende Zukunft sehen und diejenigen, die die bisherige Suveränität Panamas und das lokale Lebensgefühl bedroht sehen. Gleichzeitig bringt er auch Klassenkämpfe in ein Land, dass bisher Rassismus nicht in solch einer Form gekannt hat.

Die Geschichte dreht sich nicht so sehr um den Bau des Kanales, die technischen Details, Baufortschritt und die wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten. Viel mehr begleiten wir eine Reihe an Menschen, die in irgendeiner Form mit dem Bau in Berührung kommen bzw. nach Panama gekommen sind. Arbeiter aus anderen tropischen Gefielden, die hier unter harschen Bedingungen schuften müssen, ein Bauwerk entstehen lassen, für dass sie letztendlich keinerlei Ruhm, Dank und Anerkennung bekommen, oder aber die Frau eines amerikanischen Forschers, der versucht die grassierende Malaria auszurotten, aber es nicht schafft aus seinem Schatten auszubrechen und ihr eigenes Leben zu leben. Aber auch die lokale Bevölkerung, die sich eigentlich nicht mit dem Bau auseinandersetzen will, bis die eigene Heimat oder Familie betroffen ist.

Die Autorin ist dabei sehr gut darin, die verschiedenen Protagonist:innen authentisch, interessant und vor allem tiefgründig und vielschichtig erscheinen zu lassen. Auch wenn wir viele verschiedene Personen durch die Geschichte begleiten wird einem einerseits nie langweilig, außerdem steht jede der Figuren so stark für sich alleine, dass man nicht das Gefühl hat, dass sich mehrere Personen charakterlich sehr stark ähneln. Ängste, Träume und vor allem die Hintergründe, was die Personen dazu gebracht hat, meist alleine aufzubrechen, um nach Panama zu reißen, werden detailiert erkundet. Es fällt einem nicht schwer, nicht mit den Protagonist:innen mitzufiebern, und auch bei denjenigen, die meines Erachtens nach als schlechte Menschen konzipiert wurden, regen Mitgefühl und es stellt sich heraus, dass es einen Grund gibt, warum sie tun, was sie tun und von uns als bösartig wahrgenommen werden.

Die Handlungsstärnge ziehen sich nur über einen recht kurzen Zeitraum von mehreren Monaten. Kurz gerade im Hinblick darauf, dass wir Beginn und Fertigstellung des Baues nur in kurzen Annektoten geschildert bekommen. Jede der Personen geht nach diesem Zeitraum - sofern möglich - wieder ihre eigenen Wege, ich hätte mir aber Interaktion über einen längeren Zeitraum gewünscht. Ich glaube zwar, dass das Buch dadurch zu lange gestreckt worden wäre und nicht mehr so kurz und kompakt funktioniert hätte. Es fühlt sich ein wenig wie ein tropischer Fiebertraum an, aus dem man erwacht, weil man muss, aber gerne wieder zurück eingetaucht wäre.

Und so zeichnet sich das Buch durch sein histroisches Wissen zu den Anfangsjahren Panamas und bunte, vielschichte Erzählweise aus. Ein kurzer, prägnanter Eindruck von Menschen und Land, bei dem man sich gewünscht hätte, er möge noch ein Stückchen weitergehen.

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